Zermatt in alten Zeiten.

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Dr. L. Meyer ( Sektion Monte Rosa ).

( Eine geschichtliche Studie. ) Von In seinem Buche « Alpinismus und der Deutsch-Österreichische Alpenverein » ( Berlin 1909 ) fasst Dr. A. Dreyer die Bedeutung des Alpinismus im Kulturleben unserer Zeit in vier Worte zusammen und unterscheidet 1. das sportliche Element, 2. das ästhetische, 3. das wissenschaftliche und künstlerische, 4. das volkswirtschaftliche Moment. Wenn nun Dr. Dreyer unwidersprochen recht behält und wenn der S.A.C. wie ein Brennpunkt ist der köstlichsten Strahlen, die aus der Alpenwelt kommen, eine Vereinigung von all dem, was unsere Schweizerberge Nützliches, Liebes, Belehrendes, Leib und Seele Stärkendes bieten können, so mag es gestattet sein, Zermatt, die Perle der Alpenwelt, ein Symbol des S.A.C. oder des Alpinismus zu nennen.

Als grossartiger Mittelpunkt der Hochtouristik hat Zermatt seit der Mitte des letzten Jahrhunderts von Sportsleuten, Naturfreunden und Naturforschern ungezählte Kränze empfangen; es war und ist ein gesuchtes Eden mit reichen, feilgebotenen Schätzen. Doch auch das volkswirtschaftliche Moment ist bei ihm nie zu kurz gekommen, und in der alten Zeit erst recht nicht. Denn bevor es Fremdenzentrum wurde, war Zermatt ein Herd mannigfaltigen Kulturlebens und ein Knotenpunkt vieler Handelswege. Zu diesem Schlusse führen die Ausführungen über Zermatt in alten Zeiten; doch dürfen sie nicht etwa als eine vollständige Geschichte angesehen werden. Zwar wurden die erreichbaren Quellen zunutze gemacht, allein der Verfasser darf nicht mehr versprechen als mangelhafte Streiflichter, so sehr er wünscht, dass dem lieben, urchigen Völklein an der « grünen Matte » und seiner unvergleichlichen Gebirgswelt dadurch neue Freunde und Verehrer erstehen.

Der Gedankengang ist folgender: I. Tal und Dorf, wie sie sind und heissen. II. Urgeschichtliches oder Zermatt, eine vorgeschichtliche Töpferwerkstätte.

III. Kirchliches.

IV. Werdegang der bürgerlichen Gemeinde bis zum Jahr 1791.

V. Zermatt, ein Knotenpunkt vieler Handelswege ( Handelszentrale ). VI. Übergangszeit oder Zermatt auf dem Wege, ein Fremdenzentrum zu werden.

Zwei Bemerkungen müssen vorausgeschickt werden:

1. In allen Ausführungen steht Zermatt in der Mitte aller Aufmerksamkeit; selbst das, was über das Tal gesagt wurde, war bloss zur Einrahmung und zum Hintergrunde des Zermatterbildes verwendet worden; St. Nikiaus und seinen Nachbargemeinden ist eine eigene Studie vorbehalten.

2. In dem Versuche, Tal- und Dorfnamen zu deuten ( I ), wurde an die über Einfischer Ortsnamen veröffentlichte Forschung ( Erlangen 1914 ) angeknüpft; das Kirchliche ( III ) und der Werdegang der Gemeinde ( IV ) wurden anhand authentischer Urkunden dargestellt; bei Zermatt als Handelszentrale wurde neben sichern Tatsachen auch die Volkstradition herangezogen, allerdings in der Weise, dass niemand entgehen kann, was als sicher und was als blosse Wahrscheinlichkeit zu gelten habe. Die kirchlichen Verhältnisse haben seit Errichtung der Kaplanei, 1722, und die Gemeindezustände seit dem Burgerreglement von 1791 wenig geändert; darum ist die alte Zeit als mit etwa 1800 abgeschlossen gedacht, während die allmähliche Entwicklung des Alpinismus wie eine Übergangszeit erscheint, von Saussure und der Besteigung des Mont Blanc 1787 bis zu Whymper und der Erstbesteigung des Matterhorns 1865. Auf Vollständigkeit erhebt kein Abschnitt Anspruch, am wenigsten dieser letzte, den man die Zeit der Romantiker, der Naturfreunde und der fleissigen Naturforscher und bahnbrechenden Bergwanderer heissen könnte.

L Tal und Dorf, wie sie sind und heissen.

Das Vispertal beginnt bei dem Städtchen Visp, 660 m ü. M., steigt bis Stalden in einer Strecke von 9,6 km wenig über 50 m, da das Dorf Stalden, 795 m ü. M., wohl an 90 m höher als die Talsohle gelegen ist. Bei Stalden gabelt sich das Tal: Östlich zweigt das Saastal ab, und südwestlich beginnt das sogenannte Grosse Tal, Nikolai- oder Zermattertal geheissen. Die Vispe ist aufwärts von Stalden zwischen sehr steilen Felshalden eingezwängt. Wilde Abgründe gähnen an beiden Uferhängen. Und es ist, als wollten die berüchtigten, gefährlichen « Kipfen » hinter dem Weiler Kalpetran mit einem wuchtigen Querriegel, aus Felsen und Geröllmassen gebildet, jeden Durchgang versperren. Im Rücken dieser natürlichen Talsperre öffnet sich eine liebliche Talmulde. Das ist das innere Tal, das eigentliche St. Nikiaus- oder Zermattertal. Es beginnt mit dem ältesten Wohnsitze der ganzen Gegend, dem alten Dorfe St. Nikiaus, das 1121 m ü. M. liegt. Am Kopfe des Tales aber ruht wie eine in Gletscherdiamanten gefasste Talkrone der wohlbekannte Fremdenort Zermatt, das uralte Dorf Zur Matte oder Praborgne, von Visp 43,2 km, von St. Nikiaus 19,2 km entfernt, in einer Höhe von 1620 m ü. M. Über das innere Tal schrieb vor gut hundert Jahren an seinen Freund Abraham Thomas in Bex der Chorherr Mürith, der ehemalige Prior des Grossen St. Bernhardsberges, ein geschätzter Naturforscher ( gestorben 1816 ), der den ersten botanischen Führer für das Wallis verfasst hat ( « Le Guide du Botaniste du Valais », Lausanne 1810 ): « Die Natur hat hier — von Täsch taleinwärts — alles verschwendet, was sie an Erhabenheit und Reichtum der Felsen, Wälder und Wasser hervorzubringen hatte. Im Grunde der Schlucht wälzt die Vispe ihre stürmischen Wasser in den Buchten der Rinne, die sie sich gegraben; eine Unzahl von Blöcken, die sich von den Höhen gelöst haben, erheben sich mitten in ihrem Bett als ebenso viele von Moos und Flechten umhüllte Inseln; das von Sand und Glimmer weisse Wasser bricht sich schäumend durch diese Hindernisse Bahn. Dieser Gegend voll Schwermut fehlen nur, um sie zum ersten Park der Welt zu machen, einige Wohnungen, die der gänzlich dahingenommenen Seele den Menschen und seine Arbeiten zurückrufen. Ermüdet von diesen grossen Eindrücken, würde das Auge sich an einer Hütte, einem Schirmdach für die Herde erlaben

Endlich öffnet sich hinter einem krummen Hohlwege plötzlich das Tal: das entzückte Auge erschaut eine Fläche vom schönsten Grün, in deren Hintergrund malerisch das Dorf Zermatt liegt. Die Berge rings um dies herrliche Becken glänzen von Schnee- und Eisfeldern, und gerade vor uns steigt der stolze Zahn des Matterhorns auf und scheint mit seiner kühnen Spitze sich in den Himmel einzubohren. » Dieses Tal, so romantisch wild und doch so freundlich in guten Jahreszeiten, hat seine uralte Geschichte. « Das St. Nikiaustal stand in frühern Zeiten nicht in Verbindung mit den übrigen drei Vierteln des Zehntens Visp », schrieb 1861 der Pfarrer P. J. Ruppen in seiner Familienstatistik der löblichen Pfarrei von St. Nikiaus. Und in der Tat bildete das innere Tal von alters her ein Ganzes für sich, dessen Schicksale weder politisch noch kirchlich von Visp aus bestimmt worden sind. So lagen die Verhältnisse wenigstens im 13. Jahrhundert, in der Zeit, da die ersten schriftlichen Nachrichten auftauchen.

Zunächst einiges über die Benennung des Tales und des Dorfes Zermatt.

Das Tal trug im Laufe der Zeiten verschiedene Namen: 1253 heisst es als Verwaltungsbezirk Viztum ( Vizedominatus ) de Chouson; sein Richter hiess 1218 Henselinus major de Choson; 1245 Anseimus de Chouson ( Walterus de Chouson war Domherr von Sitten 1227 ). Sein Name bleibt in den Urkunden bis ins 19. Jahrhundert geschrieben: Choson, Chouson, Chauson, auch Chausson und bei deutschen Notaren Schausun und Schauson 1307, bald fürs Tal, bald für das Dorf St. Nikiaus, dessen heutiger Name früher ausschliesslich für die Kirche verwendet und erst im 19. Jahrhundert von Amts wegen gebräuchlich wurde. 1291 nennt ein italienischer Notar das Tal Vallis de Zauxon, Zauxone, wie er auch Zanino schreibt und damit offenbar die gehörte Aussprache wiedergibt, während in der gleichen Urkunde der Pfarrer von St. Nikiaus als Curatus de Chouson unterzeichnet. 1301 schreibt ein deutschsprechender Notar im Register von Visp ( Valeriaarchiv ): Nik. Sohn des seligen Matth. ab Finellen de Gausun und nennt Liegenschaften und Rechte in tota valle de Gausun. Der Zürcher Gelehrte Josias Simler nannte 1574 das Tal Mattia Vallis, weil er Matt oder Mattertal gehört hatte; freilich schreibt er auch pagus Gasa, und sein Freund und Gewährsmann, der Sittener Apotheker K. Ambuel ( Collinus ), gibt im Anhang des Simlerschen Buches Valesiae descriptio den Namen mit ex valle Gasen wieder. Gasen ist noch erhalten, aber im Volke kaum genannt, in dem Namen des Weilers Ried, der als Gemeinde Gasenried ( auch Gassenried ) 1870 mit dem Dorf ( Kirchdorf St. Nikiaus ) in eine Gemeinde vereinigt wurde. Noch ein Name taucht in späterer Zeit auf: 1777 brachte das Journal de Paris, Nr. 143, 149, 173 und 176, « Détails sur les habitants de la vallée de Praborgne »; Vallis de prato Borno ( 1291 ) ist fast eine Ausnahme, und Zermattertal ist ein jüngerer Name.

Was soll nun der Name bedeuten? Unter Vorbehalt, aber mit Wahrscheinlichkeit, lässt sich folgendes anführen:

1. Die Formen Chosun, Chouson, Chausson, Schauson, Zauson, Gausun, Gasa, Gasen gehen auf das gleiche Wort zurück, das etwa Kalk gelautet hat; sei es, dass calx ( Ferse ) oder calx ( Stein, Kalk ) mit ihrer Ableitung auf one und dem Bestimmungsbegriff klein oder böse zugrunde liegen.

2. Nach dieser Voraussetzung muss die Form calceone vor dem 7. Jahrhundert durch Deutschsprechende etwa als galson, vielleicht schon mit velar er nach u ziehender Aussprache des l übernommen worden sein; denn cal hatte bei den Romanen im Gebiete des burgundischen Reiches bereits im 6. Jahrhundert gai und im 7. Jahrhundert mit Dental Vorschlag ( ds oder ts ) gelautet. Zum gleichen Worte gehört noch das im Oberwallis für einen grossen Stein gebrauchte Wort Tschuggen, und das uralte Matter Geschlecht Tschugger. Vermutlich liegt das gleiche Grundwort auch im Namen des Nachbarweilers « Kalpetran », wohl auch « Galphotran » gesprochen, Galpotram ( 1304 ) und zen Kipphon de Galpotran aus dem Jahre 1309.

3. Zum Vergleiche lassen sich heranziehen die altfranzösischen Formen chauseit und chausseis ( kalkig ); chaucement, chausement chauceure ( Schuhe ), Chausson, Chousson ( italienisch calzone, Beinkleid ); noch französisch Chaussée und chaussette; ferner ist eine Gleichung anzustellen: AI ( aua; Sausa ( regelmässige Urkundenform ), wohl von s alza, das auch urkundlich vorkommt, ist das heutige Saas, Name des Nachbartales; ebenso ist calcea ( Schuhe, Beinkleid ) zum heutigen tsase ( Hose ) im Einfischtal geworden. St. Nikiaus aber ist heute noch San Nikläs bei allen Oberwallisern.

Noch sei bemerkt, dass sich die romanische Form chouson im Volke nirgends erhalten hat ( 1511 wurde es auch Tchouson geschrieben, Arch. v. Saas, C. 5 ) und dass Gausun nur als Gasen, und auch das kaum mehr als aus der Schrift bekannt ist. Immerhin ist in Turtmann, wohin sich tatsächlich Leute aus St. Nikiaus im 15. Jahrhundert verzogen, noch der Ortsname « Gasun-Schwelli », « Gaserò », während die Familie Gasner längst ausgestorben ist.

Der Name Tal oder Ort zum « Bösen Stein » wäre für den von Steinschlägen bedrohten Ort oder gar für das von der Steinpyramide des Matterhorns beherrschte Tal nicht unpassend. Auch der Sinn von Weg ( vgl. Chaussée ) wäre zulässig.

An zweiter Stelle kommt der Name Zermatt. Das Volk kennt nur Zer-Matt mit Betonung des Hauptbegriffes, dessen sich der Sprechende bewusst bleibt. Man spricht von Zermattern und Mattern, doch eher von einem Matti und Mattinu. Die Urkundenformen sind: Kirche de Pra Borno, 1285; vallis de prato Borno, 1291; Johannes teelere de prato borni, 1301; Wl. Fabri de prato Borni, 1301; Walterus der Wirt de braborno, 1307; und alle diese Formen häufig.

Zur Bedeutung dies: Über den ersten Teil des Namens darf kein Zweifel walten. Pra und Pratum bedeutet Matte und sieht in unserm Falle wie eine Übersetzung des deutschen Namens aus. Der zweite Teil wird Bornum, Borno ( gelehrt ) und borny geschrieben. Er stimmt adjektivisch überein. Ähnlich lautet auch der Bachname der Borgne, die von den Nordhängen der Dent-Blanche über den Ferpècle-Gletscher zusammenrinnt, den Bach aus dem Arollatal bei Haudères aufnimmt und sich bei Brämis in den Rotten stürzt.

Was mag der Name bedeuten? Altfranzösisch born = Bienenstock ( gehöhlter Baumstamm ); savoysches burna ist Loch, Höhle, bornai, ein Loch im Baumstamm. Das gleiche Wort mit der Bedeutung Höhlung, Loch ist nicht bloss im französischen, piemontesischen, sizilischen, sondern sogar im arabischen Sprachgebiete, hier als bornyya ( Gefäss ) bekannt — man kann dabei an die Sarazenen des 8. und 9. Jahrhunderts denken —, ist mit dem lateinischen forare ( graben ) verwandt, heisst altdeutsch « boron » und deutsch « bohren ». So will es scheinen, dass auch das Bestimmungswort borny ( aus bornea ), das wohl die einzige gesprochene Form darstellt, eine blosse Übersetzung für Loch, Höhle, Mulde darstellt. Die Familie « bornig » blühte in Zermatt vor 1476. Die Borgne ( borgny ) wäre also der Bach aus dem Loch ( Lochbach ) und Praborgne einfach die Lochmatte. Tatsächlich heisst ein Weiler in St. Nikiaus am rechten Vispufer die Lochmatte, und, was auffälliger ist, das uralte Zermatt, heute das « hintere Dorf » genannt, hiess bis ins 19. Jahrhundert schlechthin d'Lochmatta. Noch sei hinzugefügt, dass Loch noch heute Tal und Talende bedeutet. Der Saaser, der heim will, und der Matter, der ins Tal zurückzukehren sich anschickt, beide sagen wohl auch: zurück ins Tal! Aber zu ihren Bekannten sprechen sie vertraulich: I müoss ins Loch ä min. Vielleicht ist das unweit Schwarzsee gelegene, jetzt verschollene Dorf Bomatt, das noch einen lebenden Doppelgänger im Formazzatal ( Bomatt = Pommatt geschrieben ) zu haben scheint, als « Bormatte » gleich Praborne anzusprechen. Auch der Triftbach hatte seinen alten Namen « bomassie » ( auch Baumbassier geschrieben ).

Für die Besiedelungs- und Sprachgeschichte ergeben sich aus der Betrachtung des Talnamens Gasen und des Dorf namens Zermatt, natürlich immer unter Vorbehalt der Nachprüfung, erhebliche Schlüsse: 1. der Talname zeigt entschieden romanischen Ursprung, war aber schon etwa im 6. Jahrhundert von einer germanischen Einwohnerschaft gebraucht. Die vollständig romanische Form blieb ein Gelehrtenwort und war besonders im Munde auswärtiger Herrschaften. Der Dorfname Zermatt hingegen ist ursprünglich deutsch, praborgne ist die wörtliche Übersetzung, die von welschen Nachbarn, den Augsttalern, Herrschaften wie Grafen von Savoyen und Herren von Turn, verwendet wurde.

2. Der Talname ist eine Art Abstraktion, eine Zusammenfassung, zu dessen Bildung die Einheimischen in ihren einsamen Weilern wenig Anlass hatten. So ist es begreiflich, dass nicht bloss das Saastal von welschen Nachbarn, sondern auch das Mattertal von romanischen Herren oder Nachbarn eine romanische Benennung erhielt. Die Dörfer und Weiler des Tales aber haben wohl ausnahmslos deutsche Namen. So in St. Nikiaus, das selbst auch ein Sammelname ist: Dorf ( Kirchdorf ), Matt, Ried, Schwidern, Sand, Herbriggen. Die zwei Dörfer zwischen St. Nikiaus und Zermatt tragen ebenso echtdeutsche Namen: Randa, dessen End-betonung bei dem schwebenden und dehnenden Akzent der Randäer nicht gar auffallen darf, hat vielleicht romanischen Einfluss gespürt ( randatum, d.h. auf-geteiltes Gebiet ); 1300 heisst es « Randa », und häufig in gleicher Form, ist germanisch Rand, Schild, im Mittelalter auch Schwerbscheit. Das zweite Dorf, das letzte vor Zermatt, ist Täsch. Tech 1302, Techs 1303. In gelehrter Übersetzung auch pera, geht es auf das germanische tasca zurück und mag als Tasche, Sack, Mulde, Waldbucht übersetzt werden. In Zermatt selber finden sich: Trift, Matte, Hof, Howeten, Ried, Winkelmatten, Blatten, Buel usw., alle am Ende des 13. Jahrhunderts. Aroleit war ein Weiler am Handelsweg, vielleicht eine Krämerstation arolletum ( zu den Arben ), doch viel eher ist es ein echt germanischer Name, Aro und Lei, etwa « Adlerfels », wie denn die Matter den Adler und Geier immer noch d's Ari nennen, die Berghalden zwischen Mutt und Zermatt « die Arenalpe » und die « Arenfluh », und im Einfischtal hinter Zinal eine Alpe La lei ( La lex, nun l' Allée !) heissen. 1495 war H. Aren von Zermatt Altarist seiner Pfarrkirche. Ein sicher romanischer Ortsname wird schwer zu finden sein, selbst nicht in Gorner ( vgl. Dialekt goren = graben ).

Es ergibt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass das ganze Tal von germanischer Bevölkerung besiedelt oder übersiedelt worden ist, aber schon früh, etwa im 6. Jahrhundert, in regem Verkehr mit Romanen stand, wohl ganze romanische Familien aufgenommen hat; es ist, als hätten die anno 443 in Savoyen angesiedelten Burgunder einen Volksschwarm in die Walliser Berge und nach dem Mattertal gesendet. Jedenfalls wirft das Kapitel « Urgeschichtliches » ein Licht auf die alten Matter.

IL Urgeschichtliches.

1. Zermatt ist eine vorgeschichtliche Verarbeitungsstelle für Topf stein. Über Zermatt sind vor dem 13. Jahrhundert keine Urkunden vorhanden. Will man trotzdem etwas wissen, so muss es aus der mündlichen Überlieferung, aus Sprach-resten und namentlich aus sogenannten Funden erschlossen werden. Also etwas über Funde! In Zermatt sind viele steinerne Töpfe gefunden worden, die uns zu bestimmter Erkenntnis führen. Es lassen sich nun die Fragen stellen: Wo wurden sie gefunden? Wie sehen sie aus? Und was sagen sie uns?

2. Der Chronist Pfarrer Rüden erzählt bereits 1869: « Zermatt hiess ,in den Höfen'sowohl vor als hinter dem Baumossier ( Triftbach ). Daher noch jetzt der Name ,im Hoff und in der Hoff matte '. Die Häuser standen grösstenteils in den Wiesen hinter dem jetzigen .hintern'Dorfe. Eine Schneelawine, die aus dem Trifttale heraus zwischen den Kästen ( oder Kastei, wo 1300 ein Schloss der Herren von Raron stand ) herunterstürzte, soll sie da niedergerissen haben. Wo immer das Fundament zu einem Gebäude gegraben wird, zeigt es sich, dass einst der Boden vom Triftbache an bis zur Spisfluh hinaus tief unter Wasser lag. Auch fand man an verschiedenen Stellen 3—4 Fuss tief ächte Kohlen und gedrechselte Steine von der sogenannten Lindfluh, meistens in der Form von Uhrgewichten. » Dieser Bericht wird durch Zeugen in seinem ganzen Umfange bestätigt und ergänzt. Als 1868 das Gasthaus Monte Rosa vergrössert wurde, fand man eine Menge fertiger, zerschlagener und angefangener Steintöpfe, auch sogenannte Kerne, die aus der Mitte der Töpfe herausgehöhlt worden waren; die Töpfe waren meistens in Form von abgestumpften Kegeln, auswendig gedreht; dazu fanden sich noch mehrere Karren voll Schutt und Abfälle, wie es Augenzeugen berichteten. Es ist kein Zweifel darüber, dass hier also eine Werkstätte, eine Verarbeitungsstelle für Topfstein gestanden hat. In Zermatt selbst und in seiner Umgebung waren derartige Steintöpfe selbst noch in letzter Zeit häufig anzutreffen. Es wurden solche gefunden zumeist in Hofstätten und alten Mauern, z'Mutt, zum See ( Aroleit ), in Platten, in der Hofmatte, so dass sie noch vor kurzen Jahren den Knaben als Spielzeug dienten; ebenso wurden gefunden im Ryfel und Ryfelberg beim Bau der Hotel 1883/84, von denen u.a. einige in das Museum der Jesuiten nach Feldkirch kamen. Die Steinkerne aber fanden nicht selten als Uhrgewichte Verwendung.

Wo sind nun diese Steine gebrochen worden? Woher bezog der Töpfer seinen Rohstoff? Topfstein ( Chloritschiefer ) ist in der Umgebung von Zermatt, u.a. auf der Gorner Moräne beim Weiler Furri, am Ryfelberg, unter dem Gornergrat, als Stücke und Anstehendes. Doch dies Gestein war auch droben in der wilden Gletscherwelt in alter Zeit schon erkannt und ausgebeutet. Hinter den Zwillings-bergen Castor und Pollux im Monte Rosa-Massiv ist noch heute die Bruchstelle an dem Anstehenden zu sehen. In der Nähe einer Schicht Bergflachs ist hier eine andere Schicht Magnesiumsilikat, bald Topfstein, bald Giltfluh und Ofenstein, in Zermatt auch Lindfluh geheissen. Auch hier sind noch Reste von Verarbeitungen, gehöhlte Steine und Bruchstücke, wie sie u.a. mein Gewährsmann, Führer und Prof. K. Gentinetta, noch vor wenigen Jahren selbst angesehen und in den Händen gehalten hat.

3. Nun, wie sehen die Töpfe aus? Die Abbildungen Seite 248 zeigen die nach gewissenhaften Angaben ausgeführten Zeichnungen. Es sind offenbar Hausgeräte für die Zwecke des Haushaltes für Küche und Tisch, die unsre Eimer, Krüge, Flaschen, Kübel und Platten ersetzten; oft mehrere Pfund schwer, so dass die damit spielenden Knaben sie mit einer Hand zu heben kaum vermochten, mit einem dicken, festen Stand, in verschiedener Höhe, etwa zwischen 5 und 20 cm hoch, mit einem Durchmesser von 2—5 cm ( Kern ) und 9—20 cm ( Töpfezumeist in der Gestalt eines abgestumpften, aufrechten ( 6, 7, 8 ) oder umgekehrten ( 1, 2, 3,4 ) Kegels, äusserlich mit Drehlinien ( 1, 2, 3, 5 usw. ) und eingegrabenen ( 1, 2, 3 ) Kerbringen, die stets das obere Drittel freilassen; die Höhlung ist z.B. bei 5 bloss etwa 3—4 cm tief, da das Gefäss in seiner letzten Verwendung kaum zwei Tassen Milch für die Knaben fasste. Recht zierlich sieht 4 aus, das mit seinem Stand einem Kelchglase gleicht, aber nicht oft gefunden wurde. Nr. 1 ist ein angefangener, aber unvollendet gebliebener Topf und lässt die Arbeit des Dreheisens ( Steins ?) erkennen; Nr. 2 ist ein Steinkern, wie er in Nr. 1 angefangen worden ist. 1 und 2 sind 1868 an Herrn A. Baux nach Marseille gekommen, der sie gemessen und im Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde 1876 beschrieben hat. Der Topf gleicht in Stoff und Form und Mass dem Topfe, der in der Winterstation Montana ob Siders neben dem Hotel du Pare in einem noch tadellos erhaltenen, mit grossen Monolithschiefern gebauten Doppelgrab von Herrn Hotelier Antille gefunden und von Dr. L. Meyer 1922 gemessen wurde ( Massangabe B ).

4. Was soll es nun mit diesen Töpfen?

Zur Erklärung lassen sich andere Funde heranziehen. In Saas wurden in einer Höhle ähnliche Gefässe gefunden, die jetzt im Sittener Museum aufbewahrt werden. 1891 wurde in St. Nikiaus unter einer Steinplatte ein Grab geöffnet, das einen Steinbecher von etwa 6 cm Höhe und zwei Armbänder enthielt, aller Beschreibung nach ( Wall. B. 1891, 13. Juli ) der ausgehenden La-Tene-Zeit angehörend.

Im Sommer 1922 fand Maler Niefeier beim Ausgraben der Fundamente seines Hauses in Kippel ( Lötschen ) zwei steinerne Töpfe, von denen der eine, etwas grob gearbeitet, ganz blieb. Neben diesen Töpfen befanden sich u.a. prächtige Fibeln vom Misoxer Typus, dazu vier Silberringe, usw. Das Ganze nach Dr. Tatarinoffs Gutachten sicher aus der Zeit vor dem dritten christlichen Jahrhundert.

Über Zermatt lässt sich nun folgendes zusammenfassen:

Dr. L. Meyer.

Gezeichnet nach bestimmten Angaben von Prof. K. Meckert, Sitten.

2. Ein Steinkern, der aus der Mitte, wie bei Nr. 1 ersichtlich, ringsum los-geritzt und herausgenommen wurde und noch im 19. Jahrhundert als Uhr-gewicht Verwendung fand.

3. Ausgehöhltes, fertiges Gefflss ( viele dieser Art ).

I. Ein angefangenes, aber nicht vollendetes Getäss ( dieser Art wurden einige gefunden ).

Masse zweier Töpfe und des Steinkerns:A ( 1 ) Höhe 10,9 cm Durchmesser oben ll,j »unten9 Randdicke 1 B Steinkern ( 2 ) 13,5 cm 11,5 cm 12,2 4,5 » 9,9 2,7 0,5 5. Eine Art Schüssel, 3—5 cm tief gehöhlt, etwa 2—3 dl enthaltend, mit roher Handhabe, in Pfannenform, vielleicht auch irgendwo .festgemauert.

6, 7, 8. Töpfe mit 1, 2 und 3 Kerbringlein, unten weiter als oben ( diese Art wurde am häufigsten gefunden ).

4. Gefäss mit dem Fusse nach Art eines modernen Kelchglases ( wenige Beispiele ).

1. Weder Volkstradition noch schriftliche Aufzeichnungen tun der Topfwerkstätte Erwähnung; doch soll damit nicht gesagt sein, einzelne Töpfe wären nicht auch später, sogar noch im 19. Jahrhundert aus Giltstein verfertigt worden.

2. Die Zahl der Reste, die Menge der Abfälle und des Schuttes beweisen, dass es sich um eine Verarbeitungsstelle von einiger Bedeutung und wohl um einen langjährigen Betrieb handeln muss, dem wahrscheinlich durch ein Naturereignis ( Lawine ) ein jähes Ende bereitet wurde 3. Der Topf von Montana wurde nach grosser Wahrscheinlichkeit im Handel von Zermatt hergebracht, wohl auch der Becher ( Urne ) von St. Nikiaus; ob auch die Töpfe von Kippel, ist eher fraglich.

4. Man darf sagen, Zermatt habe sicher bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten, etwa in der ausgehenden La-Tene-Zeit, eine Werkstätte für Topfstein gehabt, habe die Erzeugnisse seines Betriebes auch in den Handel gebracht und auf verschiedenen Bergwegen wegtragen lassen.

Zermatt hatte also eine urgeschichtliche Topfwerkstätte, war ein Ort des Handwerkes der alten Zeit.

III. Die Kirche.

Das erste Gotteshaus im Tale war offenbar die Kapelle des heiligen Nikolaus ( von Myra, gestorben 342 ) mit Fest am 6. Dezember ( Dorf St. Nik. ). Diese Kirche reicht tief ins 13. Jahrhundert zurück und war geraume Zeit die Pfarrkirche des Tales. Zermatt blieb lange ihre Filiale. An der Stelle, wo jetzt die Sakristei steht, soll das Beinhaus der Zermatter oder vielmehr der Aroleiter, die sich später von der Mutterkirche trennten, gestanden haben. Die Zermatter zahlten dem Pfarrer von St. Nikiaus: 1. den Grossviehzehnten, d.h. das zehnte Stück ihrer Viehhabe; 2. den sogenannten Jungviehzehnten, nämlich jährlich das zehnte Stück von dem Viehnachwuchs: Kälber, Lämmer, Zicklein, Esel- und Pferdefüllen. Von diesen doppelten Viehzehnten kauften sich die Zermatter unter ihrem Kaplan Johann Willis vom St. Niklauser Pfarrer Joh. Kelber am 8. Mai 1546 los und zahlten als Ersatz: Für den Jungviehzehnten 350 Geldpfund und für den Grossviehzehnten 3790, also 4140 Pfund im ganzen. Zur Erinnerung an ihre frühere Abhängigkeit schuldeten die Zermatter an den Pfarrer von St. Nikiaus noch 1870 jährlich Fr. 3. 85, wofür der Pfarrer von St. Nikiaus Kranken in Zermatt auf ihr Begehren Dienste zu leisten hatte.

Zermatt erscheint als Pfarrei in einem Kaufbrief vom 27. Oktober 1280, den Walter, Pfarrer von Zermatt, als Zeuge unterschrieben hat. Am 24. April 1285 vermachte Normand, der Grosskantor von Sitten, der Kirche von St. Nikiaus und jener von Zermatt ( ecclesiae de Pra Borno ) je 2 Schilling Jahresgilt. Ein zweiter Pfarrer tut 1306 Kanzleidienste in Zermatt und unterschreibt eine Schenkungsurkunde als Notar Dominus Conradus, curatus de Pratoborno; ein dritter Pfarrer war Walter de Lavota von Visp, 1318. Die Reihenfolge der Seelsorger zeigt Lücken, bis sie vollständig weitergeht vom Jahre 1443 an, da der Gomer Moritz Siber Pfarrer war. 1476 werden im Mutterviertel drei Geistliche angeführt: der Pfarrer ( Ant. Triebmann von Visp ), der Kaplan und der Altarist. 1495 ist Heinrich Aren von Zermatt Altarist des Muttergottes Altars. Und 1497, den 15. Februar, schrieb der Notar Markus Kelber von Göppingen im « Hause des Altars der seligsten Jungfrau Maria » eine Urkunde, in der Johannes Trieb- Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. 57. Jahrg.. mann von Visp um Loskauf und Neuordnung seiner Pfründe und der Stiftungsgelder anhält. Pfarrer I. Schalbetter und die Altarsvögte Joh. Jennilten und Hans in der Schlucht haben dem Gesuche entsprochen und ein Stiftungskapital von 27 Mörserpfund angelegt. Auch der Dreifaltigkeitsaltar hatte einen eigenen Geistlichen und ein eigenes Haus, von dem 1463 die Rede ist. Mit der Zeit sind diese Nebenpfründen zusammengeschmolzen und schliesslich eingegangen. Die gegenwärtige Kaplanei erhielt 1716 die erste Stiftungsgabe, nämlich 440 Mörserpfund, vom ehrsamen Jüngling Jakob Perren, dem Sohn des I. zen Gassen in Findelen. Andere Wohltäter folgten dem Beispiele. 1722 wurde der erste Präbendar Franz Xaver Sigristen von Glis eingesetzt. Seither folgte fast ohne Unterbruch ein Zermatter Kaplan auf den andern.

Das Gotteshaus stand von alters her immer am gleichen Ort vor dem Dorf-platz.B.ereits 1285 hatte es gestanden zur Ehre des heiligen Mauritius; aber manche Veränderungen und Umbauten folgten. Wie die Aufschrift in der frühern Sakristei ( vor 1913 ) zeigte, geschah 1587 ein Neubau, doch auch er wurde vom Fremdenstrom im neuen Zermatt ergriffen; und ein neues, hübsches Strandgut ward angeschwemmt: An Stelle des alten, im sogenannten italienischen Stil einfach gebauten Gotteshauses ist 1913 die stilvolle Pfarrkirche erstanden. Die alte Kirche war überragt von einem viereckigen Turm, der unter seinem langgezogenen Zeltdache vier Glocken beherbergte. Die kleinste zeigte keine Altersangabe; die zweite, die Agatha-Glocke, hatte die Inschrift: Vivat fraternitas s. Agathae 1697; die dritte war aus dem Jahre 1640, Mariae und dem heiligen Theodul geweiht; die vierte und grösste wurde 1702 in Täsch gegossen und läutete zu Ehren der Hlst. Dreifaltigkeit und der heiligen Familie.

Über die Stiftungen der Kirche belehren uns mehrere Tatsachen. Eine Frau Philippa wird in der Überlieferung als Stifterin und Wohltäterin genannt. Die Pfarrmatte und das Korngilt von Stalden sollen ihr Geschenk sein. Sicher hat 1285 Normand von Aosta, der Grosskantor der Sittener Kathedrale, zwei Schilling Jahresgilt vergabt. Dies ist wohl ein Zeichen, dass die Zermatter Kirche früher von Savoyen aus unterstützt und vielleicht sogar gegründet worden war. Sicher war auch die Visper Familie de Platea eine Wohltäterin von Zermatt. Tatsächlich bezog die Kirche von Zermatt schon anfangs des 15. Jahrhunderts vier Muid oder 48 Fischel Korngilt von Staldner Äckern; früher von den « alten Hoffera » ( wohl alten Zermattern in Stalden ) bezahlt, wurde dies Gilt 1465 bestätigt, ebenso 1487 und wieder 1545 « auf Gütern ob Stalden » anerkannt. Am 21. Februar 1796 schuldeten Törbjer auf der « Gufermatte » in Stalden anderthalb Fischel an das Zermatter Gilt. Die Befreiung geschah erst 1854, den 28. September. Die Eigentümer der zinspflichtigen Güter erlegten als Loskauf am 29. April 1858 2016 Franken. Die Staldner waren der Zermatter Kirche noch durch eine grössere Schuld verbunden; sie schuldeten ihr weitere 98 Visper Fischel ( je etwa 20—25 1 ) Korn; die Ablösung erfolgte zwischen 1702 und 1736. Alle diese Güten sollen auf die Grossmut der edeln Familie de Platea zurückgehen. In die Chronik gehört noch, dass die Zermatter Kirche für den päpstlichen Zehnten 1364 um zehn, St. Nikiaus um 24 Solidi belangt wurde, während die Zehntenschätzung von 1428 den Pfarrer von Zermatt zu 5, jenen von St. Nikiaus zu 12 Geldpfund verpflichtete.

Über die Pfarrei geben ihre amtlichen Bücher seit dem 16. Jahrhundert Aufschluss. Die Taufbücher beginnen mit 1634, die Ehebücher mit 1647, die Sterbebücher schon mit 1555.

Ein Ehrenblatt in der Kirchenchronik ist die Tatsache, dass zwei Zermatter den bischöflichen Stuhl des heiligen Theodul geziert haben. Im Viertel zum Bach steht am Dorfsaum vor d's Furrisch Tola ein dreistöckiger Blockbau, dessen angemauertes Stiegenhaus unter einem zierlichen Tuffbogen den Eingang öffnet. Da wohnt Fehnder Lauber; das ist das alte Blatterhaus, das Ahnenhaus zweier Bischöfe. Das erste und zweite Geschoss wurde schon 1450 gebaut; das Giebel-stück erst 1823 aufgesetzt; aber der zweite Stock erfuhr einen Um- und Ausbau 1679, wie die Inschrift am Bindebalken meldet: J. M. J. Hoc opus fieri fecit Arnoldus Blatter major, cum sua conjuge Katharina Schuler. Anno 1679. Der Bauherr war Notar und Meier Arnold und gehörte als Sohn des Meiers Johann der Beamtenfamilie Blatter an. Er war den 11. April 1653 in Zermatt geboren, siedelte aber nach Visp über, wurde Stammherr der dort blühenden Familie Blatter, war 24 Jahre lang Landschreiber, 1691 und 1706 Kastlan von Visp, von 1731 bis 1736 Landeshauptmann und starb 1737. Seine Gattin Katharina war die Schwester des Zermatter Pfarrers Joh. Schuler, deren Eltern jenseits des Triftbaches gewohnt hatten. Arnold wurde Vater und Urgrossvater von zwei Bischöfen, deren Amtstätigkeit in vorzüglichem Andenken steht. Der erste war Joh. Joseph, am 23. März 1684 zu Visp geboren, studierte in Wien Philosophie und Theologie, wurde 1719 Stadtpfarrer von Sitten und 1734 Bischof von Sitten, gewählt im Mailandrat, den sein Vater als « grossmächtiger und schaubarer » Landeshauptmann zusammengerufen hatte. Seine segensreiche Wirksamkeit ist eingerahmt von zwei Stiftungen, die der Erziehung und Bildung des Klerus gewidmet waren und als unvergessliche Wohltaten fortleben. Einmal stiftete er das Priesterseminar auf Gerunden bei Siders, 1748, dem er durch Urkunde vom 24. Februar gleichen Jahres 5000 Kronen zuwies; zweitens stiftete er zwei Freiplätze für Walliser Theologen am St. Barbarastift in Wien, für die der bischöfliche Gönner im Jahre 1751 6666 Florin hinterlegte und die weiterbestehen im Jesuitenkonvikt zu Innsbruck.

Der zweite Bischof ist der Grossneffe des ersten, Jos. Anton Blatter. 1745 in Visp geboren, studierte er ebenfalls in Wien, wurde am 3. Juli 1790 zum Bischöfe von Sitten erwählt. Er trug die Leiden der französischen Invasion im Wallis. 1798 von den französischen Truppen schimpflich misshandelt, entfloh er nach Novara, kehrte aber bald zurück und starb 1807, den 19. März, als ein leiden-erprobter, frommer Oberhirte mit dem ehrenden Zunamen « Pius ».

IV. Werdegang der bürgerlichen Gemeinde bis zum

Jahre 1791.

1. Herrschaften und Ablösungen in Zermatt.

Die Oberhoheit über das Tal gehörte von jeher dem Bischof von Sitten. 1218 hatten die Kirche und der Bischof von Sitten sogar Güter, Wiesen, Alpen und Häuser in Gressoney, « Verdobi », « in valle de Ussima » und auch im Augsttal weit herum. Die Oberhoheit über das Mattertal war aber 1368, den 27. Oktober, in einem Schiedsspruch des Herzogs von Savoyen eigens bestätigt worden. Das war in einem Handel, den der Bischof Witschard Tavelli gegen Anton, Johann und Peter von Turn, die Söhne Peters, führte. Besitzungen, die Marquetus von Visp bei St. Nikiaus und Zermatt gehabt hatte, waren dem Bischof verfallen, weil sie ohne Erlaubnis des Bischofs waren entäussert worden. Peter von Turn erhob Einspruch und behauptete, sie gehörten ihm als dem Lehnherrn. Amedeus VI., der Herzog von Savoyen, urteilte jedoch, jene Dinge seien gegenwärtig und seien immer gewesen im Vasallengebiet des Bischofs von Sitten. Besitzrechte und Amtsrechte wurden um diese Zeit nicht immer scharf auseinandergehalten. Namentlich massten sich die Grafen von Savoyen und ihre Vasallenfamilien häufig auf ihrem Eigentume auch Hoheitsrechte an. Sie mögen vor dem 13. Jahrhundert und vor 1249 durch Thomas von Aosta über Zermatt geherrscht haben.

a ) Die von Raron, von Turn und Blandrate.

Rechte und Güter hatten im Tale sicher die Herren von Raron und die von Turn. Das Schloss der Herren von Raron stand oberhalb Zermatt unter den Bodmen am Triftbache, wo der Ort noch Kastell heisst. Im Jahre 1268 schenkte im Schloss zu Raron Junker Rudolph seiner Gattin Nantelma, einer Tochter Girolds von Turn, alle seine Rechte und Güter in der Pfarre und im Tale de Chauson. Er bekräftigte diese Schenkung durch Übergabe eines Hand-schuhes ( Wanti ). 1398 hatte Antonius Hespers, Junker von Raron, seinen Sohn Rudolf aus der väterlichen Gewalt entlassen und verlieh ihm Rechte und mit der Oberherrschaft auch 112 Schilling Jahressteuern im Gebiete von Zermatt.

Die Herren von Turn hatten schon 1234 Zehntenrechte über einen Drittel des Eringertales, die sie dem Spital Monjoux des St. Bernhardsberges überliessen. Ihre Herrschaft griff auch über den Eringerpass nach Zermatt herüber. Am 15. Oktober 1350 machte Peter von Turn, Herr von Gestein, sein Testament. Er begünstigte seinen erstgeborenen Sohn Anton und übergab ihm unter anderem seine Rechte in « Schauson » und « Praborny ». So waren also die von Turn Lehensherren im Tale. Das spricht auch Peter von Turn gründlich aus, wenn er, nach Angabe des Schiedsspruches von 1368, dem Bischof sogar die Hoheitsrechte streitig gemacht hatte. Mit dem Jahre 1375, dem Sturz der Familie von Turn zu Gesteinburg, hört auch diese Vasallenherrschaft auf. Für die amtliche Verwaltung des Tales kommt der Umstand in Betracht, dass das ganze Tal « Vidomnat von Chouson » hiess und lange in gleichen Händen war wie das Vidomnat von Sitten, wenigstens im 13. und 14. Jahrhundert. So hatten die Herren von Ollon schon vor 1253 bis 1339 Anrecht am Vidomnate von Sitten und an dem des Zermatter Tales. Ihnen gehörte ein Drittel dieser zwei Vidomnate. Dafür schwuren sie dem Bischöfe von Sitten den Lehenseid. In gleicher Weise waren auch die Grafen Blandrati von Visp bischöfliche Amtsleute. Nachdem ihr Stammhalter Gottfried im Jahre 1249 zugleich mit seinem Schwiegervater Jozelmus von Castello, Grafen von Visp, zuerst von Mathilde, der Gattin des Thomas von Aosta, und 1253 von Peter d' Oüon, Rechte an dem Vidomnat von Sitten und Chouson gekauft hatte, wurde er von 1257 an Meier von Visp und galt fortan als Herr des Saaser- und St. Nikolaitales. Als Herr beider Täler trat auch sein Sohn Jozelmus für sich und seinen Neffen Johann im Friedensvertrag von 1291 auf, den er und die Bewohner des Saaser und Matter Tales, als seine Dienstleute, mit den Talbewohnern von Anzaska und Macugnaga schlössen. Noch spielten die Blandrati in dem Aufruhr von 1361 eine Rolle, die ihre Vasallentreue gegen ihren bischöflichen Lehensherrn nicht in reinem Lichte zeigt.

b ) Die Zermatter unter Kirchenstrafen 1361.

( Eine Aufruhrszene unter den von Turn und Blandrati. ) Das Haus Tavelli hatte seit 1351 Fehde mit den Adelsfamilien von Turn ( Gestein ) und Blandrate ( Visp ). In diesen Streit war auch Bischof Witschard Tavelli ( 1342—1376 ) verwickelt. Deshalb suchte er Schutz bei den Landleuten des Obern Wallis. Diese waren, insbesondere die Gomer, um so leichter zu haben, als sie mit den siegreichen Eidgenossen seit 1346 im Bündnisse standen und. der Adelsherrschaft überdrüssig waren. Bischof Tavelli war aber auch ein persönlicher Freund und sogar Kanzler Amedeus'VI ., des Grafen von Savoyen; darum rief er auch dessen Hilfe an. Der Graf Hess sich die Dienste bezahlen und schien Bischof und Land nach und nach unter seine Gewalt zu bringen. Das war bei den freiheitsliebenden Oberwallisern Grund genug, gegen ihren Landesherrn, den Bischof, misstrauisch zu werden. Selbst das Domkapitel, das verschiedene adelige Herren unter seinen Mitgliedern zählte, fasste Argwohn. 1354 verklagte es den Bischof beim Papste, als hätte er Kirche und Vaterland an Savoyen verraten. Der Papst Innozenz VI. nahm die Klage an und lud den Bischof am 26. März 1360 nach Avignon vor seinen Richterstuhl. Die Anschuldigungen konnten nicht aufrechterhalten werden; doch hatten sie den Schein für sich. Der Graf Amadeus hatte 1356 mit dem Bischof eine Abmachung getroffen, der gemäss er unter anderm die Burg Tourbillon als Pfand besetzt hielt. Das schmerzte die Oberwalliser und reizte sie zum Sturm. Sie griffen 1360 die Burg an und zwangen den Grafen zum Frieden vom 21. März 1361. Amedeus VI. gab die bischöflichen Schlösser heraus, trat die Landeshauptmannstelle ab und verzichtete auf das bischöfliche Wallis gegen eine Entschädigung von 13,000 Goldgulden. Die Mehrheit der Landleute nahm den Vertrag an. Mörel und Goms lehnten ihn rundwegs ab und verweigerten ihren Anteil an der Geldentschädigung. Sie gewannen für ihre Sache auch die Bergleute des Vispertales, die von Terminen und, wie es scheint, ganz besonders die von St. Nikiaus und Zermatt. Der Savoyervertrag wurde Tagesgespräch und wuchs sich aus zu einem drohenden Aufruhr. Da wollte der friedliebende Bischof ein Letztes versuchen, die Unzufriedenen zu gewinnen und umzustimmen. Er sammelte Leute aus Martinach, Gundis, Sitten, Siders und Leuk und zog mit diesem Gefolge ins Oberwallis. Er war am 16. Oktober 1361 in Ernen. An diesem Tage wurde zu Brig der grosse St. Galli-Markt abgehalten, und viel Volk war von Berg und Tal herbeigeströmt. Da war über Landesverrat und Savoyervertrag im gleichen Tone gesprochen worden. Der Markt hatte unter den Bergleuten Stimmung gemacht. Die Menge war bei Wein und Widerrede aneinandergeraten; es setzte eine Verschwörung ab. In dieser Zeit war das Vispertal als Vidomnat den Herren von Blandrate Untertan, zum Teil auch den Herren von Turn zinspflichtig. Blandrati waren zugleich die massgebenden Amtsleute, die Viztume, von Naters und Goms, wo auch die von Turn begütert und angesehen waren. Diese Herrschaften hatten also das Heft in der Hand; besonders die von Turn waren aber dem Bischöfe feind und schürten das Feuer. Was wunder, dass bei einbrechender Nacht die erhitzten Marktleute sich auf den Weg nach Ernen begaben! Es waren aus den Visperbergen, zumal aus dem Mattertal, einige darunter. Um Mitternacht wurden die Herbergen des Bischofs und seines Gefolges umzingelt, lärmend und schimpfend förmlich gestürmt. Beleidigung und Schläge folgten. Es gab mehrere Tote und viele Verwundete. Der Bischof selbst erhielt eine Wunde, wurde festgenommen und hinter Schloss und Riegel gesetzt. Er blieb 11 Wochen in Gefangenschaft. Von den Leuten, die misshandelt, getötet oder verwundet wurden, waren solche unter andern aus Salgesch, Leuk, Siders, Savièse, Sitten, Ardon und Chamoson. Laut Dekret des zweiten Lateranischen Konzils ( 1139 ) waren aber böswillige Misshandlungen geistlicher Personen mit der dem Papste reservierten Exkommunikation belegt, und laut den Clementinen ( von Papst Clemens V., 1317 ) zogen Misshandlungen und Einkerkerung des Bischofs über die Orte, die sich schuldig gemacht hatten, das Interdikt nach sich: Gottesdienst und kirchliches Begräbnis waren deshalb untersagt. Diese Strafen betrafen fünf Pfarreien: Münster, Ernen, Mörel und die zwei Vispertaler Pfarreien St. Nikiaus und Zermatt. Am 4. Januar 1362 kam zu Weingarten bei Naters zwischen dem Bischof und zwei Bevollmächtigten des Domkapitels einerseits, den Schuldigen anderseits ein Vergleich zustande, der Güte und Nachgiebigkeit in hohem Masse zeigt. Es wurde abgemacht, dass eine allgemeine Amnestie eintrete: Verzeihung, Straflösigkeit, Friede mit allen Beschädigten, ja sogar Erlass aller rückständigen Zinsen. Der Bischof musste zudem auf seine Kosten um Lossprechung beim Papste bitten. Er tat es. Die päpstliche Absolutionsbulle wurde denn auch am 28. April 1362 zu Avignon ausgefertigt. Die Leute von St. Nikiaus und Zermatt erhielten ebenfalls Nachlass von allen Strafen und überdies, auf inständiges Bitten der Mörjer und Gomer, besondere Vergünstigungen. Sie hatten künftig nur mehr die gewöhnlichen Steuern-, Zins- und Dienstpflichten gegen den Bischof zu leisten, und ihre Kirchen und Friedhöfe waren vom Interdikt befreit.

So folgte auf diese abenteuerlichen Vorgänge gütige Verständigung zwischen beiden Seiten; für die Zermatter und das sogenannte Grosse Tal insgesamt öffnete sich aber der Weg zu vollständiger Selbstverwaltung und Freiheit.

c ) Jüngere Herrschaften.

Durch Vertrag vom 2. Juli 1365 hatte Isabella Blandrati das Meiertum und alle Amtsrechte über Visp und Umgebung, d.h. auch über das Tal, an Peter von Platea abgetreten; dann wurde sie mit ihrem Sohn Anton V. bei der Naterser Brücke am 2. November 1365 ermordet. Die Herrschaft der Blandrati war damit zuende, und ihre Walliser Linie erlosch mit Johann, der noch 1418 Prokurator des Domkapitels war.

Nun übernahmen andere Familien das Erbe.Von diesen Familien, die in Zermatt Eigentum und Herrschaftsrechte besassen, sind für das fünfzehnte und sechzehnte Jahrhundert zu nennen:

1. die Asperlin oder Esperlin von Raron, 2. die Werra aus Leuk ( und Visp ) und 3. die de Platea oder Amhengart.

1. Die Esperlin und Werra. 1348 kaufen die Ritter Rudolph und Johann Einzugsrechte in Zermatt von einem Johann Faber und zehn Jahre später 1355 wieder, Einzugsrechte in Valle de pratoborno, von den Erben des Johann de Platea, in Visp. Diese Rechte hatte Peter V. von Turn zu Gesteinburg um 7 Mör-sigerpfund verkauft.

1448 hatten Dekan Heinrich Esperlin und die Brüder Rudolph und Johann fast die Hälfte von Zermatt zu eigen. Nach Petermann, dem letzten männlichen Sprossen dieser Linie, kam die Herrschaft an dessen Tochter Johanna, die mit dem Berner Ratsherrn Theobald von Eschenbach verheiratet war. So gingen die Herrschaftsrechte 1515, den 30. April, an Johann Werra aus Leuk über, der sie aber bloss zwei Jahrzehnte ausübte. Als Johann Werra, der auch die Würde eines Landeshauptmannes bekleidete, gestorben war, verkauften seine Söhne am 1. Dezember 1538 ihre Herrschaftsrechte in Zermatt um 700 Pfund der Talgemeinde Zermatt. Die Zermatter zahlten als Loskauf an Liegenschaften, Gebäuden und Dienstbarkeiten 620 Pfund und für die Herrschaftsrechte 80 Pfund. Diese Herrschaft muss bedeutend gewesen sein, denn sie umfasste 115 Haushaltungen:

a13 Häuser an ussrun ryed ( Weiler Ried ) zer nüwen ( Weiler ob Ried ), ufem brunji, zer mittlen, zer salzgeben, an den schalben, zem thougwald; b ) 6 Häuser an vordrun ryed, uff den houwetten, in gufferly, wyestin und eggen; c ) 9 Häuser in spis; d ) 33 Häuser jenseits des Triftbaches ( Baumbassier oder Boumassier ); e13 Häuser in finilen, an der wybrecht, in der wildin, ufem byel, zen gassen; I ) 40 Häuser an Aroleit, in den bächen, bei schweigmatten, an den brachu, in der Engin, zem see, uff den blatten.

Die Häupter dieser 115 Haushaltungen haben sich, stolz auf ihre Freiheit, am 25. Januar 1540 in der Kirche versammelt, um ihr Meiertum durch gehörige Statuten zu ordnen. Johann Wyestiner von Zermatt hat die Statuten zu schreiben angefangen, musste aber, weil vom Tode überrascht, von zwei andern Schreibern, J. Salicis und S. Zentriegen, ersetzt werden.

2. Die Werra-Perrini. Die Werra waren im Anfang des 15. Jahrhunderts noch in Visp sesshaft und hatten bedeutende Herrschaftsrechte in Zermatt. 1435 werden als Inhaber dieser Rechte genannt: Peter, Rudolph, Janno und Johann Werra von Visp und ihre Neffen Johann und Anton, Söhne des sei. Anton, die durch ihren Vogt Kaspar Courto von Brig vertreten werden. Ihre Nachfolger in der Mitherrschaft über Zermatt waren die Perrini durch ihren Stammherrn Philipp, Viztum von Leuk, der seine Ansprüche am 14. Januar 1494 anerkennen liess. Sein Sohn Johann, ebenfalls Viztum von Leuk, wurde in seinen Erbrechten am 7. Juni 1551 urkundlich bestätigt, aber am 4. April 1562 verkaufte er seine Oberherrschaft in Zermatt an die Zermatter um 655 Pfund. 35 Familien waren ihm dienstpflichtig gewesen, unter denen die Beamtenfamilien Arnold Blatter, Meier, Moriz Riedgin, Meier, Johann Blatter, Fähnrich, die Leute an der obern und untern Matte, Leute am Ried, uf der Schluomatte, zem Biel, zem Thoug-wald und andere. Auch diese Familien schlössen sich 1576, den 2. Juli, zu einer Gemeinde zusammen, zu der auch der Pfarrer des Ortes, damals Peter Schmid von Zermatt, gehörte. Die Gemeindestatuten wurden vom Notar Nikiaus Stern niedergeschrieben und am 4. März 1579 beschlossen und gutgeheissen.

3. Die de Platea. Eine andere Herrschafts- und Beamtenfamilie ist die der de Platea, deren Name eine wörtliche Übersetzung von « Amhengart » ist. Schon 1355 hatten Erben des Johann de Platea von Visp Einzugsrechte im Mattertal an Rudolph und Johann Asperlin verkauft. Durch Vertrag vom 2. Juli 1365 war Peter de Platea in alle Herrschaftsrechte der Blandrati gelangt. Andere Rechte hatte die Familie von Junker Johann von Täsch übernommen. In ihrem Besitz war anfangs des 15. Jahrhunderts Peter de Platea, dessen Söhne Ludwig und Christoph am 2. Mai 1443 sich ihre Herrschaftsrechte verbriefen liessen. Am 12. November 1466 übte Heinzmann de Platea als Mitherr von Zermatt sein Recht unter anderm dadurch aus, dass er den Empfangschein siegelte, den die Söhne des Hans zer Lauben durch den Vogt ihrer Stiefgeschwister für 50 Pfund ausgestellt bekamen. 1482 hatte Philipp de Platea, Junker zu Visp, einen Teil der Herrschaft von Simon, Sohn des Heinzmann, und Christoph de Platea, gekauft; er liess sich am 27. Oktober 1482 von seinen Untertanen Treue geloben. 24 Familien waren ihm gehorsam und zinspflichtig, 1480 war Petermann de Platea Meier zu Raron und Viztum des Zermattertales. Er verkaufte den Anteil seiner Mitherrschaft über Zermatt am 7. Januar 1528 an Jodok Kalbermatter, Bannerherrn von Visp und Hauptmann in französischen Diensten. J. Kalbermatter rief am folgenden 15. Mai seine Dienstleute in der Kirche zusammen, liess sich huldigen und versprach, alte Freiheiten und Rechte zu ehren und alles zu leisten, was ein Herr seinen Untertanen schuldig sei. Es waren im ganzen 15 Familien: an der ussrun Wyestin, wo Klaus Perren, Meier, mit seinen Brüdern wohnte, uf der Fluoh, in der Steinmatte, im Mutt, z'Finilen, an der Wildin, in der Millin nebend dem Thuftersteg und andere.Von J. Kalbermatter ging die Herrschaft an seine zwei Töchter Annilia und Eva über. Annilia war die Gemahlin des Petermann de Platea, dem sie ihren Anteil vergabte. Petermann kaufte auch den Teil seines Schwagers Anton Stockalper von Brig. So kamen die alten Herrschaftsrechte de Platea wieder an die Familie zurück. Doch nur auf kurze Zeit. Petermann hatte keine Nachkommen; sein Bruder Franz, Bannerherr in Siders, trat das Erbe an, liess aber die Untertanen von Zermatt am 23. Christmonat 1618 nach Sitten in sein Haus kommen und verkaufte ihnen alle seine Zermatter Rechte um 450 Pfund und vier fette Schafe. Das waren die letzten Zermatter, welche ihre Freiheit erkauften. Von 1618 an hat Zermatt in all seinen Weilern, Alpen und Weiden seine Eigenverwaltung nach wohlgeordneten Gemeindestatuten. Die Statuten und Verordnungen, die sich die ersten freigewordenen Zermatter Familien 1540, den 25. Januar, gegeben hatten, waren 1576 von andern 135 Familien anerkannt und 1579 zu einer Bauernzunft erhoben worden, und 1621, den 21. Januar, wurden sie von allen übrigen angenommen.

2. Bauernzunft der Talgemeinde Zermatt.

( Beschlossen in Zermatt am 4. März 1579. ) « Wer das Burgerrecht kaufen will, zahlt im Verhältnis zu seinem Vermögen, und zwar für die ersten hundert Pfund Vermögen zwei Pfund und vom Rest des Vermögens 1 %.

Wer all sein Vermögen ausverkauft, zahlt an das gemeine Jahrzeit 2 Pf. Verbot des Verkaufs von Heu im Herbst und des Verkaufs ungemessenen Heues unter Strafe der Konfiskation; Verordnung, dass jeden Montag Bankgericht sei; der Mangel eines Vogtbriefes sei nur einen Monat lang unschädlich; Verbot, Schmalvieh in den Wäldern und Gassen zu hüten, unter 6 Pf. Busse, andrer Leute Saat oder Matten abzuweiden, unter 3 Pf. Busse; alle alten Bräuche bezüglich Allmein und Alpen stehen zu Recht; keiner darf von einer Alpe in die andere fahren, Ochsen auf die Alpen und vor St. Johannstag Schafe an .Gornern'und auf .Heubalmen'treiben; Alterwald und Holzmeis sollen den Alpen Trift und Heubalmen zugehören; Verbot, Holz weiter zu führen, unter 3 Pf. Busse; Bann des Waldes zum Hohsteg ob dem Weg bis an den Meyertschuggen und ennet dem Hohsteg zu Rindshalber; Verbot, in der Schonzeit Murmeltiere zu .fallen ', unter 12 Pf. Busse, Schafe in die äussern Berge zu treiben, bevor die Kühberge belegt werden; Hunde auf Heide oder Feld laufen zu lassen; jeder Talmann darf 30 Schafe kaufen und auf den Schafbergen sommern und zahlt für die gekauften den bösen Pfennig ( 2 Kart v. 1 Schaf, 3 Gross v. 1 Pferd, 6 Kart v. 1 Stück andern Viehes ), der Nichttalmann zahlt den halben Pfennig doppelt, oder darf nicht auftreiben, noch auch sein Pferd .ausschlagen'unter Busse von 2 Kart für jede Nacht; Verbot der Tänze, ausser bei Hochzeiten und Neuen Messen; bei Sturmgeläut hat jeder zu erscheinen, unter 2 Kronen Busse; Verbot des Kartenspiels, ausser um 1 Mass Wein im Wirtshaus. » Diese Bauernzunft wurde durch den Landhauptmanns-Statthalter Sebastian Zuber aus Visp und seine Beisitzer den 23. Juli 1612 zu Visp gutgeheissen. Am 27. Dezember 1635 beschlossen die Leute in Zermatt folgenden Zusatz zur Bauernzunft: Welcher Nichtburger im Zermattertal Güter ererbt, erwirbt oder erheiratet, und jeder frühere Burger, der seine Güter im Tal verkauft hatte, ohne für 50 Pd. Güter im Tal sich vorzubehalten, fortzog und wiederkommt, sollen keine Rechtsame im Tale besitzen und geniessen. Ein neuer Zusatz erfolgte am 22. Januar 1650: Niemand darf im Sommer ohne Erlaubnis der Gemeinde seine Kühe auf der Grundallmein weiden, sondern muss sie in die Kühalpen legen; kein Nichttalmann darf sein Pferd auf die Allmein bei Hohsteg oder anderswo « auskehren » ( frei laufen lassen ).

3. Familien und Familiennamen im 14. und 15. Jahrhundert.

Im Tal selber und in Zermatt treten fertige Familiennamen bereits um 1300 auf, immerhin so, dass dann und wann Ortsbezeichnungen und persönlich gegebene Beinamen noch recht deutlich vermerkt werden. Einige Beispiele: Walterus an der Horlowynun de Galpotram ( 1300 ). Petrus dictus Roten de Ghouson vor 1305. Joh. in den Chuggon, Joh. ronkere, Wll. Sohn einst Peters zem Buele, Joh. genannt snevogel 1306, alle von Zermatt. Nikiaus de riedmattun ( de Chouson ) 1306. Petrus genannt Gravo clericus 1310. Joh. genannt teelere de prato borny, Sohn einst Joh. zer teelun 1301. W. Zer Lauben 1306. Walterus hospes ( Gast, fast wie ein Vorläufer der spätem Touristen !) und Joh. Sohn Walteri hospitis von Zermatt. Walterus de Oberhusen genannt « Wird » 1306 und Walter, der « Wirt » von Zermatt 1307. Peter genannt Kremer de Chouson 1309. Walter, Sohn Wlli, fabri, und Erben des Jacobi fabri von Zermatt ( 1301 und 1309 ). Kuoncho, Sohn des Heinrich Kuonchen in dem Blatt 1308. Das 15. Jahrhundert bringt schon ganze Listen von Namen.

Über die Zermatter Familien haben wir aus dem Jahre 1476 ein genaues Verzeichnis, das uns über die Orts- und Sprachverhältnisse Aufschluss gibt. Obwohl die Zermatter unter fremden Herren standen, erfreuten sie sich gleichwohl einer grossen Selbständigkeit. Angelegenheiten wegen Wäldern, Allmenden und Bergen konnten sie selbst ordnen. Um das zweckmässiger zu tun, traten am 28. Christmonat 1476 folgende Männer als Bevollmächtigte im Pfarrhause zu- Dr. L. Meyer.

sammen: hans wyestiners, Meier; hans an der ekkon; hans kronig von den hoffen; Stephan zerlouben, Meier; hans hasen; jakob jennilten; jakob uffen der fluo; Stephan in der Scluocht vom Mutt; hans uffen den blatten; martin juolis; hilari an der haiton von aroleit; janno schelbetter, Meier; hans zerlouben; jakob elements von wychilmatton. Diese Männer teilten das ganze Zermatter Gebiet mit zusammen 182 Haushaltungen in vier Viertel ein. Es ist lehrreich, die Zermatter Bevölkerung des Jahres 1476 auszurechnen. Nimmt man an, dass jede Haushaltung vier Personen zählte, so würde das eine Bevölkerung von 728 Seelen ausmachen, während die Zählung von 1798 bloss 600, 1850 nur 369 und 1900 741 Einwohner aufwies.

Einteilung der vier Viertel im Jahre 1476.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. IG. 17. 18. 19. 20. 21.

1. Viertel, hans wyestiner, Meier.

hans an der ekkon.

hans kronig.

hans zernüwen.

jennius akten.

anton, Sohn Moriz schelbetter.

dessen Bruder steffa.

hans mitler.

dessen Bruder hilari.

thomas mitler.

hans, Sohn hilari schalbetter.

dessen Bruder anton.

hans, Sohn jenni akten.

hensilinus akten.

bertschen an der ekkon.

hans zen thougwald.

mauriz, Sohn mauriz schalbetters.

thöntzo kuontzo ( Kuntschen ).

pierro wiestiners.

die Erben steffan wiestiners.

thomas mitler.

„ hoffero ".

22. thöntzo wiestiners.

23. mauriz riedgyn ( pfudler ).

24. fransa pfudler, und ihre Schwestern.

25. jakob sartoris.

26. anton grawen.

27. mauriz akten.

28. dessen Sohn, hans.

29. ciprian, martin und jennius an der sematton.

30. die Erben hans brachers.

31. janno, peter und hans kuonen und ihre Brüder.

32. ulrik, janno und mauriz kronig.

33. thomas tschugger.

34. die Erben thome zmutt.

35. martin brantschen.

36. hensilinus blatters.

37. die Erben steffan kronig.

38. janno und hensilinus tscherters [car-tarius].

39. thomas tschuggers.

2. Viertel, „ wynchilmattero ".

11. hans an der matton.

12. steffan blatters.

13. fransa und anna elson.

14. die Erben jannen brantschen.

15. steffan jören.

16. die Erben jodok jören.

17. janno blatters.

18. jans blatters.

19. die Erben christofori blatters.

20. Wilhelm willis.

1. jennius schelbetters, Meier.

2. hans binders, Meier.

3. hans zerloben.

4. jakob elements.

5. hans an der wiestin.

6. hans grawis.

7. nikod scollaris.

8. hillari schuelers.

9. jennius elson.

10. anton an der matton.

Zermatt in alten Zeiten.

21. georg im brun.

22. steffan im brun.

23. martin in der bindon.

24. jennius prers, im Dorf.

25. jennius weydis.

26. hans, Sohn, hans Scolaris.

27. steffan seltzen.

28. steffan empfen.

29. hans empfen.

30. dessen Söne, steffan und peter.

31. jannius pfaffenknecht.

32. janno margant.

33. die Erben steffan empfen.

34. anton elements.

35. die Erben hans heinen.

36. hans steiners.

37. die Erben anton prers.

38. jennius elements.

39. Clements, Sohn jennius elements.

40. hans werenher.

41. jennius in der schluocht.

42. hans in der schluocht.

43. jennius fabri, zer schluochtbriggon.

1.

2.

3.

1.

5.

C ».

7.

8.

9. 10. 11. 12. 13. 11. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24.

3. Viertel, jans uffen den blatten.

martin Scolaris.

martin juelis.

hilari, peter, jennius willis.

die Erben steffan uffen den blatton.

steffan petrison.

hilari uffen den blatton.

die Erben steffan uffen den blatton.

hans zuo tuffteron.

hans mosers.

die Erben änderten in den bechen.

die Erben petrisen.

anton, Sohn hilari binders.

janno uffen der furren.

hans zem steg.

die Erben martin uffen der furren.

jennius, Sohn anton zer brigge.

hans binders und sein Bruder.

die Erben hilprandi binders.

jakob welschen.

die Erben änderten rüden.

hilari an der haiton.

martin welschen.

die Erben steffan rüden.

„ aroleytero ".

25. willo rüden.

26. jennius, Sohn hilari binders.

27. dessen Bruder hans.

28. die Erben jakob schuelers.

29. martin, Sohn jannen uffen der furren.

30. die Erben jans juolis.

31. die Erben anton uffen der furren.

32. hans, Sohn anton uffen der furren.

33. die Erben hilprand grawis.

34. hans, Sohn nikod grawis.

35. dessen Bruder steffan.

36. martin schuelers.

37. martin, Sohn hans schuelers.

38. die Erben hans in der sematton.

39. jans uff den blatton, der jüngere.

40. peter seelen.

41. dessen Bruder hans.

42. nikod hasen.

43. steffan, Sohn hans schuelers.

44. hans welschen.

45. petrus binders.

46. die Erben martin zem steg.

4. Viertel, „ muttero ".

1. steffan zerluben, Meier.

2. hans hasen.

3. jakob jennilten.

4. jakob uffen der fluo.

5. steffan in der schluocht.

6. die Erben nikod zem milistein.

7. die Erben thönzen buolers.

8. die Erben ciprian mutters.

9. die Erben bengels.

10. steffan in der schluocht.

11. jennius engis und seine Mutter.

12. hans, Sohn steffan zer luoben.

13. dessen Sohn jans.

14. dessen Sohn jennius.

Dr. L. Meyer.

15. IG. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35.

die Erben jans in der schluocht.

hilari engis.

martin juolis.

martin eydens, der jüngere.

martin eydens, der ältere.

steff an jennilten, im mutt.

die Erben hilprand zmutt.

peter mutter zchan wicken.

die Erben nikod wicken.

janno zmutt.

hilari regis.

die Erben peter bornig.

martin an den matten.

der Pfarrer, Kaplan und Altarist.

hans stecken.

jakon antin.

die Erben jennius bornig.

die Erben moriz bornig.

hensilini fabri.

jans engis, Schmid.

36. die Erben ciprian ze lengen flue.

37. steffan ze lengen flue.

38. peter ze lengen flue.

39. die Söhne peter mosers.

40. peter in der schluocht.

41. die Erben martin mosers.

42. die Erben thönzen fabri.

43. anton an der scheibmatten.

44. dessen Mutter und Schwester.

45. arnold blatters.

46. die Erben jakob blatters.

47. bertscho armis.

48. hensilinus wicken.

49. agnesa furres.

50. fransa tscherter, hinterlassene peter zer bruggen.

51. cipriana mutter.

52. perreta fabri.

53. martin und hilari kuonen.

54. anna elson.

4. Häuser in Zermatt aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

1. Im Dorfe. Das Theodulhaus am Bach, in dem Th. Biner und Witwe Kronig wohnen, dessen Kellereingang ein prächtiger Steinbogen ziert, wurde 1466 erbaut. Es trägt auf seinem Stubenbalken die Jahreszahl und eingekerbt ein Beil und Stemmeisen als Verzierung. Auf dem Platz wohnt die Führerfamilie des sei. Bergführers Genta, d.h. Aug. Gentinetta, in dem « alten Pfarrhaus », dessen erstes Gelass 1471 der Pfarrer Heinrich Triebmann von Visp hat erbauen lassen. Hinter der Kirche am Triftbach ist das moderne Pfarrhaus. Sein erstes Geschoss, das auf dem schiefneigenden Gewölbe des Erdgeschosses ruht, wurde 1576 erbaut, 1834 ausgebessert. Der zweite Stock, zu dem eine Steinstiege jäh hinaufführt, hat vier Zimmer und ist zugebaut worden im Jahre 1699 von der « löblichen Gemeinde Zermatt ». Dagegen ist das zierliche Häuschen mit der freien Stiege und dem Vordächlein vor dem Monte Rosa-Hotel, dem ältesten Zermatter Gasthaus, als Kaplaneihaus erst im Jahre 1730 errichtet worden. Unweit steht ans Furrisch Tola die Wohnung des Fehnder Lauber, die aus dem Jahre 1450 stammt und mit ihrem flotten Bogeneingang an den Umbau des Jahres 1679 erinnert, den der Meier Arnold Blatter ausführen liess: Ahnenhaus der zwei Bischöfe Blatter.

2. In Winkelmatten steht das Rudenhaus. Es ist ein zweistöckiges Holzhaus mit einem Steinbau als Nachhaus. Eine Mittelwand trennt vom Unter-dach zum Keller das Ganze in zwei Wohnräume. Es steht an dem Wege, der nach Findelen führt, östlich und südlich von Gärten umsäumt, hat es vor sich an der Westseite den Hausspeicher und gegen Norden eine Gruppe von Scheunen, Stadeln und Ställen. Die Bindeninschrift im westlichen Wohnraum lautet: Dieses Haus stad in Gotes Hand. Baltasar Muter ist der Meister genand. Gott hab die Buwlyt alle sampd. Hans und Gilig Rüden lassen es buwen anno 1607. Im östlichen Wohnraum: Der Fried Gots sy in diesem Haus, Und aller Fluoch und Ungfall draus! Nun Eigentum des P. L. P. und nicht mehr bewohnt.

3. In Platten steht das Haus des Sigrist Joseph nahe der Kapelle. Es ist aus festem Lärchenholz gezimmert, sein Nach- und Seitenbau aus Stein aufgeführt. Die Giebelseite blickt mit dem schützenden Vordach von zwei Meter Breite wie unter einem breitkrämpigen Hute heraus nach dem Matterhorn. Sein Eingang ist ein steinerner Gewölbebogen. Der Hausgang führt gerader Linie weiter bis zur Küche, die östlich angebaut ist. Auf einer Holztreppe geht es in das obere Gelass, das keine Küche hat, dagegen eine Kammer über dem Hausgang und durch kleine Gucklochfensterchen ( drei von 35/25 cm und zwei von 25/15 cm ) Licht empfängt. Die Stube des ersten Stockwerkes hat vier Fenster mit Butzenscheiben. An ihren Wänden laufen feste Bänke aus dicken Läden, die mit dem Bau selbst verwachsen sind. Ein Küchenschrank aus einem ausgehöhlten Baumstamme, durch drei Einsatzbrettchen eingerichtet, ein etwas roh bearbeiteter Webstuhl, der vom unermüdlichen Fleiss der Hausfrauen und Töchter spricht, sind noch Zeugen der alten Zeit. Auf der Binde steht die Jahrzahl 1651.

4. In Findelen steht am östlichen Ende des Dorfes das Paulihaus, eines der grössten Häuser weit herum, ein Blockbau aus Lärchenholz über einem Unterbau aus Mauerwerk. « Dieses Haus hat buwen lassen der Erdenhans mit seiner Frau Katharina Empfen und die drei Kinder Katharina, Jonas, Anna, 1682. » Vom untern Stockwerk führt ein Eingang in eine Erdhöhle unter dem Weg. Diese Erdhöhle ist geräumig und hat noch Überreste einer Trächa ( offene Feuerstelle ). Wann der gefürchtete « Ronfl », sonst Föhn genannt ( Name einer italienischen Alp ), des Erdenhannes Dörflein bestrich, da hielt Erdenhannes seine Küche und sein Feuerchen in der finstern Erdenkammer wohl verwahrt. Nicht weit von Erdenhannes Wohnung ist das Haus der Familien Perren Jos. und Alois. Das birgt Reste von dem uralten Haus, das gegen 1200 Walter vom Ried um zwölf Pfund verkauft hat.

5. Die Jahrzeiten.

An manchen Orten des Oberwallis pflegt man heute noch, bei gewissen Anlässen einen gemeinsamen Trunk, Gemeindetrunk, Burgertrunk usw., oder ein gemeinsames Mahl abzuhalten. Bekannt ist das Dreikönigsmahl in Leuk, das Schützenessen in Visp, das Osterlamm in Brig. Wie es früher in Zermatt bestellt war, berichtet uns der Matter Chronist Pfarrer Rüden: Anfänglich versammelten sich an einem bestimmten Tage die nächsten Angehörigen eines Stammes, um in brüderlicher Eintracht unter erheiterten Gesprächen und fröhlichen Gesängen ein gemeinsames Mahl zu halten. Später wurde der Kreis erweitert, und es traten auch Glieder anderer Familien hinzu, so dass endlich diese Jahrzeiten oder Bruderschaften viele Mitglieder zählten. Die Kosten dieser Essen wurden zuerst von den Stiftern bestritten, hernach von jedem männlichen Mitgliede nach dem Range seines Eintrittes. In der Regel hatte jedes Mitglied beim Eintritte eine kleine Summe zu entrichten oder jährlich zu verzinsen, die nach seinem Tode den Bruderschaften zufiel, und so erhielten diese mit der Zeit ein ordentliches Einkommen. Für die verstorbenen Mitglieder wurde am Tage der Versammlung ein heiliges Messopfer entrichtet. Von diesen Jahrzeiten sind noch folgende bekannt:

1. Das Jahrzeit der Familie Riedin, auch das Herrnjahrzeit genannt, gestiftet von Barbera Riedin. Aus den vielen ehrenwerten Mitgliedern seien genannt: der Bischof Johann Joseph Blatter, dessen Ahnenhaus heute noch von Fehnder Lauber bewohnt wird und bis auf das Jahr 1450 reicht; M. Riedin, Domherr in Sitten; F. Riedin, Pfarrer in St. Nikiaus; Jos. Riedin, Pfarrer in Täsch; J. Schuler, Pfarrer in Zermatt; Landeshauptmann Arnold Blatter, des Bischofs Vater, mit seiner Gemahlin Katharina Schuler; Bannerherr J. A. Blatter mit seiner Gemahlin M. M. von Courten.

2. Das Jahrzeit der Familie Kronig, gestiftet von J. Kronig. Neben dem Mittagessen bestand bis zum Jahre 1810 noch eine Kornspende.

3. Das Jahrzeit der Familie Aufdenblatten, gestiftet von Joh. Aufdenblatten 1640.

4. Das Jahrzeit der Familie Moser, gestiftet von Jakob Moser.

5. Das Jahrzeit oder die Bruderschaft der heiligen Agatha; am zahlreichsten besucht, zog sich das gemeinsame Essen nicht selten auf drei Tage hinaus.

6. Das Jahrzeit der Bergschaft Ried, wahrscheinlich von den Bewohnern dieses Geschnittes gestiftet.

Von diesen Jahrzeiten dauerte bis in die siebziger Jahre das der Familie Moser; das der Familie Riedin ging 1862 ein, « die übrigen sind, jedoch mit Beibehaltung der jährlichen Messe, im Jahre 1810, als Wallis zu einem französischen Departemente gestempelt war, aufgehoben und die Einkünfte verteilt worden aus Furcht, Napoleon I. möchte über die Kapitalien das .Rapiamus'( Lasst uns stehlen !) anstimmen ».

6. Zermatter Sprache.

a ) Der ewige Jud auf dem Theodulpass.

( Zermatter Mundart in singendem Rhythmus. ) Zwischun der Monte-Rosa und dum Matterhorä ischt ä mächtigä Gletscher, dem mä der Eugschtalgletscher oder Theodulpass seit. Da sih x ) vor altä Zitä ä scheni Stadt g'schtannä, z'dera eu 2 ) der Ewig oder Leufänd Jud cho sih. Wihl aber die dasigä Liht nä bchent heint, was er fer Einä sih, so het nä kei Mansch wellä ubernachtä. Wägä discher 3 ) Herti hei 4 ) der Ewig Jud d'Stadt samt de Mänschä verflüecht und gseit: Jez i'sch5 ) noch ä Stadt; und wen i de nomai chumä, so wagst de hje Gras, stehnd da Beim und liggunt da grossi Steina, und wird 6 ) mä de kei Hihscher 7 ), Gassä, Mürä und Turna meh gseh. Wen i abar 8 ) d's dritt Mal chumä, so wird ma de keis Chrüt, kei Tannäbeim, kei Hitta, kei Mura, no Gassa meh antreffä, suscht nigs as nummä Schnee und Ihsch old Gletscher — und das soll da so lang liggä blibä, so lang, so lang ich müess ohni Rüow und Liwwi um di ganz Wählt wandrä. Und so ischt alls haarchlei cho, wjeh der Leu-fänd Jud sus1 ) prophizit het. I Gletscher va drih Stundä Breiti bideckt jez dischi Gägänd, wa sjeh 2 ) ä Stadt g'stannä sihgi. Und dischi Stilli wird jez nummä vani Donnru va ner Lovina und vom Chrachä i ne Gletschrä und Tobä und Wjetä va ner Wintergugsa unerbrochä. Di Gemschini 3 ) und im Summer d'främdä Reisendä sind d' einzigä läbendä Wäsä, dene mä da jez no bigägnä tüät. ( Zermatter Mundart, nach Walliser Sagen. Sitten 1872, S. 95. ) Älter und klangreicher ist die Sprache weiter draussen im Tale. Hier ist namentlich der u-Laut kräftig erhalten, so dass ü dumpf, fast wie ein spitzes u gesprochen wird. Die Nachsilbe « et » lautet zwischen ut und ot ( g'hirtut, g'fülot ).

b ) D's Marflu vam Zermatter4 ).

Äs ischt nu jezu d'Meinig unner du Litu uf du Bärgu, ä(n ) gwissu Ortu, d's Marflu vanu Murmundu chôme danava, da'sch vor dum Winterschlaf van amu gwissu Chrütji frässu tije und we'sch gnüog van dischum Schlafchrüt gfrässu heige 5 ), so gehje'sch schi gah iverlochru 6 ) fer z'schlafu und erwache nime bis zum Üstag7 ): demu 8 ) seit mu Marflu. So as Schlafji oder Näpsji 9 ) z'machu heige öu10 ) a mal äs Matti verzännt11 ). Äs heige du Murmundu as liggs ufgipassut12 ), va welum 13 ) Chrüt da'sch frässu tieje, bivor da'sch gehnt ga schlafu. Sobald dass drufcho sihge14 ), was far äs Chrütji das sihge, heige 's sehen toll danuva15 ) g'gässu; und wje 's schi g'nüog g'hirtut16 ) heige, sihge 's in ara Schihr ins Hew 17 ) gschliffu und sihge nihme erwachut bis zum Langsi. Wje's düoh arwachut sihge und hei wellu ufsta(h ), sihge mu grad der Buch 18 ) üsgfallu, wihl mu d's Chittu119 ), wägu dum längu Winter ohni schi z'mottu 20 ) und ohni z'trichu ganz verfülot sihge. ( Nach den Wallisern Sagen von 1872, S. 93.sus = es.

2sjeh oder ä sjeh = einst.

3In Gemschi ( Gemschini, Gemslein ) hört man stimmhaftes und stimm-loses seh ( französisch j und ch ). Man vergleiche über die Aussprache des e: Wägä, Gägänd, Läbä, Mänschä; doch Gletscher, Gemschi, scheni, dera, ewig, b'chent ( gekannt ), wen, den, bideckt, der, jez, Schnee. Das endsilbige e hat etwas offene Aussprache, leichten ä-Laut.

4Das Marflu, eigentlich das Marbeln, der Winterschlaf der Murmeltiere. s ) heige = hätten; vgl. sie haben ( Indikatifschi heint; sie haben ( Kon-junktivschi heige; sie hätten = schi heihge.

6So gehen ( Konjunktiv präsens ) sie sich gehen ( Nennform ) einverlochen = einscharren in Löchern.

7Üstag oder Langsi = Frühling.

8demu = dem man. » ) Näpsji = Schläfchen.

10 ) öu ( ouchauch.

" ) verzennen = gelüsten, anreizen; äs Matti = Dimin. sächl. für ein Matter.

12as liggs ufgipassut = ein bischen aufgepasst.

13va welum = von welchem.

14Sobald er draufgekommen ist.

15hei-er scheh toll danuva = habe er schön tüchtig davon gegessen.

16 ) g'hirtut = gehirtet, sich gefüttert.

" ) sei er in einer Scheune ins Heu geschlüpft.

18 ) Buch = Bauch.

" ) D's Chittul = die Eingeweide.

20 ) mottu = sich bewegen.

7. Verfassung des Meiertums Zermatt 1621.

Die Weihnachten des Jahres 1618 brachten Zermatt ein Freudengeschenk; denn am 23. Dezember hatten sich die letzten Zermatter Familien von der Oberherrschaft der Platea losgekauft: so waren Unabhängigkeit und Freiheit gekommen. Nun galt es, selbst für Ordnung zu sorgen und die Verwaltung des Gemeinwesens festzulegen. Zwei Jahre verstrichen. Da traten am 21. Januar 1621 die Häupter dieser Familien im Hause des seligen Meiers Moriz Riedin zusammen, um ihr Meiertum nach dem Beispiele der andern Mitbürger frisch einzurichten. Ihre Beratung zeitigte die folgende Verfassung, die fortan für ganz Zermatt, d.h. alle drei Gemeinden, Gültigkeit hatte:

Art. 1. Die Gemeinde versammelt sich zu allen zwei Jahren zur Wahl eines neuen tauglichen Meiers.

Art. 2. Der von der Gemeinde erwählte Meier soll das Amt ohne Rechts-geräusch annehmen, in die Hände des alten Meiers auf dem heiligen Evangelien-buche den Eid ablegen, dass er die Pflichten seines Amtes gewissenhaft erfüllen, Reichen und Armen, Pupillen, Waisen und Witwen, Bürgern und Fremden, allen Gerechtigkeit widerfahren lassen, die Bürgschaften aufnehmen, Streitigkeiten und Ärgernisse nach Kräften beseitigen wolle; dagegen soll auch die Gemeinde am Tage der Wahl dem neuen Meier mit aufgehobenen Händen Treue und Gehorsam versprechen.

Art. 3. Der neue Meier erwählt am Wahltage 1 ), mit Rat und Gutheissung des alten Meiers und der Gemeinde, einen Statthalter aus derselben Gemeinde, sei dieser zuvor Meier gewesen oder nicht, der ohne Widersetzlichkeit sein Amt auf zwei Jahre annehmen und in die Hände des Meiers den Eid der Treue gegen diesen und gegen die Gemeinde ablegen soll.

Art. 4. Der Statthalter darf nur, wie es von alters her ist gepflegt worden, in Abwesenheit oder Krankheit des Meiers oder sonst in einem dringenden Notfalle im Gerichtsbanke 2 ) urteilen, Befehle erlassen, pfänden und schätzen.

Art. 5. Der Meier soll, zugleich mit seinem Statthalter, am Wahltage vier Geschworne erwählen, und zwar aus der eigenen Gemeinde, die dem Meier schwören sollen, ihm in seinem Amte behilflich zu sein.

Art. 6. Wer in Wort oder Tat Streitende antrifft, der kann und soll ihnen Stillstand gebieten, und diese sind ihm, wie dem rechtmässigen Meier, Gehorsam schuldig; gehorchen sie nicht, so ist er verpflichtet, selbe dem Meier anzuzeigen.

Art. 7. Des Meiers Hauptgeschäft ist, den Bann zu besorgen, die Übertreter zu pfänden.

Art. 8. Der Holzfrevler fällt in die Strafe von 60 Sold; es muss aber sein Vergehen erwiesen sein. Der Meier kann ihm die Strafe erlassen.

1 ) Die Wahl des Meiers geschah jedes zweite Jahr, bei der einen Gemeinde am ersten Sonntag nach Pfingsten, bei den zwei andern Gemeinden aber am Pfingst-dienstag. Am Wahltage musste der erwählte Meier seiner Gemeinde einen Sester ( zirka 40 Liter ) guten Weins schenken.

Art. 9. Da die Gemeinde sich von der fremden Oberherrschaft losgekauft hat, so steht die ganze Gerichtsbarkeit, hohe und niedere, bei ihr; folglich sind ihres Gerichtes: Mordtaten, Ketzerei, Diebstahl, Schwarzkünstlerei usw. Ist ein Urteil zu fällen, so soll es mit Zuzug der Meier und ihrer Geschwornen der zwei andern Gemeinden geschehen.

Art. 10. Wird ein Übeltäter zum Tode verurteilt1 ), so bezahlt der Meier die Gerichtskosten, er kann sich aber aus dem Nachlasse des Verurteilten entschädigen. Für sich soll er den Bann von 60 Sold beziehen. Das übrige Vermögen des Delinquenten fällt der Gemeinde zu. Hat er nichts, so bestreitet die Gemeinde die Gerichtskosten.

Art. 11. Der Verurteilte kann an den Kastlan in Visp oder an den Zenten Visp oder an andere Zenten ( die andern sechs des Oberwallis ) appellieren; in diesem Falle soll aber das Urteil wieder dem Meier vorgelegt werden.

8. Aümenden und Jagdtiere im Jahre 1555.

( Ein gerichtliches Urteil des Meiers von Zermatt. ) Wälder, Allmenden und jagdbare Tiere gaben oft zu Streitigkeiten Anlass. Um einen solchen Span zu schlichten, traten am 8. März 1555 im Hause des Meiers Moriz Riedin die Parteien zusammen vor den Richter Moriz Seematter, seine Geschwornen und Gerichtsbeisassen. Da sprach nun der Meier von Zermatt im Handel der drei Viertel Hof, Mutt und Winkelmatten gegen den Viertel im Aroleit ein Urteil, das folgende Hauptpunkte enthält:

1. Der Weidgang in « Grindero Gewaltsami » ( Gebiet zwischen dem Triftbach und der Arenfluh von Grund zu Grat ) und Allmein gehört den frühern Eigentümern, die jedoch unter Verlust ihrer Ansprache ihre Rechte urkundlich nachweisen müssen.

2. Die ersten drei Viertel dürfen ihre nachgewiesenen Rechte in dieser Gewaltsami brauchen ohne Rechenschaft an den Viertel Aroleit.

3. Bei künftiger Randung dieser Allmein soll jedem, der sein Anrecht urkundlich nachweist, sein Teil zugesprochen werden.

4. Alle Jagdtiere dieser Gewaltsami, wie: Gemsen, Hirsche, Hasen, Steinböcke, Marder, Geier, Reb- und Waldhühner gehören allen vier Vierteln, die dortigen Murmeltiere nur den ersten drei Vierteln, hingegen die Murmeltiere am Aroleit nur diesem letztern Viertel.

5. Keine der streitigen Parteien ist der andern über den Ertrag ihrer Allmein Rechenschaft schuldig.

6. Bei künftiger Randung der Allmein des Viertels Aroleit haben die drei andern Viertel Rechte daran laut vorgewiesener Urkunden.

7. Keine Partei darf die andere an Errichtung von Bauernzünften hindern. Dieses Urteil wurde in der Kirche vom Richter Moriz Seematter dem ganzen Volke vorgelesen und erklärt; hierauf wurde es mit erhobenen Händen einhellig als Burgerstatut angelobt, zugleich von Notar H. In-Albon von Visp urkundlichDie Chronik meldet keinen Fall, dass in Zermatt ein Todesurteil verhängt worden wäre. Doch der Galgen war, wohl hauptsächlich als Abschreckungsmittel, tatsächlich aufgerichtet. Er stand ob der Spissfluh auf der Egge.

Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. 57. Jahrg.j s beglaubigt. Der in diesem Urteil festgelegte Rechtstand erhielt sich mehr als zwei Jahrhunderte. Erst am 14. Juni 1791 vereinbarten die vier Viertel, dass alle ihre Allmeinen, Wälder, Alpen usw. unter ihnen gemeinsam und unverteilt seien, somit der Akt von 1555 annulliert sei, d.h. sie schlössen sich zu einer einzigen Burgerverwaltung zusammen. Nur für Murmeltiere galten eigene Geschnitte oder Bezirke, die als Eigentum unter die Tesselmänner verlost wurden, ein Zustand, der bis zum Jahre 1850 zu Recht blieb.

9. Amtliche Zählung aus dem Jahre 1798.

WeilerWohnhäuserAndere Gebäude Zur Matt ( Das Dorf ) 4595 Zmutt.

10 Auf dem Fury...

8 Auf den Blatten..

7 Zu Findein

12 Z'Winchelmatten.

18 An der Steinmatten 6 Am Ried

5 Auf den Howeten.

2 Zum Büel

1 14 10 17 19 24 6 7 3 4 Zusammen wurden 114 Wohnhäuser und 199 andere Gebäude gezählt, die einer Gesamtbevölkerung von 600 Seelen gehörten.

V. Zermatt ) ein Knotenpunkt vieler Handelswege.

Das Dorf am Fusse des Matterhorns hat schon in uralten Zeiten viele fremde Leute an sich gezogen. Es war ein Stelldichein für Handel und Verkehr. Darüber sind uns bestimmte Nachrichten aus dem spätem Mittelalter erhalten. In der Tat war vom 14. Jahrhundert an Zermatt wie eine Handels- und Verkehrszentrale in den Alpen, wie ein Knotenpunkt, in den vom Wallis her viele Verkehrs- und Handelswege einmündeten, um sich hauptsächlich über den St. Theodulpass nach Italien fortzusetzen. Nicht weniger als fünf alte Walliserzenten kamen in dieser Zeit über die Berge nach Zermatt und leiteten ihren Handel mit Italien über das Matterjoch in das Äugst- oder Krämertal.

Der erste und nächste Bezirk ist natürlich Visp. Sein Verkehrsweg führt zwar durch das Saastal über den Monte Moro nach Antrona; aber ein anderer Weg geht hinauf nach Zeneggen, durchzieht die Dörfer Törbel und Emd und steigt nach St. Nikiaus hinab, um von da weiter der Vispe entlang nach Zermatt zu führen; und ein dritter Weg ist der Grächner alter Kirchweg; er beginnt bei Stalden, zweigt hinter der Kinnbrücke vom Saaser Weg ab, klettert über jähe Hänge nach Grächen, geht dann weiter hinunter nach St. Nikiaus und hinein nach Zermatt. Der bequeme Weg der Vispe entlang, die sogenannte Talstrasse, wie sie jetzt der Fussgänger von Stalden über Kalpetran nach St. Nikiaus benutzt, ist nicht alt; jedenfalls ist er erst in den letzten hundert Jahren zu wiederholten Malen verlegt, ausgebessert, umgebaut und zu einem brauchbaren Saumwege gemacht worden. Dieser Verkehrsweg wurde vom Doyen Bridel ( Essai statistique sur le canton du Valais ) noch 1820 nicht anders als ein « unbegreiflich kühner Weg inmitten schwindeliger Abgründe » beschrieben. Sicher ging vor dem 20. Jahrhundert der Verkehr von Visp und Stalden weg nicht so sehr durch die Talsohle, sondern über die beiden Talwände in das Innere des Tales. Visp spann gleichsam zwei Verkehrsfäden bis nach St. Nikiaus, um sie verbunden nach Zermatt und weiter nach dem Welschland zu ziehen.

Eine zweite Landschaft, die ihren Handel mit Italien fast ausschliesslich durch Zermatt führte, ist Raron. Es nahm schon vom Bernbiet über den Lötschberg und von Lötschen her über die Lücken und Halden des Bietschhorns vielfachen Handel auf; und von der Poststation Turtig, wo seit dem 14. Jahrhundert reger Verkehr verbürgt ist und wo auf einmal an 13 « Krämerläden » standen, ging die Handelslinie nach Unterbäch und Eischol und hinauf ins Ginanztal. Am Ort Bifig ( bifang = umfangen. Ort, der urkundlich 1300 Bifing genannt wurde ) soll ein Wirtshaus den müden Wanderer zur Rast eingeladen haben. Von hier bog der Steig an den Geröllhalden aufwärts und mündete in den guten Saumweg auf dem Augstbort ( 2893 m ). Von da führte er über den Weiler Jungen nach St. Nikiaus und weiter nach Zermatt.

Ein dritter Zenten, dem Zermatt als Handelsstation diente, ist Leuk. Sein Handelsweg führte durch das Turtmanntal nach Gruben oder auch von Leuk aus zu den Meschlerweiden, hinauf zur Bella Tola, dann über den Meidenpass oder Pas de bœuf hinab zum Dörfchen Gruben; unter dem Schwarzhorn traf er mit jenem von Raron zusammen. Der Sittener Apotheker Konrad Ambuel ( Collinus ), in Simlers Descriptio Vallesiae, 1574, weiss als Zeitgenosse zu berichten, dass auf dem Augstbort im Jahre 1557 eine besonders grosse Menge Leute von überall her zusammenströmte, fast jeden Tag, um aus dem Goldbrunnen daselbst Gesundheit oder Linderung zu trinken und ganze Fässchen von dem Heilwasser mit sich nach Hause zu tragen. Es müssen also gangbare Pfade dahingeführt haben. Jedenfalls war der Augstbortpass viel begangen und gut erhalten; stellenweise findet sich noch jetzt Pflaster vor. Er dient noch heute als Saumweg.

Ein vierter Zenten, nämlich Siders, stand mit Zermatt durch Alpenwege in Beziehung, und zwar vom Einfischtale aus. Noch immer führen Saumwege, einerseits von Zinal fort über die Forcletta ins Turtmanntal nach Gruben, anderseits von St. Luc und Chandolin über den Pas de bœuf und den Meidenpass ebenfalls nach Gruben und von da zu dem Augstbortpass. Die Überlieferung kennt aber zwei andere Bergwege, die Zermatt unmittelbar mit Zinal verbunden und einstens dem Handel gedient haben. Von Zermatt geht ein ausgebesserter Saumweg durchs Trifttal zum Triftgasthaus. Von hier leitet keine Wegspur weiter; doch nach der Überlieferung ging es früher von hier zum Eseltschuggen ( 3109 m ), dann übers Triftjoch ( 3540 m ) und hinüber dorthin, wo jetzt die Konstanziahütte steht; nachher abwärts zur Alp Arpitetta und weiter nach Zinal, dem alten Chinais, d.h. bezeichnend « Ort im Engtal » ( Kanal ). Diese langen und breiten Gletscherwände und Eiswege! Und doch, die Erinnerung an Warentransport auch auf dieser Berglinie ist lebhaft im Volke und in Sagen erhalten. Ein anderer Bergweg, der Zermatt mit Einfisch und Siders in alten Zeiten verbunden hat, ist der Einfischpass, wie der Col Durand ( 3474 m ) von den deutschen Nachbarn genannt wird. Er geht von Zermatt nach dem Weiler Zmutt, dann vorbei an der Voralpe der Kalbermatten, vorbei an den alten Hofstätten der Arvenalpe, nunmehr eine « Üslegi », wo Schafe ohne Hirt für den Sommer verschlagen werden, und weiter unter dem Hochwanggletscher durch, westlich von ihm hinauf, über Reste eines in rohen Steinen gelegten Weges zum Joch des Col Durand, zwischen der Pointe de Zinal und dem Mont Durand ( östlich ) hindurch, an der Seite der schwarzen Felseninsel des roc noir hinüber zur Mountet- oder Konstanziahütte; von da über den Durandgletscher zur Alpe de la Lex und nach Zinal. Auch das ist jetzt ein Eis- und Gletscherweg, der dem Wanderer 15 lange Stunden bereiten kann, schon richtig eine Bergtour. Im 19. Jahrhundert war der Col Durand wie vergessen; erst 1858 hatten beherzte Jungen aus Zinal ihn wieder erstmals begangen, und 1859 folgten ihnen Engländer. Anders war es in frühern Zeiten! Die Spuren des alten Weges zeigen Steinpflaster und Mauer, und am Schönbuel heisst heute noch eine Schirmgrotte die « Einfischerbalme ». Der Einfischpass trug einstens schwerbeladene Maultiere, warenbepackte Lastträger, einen regen Handel von Siders nach Zinal und Zermatt oder, ohne Zmutt und Zermatt zu berühren, vom Knotenpunkte Stockje fort hinüber zur Staffelalp über das Matterjoch nach dem Augsttal, hinüber und wieder herüber; Menschen, Vieh und Waren begegneten sich auf Moränenhalden und auf geschlossenen Gletscherfluren. Ja, auch von Wallfahrten weiss der Volksmund; es mag auf diesem Wege geschehen sein, dass Johann von Einfisch über die Berge ging und bis nach Avignon zum Papste Johann XXII. reiste, bei dem er im Streite über die Kanzleirechte im Einfischtale Unterstützung fand gegen das Domkapitel von Sitten. Die Übereinkunft erfolgte am 6. März des Jahres 1326.

Wenn nun die vier Oberwalliser Landschaften: Visp, Raron, Leuk und Siders ihre Handelswege in Zermatt miteinander vereinigten, so hatten sie noch eine fünfte Landschaft im Bunde, nämlich den alten Zenten Sitten, der die jetzigen Bezirke Sitten, Gundis ( zum Teil ) und Ering ( vollständig ) in sich schloss. Der Handel der Landeshauptstadt Sitten mit Italien stieg über Brämis das Eringertal hinauf und griff zweiarmig über die Berge; rechts ins Valpelline, links nach Zermatt und von da nach Breuil und Valtournanche.

Der Gletscherpass Col de Collon ( 3130 m ), vom Chronisten Sebastian Münster im Jahre 1544 Arolla geheissen, war noch im spätem Mittelalter und bis in die neuere Zeit herauf ein eigentlicher Marktweg für die Eringer Kühe, die nach Aosta zum Verkaufe zogen. Ering und Valpelline hatten anstossende Alpenweiden, deren Grenzen noch 1369 geregelt und schriftlich festgelegt worden sind. Und im Jahre 1529 unterhandelten die Vertreter beider Täler über den Bau eines Weges, der von Aroila nach Aosta führen sollte. Damit war offenbar ein Bergweg nach Südwesten gemeint. Doch auch in östlicher Richtung floss eine Verkehrsader, nämlich durch den Evolenapass oder Col d' Hérens, 3480 m ü. M. Von Evolena geht der Weg heute noch zur Alp Bricolla ( 2426 m ) ins Val de Ferpècle oder über Arolla zur Bertolhütte; von hier beginnt die Gletscherwanderung und dauert 6—7 Stunden über den Ferpèclegletscher resp. glacier d' Hérens, südlich an der Dent Blanche vorbei und hinab zum Stockje, um mit dem Einfischerpass hier zusammenzutreffen; jetzt eine Bergfahrt, die nicht immer ohne Schwierigkeiten abgeht und bis Zermatt 12—15 Stunden dauern kann. Südlich von der Dent Blanche streift der Pass den Mont Miné ( Morning ). Das ist ein Berg der Sage. Diese Felseninsel soll nämlich einstens das märchenhafte Schloss des Königs Re Bora und seiner Töchter getragen haben. Geschichtlich liegt eine andere Nachricht vor: Unter der Eisflur wenigstens eines Teiles des Überganges liegen Alpenweiden vergraben, auf denen noch im 14. Jahrhundert Kühe geweidet haben. Schnee und Eis ist darüber gekommen, und trotz allem Verkehr galt der Evolenapass schon anfangs des 18. Jahrhunderts als gefährlich und war verödet bis auf Hirten und Schmuggler. Erst die Naturwissenschaft brachte ihm wieder Ehre. 1843 hat ihn der englische Naturforscher L. D. Forbes seit langer Zeit als der Erste wieder überschritten. Wie war das so ganz anders in frühern Zeiten! Da führte er Talleute zu Nachbarn und hinaus zur Landeshauptstadt Sitten oder Handelsleute und vielleicht gar Maultiere über den Bergrücken hinüber nach der grünen Matte am « Hirschhorn » ( Monte Cervino ), wie das Matterhorn auch heisst. Die Zermatter hatten am Evolenapass aber noch etwas mehr. In uralter Zeit, so meldet eine Urkunde, waren sie von harten Schicksalsschlägen heimgesucht worden: Schnee- und Bergstürze, räuberische Einfälle und besonders die immer wiederkehrende Pestseuche mögen über sie Leiden gebracht haben. Deshalb machten sie ein Gelübde: Der Geistliche des Ortes und acht auserlesene Männer sollten jedes Jahr einmal nach Sitten wallfahrten und dort die drei Haupt-kirchen: die St. Katharina- ( Valeria ), die Marien- ( Kathedrale ) und St. Theoduls-kirche besuchen. Bis zum Jahre 1665 sind die Zermatter ihrem Gelöbnis treu nachgekommen. Doch die grosse Entfernung und die Beschwernisse dieser Wallfahrt bewegten sie in diesem Jahre, durch ihren Pfarrer J. Schuler und zwei Vorsteher beim Bischof Adrian IV. wegen einer Umänderung ihres Gelübdes vorstellig zu werden. Am 20. Mai 1665 erhalten sie den Bescheid, ihre Bitte sei gewährt unter der Bedingung, dass eine Prozession jährlich nach Täsch gehalten werde, an der sich wenigstens eine Person aus jedem Hause beteiligen solle; dem Pfarrer von Täsch seien 6 Batzen, dem Sigrist für das Läuten 3 Gross, dem Pfarrer von Zermatt für den Weg 20 Batzen und den drei Kirchen von Sitten zusammen 6 Geldpfund jedes Jahr als Entschädigung der wegfallenden Opfer zu entrichten. Die Prozession von Sitten wird immer noch in Erinnerung gebracht; doch jetzt ist sie offenbar weniger mühsam als früher; sie wird nämlich zur Kapelle von Winkelmatten gehalten. Die 6 Pfund Sittner Gilt aber sind 1816 unter dem Pfarrer Ig. Gottsponer um 120 Pfund losgekauft worden. Es muss der Evolenapass wenigstens vor dem 16. Jahrhundert als gepflegter Weg häufig benutzt worden sein, so dass er in verhältnismässig kurzer Zeit überschritten wurde. Der Volksmund sagt, ein Sakristan habe in Zermatt früh zu Beten geläutet und sei beim Feier-abendläuten schon in Sitten gewesen. Eine ähnliche Forcetour ist auf der gleichen Linie übrigens noch in ganz letzter Zeit vorgekommen. Jedenfalls stand Zermatt mit Ering gerade durch diesen Bergweg im regsten Verkehr. Darüber ist kein Zweifel. Man bedenke nur diese zwei Tatsachen: Im Jahre 1364, den 14. April, wandten sich die Zermatter schriftlich an den Bischof Witschard Tavelli mit der Bitte, in der Pfarrkirche von St. Martin möchte ein geeigneter Kaplan angestellt werden, der den deutschsprechenden Gläubigen alle seelsorglichen Dienste zu erweisen imstande wäre. Zwar fanden die Bittsteller nicht sofort Gehör. Der Bischof war aus Genf gebürtig, der berühmten Familie Tavelli entsprossen. Seine Sprache war die welsche; er hielt jedenfalls zurück, vielleicht auch deshalb, weil er für die deutsche Seelsorge weniger Verständnis hatte. Es verstrich eine geraume Zeit, bis die Verhältnisse für die Zermatter günstiger wurden.

Heinrich Asperlin aus Raron wurde 1451 Bischof. Er schenkte dem vor fast 100 Jahren eingereichten Gesuche gütige Aufmerksamkeit und verordnete am 19. Juli 1455, künftig solle dem Pfarrer von St. Martin ein Kaplan beigegeben werden, der hinreichend deutsch verstehe, um deutsche Gläubige zu bedienen; nur solle er im Innern des Tales seinen Aufenthalt nehmen, d.h. wohl in Evolène, das sich kirchlich erst 1722 von St. Martin abtrennte und eine selbständige Pfarrei geworden ist.

Wie enge die Beziehungen der Zermatter mit den Eringern in alter Zeit waren, geht noch aus dem Umstände hervor, dass viele der ältesten Zermatter Familien auch diesseits des Berges Ableger hatten, ja noch haben. Im Pfarrarchiv von St. Martin sind in Urkunden aufgezeichnet folgende Zermatter Namen: Julen ( Joli ) aus dem Jahre 1358, Fabri 1359 ( vielleicht savoyardische Amtsleute, wie z.B. in gleicher Zeit die Fabri in Sembrancher gewesen sind ); Furrer 1455 und noch 1525; Perren 1460; Willis 1466; im Brun 1500; in der Binden 1525; Wyestiner 1533; Zmutt 1585. Die Familien Riedin, Regis, Knoden, Agten, Blatter hatten sich gemeinsam mit andern Familien im Jahre 1443 im Weiler Villa ( Evolena ) ansässig gemacht. Noch in unsern Tagen blühen im Eringertale die echten Zermatter Familien: Rudaz ( Rüden ) in Vex, Agettes etc.; Zermatten in Evolena, Mase, Nax, St. Martin etc., so auch die Lochmatter in Evolena. Noch ein anderer Zeuge für den frühern Verkehr zwischen Zermatt einerseits und dem Einfisch-und Eringertal anderseits! Haben die zwei Bergwege, der Eringerpass und der Einfischerpass, sich beim Stockje vereinigt, so geht es entweder über den Zmuttgletscher nach der Staffelalp, aufwärts gegen Schwarzsee oder niederwärts gegen Zermatt zu; oder man folgt dem Gletscherrande nördlich und trifft auf den Weiler Mutt. Da steht über dem Abgrunde die alte Herberge « D's Wyss Hüs », ein stattlicher Steinbau, den die Brüder Bartholome und Peter Hans Egger im Jahre 1595 errichtet oder vielleicht bloss umgebaut haben. Bartholome bezahlte seinen Baueifer mit dem Leben, denn er verunglückte bei der Arbeit im Steinbruch. Das Haus ist zweistöckig, und innerhalb der 60 cm dicken Mauern ist das eigentliche Haus in Holz eingebaut. Die grossen Fenster, eines mit Rundbogen, schauen zu der Passhöhe des Matterjoches empor. Der Unterbau zeigt festungsartige Mauern und ist in vier geteilt. Ein massiges Steingewölbe deutet auf den alten Weinkeller, dessen Fasslager übrigens erst vor wenigen Jahren herausgenommen worden sind. Freilich ist jetzt viel daran umgebaut und verändert; jetzt ist es das bekömmliche Wohnhaus der Familie Jos. Alois Perren, d's rihch Josi'sch. Allein die Überlieferung erhält sich lebendig und unversehrt; sie zeigt noch in der Nähe den Ort, wo einmal der Stall für die Saumtiere gestanden hat. Und von der gastlichen Herberge weiss man zu erzählen, wie sich in alten Zeiten die eisenbeschlagene Türe auftat dem heimkehrenden Matter, dem fremden Handelsmann, Kriegern und Pilgern, die auf dem St. Theodulpass hinüber- und herüberzogen; man malt aus, wie lieb die warme Stube die ermatteten und vor Kälte schlotternden Wanderer aufnahm, und wie da Leib und Seele im Nu wieder zusammenklebten nach einem Trunk aus der dampfenden Gepse oder nach einem langen Zug aus frisch gefüllten Zinnkannen und gedrehten Holzbechern. Und etliche Jahrhunderte zurück war es in dieser Gegend noch lebendiger mit dem Verkehr. So wird erzählt. Dort, wo jetzt der Tiefmattengletscher seine ruppige Eisseite in ungangbaren Spalten und Abgründen dem Valpelline zukehrt, ging ein Bergweg, auf dem Saumtiere und Lastträger verkehrten. Unter der breiten Eiszunge aber, unter der nun der Muttbach herausschäumt, liegen die Hofstätten des alten Tiefmattendorfes, das reich und gross gewesen sein soll. Tatsächlich erzählt der Chronist Pfarrer Rüden 1869, er habe Leute gekannt, die mit eigenen Augen gesehen hätten, wie der Zmuttbach Stücke von Haus- oder Stallgeräten aus dem Gletscher herschleppte. Auch andere Weiler, die verschollen sind, mögen wie alte Handelsstationen angesehen werden: Der alte Handelsweg von Einfisch und Ering, der vom Stockje fort zum Matterj och führt, traf bei der Staffelalp vormals das Dorf Bomatt, das auf Walliser Seite wohl die letzte Unterkunft bot; denn Schwarzsee ist jungem Datums ( 1887 ). Was Bomatt, der Weiler, in dem die letzte Hexe von Zermatt verbrannt wurde, früher war, sind jetzt Hofstätten; die Bergweide aber ringsum heisst der Gain und gehört zur Staffelalp. Ein anderes Dorf, auch eine Handelsstation, lag unter Schwarzsee, tief unten in der Mulde. Wo der mächtige Gornergletscher jetzt seinen nördlichsten Fühler über den Gorner Bach ( Vispe ) ins Tal herabstreckt, dahin verlegt der Volksmund das alte Gornerdorf. Ein zuverlässiger Augenzeuge berichtet, vor etwa zwanzig Jahren habe auf der Moräne zuunterst des Gornergletschers eine Kinderwiege gelegen; er habe sie mit eigenen Augen gesehen; sie sei grobgefügt, an der einen Seite abgebrochen gewesen. Zur Geschichte vom Gornerdorfe gehört auch, was die Überlieferung weiter meldet: Wer von der « Weinschenke in der Bine zu Findein » eine Fuhr ins Augsttal machte, den führte ein Saumweg am Fuss des Ryfelhorns durch eine grasbestandene Talmulde hinüber auf den St. Theodulspass. Und wenn die Säumer ihre Saumtiere in dieser Talsohle entlasteten und rasten liessen, so hätten sich die Tiere in dichtem Gesträuche verloren. Auch der gegenwärtige Maultierweg, der den Weiler Platten mit der Gandegghütte verbindet, wand sich vormals am Gornerdorfe vorbei. Von Aroleit geht es noch jetzt hinter dem Furggbach über die « Garten », in denen freilich nur mehr Schafe sommern. Und weiter klimmt er zu den Felsstücken der Lychenbretter. Hier wurden einmal die Augst-taler, diese bösen Bajazzini und Ajazzini, so zahlreich zusammengeschlagen, dass ihre Leichen wie Bretter übereinanderlagen und jeder Stein ein Leichen-brett wurde. Feindliche Einfälle wiederholten sich enge nacheinander, und so musste ein Senn auf dieser Alm Wache halten. Wenn er die Bojazzini irgend vermerkte, zündete er gleich das Wachtfeuer an und warnte die Leute im Tale; hierauf verkleidete er sich als Sennerin, damit er eher Gnade und Schonung fände bei den bösen Ajazzini.

Wenn nun Zermatt in alter Zeit wie ein Knoten die Handelswege vieler Oberwalliser Landschaften auffing, so leitete es sie seinerseits wieder nach Italien und nährte sie mit reichem Zufluss vom Welschland her. Es sind Wege, die entweder mit dem Monte Rosa-Massiv oder mit dem St. Theodulpass zusammenhangen. Und beide Wegnetze dienten bis auf unsere Zeit, wenn auch nur mehr in bescheidenem Masse, dem Lokalverkehr und Warenaustausch. Von Zermatt führt das Neue Weisstor ( 3612 m ) nach Macugnaga, und am Rande des Monte Rosa-Massives liegen die leichter gangbaren Pässe Forca die Betta, im Osten der Turlopass ( « Tirli » bei den Zermattern, 2770 m ) zwischen Alagna und Macugnaga. Es muss auf diesen Bergwegen früher reger Verkehr geherrscht haben. Dafür sprechen die alten Walliser Dörfchen an den südlichen Berghängen, die wohl seit einem halben Jahrtausend und mehr ( sicher vor 1200 besiedelt !) Sprache und Sitten der alten Heimat bewahrt und vererbt haben. Macugnaga und Gressoney sind sprechende Zeugen. Die neuere Zeit hat die Beziehungen über die Eisberge geschwächt. Immerhin hat man in Zermatt die welschen Schmuggler und Lastträger in guter Erinnerung, wie sie z.B. in Findelen die Bergschuhe auszogen, über die Achseln hängten und ihre Butterlast barfuss den Zermatter Kunden zutrugen. Hinwieder sind unter den lebenden Zermattern sogar Frauen, die den Spuren der Schmuggler folgten, die Turloalp passierten und in Varallo ( Firal ) « Antheiss » gingen, wie man für das Wallfahren früher sagte. Der Warenverkehr auf diesem Wege ist jedoch seit langem ausschliesslich den welschen Schmugglern überlassen.

Doch die eigentliche Hauptader des Verkehrs mit Piémont ist über die Gletscherflur des Augsttalberges, d.h. über den Col de Valtournanche, sagen die Welschen, oder über das Matterjoch ( 3222 m ) gelegt, ein Saumweg, der, etwa 14 Stunden lang, Zermatt über den Theodulgletscher mit dem Val Tournanche ( Breuil ) und Aostatal verbindet. Vom eigentlichen Passe zweigt sich südlich der Pass über Piatta rosa nach Fieri ab und nach der alten Walliser Kolonie Gressoney, wo noch immer die alte Walliser Sprache schier unverfälscht gesprochen wird.

Nun der St. Theodulpass! Über seinem Namen schwebt Legendenduft. Der heilige Theodul hatte im Konzil von Aquileja im Jahre 381 als Bischof von Martinach ( Theodorus episcopus Octodurensis ) unterschrieben. Er gilt als der erste Bischof der Diözese Sitten und ist der Schutzheilige der Landschaft Wallis. Er ist dem Volk gemeinhin unter dem Namen St. Jodro bekannt und wird auf den Walliser Münzen vor 1624 dargestellt mit einer Glocke, die der Teufel trägt. Darüber erzählen die Wallisersagen:

Die St. Jodern-Glocke.

Der Bischof St. Joder bekam einst die Offenbarung, der Papst in Rom schwebe in Gefahr, und er solle gewarnt werden. Unschlüssig und ratlos stierte er durch die Mauerlucke und sah drei Teufel auf dem Hofplatze munter und freudig miteinander tanzen. Gleich rief sie der Heilige herbei und fragte, wer von ihnen der Geschwindeste sei? Da antwortete der erste, er sei geschwind wie der Wind, und der zweite meinte, er laufe wie der Blitz. « Das sind nur faule Bäuche gegen mich, » lachte der dritte, « ich fliege durch die Welt wie ein Weibergedanke. » Mit diesem verabredete nun der Heilige, er wolle sein werden, wenn er ihn, noch bevor die Hähne morgens krähen, nach Rom zu bringen und wieder nach Sitten zurückzutragen vermöge. Satan nahm freudig das Anerbieten an und stellte einen schwarzen Hahn als Wächter auf die Stadtmauer. Aber auch St. Joder brachte einen weissen Hahn auf den Dachgiebel seines Hauses und schärfte ihm wohl ein, sich morgens nicht etwa zu verschlafen. Die Reise ward angetreten; im Nu war St. Joder in Rom. Er warnte den Papst noch zur rechten Zeit und erhielt von ihm aus Dankbarkeit zum Geschenke eine Glocke. Satan musste nun auch noch die Glocke mit aufladen und nach Sitten heimtragen. Es war noch nicht zwei Uhr morgens, als er glücklich mit seiner Doppellast zuunterst auf der Pianta in Sitten ankam ( sein Weg hatte ihn übers Matterjoch geführt ). Das merkte der weisse Hahn auf dem Dache auch gleich und fing aus vollem Halse schnell zu krähen an. Auch der schwarze Satans erwachte und schrie mit. Da ergrimmte Satan sehr, dass er die Wette verloren, und warf die Glocke mit solcher Gewalt zur Erde nieder, dass sie neun Ellenbogen tief in den Boden einsank. Der heilige Bischof aber rief: « Dona! Dona! lit! » und die Glocke fing an zu läuten und kam läutend wieder zum Vorschein. Das ist nun die « St. Jodernglocke », die lange gegen Ungewitter Wunder tat. Das Matterjoch aber heisst seit jener merkwürdigen Alpenreise des heiligen Theodul der Theodulspass.

Also der Bergweg des heiligen Theodul I An seiner Nordseite erhebt sich die dünnste Felspyramide der Alpen 4505 m hoch, das Matterhorn, das die Franzosen Mont Cervin, die Italiener Monte Cervino, übersetzt etwa « Hirschenberg », nennen. Am 14. Juli 1865 hat eine Karawane von acht Personen zum erstenmal den Gipfel erklommen. Beim Abstieg fanden drei Engländer ( die Herren Hadow, Hudson und Douglas ) und ein Führer ( M. Croz ) den Tod, während der eigentliche Bergheld E. Whymper mit den Führern Peter Taugwalder und seinen zwei Söhnen glücklich davonkamen. Whymper erzählt darüber in seinen « Berg- und Gletscherfahrten ».

Die alten Chroniken heissen bald das Matterhorn, bald den ganzen Bergkamm, bald wieder den Pass allein den Augsttalberg, so S. Münster 1606 ( 1544 ), zu Latein heisse er Mons Sylvius und « führe » in das « Krämer- oder Augstal », über die Geschichte des St. Theodulpasses liessen sich viele Blätter füllen. Hier nur einige Tatsachen: Er war ein Alpenweg schon zur Römerzeit; 1891 wurden nämlich auf der Passhöhe an 20 Geldstücke gefunden, auf denen Bildnisse des Kaisers Augustus und Diokletian ( t305 ) waren. Am südlichen Rande wurden auch Reste einer uralten Befestigung blossgelegt, und eine Chronik von 1723 meldet, auf der Höhe sei eine Kapelle des heiligen Theodul gestanden. Und es ist schon wieder der Anfang einer neuen Zeit, wenn der Genfer Gelehrte H. B. de Saussure, der am 3. August 1787 den Mont Blanc bezwungen und damit der Hochtouristik den Anfang gegeben hatte, auf dem Matterjoch für den 12., 13. und 14. August 1792 sein Zelt aufschlug. Der neuesten Zeit aber gehört es an, wenn am 6. September 1899 ein Amerikaner mit seinem Velo innert drei Stunden über den Theodulgletscher radelte oder im Januar 1903 die ersten Ski hinüberglitten.

Galt der Theodulpass von jeher bis heute als harmlos, so hat er gleichwohl seine Opfer gefordert. Die Chronik meldet zumeist über Zermatter, die ohne Zweifel ihren Geschäften nachgegangen waren: 1584 verunglückte Anton Fux auf dem Theodulspass; 1585 Stephan Zersalzgeben in Chambave ( Augsttal ); 1631 Margaretha Truffer, im Augsttal; 1648 ein Gressoneyer an den Hermet-wängen ( zwischen Schwarzsee und Gornergletscher ) durch eine Lawine; 1665 Stephan Salzgeber im Augsttal; 1669 Anton Lambien mit fünf Genossen auf dem Theodulpass; 1673 Stephan Empfen im Augsttal; 1738 Ludwig N. auf dem Berge erfroren; 1748 Moriz Julen verunglückte auf der Reise nach Frankreich ( über den Passam 8. Wintermonat 1755 Jos. Willisch und Peter Biner ob dem Furk-steg, Joh. Furrer und Jos. Julen an den Wangen ( Weg zur Gandegge ), 1770 Peter Courta von Gressoney auf dem Theodulgletscher; am 21. September 1795 ein Unbekannter ebenda; am 11. Mai 1816 fiel Joh. Lauber auf dem Theodulgletscher in einen Schrund, wurde zwar lebend herausgezogen, aber verschied nach wenigen Stunden; 1848 ist Franz Inderbinen auf dem Theodulgletscher am 25. Herbstmonat spurlos verschwunden. Soviel meldet über die alte Zeit von drei Jahrhunderten das Sterbebuch der Zermatter Kirche. Und wieviel ist gar nicht auf- gezeichnet worden! Der St. Theodulpass hat auf seinem 3222 m hohen Rücken eben viel Verkehr und Handel getragen, und da durften Unfälle nicht ausbleiben. Noch im letzten Jahrhundert diente er zum Transport von Vieh, Krämerwaren, Wein, Mais und Reis. S. Münster rühmte 1544 ( resp. 1606 ) « das köstlich Wein-gewächs, den Muskatell des Krämertals ». Der Augsttalerwein war und ist noch zu Berg und Tal bekannt. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde in Châtillon der « welsche Saum » ( 70—75 Liter ) um 27—30 Batzen ( zirka Fr. 4.30 ) angekauft; in Brig wurde gegen 4—5 Batzen die Mass ( 1 y2 Liter ) auf dem St. Gallusmarkt ausgewirtet.

Welcher erwachsene Zermatter wüsste sich nicht an den « milden Roten » zu erinnern, den er aus dem kleinen Holzfässchen geschlürft oder aus den Ziegen-fellschläuchen der Lastträger empfangen hat? Alte Leute erzählten, bisweilen wären 20—-25 Saumtiere mit bimmelnden und klingenden Glöcklein auf einmal übers Matterjoch herübergestiegen.

So war denn Zermatt mitten in der Alpenwelt viele hundert Jahre hindurch eine belebte Verkehrszentrale gewesen, ein Knotenpunkt, in den die Handelswege von mindestens fünf Oberwalliser Bezirken einliefen, um von hier aus unter den Einheimischen selbst und mit Piémont, hier mit Macugnaga und Gressoney, dort mit Breuil und Châtillon und besonders mit Aosta Handel und Verkehr zu pflegen.

Das war eine Zeit, in der die wirtschaftliche Seite der Berge einzig zur Geltung kam. Die Berge waren Existenzmittel. Sie trennten oder verbanden Völker; über ihre Rücken stampfte das Maultier, beladen mit allerlei Waren; an ihren Wänden stapften bald eilig, bald langsam, aber immer vorsichtig und voll Sehnsucht nach der andern Seite, hier Krieger und Pilger, dort Kaufmann und Lastträger. Das ist die erste und längste Periode der Bergwanderung: Materieller Nutzen, Pässe, das heisst « Schritte » bloss, Lasten und Geld, aber kein tieferes Erkennen, wenig geistiger Genuss, wenig Freude am Wunderbau der Alpenwelt. Die Wanderer dieser Zeit waren in der Regel Geschäftsleute, die ihrer Pflicht nachgingen, geführt von der Sorge ums tägliche Brot und begleitet von der Furcht vor Steinschlag und Schneesturz, vor Kälte und Schrunden. Darüber hat Goethe in Wilhelms Meisterjahren den bezeichnenden Spruch geprägt:

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg; In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut; Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.

VI. Übergang zur Neuen Zeit.

Die Handelszentrale wird zur « Perle der Alpen », Zermatt ist auf dem Wege, Mittelpunkt der Hochtouristik zu werden. Doch bedurfte es eines Überganges. Für die Naturwissenschaft, für die ästhetische und künstlerische Seite der Bergwanderung, für den eigentlichen Alpinismus und Sport musste erst vorgearbeitet werden. Es fehlte voraus an Beobachtung und Sinn für die Natur. Man kann nur staunen, wie die alten Schriftsteller über die Berge wenig berichten. Was sagen über Zermatt S. Münster in seiner Cosmographei ( 1544 ) oder selbst der Vorläufer des Alpinismus, Josias Simler, in Vallesiae descriptio ( 1574 ) oder Stumpf im 11. Buch seiner Chronik ( Wallis, 1548 ) oder Merian in seiner Topographia Helv., Rhaet. et Vallesiae ( 1642 ) oder J. C. Fäsis in seiner Erdbeschreibung der Republik Wallis und ihrer Untertanen ( Zürich 1765 )? Was sie über Berge und Alpen wissen, ist wahrlich blutwenig. Und wenig mehr lehren die ersten Karten, welche S. Münster 1546, Schallbetter 1593, Lambien 1682 anfertigten. Noch 1768 kennt G. Walsers Karte bloss drei Zermatter Berge: Findelenhorn, Matterhorn, Mettelhorn, und setzt bei: « Mons Magiana am Fee« ( Saas-Fee )! Selbst Bridel ist in seinem Essai statistique sur le canton du Valais ( Zürich 1820 ) noch recht mager. Er nennt als Berge Mont Rosa, entre le Valais et l' Italie, Breithorn au fond de la vallée de St-Nicolas, Schwarzsee, le glacier de Mt. Rose et Mt. Gervin ou Sylvio. Dann fügte er bei, hier sei der merkwürdigste Teil der Schweiz, bringt aber für die Beschreibung kaum was anders als Quan-titätsadjektive auf mit den « ungeheuren » Alpen und « grossen » ( immenses ) Gletschern, erhaben und « drohend » ( menaçant ); das Matterhorn steht vor einer Grasfläche und erhebt sich über die Gletscher wie ein « ungeheurer » Obelisk ( wenigstens diese, aber einzige Formbezeichnung !). Doch Doyen Bridel tat bereits einen Schritt näher zu den Bestrebungen des Alpinismus. Er kümmert sich um Naturwissenschaft, findet in Zermatt Mineralien: Asbest, Diopsite, Talk. An der Südflanke des Mont Sylvio sei der Steinbock zu Hause; es gebe daselbst Lämmergeier, und die Vipera atra sei in Zermatt einheimisch.

Die Zeit war endlich gekommen, da besseres Verständnis anfing.

a ) Das Verdienst und die Ehre dafür gehört der romantischen Schule. Die englischen Romantiker hatten bahnbrechend gewirkt. Franzosen und Deutsche folgten. Die Berge, die Alpenwelt, das Schweizerland gewannen von Tag zu Tag neue Freunde und Verehrer. Man denke nur an Goethes drei Schweizerreisen ( 1775, 1779, 1797 ), an Klopstock ( 1750 ) und Wieland ( 1789 ) als Bodmers Gäste in Zürich 1 Und an Liebe zur Natur haben die Schweizer sich von niemand übertreffen lassen. Schon im 18. Jahrhundert sahen sie die Morgenröte des Alpinismus über Zürich aufgehen. Der Zürcher Professor und Arzt Joh. Jakob Scheuchzer verfasste die « Beschreibung der Naturgeschichte des Schweizerlandes » ( 1706—1708 ) und wurde mit diesem gelehrten Buche der Begründer der Alpenphysik. Es ist sein Ruhm, dass seine Beschreibungen zusammen mit C. Meiners « Briefen über die Schweiz » ( 1784—1790 ) und J. G. Ebels « Schilderung der Gebirgsvölker der Schweiz » ( 1798—1802 ), dem Dichter F. Schiller als Quelle dienten zu unserm Schweizerdrama « Wilhelm Teil ». Von 1702 bis 1711 wanderte Scheuchzer mit einer Zahl Schüler in den Alpen herum, « die Natur selber zu sehen und die Täler und Berge zu durchlaufen ». Ihm und seinem Mitbürger K. Gessner « geht das Herz auf angesichts der Erhabenheit der Bergnatur », und er hat mehr Freude hier als « zu den Füssen des grossen Aristoteles, Epikur und Cartesius » ( Descartes ); denn die Alpen sind ihm ein « Museum von Naturwundern ». Es galt überhaupt, in Zürich zumal, als eine Art nationaler Ehrenpflicht, dass die Schüler unter Leitung eines Gelehrten aus eigener Anschauung einen Teil ihres Heimatlandes kennen lernten. Der Sinn für die Natur machte Fortschritte. Scheuchzers vierbändiges Buch Itinera alpina ( 1723 ) verbreitete weit herum den märchenhaften Zauber-duft seiner neun Alpenreisen. Und Albrecht von Haller bot mit seinem beschreibenden Lehrgedicht « Die Alpen » ( 1729 ) die poetische Ernte, die er mit seinem Freund J. Gessner auf einer Hochlandsreise eingebracht hatte. Und noch muss der Genfer J. J. Rousseau erwähnt werden. « Erst Rousseau elektrisierte die verwöhnte Gesellschaft und riss sie zur hellen Begeisterung für die Hochlands- welt hin. » Vor ihm fand kein Schriftsteller so leidenschaftliche, herzenswarme Töne zum Lobe wie er in seinem Romane der « Nouvelle Héloïse » ( 1759 ), ( Dreyer, Alpinismus. ) K. V. von Bonstetten seinerseits schrieb in seinen Briefen « Über ein schweizerisches Hirtenland » ( 1782 ) Lobsprüche in Superlativen. Es nahte für die Alpen eine neue Zeit; allein sie zögerte. Zwar wird der Geburtstag der alpinen Hochtouristik auf den 3. August 1787 angesetzt, auf den Tag, da ein Schüler Hallers, unsres grossen Schweizers, Horace Benoît de Saussure, die Spitze des Mont Blanc erklommen hat. Allein das Jahr 1789 und alle die ihm folgenden Wirren und Kämpfe schienen alle Poesie würgen zu wollen. Die blutige Zeit der Helvetik hatte für die Berge nichts übrig als Waffenlärm und Elend. Als aber geordnete Verhältnisse wieder Boden fassten, da wirkten Bildung und Erziehung weiter, und den Alpen fing ihr Weizen zu blühen an.

b ) Eine andere Klasse von Gelehrten schrieb Bücher, die auf den Lehrton abgestimmt sind oder der Geschäftspraxis, besser gesagt, einer edlen Reklame dienen. G. Siegm. Gruners « Die Eisberge des Schweizerlandes » bildete mit J. G. Altmanns « Versuch einer hist, und phys. Beschreibung der Helvetischen Eisberge » ( 1751 ) den Anstoss zur Ausbildung der Gletscherkunde. Zur touristischen Erschliessung der Schweiz trugen aber erheblich bei: J. Bernoullis « Reisebriefe » ( Berlin 1777—1779 ), Zurlaubens und Labordes « Tableaux topographiques de la Suisse » ( 1777—1780 ), die « Sketches » und die drei Bände « Travels » von W. Coxe ( 1779 ), die Aufsehen machten und die Engländer zu Schweizerreisen anregten.

Und weiter kam eine Schar von Reiseführern: Für die Naturschönheiten und Alpenreisen eiferte der praktische « Schweizer Führer » von K. Bädecker ( 1844 ) und nicht minder Joh. G. Ebel mit seinem sonnigen Buche « Anleitung, die Schweiz zu bereisen », das kein Alter verspürte, schon 1795 in französischer Sprache vorlag und seither wie ein massgebender Klassiker galt. Und A.J.oanne « Guide des voyageurs en Suisse et à Chamonix » sprach zu den Franzosen, während Murrays « Handbook for travellers in Switzerland » etc. ( 1838 ) und besonders der vortreffliche John Balls « Alpine Guide » die Engländer zu Schweizerreisen anfmunterten. Reisende Engländer waren schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine bekannte Erscheinung. Allein von Hochtouristen kann erst etwa von 1840 an gesprochen werden. So war auch die Zeit nahe gekommen, da Zermatt wieder ein Mittelpunkt werden sollte, grosser und bedeutender als je zuvor, ein Mittelpunkt des Alpinismus, die Perle der Alpen. Die Alpenwege waren einsamer und stiller geworden; einige vereist und verschrundet, ungangbar für den Geschäftsmann; und seitdem die Pferdepost von Genf durchs Walliser Land über den Simplon nach Mailand fuhr, namentlich aber seit die Napoleonsstrasse fertig war ( 1805 ), da zog Handel und Verkehr auf breiten Strassen in das Land und aus dem Land und überliess die alten Handelswege auf Berghalden den Hirten und Jägern. Zermatt hatte die Bedeutung einer Handelszentrale allmählich verloren. Da weckte der erstarkende Alpinismus es auf. Es erwachte aus dem Dornröschenschlaf, um sich an den Schätzen seiner Bergwunder zu freuen. Es fing die Funken der Romantik und die Strahlen der Naturwissenschaft auf und zog Bergfreunde aus allen Weltteilen an sich. Gletscher-, Berg- und Blumenfreunde machten für das Vispertal und besonders für Zermatt Stimmung.

c ) In der Tat haben der neuen Zeit, die für Zermatt mit dem Fremdenverkehr aufgehen sollte, mehrere gelehrte Männer von Ruf ganz unmittelbar vorgearbeitet.

Vorab sind es die Vertreter der Naturwissenschaft. Da ist zuerst zu nennen Horace Benoît de Saussure, der Zermatt, zumal das Monte Rosa-Gebiet, wissenschaftlich erschlossen hat. In seinen « Voyages dans les Alpes », Neuchâtel 1788 ff. beschreibt er im 8. Band ( 1796 ) den Monte Rosa von Seite 1 bis 118 und widmet dem Mont Cervin-Gebiet die Seiten 119—236.

Ein andrer Gelehrter war H. Hirzel-Escher aus Zürich, der 1822 mit einem Freunde den Monte Rosa auskundschaftete, Macugnaga besuchte, über den Turlopass unter grosser Beschwerde nach Alagna gelangte, von hier über den Col d' Ollen nach Obergressoney und schliesslich nach Breuil abstieg. Von hier ging er übers Matterjoch nach Zermatt, wo, wie er schrieb, noch kein eigentliches Wirtshaus war, der Ortspfarrer aber ein ordentliches Mittagessen bereitete. 1822 widmete auch der Wiener Freiherr Ludwig von Weiden dem Monte Rosa besondere Aufmerksamkeit; er machte trigonometrische und topographische Aufnahmen und hat sich durch seine gründliche Arbeit über das Gebiet hervorgetan. Er erstieg als der Erste einen der höhern Gipfel des Monte Rosa, der ihm zu Ehren Ludwigshöhe ( 4344 m ) genannt wird. Seine Schrift « Der Monte Rosa », eine topographische und naturhistorische Skizze etc., ist 1824 in Wien erschienen und enthält u.a. die lehrreiche Beschreibung der von Zumstein ausgeführten Besteigungen ( 1820 ).

Während M. Th. Bourrit ( Description des Alpes pennines et rhétiennes, 2 vol., Genève 1781 ) Zermatt, wie es scheint, nicht gesehen und für seine Alpenschönheiten nichts übrig hat, schreibt der Deutsche Julius Fröbel 1840 seine « Reise in die wenig bekannten Täler auf der Nordseite der Penninischen Alpen » und ist entzückt über die Schönheiten des Zermattertales. In seine Stufen trat der verdiente Zürcher Professor M. Ulrich, ein bekannter Gletscherkenner, welcher als der erste Schweizer die beiden Vispertäler gründlich beschrieben hat ( Zürich 1850 ). Doch wohl das grösste Verdienst, den Fremdenverkehr durch wissenschaftliche Arbeit und begeisterte Schilderung der Talbewohner und ihrer Sitten in weiten Kreisen für Zermatt vorbereitet zu haben, gehört unstreitig dem Strassburger Historiker Christian Moritz Engelhardt. Er besuchte Zermatt in den Jahren 1835, 1836, 1837, 1838 und 1839 — ein letztes Mal, als Greis, 1855 — und gab 1840 zu Strassburg sein 381 Seiten füllendes, heute noch recht lesenswertes Buch heraus unter dem Titel: « Naturschilderungen, Sittenzüge und wissenschaftliche Bemerkungen aus den höchsten Schweizer Alpen, besonders in Süd-Wallis und Graubünden. » Freilich, und das ist für das kleine Wallis eine grosse Ehre, verdankt er seine Schilderungen, seine hohe Begeisterung und viele seiner Kenntnisse zu einem guten Teile gerade Walliser Gelehrten. Er kannte den Botaniker Prior Murith vom Grossen St. Bernhardsberg ( gestorben 1816 ), der für das Wallis den ersten Führer in der Botanik 1810 herausgegeben hat; er war der Freund eines andern Botanikers, nämlich des Sittener Domherrn Rion ( gestorben 1856 ), der ihm seine botanischen und mineralogischen Entdeckungsreisen im Wallis vor-plauderte ( dessen botanischer Führer, 1872 gedruckt, ist noch heute von Bedeutung ). Engelhardt benutzte die Ergebnisse und Arbeiten des genialen Mathe-matikers, des Sittener Domherrn J. A. Berchtold ( gestorben 1859 ), der die trigonometrischen Vermessungen seines Heimatskantons für die Dufourkarte zugleich mit seinem Neffen Ingenieur Müller ausführte und der beste Kenner der Topographie des Landes war. Engelhardt stand noch im regsten Verkehre mit dem Entdecker der Gletschertheorie, dem Walliser Ingenieur Jgn. Venetz ( gestorben 1859 ), der 1821 seine « Mémoires sur les variations de la température dans les Alpes de la Suisse » niederschrieb und veröffentlichte in « Denkschriften der allgemeinen schweizerischen Gesellschaft für die gesamten Naturwissenschaften », Zürich 1833. Ausgerüstet mit Empfehlungsschreiben seiner Walliser Freunde, machte Engelhardt 1835 den ersten Besuch in Zermatt und schrieb darüber folgendes:

« Wir trafen 1835 ( 24. Julius ) den schon ältlichen Pfarrer, Herrn Gottesspunner, auf der steinernen Bank vor seinem Hause. Freundlich empfangen, beglaubigte uns vollends des Herrn Venetz Empfehlungsschreiben.

Auf unser, das erstemal enthusiastisch ausgesprochenes Erstaunen über den grandiosen Anblick, erwiderte der Pfarrherr mit trocken freundlicher Laune: « Schöne Abscheulichkeiten! » Diese Worte bezeichnen seinen praktischen Sinn. In der Tat fanden wir in Herrn Gottesspunner einen durchaus rechtlichen, verständigen, gefälligen Mann, der überall, wo es notwendig war, als billiger Vermittler, auf unsere Bitte zwischen uns und seinen ( übrigens recht gutartigen ) Pfarrangehörigen auftrat, wenn wir mit ihnen Maulesel- oder Führerakkorde abschlössen. Für die einfache, aber sehr anständige Bewirtung wurden die billigsten Preise gestellt. So bestätigte die Tat die öftere Äusserung, dass die Aufnahme Reisender von den Geistlichen als eine Übung der Gastfreiheit, und zum besten jener geschehe, wofür nur der Wert der verbrauchten Nahrungsmittel und der Wohnung berechnet werde; dass übrigens sich durch Bildung empfehlende, anspruchslose Reisende jederzeit mit Freude gesehen würden.

Aus dem Fremdenbogen, den uns Herr « Gottesspunner » 1835 vorlegte, ersahen wir, dass im Spätsommer 1834 eine Gesellschaft von fünf Parisern bei ihm einquartiert gewesen, und kurz zuvor ( August 1834 ) Herr Elie de Beaumont mit einem Bedienten über den St. Theodulph durchgekommen war. Ein früheres Jahr hatte der Botaniker Herr Gai von Paris mit seiner Frau mehrere Wochen hier gewohnt.

Mit grosser Freude brachte uns 1837 Herr Pfarrer Gottesspunner das schön gebundene Fremdenbuch, womit ihn Herr D. Brunner von Bern, der 1836 bei ihm gewohnt und dessen Reisebericht in der botanischen Zeitung wir erwähnt, seitdem bedacht hatte. Ein herzliches Gedicht desselben, zu Anerkennung der freundlichen Bewirtung, macht die Eröffnung » Engelhardt spricht noch vom Jahre 1837. Es ist, als hätte er den Anstoss zur Eröffnung des ersten Gasthauses in Zermatt gegeben. 1838 eröffnete nämlich der Wundarzt Jos. Lauber in seinem Holzhause eine Wirtschaft, genannt Hotel du Mont Rose. Drei Betten standen für Gäste bereit, nicht mehr. Als des- halb der witzige Verfasser der « Voyages en zigzag », der Genfer Schriftsteller Rud. Tœpffer, im Jahre 1842 mit seiner Begleitung herbeikam, hatte er mit dem Unterbringen seine liebe Not. Allein es wurde bald anders. Der Alpinismus gedieh und erstarkte: Eine Höhe nach der andern wurde genommen, und ein Wettkampf um die Zermatter Berge war entbrannt. Nachdem schon 1820 die Zumsteinspitze und 1822 die Ludwigshöhe des Monte Rosa erklommen war, wurde am 12. August 1848 auch der Grenzgipfel des Monte Rosa ( 4631 m ) von Zermatt aus durch die Führer des Zürcher Professors Melchior Ulrich erstiegen. Das war für Zermatt eine erfolgreiche Werbung bei der Touristenwelt. Und zwar um so mehr, als Herr Ulrich mit seinem Freunde G. Lauterburg und dem klassischen Historiker der schweizerischen Hochregionen, G. Studer ( « Über Eis und Schnee », 1859/83 ), zu den Schweizer Berghelden der Westalpen gezählt wird, und eine vorzügliche Reklame für das Vispertal in alle Welt gesandt wurde in seinen Schriften: « Südtäler des Wallis » usw. und « Die Seitentäler des Wallis und des Monte Rosa », Zürich 1850. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Bergsteiger stellten sich zahlreicher in Zermatt ein. Es fehlte an Herbergen. Da baute 1852 Staatsrat Jos. Ant. Clemenz von Visp ein zweites Gasthaus, dem er den Namen Mont Cervin gab und mit 15 Betten den Fremden zur Verfügung stellte. Noch sollte ein drittes erstehen. Die drei Zermatter Jos. Rüden, Jos. Kronig und Math. Welschen einigten sich zu einem gemeinsamen Baue am Wege zum Gornergrat. Und schon 1854 konnte das Gasthaus am Ryfel dem Verkehre übergeben werden. So waren die drei ersten Gasthäuser erstellt. Alle drei gingen der Reihe nach in den Besitz eines Mannes über, dessen Namen in der Fremdenindustrie mit Ehren genannt wird und dem Zermatt es zum grossen Teile verdankt, dass es einer der ersten Sommerkurorte der Welt geworden ist. Alex. Seiler aus Blitzingen ( Goms ) kaufte 1854 das Hotel Monte Rosa, vergrösserte es durch einen Steinbau und übergab das neue, grosse Gasthaus mit 35 Betten 1855 dem Betriebe, gerade in dem Jahre, da der höchste Gipfel des Monte Rosa-Gebirges, die Dufourspitze ( 4638 m ), von den Gebrüdern Smith zum ersten Male bestiegen wurde. 1867 kaufte er noch das Hotel du Mont Cervin, nachdem er auch das Ryfelhaus gepachtet ( 1854 ) und zu 30 Schlafzimmern vergrössert hatte ( 1864 ).

Eine Statistik über die drei ältesten Gasthäuser in Zermatt aus den Jahren 1838—1869.

GasthausJahr Letten* GästeBesitzer Monte Rosa18383 10—15 Jos. Lauber 1854 35500 A. Seiler 1869 601500 » » Mont Cervin 1852 14310 Jos. Ant. Clemenz 1856 681500 » » » 1867 682040 A. Seiler Ryfelberg1854 18220 Rüden, Kronig, Welschen ( Pächter A. Seiler ) 1864 48845 A.Seiler(Pächter;dasHausge- hört seit 1862 der Gemeinde ).

Bei jedem der drei Gasthäuser bezeichnet die erste Zahl das Jahr der Eröffnung des Gasthauses.

Zermatt war also vorbereitet auf die grossen Bergsteigerjahre 1859—1865, die für die Erschliessung der Westalpen von englischen Schriftstellern als das goldene Zeitalter des Bergsteigens genannt werden. Ein Kranz von Gasthäusern und bekömmlichen Herbergen ist in und um das alte Zermatt seither wie aus dem Boden gewachsen. Die Eisenbahn war am 6. Juli 1891 eingeweiht und brachte Ströme von Reisenden, vor dem Kriege bis über 40,000 jährlich. Über die letzte Zeit soll das bloss eine Andeutung sein; denn ungefähr seit der Gründung des S.A.C., 1863, hat Zermatt eine besondere Geschichte, nämlich die eines Touristen-zentrums allererster Klasse, in dem der Alpinismus seine Triumphe feiert. In diese Zeit fällt auch die Wirksamkeit der Sektion Monte Rosa, und ihre Geschichte soll demnächst als Festschrift erscheinen.

Quellen und Literatur.

1. Dreyer, Dr. A.: Der Alpinismus und der Deutsch-Österreichische Alpen verein, Berlin 1909.

2. Reinhard, Raph.: Pässe und Strassen in den Alpen, Luzern 1903.

3. Rüden, Jos., Pfr.: Familienstatistik der löblichen Pfarrei von Zermatt, Ingenbohl 1870.

4. Wolf, F. O.: Die Vispertäler ( Wallis und Chamonix ), Zürich 1884 ff.

5. Walliser Monatsschrift für vaterländische Geschichte, Sitten 1863—1865.

6. Urkundenregister von Visp und Raron, 234 Folioseiten, Ms. im Valeria-Archiv; Staatsarchiv in Sitten, Archive von St. Nikiaus und Zermatt.

7. Gremaud, J.: Documents relatifs à l' Histoire du Valais, tomes I—VIII; Mémoires et documents publiés par la société d' histoire de la Suisse romande, tomes 29—39, Lausanne 1875—1898. Jd. Chartes Sédunoises E. XVIII. Lausanne 1863.

Mehreres wurde im Laufe der Ausführungen angegeben. Ortsverhältnisse und Ortstradition wurden persönlich nachgeprüft.

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