Weissmies-Laquinhorn-Fletschhorn

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wahre Sintflut ein. Wir raffen uns auf, stumm suchen wir unsern Weg durch Regen und Dunkelheit. Bei jedem Schritt « sodet » das Wasser in unsern Schuhen. Und plötzlich sehen wir ein schwaches, flackerndes Lichtlein zu uns herunter grüssen. Wie ein Wunder erscheint es uns und lässt uns mit neuer Kraft vorwärts, ihm entgegenstolpern; denn dort muss die ersehnte Hütte stehen. Dort ist Geborgenheit, Schutz, Wärme. Die letzte Biegung des Wegleins um eine Felsnase herum; dann stehen wir vor der Hütte, vor der Sturmlaterne, die ein guter Geist für allfällige Nachzügler vors Fenster gehängt hat. Ein unsäglich dankbares Gefühl erfüllt uns, und ich glaube, der reinste Weihnachtsglanz von Kinderaugen leuchtet aus unsern Augen, wie wir tropfend hineintreten in den wohnlichen, schlichten Raum, in diese friedliche Einfachheit der Hütte.

Kaum sind wir aus unsern nassen Kleidern in trockene Hemden und Unterhosen geschlüpft, setzen wir uns, wie wir sind, zu den andern an den Tisch, schlürfen heissen Tee, und dann zünden wir unsere Pfeifen an, rauchen die Friedenspfeife mit dem Berg. Hitze, Durst, Gewitter und Hagel, alles ist vergessen und vergeben, alles ist gut und schön in dieser selbstverständlichen Gemeinschaft unter dem schützendsten Dach, das du finden kannst: in der Berghütte, um die Urgewalten brausen.

Weissmies—Laquinhorn—Fletschhorn

Von Heinrich Zbinden

Eine Überschreitung Mit 2 Bildern ( 36, 37 ) Bergsteigen ist die Äusserung eines Willens. Es ist die zunehmende Entfaltung einer Kraft und das Bekenntnis eines grossen Glaubens. Da es aus innerer Notwendigkeit erfolgt, liegt seine Rechtfertigung nur im Bereich der Persönlichkeit und des Einzelnen. Es beginnt mit einer entscheidenden Frage und endet mit einer tiefen Bestätigung, die uns verankert in Zeit und Raum.

Darf ich eine kleine Vorgeschichte erwähnen? Es war kurz vor Kriegsausbruch. Um Saas-Fee begegnete man noch Menschen aus aller Welt. Die Hütten waren überfüllt. Wer die Britanniahütte am späten Nachmittag erreichte, musste unter Umständen froh sein, einen bescheidenen Liegeplatz auf einer Bank zu erhalten. War es da verwunderlich, dass mein Bergkamerad Ludwig Zurbriggen und ich auf einen etwas absonderlichen Gedanken verfielen?

An einem Freitagnachmittag, im Grunde des Tales duftete das Heu und ringsum herrschte eine rege Betriebsamkeit, da stiegen wir auf einsamem Weg durch herrlichen Bergwald und über wechselnde Weiden auf der rechten Talseite zu der am westlichen Fuss der Jägihörner gelegenen Grubenalp. In verlassener Mulde, wenig unter den riesigen Schuttfeldern, wo ein klares Wasser zum Boden herausperlte, machten wir halt. Die ganze Fülle dieser Welt lag vor uns: drüben glänzte die Mischabelgruppe mit der unmittelbar nahen Balfrinostwand in der Abendsonne. Wortlos gaben wir unseren Plan, in der Grubenalp zu übernachten, auf und stiegen weiter. Je höher wir gelangten, je wilder die Umgebung wurde, um so mehr wurden wir von einem seltsamen Drang nach eisiger Höhe, den schwindelnden Gräten und wehenden Gipfeln erfasst. Mit jedem Schritt schloss sich uns eine neue Mannigfaltigkeit an Formen auf. Dabei war es so warm, der Himmel so versöhnlich klar, dass wir, bei eingebrochener Dunkelheit am Grubengletscher angelangt, uns schweigend anseilten und eine lange Wanderung in unheimlicher Erwartung und äusserster Anspannung antraten. Schwarze Bergschatten schlossen zu beiden Seiten den wilden Bergkessel. Das Seil verband uns in gehörigem Abstand. Wir kamen uns vor wie im Märchen: eine Fee mit flackerndem Kerzenlicht führte uns über dünne, gläserne Brücken, vorbei an gähnenden, schwarzen Schründen, aus denen es gurgelte und ächzte. Einige Male zerbrach etwas, das auf unseren Fuss gewartet, um eine ungeheure Spannung in ein Nichts zu lösen. Manchmal krachte es dumpf, um auch hier eine klaffende Tiefe zu melden. Dann wachten wir auf und sprachen ein Wort, um uns ganz in die Gegenwart zurückzurufen.

Als wir um die Geisterstunde den Bossbodenpass erreichten, ging plötzlich ein heftiger Wind los, bedeckte in kurzer Zeit den Himmel mit Wolken und heulte über die Hochebene, dass uns eine Verständigung mit Worten nicht mehr möglich war. Merkwürdigerweise dachte keiner von uns an Halt oder an Rückzug. War es der Sturm, der uns wachrüttelte und zum Kampfe forderte? Trotz einsetzendem Schneegestöber und beissender Kälte stiegen wir weiter. Morgens 2 Uhr erreichten wir die Sengkuppe ( 3625 m ). Weiter konnten wir nicht mehr. Bei jedem Schritt sanken wir tief ein, und der Orkan drohte uns umzuwerfen. Blitze zuckten!

Hoch über dem Simplon, wenige Meter unter einem Grat, der eine tausend Meter hohe Eiswand abschliesst, verbrachten wir die Nacht. Ludwig lag auf schmalstem Felsband. Ich selbst steckte in einer ausgehauenen Eisnische, während die Füsse zum Zeitvertreib mit den Absätzen Kerben ins Eis schlugen und die Hände eine wärmende Kniemassage besorgten. Hier herrschte Windstille. Das Seil verband uns über eine vorspringende Felsnase. Mein Freund wärmte sich die Hände an der Laterne, während ich Musse hatte, mein bisheriges System der elektrischen Taschenlampe endgültig zu verwünschen. Stunden vergingen. Immer noch orgelte der Sturm über den Grat. Je mehr sich am Monte Leone eine zunehmende Helle abzeichnete, drang eine grimmige Kälte bis auf das Mark unserer Knochen. Alles Verfügbare wurde angezogen; kein Augenblick wurde mit dem Massieren aufgehört, jedes aufkommende Schlafgefühl beim Nachbarn und an sich bekämpft. Doch vergeblich! Nach einiger Zeit war es nicht mehr zum Aushalten. Wir beschlossen aufzubrechen.

Seltsam, als wir wiederum auf dem Grat standen, stellten wir eine Abnahme der Windstärke und am Himmel eine leichte Aufhellung fest. Unsere Lebensgeister waren wieder wach, wir gaben uns nicht geschlagen. Mühsam bahnten wir uns den Weg über den stark verschneiten und überwächteten Nordgrat. Das Wetter besserte sich, die Sonne erreichte uns. Rastlos strebten wir höher und gelangten um 7 Uhr auf den Gipfel des Fletschhorns. Die Kälte liess uns nicht ruhen. Wir stiegen ab zum Fletschjoch und dann vorsichtig über den gefährlich überwächteten Nordgrat zum Gipfel des Laquinhorns hinüber.

Hier endlich wurde es wärmer. Wir empfanden ein Gefühl innerer Genugtuung und einer tiefen Verbundenheit mit diesen Bergen, an die uns das unauslöschliche Erlebnis einer eisigen Nacht fesselte. Fragend folgte unser Blick dem zackigen Grat nach Süden, der, unweit durch einen grossen schwarzen Turm jäh unterbrochen, hoch am Himmel weiterzieht, bis das Auge die Linie verliert und eine Weite überbrückend, an den eisigen Hängen des Weissmiesgipfels geblendet und angezogen haften bleibt. Was uns innerlich verlangte, musste uns heute versagt bleiben.

Seither hat sich vieles geändert. Auf den Gemütern lastet die dumpfe Not der Kriegszeit.

Ludwig Zurbriggen und ich befinden uns auf dem Weg zur Weissmieshütte. Wiederum ist es Freitag. Die Sonne neigt sich, als wir auf der Triftalp ankommen. Vor uns öffnet sich der Blick auf drei herrliche Viertausender: am nördlichsten hebt sich das Fletschhorn in aufstürmender Bewegung aus dem Eis empor. Dann folgt der lange Rücken des Laquinhorns. Der Südgrat ist uns beiden noch unbekannt. Man hört im Tal wenig Bestimmtes davon: alles klingt dunkel und seltsam. Der Grat sei lang, der Felsen schlecht. Schon hier erspäht das Auge eine Menge von Türmen, Kerben und Hindernissen. Spricht man im Tal vom « Nordgrat », so denkt man dabei an den Weissmies. Er gilt als die schönste Tour im Umkreis. Auch er ist lang, für viele oft sehr lang. Durch eine reichliche Mannigfaltigkeit an spitzen Türmen, geneigten Platten, scharfen Rissen, durch fortwährenden Auf- und Abstieg ist der Zugang zum thronenden Gipfel verwehrt. Nur wer die Menge der Prüfungen besteht, darf den Fuss auf das eisige Dach setzen.

Dürfen wir es wagen? Was nützt das Zweifeln? Für Ludwig ist es eine alte Sehnsucht. Ich selbst habe eine schwere Krankheit hinter mir, und es treibt mich, meine Kräfte von neuem zu messen, um das bestätigende Gefühl einer neuen noch grösseren Gesundheit zu finden.

In der Hütte fanden wir mehrere Partien vor. Der uns befreundete, immer liebenswürdige Hüttenwart wurde verständigt. Nach einer unruhigen Nacht brachen wir um 1.45 Uhr von der Weissmieshütte auf. In den Rucksäcken befand sich gerade das Allernötigste.

Auf dem gewöhnlichen Weg erreichten wir den dieses Jahr besonders zerschrundeten und schneefreien Gletscher. Beim Anseilen blickten wir uns um: der Himmel war sternenklar, ringsum herrschte die verklärte Ruhe der Nacht. Der Aufstieg begann. Doch was war das? Wir blickten uns an. Hatten wir schon jetzt den gewöhnlichen Aufstieg verpasst? Zwischen zwei gähnenden Spalten standen wir auf fussbreitem Eiskamm. Kein Ausweg. Gegenüber hob sich ein blanker, steiler Hang ab. Ein Spreizschritt, eine Die Alpen - 1945 - Les Alpes 11 winzige Kerbe ins Eis, und schon geht es weiter mit schmerzenden Knöcheln und knirschenden Steigeisen. Mit einigen Bedenken erinnere ich mich an die kurzen Stummeln an den Steigeisen Ludwigs. Es ist mir fast unbegreiflich, mit welcher Sicherheit sein Fuss sich festsetzt. Höher geht es. Nach Überwindung des Steilhanges gelangen wir auf die normale Route. Trotz der Einfachheit ist es ein wundervoller Aufstieg in der Nacht.

Knapp vor Sonnenaufgang stehen wir auf dem herrlichen Gipfel. Wir gedulden uns einige Augenblicke in der Kälte, bis sich im Osten ein roter Feuerball erhebt. Es ist noch immer dunkel um uns, bis sich das Wunder erfüllt! Eine Welle von Licht überflutet uns, während der Gipfel erstrahlt in einem Schimmer von Rosa und kaltem Blau. Unendlich weit schweift der Blick nach Süden und Osten, gleichsam die Rundungen der Erde erfassend und die Unendlichkeit des Raumes erspürend. Im Westen grüssen die bekannten Gipfel. Gegen Norden führt ein Höhenweg, zu kühn, zu weit, als dass man davon zu sprechen wagte.

Steil müssen wir wieder abwärts. Nach der Umgehung einiger Schründe führt uns ein von der Sonne umspielter weisser First weiter. Jetzt erblicken wir Felsen. Der Einstieg in den Nordgrat beginnt. Auf dem Kamm liegt ein tischgrosser Block. Wie ich mit einem Fuss darauf stehe und weiter spähe, beginnt er zu gleiten. Sofort bin ich mir der Lage bewusst und springe auf einen nahen Tritt. Eine mächtige Stein- und Eislawine donnert zum Triftgletscher hinab. Ist das die Begrüssung? Bald habe ich das Wesen des Grates erfasst. Mit spielender Behendigkeit, von Griff zu Griff, stemmend, springend, mit Fingerspitzen und Zehen, gleiten wir vorwärts. Wie oft doch folgen sich scharf geneigte Platten mit zackigem Rand, den die Finger umfassen, während der Körper ins Leere hängt und das Gewicht auf die angestemmten Füsse überträgt. Wie mühelos geht es doch, wenn man das Vertrauen zum Fels gefunden und wenn die Finger nicht gar zu steif sind! Der Grat verläuft nicht in einer Linie. Man wähnt sich bald am Ende, und immer kommt eine neue Überraschung: ein schlanker Turm, wo man senkrecht hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter muss; ein unwilliger Buckel, den man vorsichtig in einer Flanke umgeht; ein seitlicher Abstieg, wobei sich die Linke in schmalem Riss verklemmt und die Rechte mit dem Eispickel einige Stufen schlägt. Mitunter legt man das Seil um einen vorspringenden Felskopf und lässt sich hinab. Bei der sogenannten Platte, wo zum Abseilen in entsprechendem Abstand zwei Eisenstifte stecken, erweist sich unser aus Gewichtsersparnis gewähltes Seil als etwas bedenklich kurz. Um 9 Uhr erreichen wir das Laquinjoch.

Warm scheint die Sonne auf die Felsen und verleitet uns zum einzigen grösseren Halt des Tages, der zwanzig Minuten dauert. Fragend blicken wir nach Norden: der Gipfel des Laquinhorns ist versteckt hinter einem hohen Turm, zu dem sich vom Joch aus der Grat aufschwingt. Mit langsamen Schritten steigen wir die grosse Treppe aufwärts. Überall liegt Schutt, und mancher Griff bleibt in den Händen. Allmählich nimmt aber die Steigung zu, und unmerklich geraten wir auf die linke Gratseite.Vor uns türmt sich ein steiles Felsbollwerk auf. Über eine schmale Rinne queren wir aufwärts.

Suchend, jede Rauhigkeit ausnützend, tasten die Hände weiter. Sind wir richtig geklettert? Plötzlich sperrt eine überhängende Wand, unter uns jäher Abfall. Vorsichtig müssen wir zurück und verlieren damit kostbare Zeit.

Weiter unten, mehr auf der rechten Gratseite, nimmt uns ein unscheinbares, enges und steiles Kamin auf. Nach einigen Klimmzügen stehen wir von neuem auf dem Grat. Der Berg aber schenkt uns nichts. Jeder Block kann sich lösen, jede Platte mahnt zu Vorsicht.

Ein neues Hindernis stellt sich in unsern Weg. Zu beiden Seiten ist eine Ausweichmöglichkeit aussichtslos. Es ist eine kleine Wand, ohne Griffe. Doch links von der Mitte läuft steil von oben ein schmaler Riss abwärts. Ist das die einzige Möglichkeit? Ludwig versucht es. Die rechte Hand zwingt sich, schräg verkrampft, möglichst hoch in den Riss ein, während die Linke unter Ausnützung der Adhäsion nachhilft. Bald sitzen wir oben auf luftigem Sitz. Nun ist es an mir. Vorsichtig klettere ich rechts über die schmale Kante hinaus, gelange etwas tiefer und finde in steiler Wand ein schmales Band, das uns auf den Grat zurückführt. Erst nach einem weiteren Anstieg erreichen wir die Einmündung der grossen Felsrippe, die vom Fuss des Berges in charakteristischer Weise ansteigt.

Es ist ein Glück, dass die Felsen eisfrei sind! Wir erklettern den grossen Turm, der schon von der Ferne sichtbar, erst den Beginn des langen Rückens andeutet. Von hier scheint der eigentliche Hauptgipfel noch unendlich weit. Jetzt aber wird der Grat scharf. Es folgt eine Reihe von kleinen, locker geschichteten Türmen, die man behutsam begehen muss.

Von Punkt 3908 scheint uns das Ziel wider näher. Anfänglich kommen wir auch rascher vorwärts, denn der Grat bietet hier keine besonderen Schwierigkeiten. Bald aber können wir nicht mehr weiter. Steile, nur mühsam zu überwindende Platten mit glasigem Eis halten uns auf der linken Bergseite auf. Der Grat selbst ist unterbrochen durch einen kurzen Eiskamm. Wir legen eine Stufenleiter an, durchschlagen die Wächte, um dann rittlings auf messerscharfem Grat eine Seillänge vorzurücken. Aber wiederum müssen wir in eine Versenkung absteigen.

Endlich ist der Weg offen zum grossen, weithin sichtbaren Gendarm, der eigenwillig den Zugang zum Gipfel sperrt. Auf seiner Spitze blicken wir uns fragend an. Links ist steiler Abfall, der eine Umgehung ausschliesst. Und rechts gegen den Simplon? Auch hier gähnt eine Tiefe von vielen hundert Metern. Doch! Sind das nicht kleine Griffe, fingerbreit, sogar handbreit, etwas versteckt? Gesichert von Ludwig klettere ich in die Tiefe, bis die Höhe erreicht ist, auf der sich in Wurfweite der Grat zum Gipfel aufschwingt. Es bleibt keine Zeit, an den Abgrund zu denken. Es ist unser Weg! Bald sind wir beide in der Wand. Eine richtige Sicherung besteht nicht mehr. Immerhin ist es leichter, sicherer, als wie es zuerst aussah. Unmittelbar vor dem Grat hängt der Fels über, so dass der im Rucksack steckende Pickel unangenehm anstösst.

Gegen halb 4 Uhr stehen wir auf dem Laquinhorn. Wollen wir zur Hütte absteigen? Wir stellen uns die Frage nicht, denn das Wetter ist so schön, unsere Freude so gross!

Beim Abstieg ins Fletschjoch finden wir ein kleines Weglein, das für uns mit dem Aufstieg in der grossen Mulde der anderen Seite zur Erholung wird.

Abends um 6 Uhr befinden wir uns auf dem Fletschhorn. Die Aussicht mit den abendlichen Schatten ist völlig ungewohnt und überraschend. Unglaubhaft weit erscheint uns jetzt der Weissmiesgipfel. Das Gefühl des am heutigen Morgen auf einer Höhe von viertausend Meter erlebten Sonnenaufgangs verbindet sich mit den gegenwärtigen Eindrücken einer aus Licht und Fülle in Schatten und Dunst sich entrückenden und auflösenden Welt zu einer Stimmung, die uns beugt zu Dankbarkeit und einem Wissen, wie es allein der Erfüllung zuteil wird.

Ludwig drängt mit Recht zum Abstieg. Noch ahnen wir die kommenden Schwierigkeiten nicht. Mit den Eisen geht vorerst alles gut. Unsere Bewegungen vollziehen sich mit mechanischer Sicherheit. In der grossen Firnmulde, die man morgens beim Aufstieg mühelos passiert, stellen wir fest, dass die Spätnachmittagssonne den Firn breiig aufgeweicht hat. Die Eisen sind nutzlos, sogar gefährlich, denn auf blankem Eise liegt eine schlamm-artige, weiche Masse.

Eine breite Spalte sperrt den Weg. Unter allen Umständen müssen wir über die etwas geneigte, völlig durchweichte Brücke. Bergwärts droht ein Eisabbruch. Unter der Sicherung Ludwigs gleite ich liegend, vorsichtig mit Händen und Pickel belastend, hinüber. Darauf suche ich, meinen Freund zu sichern. Jedoch durchstösst der sondierende Eispickel überall die Schneedecke und stellt einzig unter meinen Füssen einen handbreiten Eisrücken fest. Die neue, verdeckte Spalte schliesst sich unmittelbar an die vorhergehende an. So kommt es denn, dass ein jeder gleichzeitig über eine verschiedene, aber mehr als zweifelhafte Schneebrücke kriechen muss. Die Gefahr wird bestanden. Doch die ganze Anstrengung des Tages scheint uns nichts im Vergleich zur Mühe, die uns das verhältnismässig kurze Stück bis zu den ersten Felsen bereitet.

Hier angelangt, seilten wir uns in wenigen Minuten auf der rechten Seite ab und gelangten so überraschend schnell in das Weglein, das zum Grossen Triftgletscher hinabführt. Beim Einnachten erreichten wir die Weissmieshütte.

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