XXXIX. Geschäftsbericht des Zentralkomitees

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

des

des Zentralkomitees an die Generalversammlung des Schweizer Alpenclub in Bern am 22. September 1907.

Geehrte Herren und Clubgenossen!

Am verflossenen 13. September waren es vier Jahre, seitdem Ihre Generalversammlung in Pontresina die Sektion Weißenstein mit der Zentralleitung des S.A.C. betraut hat. Mit Ende dieses Jahres legen wir das Zepter nieder.

Der heutige Geschäftsbericht ist daher der letzte, den wir Ihnen vorlegen, und Sie werden uns erlauben, da und dort einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse, welchen wir während unserer Amtsdauer begegneten, zu werfen.

Mitgliederbestand:

Seit der letzten Delegiertenversammlung in Olten ist die Zahl der Sektionen von 51 auf 52 gestiegen. Die junge Sektion Grindelwald ist mit 64 Mitgliedern auf den Plan getreten. Wir entbieten der jüngsten Sektion des S.A.C., die sich trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens schon sehr rührig zeigt, auch an dieser Stelle herzliches Willkommen.

In sehr erfreulicher Weise hat sich im Berichtsjahre die Mitgliederzahl vermehrt; im ersten Semester des laufenden Jahres betrug die Zunahme 481 und seit dem 1. Oktober 1906 813 Clubgenossen; unser Club zählte auf 1. Juli a. c. 9412 und wird voraussichtlich mit Ende des Jahres auf zirka 9700 Mitglieder anwachsen, so daß bei normaler Weiterentwicklung im nächsten Jahre der zehntausendste Clubist seinen Einzug in den S.A.C. halten wird.

Seit dem Jahre 1895 hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt und seit dem Amtsantritt des jetzigen Zentralkomitees bis zum 1. Juli hat sie um 2362 zugenommen.

Diese Zahlen sprechen; sie beweisen uns, daß der Alpinismus, die Liebe und Zuneigung zu unserer unvergleichlich schönen Alpenwelt in immer weitere Kreise dringt und daß die Bestrebungen des S.A.C. anerkannt und gewürdigt werden; sie geben uns Bürgschaft dafür, daß der S.A.C. auch in Zukunft sich kräftig entfalten und vermehren wird.

Und es ist gut so; die Anforderungen, die an unseren Verein gestellt werden, mehren sich, und um denselben auch nur einigermaßen gerecht werden zu können, muß der Alpenclub über die nötigen Mittel verfügen können.

Da jedes Mitglied des Zentralkomitees während der vierjährigen Amtsdauer in treuer Pflichterfüllung auf seinem Posten ausharrte, trat kein Wechsel in der Zusammensetzung ein.

Stand der Finanzen.

Das Budget für das laufende Jahr schließt mit einem mutmaßlichen Defizit von zirka Fr. 4500 ab. Obwohl das Zentralkomitee stets bestrebt war, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben zu bewahren, war dies bei den immer mehr wachsenden Ansprüchen an die Zentralkasse nicht möglich.

Der größte Teil der Einnahmen ist eben durch alljährlich wiederkehrende Ausgaben zum voraus festgelegt. Für Hütten- ( Neu- und Um- ) bauten bleibt noch etwas mehr als Fr. 13,000 übrig, zu wenig, um bei den Anforderungen, die man jetzt an die Clubhütten stellt, allen auch nur einigermaßen berechtigten Wünschen entsprechen zu können.

Und groß waren die Leistungen der Zentralkasse während unserer Amtsdauer, namentlich für die Führerversicherung und die Clubhütten.

Erstere beanspruchte zirka Fr. 45,000 gegenüber Fr. 23,000, resp. Fr. 36,000 in den beiden letzten Amtsperioden.

Für Clubhütten wurde in den letzten vier Jahren die höchste Summe, die noch je für diesen Posten verausgabt wurde, nämlich Fr. 86,000, aufgewendet, gegenüber Fr. 36,000, resp. Fr. 48,000 unter den beiden letzten Zentralkomitees.

Ein fernerer Umstand, welcher der Überflutung der Zentralkasse mit Geld vorbeugte, war die im Jahre 1903 erfolgte Herabsetzung des Preises des Jahrbuches um Fr. 2; wäre die Zunahme an Mitgliederzahl eine gleiche gewesen, so würde das Jahrbuch in dieser Zeit der Zentralkasse einen Mehrgewinn von Fr. 57,800 eingebracht haben. Wir bedauern aber die Reduktion des Jahrbuchpreises durchaus nicht, weil die Belassung des alten Preises eine einseitige Belastung der deutschen Sektionen gewesen wäre; wir hoffen im Gegenteil, daß es in kurzer Zeit möglich sein werde, den Preis für das Jahrbuch um einen weiteren Franken herabzusetzen.

Nach dem Budget für das Jahr 1907 wird das Vermögen des S.A.C. auf Jahresschluß noch Fr. 42,700 betragen; es wird also wäh- rend der Amtsdauer des jetzigen Zentralkomitees ein Rückschlag von ungefähr Fr. 6000—7000 eintreten.

Zieht man in Betracht, daß der Jahrbuchkonto nicht mehr wie früher in der eigentlichen Jahresrechnung figuriert, daß also infolgedessen die Rechnungsstellung sich scheinbar verschlechtert, so reduziert sich der Vermögensrückgang in Wirklichkeit schon beträchtlich, und wenn sich, wie anzunehmen ist, der Rechnungsabschluß auch pro 1907 günstiger gestaltet als das Budget, so dürfen wir die Vermögensverminderung während unserer Amtsperiode trotz der außerordentlich großen Ausgaben für Clubhütten und Führerversicherung als eine bescheidene bezeichnen.

Huberstiftung und Führerunterstützungsfonds.

Dank der sich immer mehr einbürgernden Fuhrerversicherung mußte die Huberstiftung im laufenden Jahre bis jetzt noch nicht in Anspruch genommen werden; der Bestand dieser Stiftung ist infolgedessen auf Fr. 30,500 gestiegen; er hat sich seit 1903 um Fr. 3200 vermehrt.

Auch der von uns geschaffene Führerunterstützungsfonds hat im Berichtsjahre keine wesentlichen Ausgaben zu verzeichnen.

Führerversicherung.

Die Führerversicherung hat sich annähernd in den gleichen Grenzen bewegt wie im Jahre 1906; das Total der Summe ist von Fr. 2,649,000 auf Fr. 2,652,000 angestiegen; die Zahl der versicherten Führer ist dagegen von 703 auf 684 zurückgegangen.

Die Gesamtprämie hat sich von Fr. 19,608 auf Fr. 19,530, der Anteil der Zentralkasse von Fr. 12,619 auf Fr. 12,490 reduziert.

Diese verhältnismäßige Stabilität in der Frequenz der letzten beiden Jahre wird aber nicht von langer Dauer sein, denn das Jahr 1908 wird voraussichtlich einen erheblichen Zuwachs aus dem Kanton Graubünden bringen, nachdem dort das Führerwesen eine gesetzliche Regelung erfahren hat.

Um so mehr war es darum an der Zeit, der Delegiertenversammlung den Antrag auf Reduktion des Anteiles der Zentralkasse zu stellen; die gestrige Delegiertenversaminlung hat demselben zugestimmt, und die Zentralkasse und die Führer werden in Zukunft je zur Hälfte die Prämien bezahlen.

Unfallversicherung der Mitglieder.

Unsere Verträge mit den beiden Gesellschaften in Winterthur und Zürich und mit der Schweizerischen National-Versicherungsgesellschaft in Basel bleiben auch fernerhin unverändert in Kraft. Durch unseren Vertrag mit der „ National " in Basel ist den Mitgliedern des S.A.C. ein neuer Weg eröffnet worden, sich gegen alpine Unfälle zu versichern.

Führerwesen.

Es freut uns, Ihnen mitteilen zu können, daß die Führerfrage im Kanton Graubünden endlich durch Erlaß eines Führergesetzes von der löbl. Regierung in sehr befriedigender Weise gelöst worden ist. Die Regierung des Kantons Graubünden hat die Ausführung des erwähnten Gesetzes den bündnerischen Sektionen des S.A.C. übertragen; dadurch ist volle Gewähr gegeben, daß den berechtigten Wünschen des S.A.C. Rechnung getragen wird.

Wir benützen gerne den Anlaß, um der h. Regierung des Kantons Graubünden auch hierorts unseren besten Dank auszusprechen.

Den bündnerischen Sektionen, vor allem der Sektion Rhätia, mag es wie uns zur Genugtuung gereichen, daß bei Erlaß des bündnerischen Führergesetzes die leitenden Grundsätze, die der S.A.C. immer verfolgt hat, Anerkennung und Anwendung gefunden haben.

Und wir verdanken auch diesen Sektionen ihre unablässigen Bemühungen, die von so schönem Erfolge gekrönt waren, bestens.

In den ersten Tagen des Monats Oktober findet in Pontresina ein Führerkurs statt.

Eine dringende Aufgabe für die allernächste Zeit ist noch die Revision und Ergänzung des Fuhrertarifs für den Kanton Graubünden. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß durch einträchtiges Zusammenwirken aller Interessenten es möglich wird, einen Tarif, der allen gerechten Anforderungen entspricht, zu schaffen.

Reklamationen gegen Führer liefen nur wenige ein und auch diese waren von geringer Bedeutung.

Die Regierung des Kantons Bern hat in Abänderung des Reglementes für Bergführer und Träger folgendes verfügt:

„ Es darf sich auch kein Träger ohne Begleitung eines patentierten Führers als Träger an einer schwierigen, insbesondere einer Hochgebirgstour, beteiligen. "

Das Zentralkomitee, seinerzeit um seine Meinung über diesen Punkt angefragt, hat sich gegen Aufnahme einer solchen Beschränkung ausgesprochen. Nach dieser neuen Verordnung ist es im Kanton Bern den führerlosen Touristen nicht mehr möglich, für ihre Besteigungen einen Träger zu engagieren.

Speziell im Führerwesen ist während den vier Jahren unserer Amtsdauer Erhebliches geleistet worden.

Die Führerschaft von Engelberg steht wiederum unter der Kontrolle der Sektion Titlis; der Friede ist dort geschlossen. Ein neuer Tarif für die Berge von Ob- und Nidwalden ist geschaffen worden. Im Kanton Bern wurden jeweilen alle zwei Jahre Führerkurse abgehalten; für das Kiental trat ein neuer Tarif in Kraft, welcher im allgemeinen unseren Wünschen Rechnung trägt.

Für den Kanton Uri wurde vor drei Jahren ein neuer Führertarif erstellt, welcher, was die Vollständigkeit sowohl als die Taxen anbelangt, allen gerechten Ansprüchen entgegenkommt.

Ein Führerkurs im Herbst des Jahres 1906 gab den jüngeren Führern des Kantons Uri Gelegenheit, sich das Patent zu erwerben.

Eine lang geplante, sehr schwierige Angelegenheit ist während unserer Amtsdauer für das Wallis zur Erledigung gelangt.

Ein neuer, möglichst vollständiger Tarif für die Walliser Führer ist im Jahre 1906 aufgestellt worden und in Kraft getreten. Während den letzten vier Jahren fanden in diesem Kanton zwei Führerkurse statt, in denen annähernd 100 neue Führer patentiert wurden.

Nachdem nun auch in Graubünden das Führerwesen wiederum dem S.A.C. zur Leitung und Kontrolle übergeben worden ist, ist ein längst gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen; so ziemlich das ganze Führerwesen in der Schweiz steht jetzt unter einer gewissen Kontrolle des S.A.C. Die Führer der Waadtländer Alpen nehmen jeweilen an den Führerkursen im Wallis teil und stehen unter der Aufsicht der Sektion des Diablerets.

Wenn wir vom Kanton Glarus in unseren Berichten weiter nichts erwähnt haben, so geschah es deshalb, weil die Sektion Tödi dort das Führerwesen in mustergültiger Weise organisiert hat, so daß das Zentralkomitee nie Anlaß fand, sich speziell damit zu beschäftigen.

Allen denjenigen, die uns bei der Erledigung dieser schwierigen Aufgabe, seien es die betreffenden Kantonsregierungen, die Sektionen oder einzelne Clubgenossen, so tatkräftig unterstützt haben, sprechen wir hierorts noch unsern besten Dank aus.

Die nächste Aufgabe des Zentralkomitees wird es nun sein, die Führertarife untereinander zu ergänzen, Ungleichheiten, die in den Tarifen verschiedener Kantone bei den Grenzgipfeln herrschen, auszugleichen und ältere Tarife zu vervollständigen.

Mögen unsere Nachfolger in diesen Bestrebungen in ebenso wirksamer Weise unterstützt werden, wie es bei uns der Fall war.

Alpines Rettungswesen.

In den letzten vier Jahren wurde an dem Ausbau des alpinen Rettungswesens fleißig gearbeitet.

Zu den im Laufe des Jahres 1903 entstandenen Rettungsstationen sind im Laufe des letzten Jahres 11 neue hinzugekommen; 10 hat die Sektion Bernina errichtet, 1 die Sektion des Diablerets.

Im ganzen zählt der S.A.C. jetzt 31 organisierte Rettungsstellen.

Diese verteilen sich auf folgende Sektionen: Altels 1, Bernina mit Subsektion Bregaglia 11, Monte Rosa 3, Oberhasli 2, Oberland 1 und Rhätia 4, nebst 3 Nebenstationen, Titlis 1 und Tödi 6.

Unsere Rettungsstationen haben in fast allen Fällen sehr gut funktioniert, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Gebirgssektionen, in deren Gebiet bis jetzt noch keine Rettungsstellen existieren, auf die Errichtung solcher bedacht sein würden.

Publikationen.

Das Jahrbuch, dessen letzter Jahrgang die stattliche Auflage von 7400 Exemplaren aufweist, ist in mindestens gleich schöner und reicher Ausstattung, wie in den Vorjahren, erschienen. Es gereichte uns zur besonderen Freude, daß wir demselben außer einem weiteren Teil der Barbeyschen Mont Blanc-Karte die hervorragende Arbeit des Herrn Prof. Dr. Schmidt: „ Bild und Bau der Schweizeralpen ", als Beilage beigeben konnten. Die aus so kompetenter Feder stammende Monographie hat nicht nur bei den Geologen großes Interesse erweckt, sie wird auch von einem weiteren Kreise der Clubgenossen gerne und fleißig studiert.

Die Verträge mit der Redaktion und dem Verlag sind mit Ende des Jahres abgelaufen; es ist uns gelungen, den verdienstvollen langjährigen Redaktor, Herrn Dr. H. Dübi, für eine weitere Periode von drei Jahren für die Redaktion zu gewinnen. Dagegen ist Herr Francke, in dessen Geschäft das Jahrbuch seit seinem Entstehen erschienen ist, vom Verlage zurückgetreten.

Die Arbeiten, die bisher von der Verlagsfirma vergeben wurden, die Drucklegung, Besorgung der Illustrationen, Binden und Spedieren, werden in Zukunft von der Buchdruckerei übernommen.

Dem vom Verlage zurücktretenden Herrn Francke sei auch an diesem Orte für die großen Verdienste, die er sich um das Jahrbuch erworben hat, der wärmste Dank des gesamten S.A.C. ausgesprochen; seiner aufopfernden Tätigkeit, seinen Erfahrungen, seiner Umsicht und Liebe zum S.A.C. ist zum großen Teil der gute finanzielle Erfolg des Jahrbuches zu verdanken.

Alpina. Auch bei den offiziellen Mitteilungen des S.A.C. ist der Vertrag mit dem bisherigen verdienten Redaktor für eine weitere Periode von drei Jahren erneuert worden. Der Druck wurde nach einer Konkurrenzausschreibung wieder der Firma Tschopp in Zürich, mit welcher wir bis jetzt sehr zufrieden waren, vergeben.

Die Bedingungen im neuen Vertrag lauten für den S.A.C. so günstig, daß es in Zukunft möglich sein wird, einem oft geäußerten Wunsche, die „ Alpina " möge das ganze Jahr zweimal monatlich erscheinen, zu entsprechen, ohne daß dadurch die Kosten gegen früher nennenswert erhöht werden.

Die Ausstattung der „ Alpina " mit kleineren Illustrationen ist allerorts beifällig aufgenommen worden.

Ob die Übersetzungen allgemein interessierender kleinerer Mitteilungen ins Französische den gewünschten Zweck erreicht haben, das Blatt unseren werten Clubgenossen französischer Zunge mundgerechter zu machen, konnten wir bis jetzt noch nicht ermitteln.

Der „ Clubführer durch die Urneralpen " hat nicht den erhofften Absatz gefunden; in der ersten Hälfte des Jahres 1907 wurden nur 52 Exemplare verkauft; die anerkannt vorzügliche Arbeit hätte es verdient, von den Bergsteigern mehr berücksichtigt zu werden.

Ein „ Clubführer durch die Tessineralpen " ist in Vorbereitung und wird im Laufe des nächsten Jahres herausgegeben werden. Die Bearbeiter dieses Gebietes, das für viele Clubgenossen noch terra incognita ist, bieten vollkommene Gewähr für exakte und gediegene Ausführung.

Die neuen Führertarife für die Kantone Uri und Wallis werden nur sehr wenig verlangt. Ein gleiches ist von den Fuhrerverzeichnissen zu sagen. Man kann bei Herausgabe derartiger Drucksachen in Zukunft die Auflagen bedeutend kleiner bemessen.

Es bleibt uns noch eine Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen übrig; wir möchten auch an dieser Stelle Herrn Pfarrer D. Delétra in Dardagny unseren verbindlichsten Dank für die großen Dienste aussprechen, die er dem derzeitigen Zentralkomitee durch seine vorzüglichen Übersetzungen geleistet hat. In uneigennütziger Weise hat er fast während unserer ganzen Amtsdauer alle größeren und kleineren Übersetzungen in mustergültiger Form besorgt und jede Entschädigung für seine mühevolle Arbeit abgelehnt.

Zenlralbibliothek.

Wenn schon die Zentralbibliothek durch die vor zwei Jahren erfolgte Herausgabe eines neuen vollständigen Kataloges etwas fleißiger als früher benutzt wird, ist die Frequenz doch nicht eine derartige, wie es unsere reichliche Büchersammlung verdient.

Auch von seiten der Sektionen und Clubgenossen wird sie nur spärlich mit Zuwendungen bedacht; wir erneuern deshalb unsere Bitte an die Sektionsvorstände, sie möchten Publikationen und Zirkulare ihrer Sektion, Dubletten etc., namentlich auch Photographien aus dem Hochgebirge, der Zentralbibliothek einsenden.

Clubhütten.

Das hinsichtlich seiner finanziellen Konsequenzen wichtigste Arbeitsgebiet des S.A.C., das Hüttenwesen, ist in den letzten Jahren in erfreulicher Weise gefördert worden.

Es herrscht hier nicht nur fast in allen Sektionen ein reger Wetteifer, die bestehenden Hütten den stets wachsenden Bedürfnissen anzupassen, sie wohnlich auszustatten, und räumlich ungenügende Hütten zu vergrößern oder durch geräumigere zu ersetzen, sondern es macht sich auch vielfach das Bestreben geltend, den Besuch von bis jetzt vernachlässigten Gebieten unserer Alpen durch den Bau von neuen Clubhütten zu erleichtern und zu vermehren.

So sind in den letzten vier Jahren folgende Hütten an neuen Standorten erstellt worden:

Die hauptsächlich dem Skisport dienende Spitzmeilenhütte, die Finsteraarhornhütte, die Sciorahütte im Bondascatale, die Martinsmaadhütte ob Elm, die Cabane Julien Dupuis am Col d' Orny und die ohne Subvention aus der Zentralkasse von der Sektion Bern erbaute Egon von Steiger-Hütte an der Lötschenlücke.

Durch Neubauten wurden ersetzt:

Die Berglihütte, die Hütte am Oberaarjoch, die Bovalhütte, die Trifthütte, die Rottal- und die Ruckhubelhütte.

Durch Anbauten wurden vergrößert:

Die Blümlisalp- und die Claridahütte, die Cabanes de Saleinaz und de Barberine.

Die Subventionen der Zentralkasse für diese Hüttenbauten erreichen die stattliche Summe von zirka Fr. 66,000.

Außer diesen Neubauten sind an einer Reihe von Hütten Um- und Ergänzungsbauten vorgenommen worden.

Die Jahresrechnung der Zentralkasse gibt hierüber den nötigen Aufschluß.

Pro 1907 sind als hauptsächlichste Bauten unter dieser Rubrik zu nennen:

Die Erstellung eines Holzschuppenanbaues und Abortes bei der Kehlenalphütte und Terrainabgrabungen hinter und neben der Calandahütte zum Schutze gegen eindringende Bodenfeuchtigkeit. Durch Rückvergütung von Hüttenreparaturkosten an die Sektionen oder durch daherige Beiträge wird die Zentralkasse nicht allzusehr belastet, da die meisten Sektionen es sich zur Ehre anrechnen, wenn irgendwie möglich, die Ausgaben für die an ihren Clubhütten nötigen Reparaturen ganz oder teilweise selbst zu bestreiten, ein Bestreben, das angesichts der stets wachsenden Ansprüche an die Zentralkasse für Hütten und Neubauten alle Anerkennung verdient.

Aus ähnlichen Gründen erreichen auch die Ausgaben aus der Zentralkasse für Beiträge an Hüttenmobiliaranschaffungen keine großen Summen.

Die Hauptausgabe pro 1907 entfällt auf Mobiliaranschaffungen ( Betten, Kopfpolster mit wechselbaren Überzügen, Eßgeschirr etc. ) für die Bétempshütte.

In Anwendung des Delegiertenversammlungsbeschlusses von 1905 sind Beiträge für die Miete und Ausrüstung von dem Skisport dienenden Alphütten beschlossen worden an die Soussection Chasseron, die Sektion Einsiedeln und Sektion Toggenburg.

Dagegen glaubten wir dem Gesuch um Gewährung eines Beitrages an den Wiederaufbau der durch eine Lawine zerstörten Parsennhütte des Skiclubs Davos der Konsequenzen wegen, weil es sich nicht um eine einer Sektion des S.A.C. gehörende Hütte handelte, ablehnen zu müssen.

Leider waren bis jetzt unsere Bemühungen betreffs Erwerbung des Grund und Bodens für eine in halber Höhe des Matterhorns auf Schweizerseite zu erstellende Schutzhütte, wofür dem S.A.C., wie schon letztes Jahr erwähnt, die erforderlichen Mittel geschenkt werden, bis jetzt noch von keinem Erfolge gekrönt.

Wir haben der Regierung des Kantons Wallis vor einiger Zeit das Gesuch unterbreitet, es möchte uns zu genanntem Zwecke das Expropriationsrecht zugesprochen werden.

Wir hoffen zuversichtlich auf einen dem S.A.C. günstigen Entscheid der Walliser Behörden.

Unsere letztes Jahr ausgesprochene Erwartung, der diesjährigen Delegiertenversammlung einen Antrag betreffend Um- oder Neubau der untern Matterhornhütte vorlegen zu können, hat sich nicht erfüllt. Hoffen wir, daß es dem neuen Zentralkomitee gelingen werde, die dort bestehenden Übelstände in einer des S.A.C. und des Matterhorns würdigen Weise zu heben.

Das Bestreben, durch Revision der Speise- und Getränketarife die Einnahmen in ein richtiges Verhältnis zu bringen zu den eigenen Hiitten-bewirtschaftungsausgaben, sowie der letztjährige Delegiertenversammlungsbeschluß betreffend Erhöhung der Übernachtungstaxen für Nichtmitglieder des S.A.C. in Hütten, welche durch einen ständigen Hüttenwart beaufsichtigt werden, haben bewirkt, daß die Beiträge der Zentralkasse an Hüttenbewirtschaftungs- und Hüttenwartdefizite keine nennenswerten Beträge mehr erfordern.

Der Vorschrift des 7 der Statuten, wonach die hüttenbesitzenden Sektionen dem Zentralkomitee alljährlich einen Bericht über den Zustand ihrer Hütten einzureichen haben, wurde zu unserm Bedauern von einigen Sektionen nur unregelmäßig, von andern Sektionen gar nicht nachgelebt.

Wegbauten und Wegmarkierungen.

Auch auf diesem Gebiete sind, wie aus den Jahresrechnungen und den Berichten des Zentralkomitees hervorgeht, in der demnächst zu Ende gehenden vierjährigen Amtsperiode des Zentralkomitees befriedigende Leistungen zu verzeichnen.

Immerhin bleibt hier noch sehr viel zu tun übrig, selbst auch dann, wenn man sich nur mit dem Nötigsten begnügen will, weil der S.A.C. nicht über die Mittel verfügt, um in dieser Hinsicht unseren mächtigen Nachbar, den D. & Ö.A.V., nachahmen zu können.

Die im letzten Berichte erwähnten Weganlagen in den Felsen der Gelben Wand, am Aufstieg zum Tödi, konnten letztes Jahr, trotz des schönen Herbstes, nicht beendet werden.

Die Arbeiten sind in diesem Jahre weiter geführt worden und gehen ihrer Vollendung entgegen. Der neue Weg dürfte manchen, der bisanhin die Besteigung des Königs der Glarner Alpen wegen der dort existierenden objektiven Gefahren unterließ, zu seiner Besteigung einladen.

Subventionen aus der Zentralkasse wurden pro 1907 bewilligt an die Verbesserung der Zugangswege zur Rottal-, zur Konkordia-, Kehlenalp- und Blümlisalphütte.

Zur Abkürzung des bisher üblichen, über den Sertigpaß ( 2766 m ) führenden Zuganges zur Keschhütte von Davos aus hat die Sektion Davos die Erstellung eines möglichst ohne Gegensteigungen auszuführenden Fußsteiges vom Scalettapaß zur Keschhütte beschlossen.

Die Zentralkasse leistete an die Kosten einen Beitrag von Fr. 170.

Die intensiven Bestrebungen der betreffenden Sektionen des D. & Ö.A.V., durch Hüttenbauten und Weganlagen den Zugang zu den Bergen des Rhätikons von der Nordseite aus zu erleichtern, nötigen die Sektion Prättigau, auch die Wegverhältnisse auf der Südseite stetsfort nach Möglichkeit zu verbessern.

Nachdem schon in den letzten Jahren daselbst umfangreiche Wegbauten und Wegverbesserungen zur Ausführung gelangt sind, hat die Sektion Prättigau beschlossen, pro 1907 einen Fußweg von Colrosa aus zur Scesaplana und eine Abzweigung von dem letztes Jahr erstellten Schweizertorweg nach Partutts zu erstellen, wofür das Zentralkomitee seine finanzielle Mitwirkung zugesagt hat.

Ein Gesuch um Subventionierung einer Weganlage auf deu Grammont haben wir der Konsequenzen wegen ablehnend beschieden, da nicht eine Sektion des S.A.C., sondern die Société de développement einer dabei interessierten Gemeinde den Weg auszuführen beabsichtigt.

Taxermäßigungen auf den Eisenbahnen.

Es ist uns gelungen, die den Mitgliedern des S.A.C. bis zu unserem Amtsantritt gewährten Taxermäßigungen nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch bei andern Bahnen Reduktionen auf den Fahrpreisen zu erwirken; einige Gesuche um Ermäßigung sind zurzeit noch nicht erledigt.

Ob die Taxreduktionen noch für längere Zeit bestehen bleiben, ist bei der im eidgenössischen Eisenbahndepartement herrschenden Stimmung zweifelhaft. Unser Gesuch an die Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen, es möchte den Mitgliedern des S.A.C. bei den Zentralfesten und Zusammenkünften größerer Verbände eine Ermäßigung gewährt werden, harrt noch der Erledigung.

Vorläufig geben wir uns der Erwartung hin, daß auch unseren Clubgenossen, ähnlich wie andern Vereinen, eine gewisse Vergünstigung gewährt werde.

Verzollung der Velos an der Grenze.

Dem guten Beispiele der französischen Zollverwaltung sind unsere anderen Nachbarstaaten gefolgt; die österreichische und die italienische Regierung haben gestattet, daß die Mitglieder des S.A.C. gegen Vorweisung ihrer Mitgliedkarte die Grenze der betreffenden Länder ohne Zollhinterlage für ihre Maschinen passieren dürfen. Allerdings hat es da und dort teils durch die Schuld der Clubgenossen, teils durch die Herrschaft des hl. Bureaukratius kleinere Zwischenfälle gegeben, die sich aber jeweilen bald beseitigen ließen.

Schutz der Alpenflora.

In verdankenswerter Weise hat die Regierung des Kantons St. Gallen ein Gesetz erlassen, welches der Ausrottung unserer prächtigen Alpenblumen Einhalt tun soll.

Auch der oberländische Verkehrsverein hat einen energischen Anlauf zum Schutze der Alpenflora genommen; das Zentralkomitee hat seine Bestrebungen durch einen Beitrag unterstützt.

Es wäre sehr zu begrüßen, wenn auch die Sektionen des S.A.C. durch ihren Mitteln entsprechende Beisteuer dem oberländischen Verkehrs-rerein die Mittel an die Hand geben wollten, daß er seine Propaganda für diese gute Sache auch kräftig durchführen kann.

Erhaltung der Naturschönheiten.

Eine mächtige Bewegung rief im Kreise der Clubgenossen das Projekt einer Eisenbahn auf das Matterhorn hervor, ein Sturm der Entrüstung brauste durch den ganzen S.A.C., und von allen Seiten wurde das Zentralkomitee bestürmt, möglichst rasch Stellung gegen die Entweihung dieses stolzen Hochgipfels zu nehmen und mit allen Kräften dahin zu wirken, daß die Konzession für diese Bahn nicht neuerdings erteilt werde.

Dadurch wurde das Zentralkomitee von seiner ursprünglichen Ansicht, es sei in erster Linie Sache der Vereinigung für Heimatschutz, den Kampf gegen die Matterhornbahn zu eröffnen, abgebracht und veranstaltete, nachdem es von sich aus einen Protest gegen diese Bahn eingereicht hatte, unter den Mitgliedern des S.A.C. eine Unterschriftensammlung zu Handen des h. Bundesrates.

Von 46 Sektionen sind 3708 Unterschriften von Clubgenossen eingegangen, und die Leitungen aller größeren ausländischen Alpenvereine haben sich unserem Protest ebenfalls angeschlossen.

Wir wünschen und hoffen, daß unser Vorgehen von Erfolg begleitet sein wird.

Beziehungen zu den Sektionen des S.A.C. und zu anderen Alpenvereinen.

Die Beziehungen zu den Sektionen waren im allgemeinen sehr gut; wenn wir zu Anfang unserer Amtstätigkeit auch mit einigen schwer zu kämpfen hatten, bis sie dazu gebracht werden konnten, ihre Pflichten dem Zentralkomitee gegenüber zu erfüllen, so hat sich dieser Zustand in der letzten Zeit bedeutend gebessert, und die Differenzen, welche sich noch hie und da ergaben, waren so untergeordneter Natur, daß sie keine besondere Beachtung verdienen.

Besonders reich war das laufende Jahr an Clubhütteneinweihungen. Nicht weniger als viermal stiegen die Vertreter des Zentralkomitees hinauf zu den neuen stattlichen Schutzhütten und kollaudierten dieselben; überall wurden die Mitglieder des Zentralkomitees in liebenswürdigster Weise aufgenommen; es sei noch allen betreffenden Sektionen der beste Dank für ihre Gastfreundschaft ausgesprochen.

Bei dem vom französischen Alpenclub veranstalteten concours international de skis ließ sich das Zentralkomitee durch Herrn Dr. F. Mauler in Neuenburg vertreten; leider war es nicht möglich, ein Mitglied des Zentralkomitees zum Jahresfeste des italienischen Alpenclubs und zur Generalversammlung des D. & Ö.A.V. nach Innsbruck zu entsenden. Als bester Beweis dafür, daß der in der letzten Delegiertenversammlung in Olten gefaßte Beschluß betreffend Reziprozität in unseren Clubhütten von unseren liebwerten Nachbarn, dem D. & Ö.A.V., nicht als unfreundliche Maßnahme ihm gegenüber aufgefaßt wurde, mag Ihnen die Anwesenheit seines ersten Präsidenten, Herrn von Pfister, den ich nebst den anwesenden Vertretern der andern befreundeten Alpenvereine auch namens des Zentralkomitees in unserer Mitte herzlich willkommen heiße, beweisen.

Dem oben erwähnten Beschlusse lag die Tendenz zu Grunde, in erster Linie unsern Mitgliedern das Recht auf Unterkunft in den Clubhütten des S.A.C. zu wahren; sollte dieser Zweck erreicht werden, so mußte das Zentralkomitee solchen Alpenvereinen, deren Gegenleistung in gar keinem Verhältnisse zu dem stand, was ihnen der S.A.C. bietet, ablehnen, ein Vorgehen, das nicht von allen Vereinen mit der wünschenswerten Objektivität beurteilt wurde.

Wir stehen am Ende unserer Amtstätigkeit; es ist ein altes Recht des Berichterstatters, am Schlusse seiner Tätigkeit dem Optimismus die Zügel schießen zu lassen, das alte Geschäftsjahr mit recht freundlichem Scheidegruße zum Hades hinabzugeleiten und das neue mit den grünsten Girlanden blühender Hoffnungsfreudigkeit zu empfangen.

Mit diesen Gefühlen heißen wir denn auch unsere Nachfolger willkommen.

Ziehen wir die Bilanz unserer vierjährigen Tätigkeit, so dürfen wir sagen, daß von der Hochflut der Bestellungen, die beim Zentralkomitee einlaufen, das Hauptsächlichste erledigt ist. Viele unserer Clubhütten wurden verbessert; für Mitglieder- und Führerversicherung, sowie für unsere Publikationen wurden günstige Verträge abgeschlossen, das alpine Rettungswesen wurde umfangreicher gestaltet, und die saumseligen Sektionen wurden aus ihrem Phlegma aufgerüttelt.

Ein lange gehegter Wunsch ist während unserer Amtstätigkeit in Erfüllung gegangen; der S.A.C. hat jetzt in allen Kantonen, denen Führer unterstehen, eine maßgebende Stimme.

Wohl gab es auch Fragen, bei deren Erledigung der Erfolg unserem Wollen nicht entsprach; allein jedermann weiß, daß das Leben eine Versöhnung aller Gegensätze nicht kennt, daß man häufig mit Kompro-mißwerken zufrieden sein muß, die praktisch durchführbar sind und bei erträglichen Opfern ein möglichst großes Maß von Vorteilen sichern.

Was wir taten, taten wir aber zum Wohle des Gesamtclubs, und wir dürfen am Schlusse unserer Amtstätigkeit konstatieren, daß er fest steht, der Bau des S.A.C.; kein Unheil droht ihm von außen und Friede herrscht in seinem Innern und bescheidenes, aber sicheres Wohlergehen.

Möge der alpine Gedanke auch unter unsern Nachfolgern seinen Siegeslauf weiterführen für und für!

Solothurn, den 19. September 1907.

Im Namen des Zentralkomitees des S.A.C., Der Sekretär :Der Präsident:

Dr. A. Walker.Dr. R. Schöpfer.

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