Zeneggen

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Fig. 4. Zeneggen von Süden mit Gerstenhorn und Schilthorn.

Name. Weiler.

Zeneggen.

Grenzen. Geologische Unterlage. Gotwärgeni. Aussicht.

— Bergsturzgebiete.

Die Gemeinde oder der « Berg » Zeneggen, wie die Gemeinde genannt wird, dehnt sich vom Ufer der Vispach bis weit in die Waldregion aus. Sie bildet keine geschlossene Siedelung, sondern löst sich in etwa ein Dutzend mehr oder weniger weit auseinanderliegende Weiler auf. Der Zentralpunkt, mit der Kirche, dem Gemeinde- und dem Schulhaus heisst Unterm Biel, 1374 m ü. M., und zählt nur etwa 10 Wohnhäuser ( Fig. 4 ). Der Name kommt von dem oberhalb der Kirche gelegenen Hügel, dem Biel ( Bühl ), auf welchem eine Kapelle steht. Etwa 20 Minuten nördlich liegt, auf dem Bilde nicht sichtbar, der Weiler Z en e g gen, 1421 m ü. M. ( Fig. 18 ), mit 8 Wohnhäusern; unterhalb der Kirche ist der Weiler auf der Eggen mit 4 Wohnhäusern. Diese verschiedenen « Eggen » haben der ganzen Gemeinde den Namen Zen Eggen ( « Zu den Eggen » ) gegeben. Kurzweg nennt man die Bewohner die « Egger ». Wenn man auf dem Wege am Hange von Unterm Biel nach dem Weiler im Winkelried weitergeht, übersieht man den grössten Teil der Niederlassungen, zunächst gleich unterhalb der Kirche die Schalbmatten, mit 7 Wohnhäusern, am Talwege nach Stalden folgt das bereits genannte Eggen, fünf Minuten tiefer liegt das Widum mit 4 Häusern, nach weitern fünf Minuten Sisetsch, wohl die älteste Niederlassung am Berge, mit 6 Häusern, dann die Trohleren mit 3 Häusern; zu unterst, immer am Staldnerwege, befindet sich Im Es ch mit 6 Häusern. Hier biegt der Weg oberhalb der höchsten Weinberge nach Süden in den floristisch höchst interessanten Staldner Dählwald. Den Höhenweg von der Kirche in Zeneggen aus nach Süden verfolgend, gelangen wir zunächst in das Winkelried mit 4, dann auf das Blatt mit 2 und in das Gstein Die Vispertaler Sonnenberge.

mit 3 Wohnhäusern. Den Weiler Zenstadlen haben wir bereits beim Aufstieg kennen gelernt. Am tiefsten liegt Im Esch, bei 1023 m Meereshöhe; nur ein einziges, von einem Saaser bewohntes Haus befindet sich noch tiefer bei der Giltgrube, ungefähr 800 m ü. M. Dieser Hof hat jedoch seine Verbindung nach Visp.

Nördlich grenzt die Gemeinde Zeneggen an Visp, dessen Territorium, wie wir gesehen haben, sich weit an den Berg hinauf ausdehnt. Östlich bildet die Vispach die Grenze gegen Visperterminen; südlich schliessen die Gemeinden Stalden und Törbel an, während nach Westen die Gemeinde an Birchen anstosst.

Die unterste Talstufe der Gemeinde an der Vispach ist mit Weinbergen besetzt; dann folgen hohe, zerklüftete Felsabstürze und über diesen die genannten Weiler, umgeben von Äckern und Wiesen; über diesen schliessen sich der Hochwald und die eingestreuten Voralpen ( Hellelen, Diebjen und der Sali ) an.

Die höchsten Stufen bestehen geologisch aus Quarzit und Gneis, die liefern Talhänge haben meist kalkartigen Schiefer als Unterlage, und dazwischen zieht sich eine Zone grüner Schiefer mit Serpentin und Talkschiefer, worunter der Ofen- und Giltstein besonders geschätzt ist.

Charakteristisch sind die an mehreren Stellen auftretenden Bergsturzgebiete mit gewaltigen, haushohen Gneisblöcken. Deren Entstehen wird von den Geologen durch das Zurückgehen der Gletscher erklärt. Als sich nach der Gletscherperiode das Eis allmählich zurückzog, verloren die steilen Gneiswände ihren Halt und stürzten ab; so entstanden die Bergstürze im « Gstein », « Zen grossen Steinen » ( Fig. 5 ), bis hinauf gegen die Hellelen.

Die Hartherzigkeit der Menschen gegen die Gotwärgeni sei Schuld an der Katastrophe, erzählt F. Lagger.

Der Auszug der Gotwärgeni.

« Zur Zeit, als die Gotwärgi aus den Tälern verdrängt wurden, zogen sie ( die « Gwärgeni » ) in grosser Anzahl in die Felsen von Zeneggen, bauten sich « zum Loch », am Wege in die Hellelen, grosse Höhlen aus und gedachten immer zu bleiben. Ob der zahlreichen Ansiedelung der kleinen Leute wurde den Eggern jedoch bange. Den Zwergen wurde der strenge Befehl erteilt, den Berg zu verlassen. Die armen Gotwärgeni hielten Rat, was wohl in dieser schweren Sache zu tun sei. Sie kamen überein, die Egger inständig um die Abtretung dieses unbenutzten Bodens zu bitten. Als Erkenntlichkeit und zum Lohn dafür wolle man ihnen drei nicht zu unterschätzende Gegendienste leisten: Erstens wolle man ihnen einen Goldschatz entdecken, der unerschöpflich sei; zweitens verspreche man der Gemeinde, auf dem Berge Wasserquellen zur Genüge eröffnen zu wollen; drittens verpflichte man sich, ihnen alle Schulden zu bezahlen. Dieser königliche Antrag wurde unbarmherzig zurückgewiesen. Nun mussten die armen Zwerge fort. Mit Tränen in den Augen und gesenkten Blickes wanderten sie aus und zogen weithin nach Norden in eine neue Heimat. Kaum hatten die Zwerge Zeneggen verlassen, fielen ihre Höhlenwohnungen zusammen; die Felsen stürzten zu Tale und verschütteten die Weiden. » Die haushohen Felsblöcke, unter welchen heute der räuberische Fuchs Unterschlupf findet, bilden das Wahrzeichen dieser Sünde der Menschheit.

Zeneggen ist von den drei Dörfern der Vispertaler Sonnenberge am lieblichsten. Es bildet gleichsam den Eckpfeiler des Vispertales, ein vorgeschobener Posten gegen das Rhonetal, mit herrlichem Ausblick auf das obere Wallis bis an die Furka. Nach Süden öffnet sich das Saastal bis an den Monte Moro. Gerade gegenüber grüsst das stattliche Visperterminen, begrenzt durch die Kette des Gebüdem bis zum Simelihorn. Im Angesichte erheben sich die mächtigsten Berge der Schweiz, im Norden die gewaltige Kette des Bietschhorns, im Süden die Mischabel mit dem Dom, dem höchsten Berge, der ganz in der Schweiz liegt. Die Berge erscheinen in greifbarer Nähe. Das Gerstenhorn und das Schilthorn im Norden und das Mattwaldhorn im Osten sind in der Luftlinie nur 1 ½ Stunden entfernt. Das Rotlauihorn, das Bietschhorn, der Balfrin und das Fletschhorn 2—3 Stunden, das Laquinhorn, der Monte Leone und der Dom 3—4 Stunden und das Weissmies 5 Stunden. Trotz der Nähe der Eisberge ist das Klima « malm » ( mild ). Kein Wunder, wenn der 88 Jahre alte Peter Imesch von seiner Heimat sagte:

« Zenegge isch en fine Berg! » Die Vispertaler Sonnenberge.

Fig.6. Jjolll und Bietschtal vom Eitrisch ob Birchen mit Bietschhorn, Wylerhorn und Hohgleifen.

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