Weitsicht ist zeitlos

Im August jährte sich der Todestag von Johann Wilhelm Fortunat Coaz zum 100. Mal. Coaz wurde als Gebirgskartograf zu einem bedeutenden Alpinisten und SAC-Funktionär der ersten Stunde. Er war aber auch Förster, Beamter, Lawinenforscher, Naturschützer und prägte als Pionier den jungen Bundesstaat. Wer sich mit Coaz befasst, wähnt sich in einer Zeit, in der alles möglich schien. Vieles von dem, was damals entstand, ist noch heute von Bedeutung, so auch die Gründung des bisher einzigen Nationalparks der Schweiz (Seite 43).

Coaz hatte die Gabe und auch das Glück, in jener Zeit, als Generalist ganzheitliche Lösungen umzusetzen. Heute denken viele nur an ihre Interessen. Das führt zu Reibungsverlusten. Der SAC selbst definiert sich heute als Bergsportverband. Alpinismus wich Konkreterem. So wird der Verband nun oft auch wahrgenommen. Dies würde Coaz heute sowohl als Beamter wie als Verbandsfunktionär betrüben.

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Coaz setzte erfolgreich auf Jagdbanngebiete für die Rückkehr der Wildhuftiere. Würde er heute als Förster weiter auf dieses Instrument setzen – unter komplett neuen Bedingungen?

Fortschritte im Umweltbereich scheinen nur noch sehr kleine möglich – wenn überhaupt. Stattdessen werden Fussgänger im Raum verstärkt eingeschränkt, bewährte Gesetze fahrlässig aufgeweicht und Natur und Landschaften für wirtschaftliche Interessen aufs Spiel gesetzt. Coaz setzte erfolgreich auf Jagdbanngebiete für die Rückkehr der Wildhuftiere. Würde er heute als Förster weiter auf dieses Instrument setzen – unter komplett neuen Bedingungen?

Coaz beeindruckte auch als Mensch. Er war ein stiller Schaffer mit Weitsicht und dem Blick fürs Relevante. Solche Menschen sind heute rar.

Wir müssen das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Coaz selbst war stets von Fortschritt und jugendlichem ­Entdeckergeist getrieben. Doch er handelte verantwortungsvoll und behielt übergeordnete Werte im Auge. Diese Haltung ist zeitlos gültig. Für den einzelnen Berggänger genauso wie für unseren gesamten Verband.