Winterbesteigungen in Chamonix

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

P. Martine-, Grenoble

Bergbewohner sind imstande, sich mit Einsatz und Ausdauer einem Unternehmen zu verschreiben und über sich selbst hinauszuwachsen. Ebenso vom Unternehmungsgeist beseelt, kennen sie zugleich auch die Freude besinnlicher Betrachtung. Aber wie die anderen Menschen verfügen sie ebenfalls über ihre Schwächen, über ihre Phasen der Entmutigung, erleben sie Zeiten des Glücks und der Enttäuschung.

Ich habe die beiden Patricks - Patrick Berhault und Patrick Edlinger - im winterlichen Chamonix getroffen. Meine beiden Kameraden sind junge, im Verdon erprobte Kletterer, begabt und mit einer bereits grossen alpinen Erfahrung ausgestattet. So haben sie z.B. vor kurzem, Ende Februar, gemeinsam das Couloir Lagarde an den Droites und die Cheré-Route in der Nordwand der Aiguille du Midi an einem Tag bezwungen.

DIE BOIVI N /G A BARRO U -ROUTE AUF DEN MONT BLANC DU TACUL ( März 1979 ) Beim Pläneschmieden haben wir Lust bekommen, noch vor Ende des Winters gemeinsam eine Besteigung zu unternehmen. Wir beschliessen, am nächsten Wochenende das Super-Couloir des Mont Blanc du Tacul ( über die Boivin/Gabarrou-Route ) zu versuchen. Seit einem Monat an der Ecole Militaire de Haute Montagne, habe ich bisher dennoch Zeit gefunden, allein in den drei Couloirs Gervasutti, Jaeger und der Isolée zu trainieren. Ich bin in guter Form und träume nun von diesem vierten Eisanstieg am Tacul.

Am 3. März scheint die Wetterlage stabil zu sein. Unser Material ist bereit. Mit der Seilbahn schweben wir der Aiguille du Midi entgegen. Von da begeben wir uns bei strahlendstem Sonnenschein zum weiter unten gelegenen Einstieg des Couloirs. Die vereinzelten Skifahrer, die uns überholen, werfen uns « Fussgängern » ein paar freundliche Worte zu. Die Spur, in der wir bisweilen einbrechen, ist etwas mühsam, aber das Couloir ist nicht mehr weit, und wir kommen in gleichmässigem Tempo voran. Von seinem Fusse aus gesehen, erscheint es verteufelt eng und steil.

Am Bergschrund angelangt, bereiten wir uns zum Aufstieg vor, wobei mich Berhault bereits verblüfft: Seinem Grundsatz getreu, das Gewicht auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, legt er das Seil ohne Anseilgurt um die Taille. Am Abend, beim Biwakieren, erklärt er mir dann, dass er aus Rücksicht auf seine Seilkameraden immer so leicht als möglich starte, weil man damit an Schnelligkeit gewinne. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch anderer Meinung, zudem verfügte ich nicht über seine Topform. Sein « Altruismus » erscheint mir deshalb eher etwas wichtigtuerisch.

Oberhalb des Bergschrundes hören wir die Gesprächsfetzen einer anderen Seilschaft. Es sind drei Tschechen, die den Gervasutti-Pfeilcr erklimmen. Da wir ihre Spur benützen können, holen wir sie rasch ein. Indem wir so den Weg über den Pfeiler einschlagen, umgehen wir die Passage künstlicher Kletterei, die den Anfang des Super-Couloirs bildet. Um jedoch das Eis des Couloirs zu erreichen und weil ein gefährlicher Schneepilz uns den direkten Weg versperrt, müssen wir einen Umweg bis zum Pilier Boccalate machen.

Wir verbringen den Tag damit, 150 Meter in ziemlich schwierigem kombiniertem Gelände zurückzulegen; was uns dann erlaubt, 50 Meter nach links zu traversieren und durch zweimaliges Abseilen in Richtung einer Reihe von Felsbändern an den Fuss des Super-Couloirs zu gelangen.

Unglücklicherweise fühlt sich Edlinger nicht wohl. Er kämpft seit zwei Tagen mit einem hartnäckigen Fieber, und der vergangene Tag ist für ihn sehr anstrengend gewesen. Er hält es für vernünftiger, umzukehren. Wir haben Glück, da er mit dem 90-Meter-Seil bis unterhalb des Schrundes hinabsteigen kann. So verlässt er uns schweren Herzens.

Patrick und ich nutzen das letzte Tageslicht, um an den eigentlichen Fusspunkt dieser Eiskaskade zu gelangen und unser Biwakzelt aufzustellen. Eine gute Suppe und ein Mundvoll herrlichen Bündnerfleisches - und bald überkommt uns eine wohlige Müdigkeit. « Draussen » ist es zwar kalt, drinnen aber haben wir es schön warm und sind voller Optimismus.

Als wir am nächsten Morgen gegen 6 Uhr erwachen, stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass das Wetter umgeschlagen hat. Um uns herum sind dunkle Wolken aufgezogen, und es schneit leicht. Zwar hat sich noch kein Sturm erhoben, aber was sollen wir tun? Schon beginnen uns die ersten Schneerutsche ausgiebig zu berieseln. Auf dem Gletscher sind undeutlich die Stirnlampen von Alpinisten auszumachen, die sich um diese Zeit bereits wieder auf dem Rückzug zur Aiguille du Midi befinden.

Wir wollen den Tagesanbruch abwarten. Erst dann wird sich zeigen, wie wir uns entscheiden sollen.

Etwas später hört es auf zu schneien, aber das Wetter bleibt unsicher. Wir zögern erst, beschliessen dann aber, den Aufstieg auf den Gipfel trotz allem zu erzwingen. Wir lassen einen Teil der Ausrüstung zurück und brechen, nur mit dem absoluten Minimum versehen, auf.

Die erste Seillänge ist sehr steil, aber Patrick wächst über sich hinaus und bezwingt jede Länge ohne Sicherung in regelmässigem Tempo. Völlig sicher, mit dem grössten Selbstvertrauen, ist er ganz und gar der Techniker in höchster Vollendung. Ich bin fasziniert, weil ich mich während dieses Jahres an eine völlig andere Methode des Kletterns gewöhnt habe. Mit der von unserem Hauptmann angeführten Gruppe lernten wir mit einer schweren Ausrüstung wie auch mit einer schwerfälligeren Technik -jedoch mit grosser Sicherheit - voranzukommen.

Im Lauf des Tages bläst ein starker Nordwind die Wolken vom Himmel, und wir fassen wieder Mut angesichts der sich stabilisierenden Wetterlage und unseres guten Vorankommens. In der letzten Steilwand hält Patrick plötzlich an und sichert sich auf seinen Eiswerkzeugen. Ein merkwürdiges Geräusch erfüllt das Couloir. Es nimmt zu, und plötzlich - einem Geschoss gleich — schiesst eine von den Tschechen fallengelassene Seilschlinge samt diversen Karabinern und Felshaken an uns vorbei. Wir sind mit dem Schreck davongekommen... ein schöner Schreck jedoch!

Wir steigen weiter auf, wobei wir das Tempo im oberen Teil des Couloirs, wo wir auf eine dicke, kalte Schneeschicht stossen, erhöhen. Es bleiben noch 400 Meter bis zum Gipfel. Unermüdlich arbeitet sich Patrick hoch und ich versuche, ihm so rasch als möglich zu folgen. Gegen Abend hat uns das schlechte Wetter wieder erreicht. Es überrascht uns auf dem Gipfel des Mont Blanc du Tacul, den wir um 21 Uhr im Lichte der Stirnlampen erreichen. Unsere Hände sind eiskalt, der Wind peitscht uns ins Gesicht, aber wir sind glücklich, diese Wette mit uns selber gewonnen zu haben.

Die grossartige Darbietung von Patrick im Su-per-Couloir hat mich davon überzeugt, wie wichtig ein systematisches und spezifisches Training für die eigene Sicherheit ist. Sobald wir wieder daheim sind, mache ich mich deshalb an die « Arbeit » des Trainierens. Der Sommer geht vorüber, der Herbst kommt, und Patrick und ich beschliessen, noch weiter zu gehen und die grossen Touren in einem Tag zu bewältigen, um den Wetterumschlägen aus dem Weg zu gehen. Wir überprüfen sorgfältig unsere Ausrüstung und geben unserer Kondition den letzten Schliff mit einer Klettertour in den Eisfällen im Oisans. Bei Einbruch des Winters sind wir bereit - wir haben nichts dem Zufall überlassen.

DIE NORDWAND DER DROITES ( Winter 1979/80 ) In Begleitung der beiden Patricks begebe ich mich am 20. Dezember nach Chamonix. Edlinger ist soeben aus dem Yosemite-Park zurückgekehrt und bringt uns auf der Fahrt mit seinen Erzählungen von den schreckenerregenden Felsrissen, die er dort erklettert hat, zum Träumen. Es stürmt stark, und wir haben Mühe, Chamonix überhaupt zu erreichen. Schon am nächsten Tag wird uns rasch klar, dass nichts ist mit Bergsteigen. Wir kehren deshalb alle nach Hause zurück, um das bevorstehende Weihnachtsfest mit der Familie zu feiern.

Am 25. ruft mich Berhault aus Nizza an. Das Wetter scheint gut zu sein, Edlinger hingegen 3« wird nicht mit uns kommen, da er sich nicht freimachen kann. Patrick holt mich in Gap ab. Er platzt mitten in unser Weihnachtsessen, und wir fahren unter den wutentbrannten Blicken meiner Frau Isabelle weg, die unsere Manieren verständlicherweise nichts weniger als ritterlich findet.

Am nächsten Morgen ist das Wetter schön, die Luft rein und klar, und wir sind guter Dinge. Wir fahren mit der Seilbahn nach Lognan, von wo aus wir am nächsten Tag die Davaille-Route in der Nordwand der Droites in einem Tag erklettern wollen.

Den ganzen Weg bis zum Fuss der Wand wechseln wir uns beim Spuren ab. Die Verhältnisse in der Wand scheinen nicht schlecht zu sein. Immerhin sieht sie auch in der Wirklichkeit so abweisend aus, wie auf den Photos. Aber das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch.

Wir deponieren unser Klettermaterial beim Bergschrund und kehren in die Argentierehütte zurück, eine gut gepfadetc Spur hinterlassend.

Nach einem gemütlichen Abend in der Hütte, den wir damit zubringen, in der Türfassung Klimmzüge zu üben und später noch mit Genfer Alpinisten zu diskutieren, gehen wir schlafen. Morgen wollen wir ja der Davaille-Route einen hübschen Streich zu spielen versuchen!

Um ein Uhr früh zeigt sich das Wetter von der allerbesten Seite. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Jeder von uns nimmt lediglich drei Bonbons mit, nicht mehr, und wir tragen nur ein T-Shirt unter der Daunenjacke. Denn um schnell voranzukommen, muss man leicht sein. Patrick kennt die Route gut, da er sie bereits zweimal gemacht hat. Rasch bringen wir den Eisschild hinter uns und beschleunigen unser Tempo noch: Biwakieren kommt heute überhaupt nicht in Frage!

Am Mittag sind wir auf dem Gipfel, an der Sonne, nachdem uns der auf den letzten 150 Metern schlecht auf dem Eis haftende Schnee noch einen rechten Schrecken beschert hat. Immerhin haben wir während unseres Aufstiegs Standplätze eingerichtet, konnten aber dank unserer Super- kondition darauf verzichten, Eisschrauben als Zwischensicherung zu benützen. Wir sind ein gutes Team. Wir haben volles Vertrauen zueinander, und dennoch erstaunt mich dieser Patrick auch jetzt wieder. Nach unserem Handschlag bietet er mir seine Bonbons an; er hat sie nicht verzehrt und will sie sogar teilen... Ich möchte ihm am liebsten um den Hals fallen, so gross ist mein Appetit, und so sehr mag ich diese Erdbeerbon-bons!

Nach einer kurzen Ruhepause seilen wir uns zuerst ab, dann klettern wir auf den Talèfre-Gletscher hinunter, wo wir es uns bequem machen und bis 17 Uhr an der Sonne braten. Dann steigen wir gemächlich die Vallée Blanche hinab, wo uns allerdings einzelne heikle Schneebrücken ein paar bange Momente bereiten. Zudem muss noch Spurarbeit geleistet werden, und die Rückkehr nach Chamonix erweist sich als anstrengend, nicht zuletzt weil sich jetzt Hunger und Durst bemerkbar machen. Um 20 Uhr erreichen wir endlich unser Ziel, völlig erschöpft vor Müdigkeit...

Am nächsten Morgen um 8 Uhr schneit es in grossen Flocken, die Skifahrer sind entzückt. Patrick und ich sehen uns an: Wir verstehen uns, unser Blick sagt das gleiche: Der Einsatz hat sich gelohnt!

Wir kehren beide nach Hause zurück, um weiter zu trainieren.

DER NORD PFEILER DES FRENEY ...der Winter nimmt seinen Verlauf Patrick trainiert in Nizza, wo er bemerkenswerte Probleme winterlicher Kletterei löst. Ich, meinerseits, erhalte mir meine Kondition, indem ich Langlauf mit Felstraining verbinde - wobei das etwas weniger intensiv vor sich geht.

Am 14. Februar meldet sich Patrick bei mir, und wir fahren nach Chamonix. Am nächsten Tag bringt uns die Seilbahn auf die Aiguille du Midi. Auf dem Gipfel ist es warm; auch sonst scheinen die Bedingungen ausserordentlich gut zu sein. Der Fels ist erfreulich trocken. Unser Ziel ist der Nordpfeiler des Frêney, und zwar wollen wir ihn natürlich in einem Tag erklettern.

Warum gerade diesen Pfeiler? Weil hier der Aufstieg mehr kombiniertes Gelände aufweist als am Pilier Central und man daher schneller vorankommt. Zudem habe ich diese Gcrvasutti-Route ( I I oo m SS ) bereits 1976 einmal mit drei Kameraden gemacht. Sie hatte mich damals sehr beeindruckt, denn sie bietet einen strengen und wilden Anblick, und die Aussicht auf die Chandelle am Pilier Central ist phantastisch.

Wir steigen zu Fuss das Vallée Blanche hinab. Der Führer P. Gabarrou, dem wir auf Ski, von einigen Kunden begleitet, begegnen, schlägt uns vor, unser Material bis zu dem Punkt mitzunehmen, an dem sich unsere Wege trennen. Wir beeilen uns, dieses Angebot anzunehmen. Seine Freundlichkeit, wie übrigens alle ermunternden Zeichen von Freunden in solchen Augenblicken, ist für uns von unschätzbarem Wert.

Nachdem wir unser Material wieder eingesammelt haben, können wir die perfekte Spur verfolgen, welche die Männer der Groupe Militaire de Haute Montagne ( GMHM ) hinterlassen haben, die am Vortag zum Col de Peuterey aufgebrochen sind. In der Ghiglionehütte sind wir mit dem einmaligen Berg allein. Mit Klimmzügen am Türsturz erproben wir unsere Kondition: Hundertmal in zwanzig Minuten. Wir sind zufrieden. Patrick verkündet lachend, dass wir am nächsten Abend in Chamonix ausgehen und tanzen würden. Während wir so plaudern und scherzen, beobachten wir gegenüber, zuoberst auf dem Peutereygrat, sieben kleine schwarze Punkte, die sich im hellen Sonnenlicht vorwärts bewegen. Es handelt sich um unsere Kameraden der GMHM. Die erste Seilschaft wird nächstens den Gipfel erreichen. Wir freuen uns für sie... Dann plötzlich, die Katastrophe...! Eine riesige Lawine fegt über den Grat. Wir versuchen vergeblich ihre ungefähre Grosse auszumachen. Die enormen Schneemassen teilen sich und stürzen beidseits des Pilier d' Angle in die Tiefe. Als sich die Schneewolke gc- 30 Das Gervasutti-Couloir: Der von der aufgehenden Sonne 33 Im Super-Couloir. .\nch einer langen ,\acht im Eis geht beschienene obere Teil der « Grossen Stufenleiter » ( Grandendlich die Sonne auf!

Escalier ) 34 Der trotz seiner Orientieruno von der Sonne beschienene 31Die Ostwand des Tacul. £ur Linken das Couloir du DiaNordsporn ble. In der Mitte die eisgepanzerte Riesenrutschbahn des Super-Couloir 32 Mit Pickelzugtechnik in der Goulotte Chère Fluii,i I'll. Mai mira, Chamonix legt hat, ist niemand mehr auf dem Grat... Wir bringen kein Wort hervor.

Etwa dreiviertel Stunden später kreisen zwei Helikopter über dem Berg. Zwei Männer springen beim Schrund unter der Nordwand des Pilier d' Angle heraus. Kurz darauf trifft Bernard Müller in der Hütte ein, der wie ich zu den GMHM gehört. Wir erzählen ihm, was geschehen ist. Auch er hat Kameraden in der Mannschaft...

Morgen will er allein die Bonatti/Zappelli-Route in der Nordwand des Pilier d' Angle durchsteigen.

Wir verbringen einen traurigen, stummen Abend -jeder hängt seinen Gedanken nach.

Am nächsten Morgen geht alles sehr schnell. Die bereits vorhandene Spur zum Col de Peuterey erlaubt uns, in Windeseile voranzukommen. Wir wissen genau, dass wir umkehren müssen, wenn wir das erste Drittel des Pfeilers nicht bis 8 Uhr hinter uns bringen - wir können ja nicht biwakieren, da wir keinerlei Material mit uns führen.

Mit Hilfe der Spur erreichen wir bald den Pass. Den Anbruch des Tageslichtes abwartend, bearbeiten wir das Eis, um uns warmzuhalten und uns gleichzeitig zu beschäftigen.

Schon wird es hell, und der Pfeiler zeigt sich in ausgezeichnetem Zustand. Patrick überschreitet den Bergschrund, bleibt dort kurz stehen, dreht sich um und ruft mir zu:

- Herrgott!... dort liegt einer!

Beim Passieren des Schrundes bin ich genauso entsetzt wie er: Man sieht zwei Füsse dort unten... Was tun?

Sehr erschüttert, wechseln wir einige Worte -zu persönlich, um sie hier zu wiederholen - und gehen weiter. Aber wie traurig ist das doch!

Patrick, kräftig wie stets, benützt weder Eisschrauben noch Haken. Der Meteorologe in Cha-moni.x hat sich diesmal aber getäuscht: Das schlechte Wetter überrascht uns schon auf dem Brouillardgrat. Wir müssen ein irres Tempo vorlegen, um vor dem Sturm auf dem Gipfel des Mont Blanc anzukommen.

In der Nähe des Gipfels stossen wir auf Bernard PhomsG. und R. Violer. Ihôii 35I raining an einem vereisten Wasserfall Müller, der ebenfalls mit den Elementen kämpft. Wir schliessen uns zu einer Dreier-Seilschaft zusammen, um den Weg gemeinsam zu finden und schliesslich zur Vallothütte zu gelangen, wo wir im tobenden Sturm eintreffen. Vernünftig geworden, beschliessen wir, dort besseres Wetter abzuwarten.

Am nächsten Morgen schaffen wir es, bei einer Aufhellung ins Tal zu flüchten.

In der darauffolgenden Zeit erlebt Chamonix eine Schönwetterperiode, und man kann eine Reihe prächtiger Touren unternehmen. Für mich jedoch hört dieser Winter hier auf. Das tragische Unglück bleibt unauslöschlich in meiner Erinnerung. Unter den Verunglückten befand sich einer meiner besten Kameraden: J. Vaudelle, ein junger Bergführer, mit dem wir so viele Dinge unternommen hatten, vor allem aber unsere ersten, wirklich schwierigen Touren.

Für einige Zeit ist mir die Lust am Bergsteigen vergangen.

Aus dem Französischen übersetzt von E. Blaser. Bern

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