Zinalrothorn-Alphubel

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Hans Fritz von Tscharner.

Der Rothorngrat.

Zmuttgrat, Viereselsgrat, Teufelsgrat, Schalligrat und wie sie alle heissen sind Namen, deren Klang das Herz des Alpinisten höher schlagen lassen. Bei Erwähnung eines Rothorngrates dürfte jedoch nicht jeder Bergsteiger sogleich wissen, um was es sich handelt. Rothorngrat heisst jener lange, mit vielen Türmen besetzte Felsenkamm, der vom Trifthorn zum Zinalrothorn hinaufzieht. Eine prächtige Gendarmenkette, schon den blossen Anblick wert. In ihrer ganzen Länge wurde sie im August 1901 von C. R. Gross mit Rudolf Taugwalder begangen. Im Jahre 1903 wiederholte Edw. A. Broome mit Aloys jun. und Heinrich Pollinger teilweise die Tur, indem sie das Gratstück vom Rothornjoch zur Gabel durchkletterten. Seither hat der Grat noch manchen Besuch empfangen, doch steht er, was ihre Zahl und sein Ansehen anbetrifft, bescheiden hinter andern Gratturen zurück. Erst in den letzten vier Jahren erinnerte man sich hin und wieder seiner, so dass ihm der wohlverdiente Besuch nun öfters zuteil wird. Doch nie hat er in einer allen Bergsteigern unseres Landes zugänglichen Zeitschrift eine eingehende Würdigung erfahren. Ein Versuch, dies nachzuholen, sei der Zweck folgender Zeilen. Gleichzeitig möchte ich meine Kollegen des S.A.C. auf diesen Grat aufmerksam machen, der es meiner Ansicht nach, sowohl was die Kletterei als auch die Grossartigkeit der wechselnden Szenerien anbetrifft, verdient, einem Zmuttgrat und Viereselsgrat gleichgestellt, ja sogar hinsichtlich der reinen Kletterei weit vorgezogen zu werden.

Der August des Jahres 1929 zeichnete sich dadurch aus, dass jedem einigermassen schönen Tage gleich zwei Regentage folgten. Dieser Umstand bewirkte, dass ich nach einigen Besteigungen im Berner Oberland nun schon beinahe 14 Tage in Zermatt tatenlos die Zeit an mir vorübergehen lassen musste. Jeder kleinste Anlauf wurde im Keime erstickt, und es war schon eine Tat, trocken zu einer Hütte zu gelangen.

Endlich, am Abend des 12. August, ich kam gerade ganz verregnet von der Schönbühlhütte herab, schien es einigen Leuten, als hätten sie wieder etwas blauen Himmel gesehen. Sie hatten recht, denn als ich am 13. August zum Fenster hinausblickte, strahlte mir das unvergleichliche Matterhorn in schneeweissem Gewände aus tiefblauem Himmel entgegen.

Auf der Dorfstrasse erwarteten mich meine Führer Felix und Karl Biner mit grosser Ungeduld. Beide meinten, dass wir nach so langer Faulenzerei nun schon etwas Rechtes anpacken sollten. Nachdem alle Barometer des Dorfes erfolgreich mit Händen und Füssen beklopft worden waren, entschlossen wir uns für den Rothorngrat, da dessen Felsen ihrer der Sonne zugekehrten Lage wegen am ehesten versprachen, schneefrei zu sein.

Felix und Karl stiegen schon früh nachmittags zum Trifthotel hinauf, um bei der bevorstehenden Überfüllung desselben die Betten zu bestellen. Als ich zwei Stunden später den wohlbekannten Pfad unter die Füsse nahm, fegten schon wieder einige Wolkenfetzen in wilder Hast umher. Hinter mir erstarben nach und nach die Klänge des kleinen Kurorchesters und vor mir vernahm ich die ersten Laute der Symphonie des Hochgebirges. Unzählige Male musste ich stillestehen, um einen frisch am Horizont aufsteigenden Gipfel zu begrüssen. Immer mehr entschwand Zermatt dem Blicke, und über mir stürmten die wilden Felsgestalten der Gabelhorngruppe gegen den Himmel.

Oben im Trift herrschte reges Leben und Treiben, das Hotel war überfüllt. Felix hatte aus dem Getümmel gerade noch eine Matratze für mich retten können, die samt mir nach dem Abendessen in das Zimmer eines jungen Holländers verstaut wurde.

Nicht vergessen will ich den letzten rosigen Gruss der untergehenden Sonne. Wir standen da, eine grössere Anzahl Menschen von verschiedenster Art und von verschiedensten Nationen, und da kam einem so recht zum Bewusstsein, wie herrlich die Natur verbindet.

Der nächste Morgen sah uns schon um 130 Uhr über den Rasen hinweg zu der ersten Moräne stolpern. Was sich in den 2½ Stunden vom Trifthotel zum Eselstschuggen zugetragen, brauche ich wohl nicht zu erzählen, denn jeder in diese Moräne Eingeweihte weiss, wie froh man ist, dieses langweilige Stück hinter sich zu haben. Vom Wetter wollte anfangs noch keiner recht sprechen, da es bei unserem Aufbruch nicht sehr nach Wunsch ausgesehen hatte. Doch mit einem Male entschwanden alle Bedenken, als binnen weniger Minuten tausend Sterne herabblitzten.

Nicht weniger als acht Führer, vier Herren und eine Dame waren es, die den früher so gefürchteten und selten gemachten Rothorngrat in Angriff nehmen wollten. Da wir nun keine Befürchtungen des Wetters wegen zu hegen brauchten, beschlossen wir, den Grat ganz vorne am Trifthorn anzupacken 1 ). Wir seilten uns an und folgten während zwei Stunden dem gewöhnlichen Trifthornweg. Selten habe ich ein so schlechtes Gestein angetroffen wie auf diesem Wegstück. Alles, was man berührt, fliegt in die Tiefe.

Es war punkt 6 Uhr, als wir nach Überwindung der Kammwächte die Grathöhe erreichten. Links von uns stand in einer Entfernung von etwa 100 Metern das Trifthorn, während sich rechterhand der Rothorngrat erstreckte. Wie geblendet standen wir still. Das Klettern und Aufpassen im schlechten Gestein hatte unsere Sinne in Anspruch genommen, und keiner hatte eigentlich richtig bemerkt, dass es schon Tag geworden war und die hohen Gipfel ihre Nachtschleier abgelegt hatten. Nur einen flüchtigen Augenblick hatten wir stillgestanden und dem prächtigen Farbenspiel des Sonnenaufganges zugeschaut. Jetzt, wo sich aber der ganze Kessel des Durand- gletschers auf einmal vor uns auftat, standen wir wie geblendet da. Wie aus einem Munde riefen wir: « Die Dent Blanche! » Wahrhaftig, so kühn und unnahbar sah ich sie noch nie, Kühnheit, Wildheit und Masse steigern sich gegenseitig zu höchster Gewalt. Wie gebannt starrten wir auf diesen Prachtsbau. Doch auch die eisbepanzerte Westflanke des Obergabelhorns und die kühne Nadelspitze unseres Zinalrothorns flössten uns Achtung ein, besonders letzteres sah beinahe beängstigend spitz aus. Und wenn ich nicht schon zweimal oben gewesen wäre, so hätte ich mir wirklich den Kopf zerbrochen, wie ein Hinaufkommen da überhaupt möglich ist. Erst nach einigen Minuten der Beruhigung wanderten unsere Blicke über den Grat und seine Türme. Trotz der Verkürzung des Grates von unserem Standort aus genügte ein Blick, um festzustellen, dass es ein langer und nicht leichter Gang sein werde, obwohl das erste Stück zum Bothornjoch ziemlich einfach aussah. Aber zwischen diesem und der Gabelwaren die schönen Stellen, von denen Felix, der den Grat schon dreimal begangen hatte, uns schon seit Jahren vor-schwärmte. Als wir eine Viertelstunde später den ersten Schritt zum Rothorn machten und sich Biners Jodler an den Felsen brachen, hätte ich um nichts in der Welt meinen Platz mit einem andern tauschen mögen.

Die erste Hälfte brachte allerdings nur einen gelinden Vorgeschmack von dem, was uns nachher erwartete. Nach einer Schneestelle folgten einige kleine harmlose Zacken, deren Erkletterung trotz des schlechten Gesteins höchst einfach ist. Der nachfolgende brüchige Felsenkamm wurde auf der östlichen Seite umgangen, bis uns nur noch ein gewaltiger, doppelgipfliger Turm vom Rothornjoch trennte, die Pointe de Mountet, 3878 m. Ein Verweilen auf der Grathöhe hätte an dieser Stelle keinen grossen Zweck gehabt, da die Überkletterung dieser brüchigen Türme, abgesehen vom zweifelhaften Genuss, auch zeitraubend gewesen wäre. Karl und ich begannen nun schon Felix einen Schwindler und Prahler zu nennen, da wir bis anhin noch nichts von einer scharfen Kletterei verspürt hatten. Doch es sollte alles noch kommen. Beim letzten grossen Turme wurde uns die erste grossartige Stelle angekündigt. Und als wir einige Minuten später nach Überwindung einiger nicht leichter, griffloser Platten oben standen, trennte uns ein beinahe senkrechter Absturz vom Rothornjoch 2 ). Gross war unser Erstaunen, als Felix uns ohne abzuseilen da hinabführen wollte. Und richtig, es ging ganz gut. Rechts kletterten wir steil die Ostseite des Turmes hinab, und dann mussten etwa 5—6 Meter nach links zurückgehangelt werden, um den Landungsplatz der Abseilstelle zu erreichen. Einige leichte Schritte trennten uns vom Rothornjoch, das wir kurz darauf erreichten und zum Orte unserer ersten Mahlzeit auserkoren. Hier trafen auch die andern Partien ein, so dass wir uns wahrlich nicht vereinsamt vorkamen.

Als die Uhr 830 zeigte, jagte uns der rastlose Felix erbarmungslos auf und verhiess für die nächsten 2½ Stunden eine Kletterei, die uns in Staunen setzen werde. Diesmal blieb er uns nichts mehr schuldig, denn das Dutzend Türme, die einander bis zur Gabel ablösen, nahm Glieder und Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch, dass ich mich wirklich nicht mehr genau an alle Vorgänge erinnern kann. An jeder schweren Stelle rief uns Felix zu: « Es kommt noch besser, das ist noch nichts! Das Schwerste kommt bald! » Dazu führte er uns aus Rache für unsere vorherigen Anschuldigungen über alle Türme hinweg, keinem durfte ausgewichen werden, nur der letzte vor der Gabel wurde links umgangen 1 ). Ein zeitweiliges Ausweichen in der Flanke würde die Tur wesentlich erleichtern, doch zugleich ihres Reizes berauben. Auch mit den Verhältnissen hatten wir Glück, und es war uns beinahe unerklärlich, wie die Felsen nach einem einzigen Schönwettertag schon so trocken sein konnten. Was die Art der Kletterei betrifft, so steht diese Gratstrecke einzig in der Umgegend von Zermatt da, und es dürfte im ganzen Schweizerlande nicht so schnell einen Viertausender geben, der in so reiner Fekenkletterei erreicht werden kann. Dazu kommt noch die vorzügliche Beschaffenheit der Felsen, die weit und breit ihresgleichen suchen und die Kletterei zu einem Hochgenuss gestalten. Eigentümlich ist die grosse Ähnlichkeit, die die vielen Türme sowohl dem Aussehen als auch der Art der Kletterei nach untereinander aufweisen.

Es war II30 Uhr, als wir in der Gabel anlangten, wo ich sogleich zu einer Revision der Glieder überging. Die letzte Strecke hatte der weit auseinanderliegenden kleinen Griffe und des vielen Hangeins wegen unsern Muskeln ziemlich zugesetzt, um so mehr, als wir 14 Tage lang des Regens wegen nichts geleistet hatten.

Das Schlusstück, das mit dem gewöhnlichen Zermatter Aufstieg zusammenfällt und über die Binerplatte und die ihresgleichen suchende Kanzel zum Gipfel führt, schenkten wir uns, da es uns nichts Neues mehr bot und hauptsächlich, weil ich mein linkes Knie empfindlich spürte, dem bei einem Zusammenprall am vorletzten Turm der Felsen nicht hatte nachgeben wollen. Karl meinte allerdings, es sei schade, dass ich nicht meinen Bernerschädel angeschlagen hätte, da diesem der Stein bestimmt gewichen wäre.

Nach köstlichen zwei Stunden, die wir gemütlich ausgestreckt in der Gabel verbrachten, mussten wir leider wieder an den Abstieg denken. Der Gedanke an diesen erfreute uns nicht sonderlich, denn wir beobachteten die Partien, die das Zinalrothorn auf dem gewöhnlichen Weg bestiegen hatten und jetzt im weichen Schnee herumwüteten und kaum vom Fleck kamen.

Als wir aber um 1530 Uhr unsere Pickel, die wir am Morgen am Esels-tschuggen versteckt hatten, hervorzogen und das Seil ablegten, vergassen wir alle Mühsal, die uns der weiche Schnee bereitet hatte, und diskutierten wie Kinder eifrig über das Getränk, welches wir im Trift bestellen wollten, denn ich muss nachholen, dass der Abstieg in einer wahrhaft mörderischen Hitze stattfand und unser Trinkstoff schon lange verbraucht war. Nach einer Stunde landeten drei Gestalten im Trift, fanden einen Tisch und — darüber will ich schweigen.

Der Röthengrat.

Früher ein beliebter und vielbestiegener Berg, erfreut sich heute der Alphubel viel seltener des Besuches von Zermatt. Meistens wird er von Saas und neuerdings sehr viel mit Skiern angegangen, und niemand denkt mehr daran, dass ein Gang von der Täschalp über den Röthengrat auf den Alphubel eine nette, abwechslungsreiche Bergfahrt bildet.

Es war am 17. Juli des Schlechtwetterjahres 1930, als ich mit Felix und Karl Biner bei Regen in der Täschalp ankam. Da wir bis jetzt regelmässig den schönen Tag für den Hüttenweg abgewartet hatten und stets in Regenwetter gekommen waren, wollten wir es nun umgekehrt versuchen. Bald sahen wir, dass sich dieser Versuch bewähren sollte, denn als wir nach dem Nachtessen ins Freie traten, waren beinahe alle Nebel und Wolkengebilde verjagt, und wir bemerkten nur noch einige seltsam geformte Streifen, welche die Gipfel des Weisshorns und Zinalrothorns umflorten. Nach einem flüchtigen Blick auf den Röthengrat am Alphubel suchten wir die Betten des kleinen Hotels auf.

Weniger gut sah das Wetter am nächsten Morgen aus, als wir einige Minuten vor 3 Uhr die nächtliche Wanderung begannen. Ein starker Südwestwind blies, und das Weisshorn trug noch immer seine Wolkenkappe. Die Moräne, die uns an den Weingartengletscher führte, war eine richtige Hais-und Beinbruchmoräne, ein Trümmerhaufen ersten Ranges, und wir waren heilfroh, um 5 Uhr mit unversehrten Gliedern auf ihrem obersten Kamm angesichts des Weingartengletschers die Lichter löschen zu können. Doch, was wir jetzt erlebten und erschauten, gehört zum Schönsten, das ich in den Bergen je ersah.

Die Dunkelheit wich, es ward Licht, der Schleier zerriss, ein Gipfel ragte aus seiner Wolkenkappe hervor, es folgten ein zweiter, ein dritter und noch viele. Mit einem Schlage standen sie alle da, die Riesen des Wallis, die Ziele der Sehnsucht des Bergsteigers. Das Tal bedeckten Nebelstreifen, da brach der Sonne erster Strahl herein — einem Flammenmeer entwuchsen die Zinnen. Es war einer der Augenblicke, die man mit Händen greifen und festhalten möchte und die man machtlos ziehen lassen muss, nachdem der Blick sich noch nicht satt gesehen. Fast eine halbe Stunde währte dieses Schauspiel von unsagbarer Schönheit, und als das letzte Rot an den Eispanzern des Weisshorns im Tageslicht zerging, da wandten wir uns schweigend zum Weitergehen. Den Hauch eines andern Lebens hatten wir verspürt, einen Gottesgruss, einen Strahl der Liebe, dargebracht der Welt.

Durch das Seil verbunden wanderten wir nun über den flachen, an dieser Stelle spaltenlosen Weingartengletscher, bis wir an den Fuss des Schneehanges gelangten, der uns in einer Stunde auf den Westsüdwestgrat des Alphubels führte 1 ). Diese ganze Wanderung durch und über dem Kessel des Weingartengletschers entbehrt nicht eines besonderen Reizes, nämlich der Einsamkeit. Höchst selten betritt ein Menschenfuss diese Gegend. Täschhorn und Alphubel, die aus dem Weingartenkessel aufsteigen, werden von Zermatt aus selten bestiegen. Während der Schneegratwanderung, die uns von 715 bis 8 Uhr an den Fuss der zum Gipfel führenden Felsen des Röthen-grates brachte, schweiften unsere Blicke öfters zum Teufelsgrat hinüber — und es wurden schöne Pläne geschmiedet. Die Westflanke des Alphubeis war in denkbar guter Verfassung, und ich glaube, dass wir sie in Angriff genommen hätten, aber unsere Steigeisen waren anderswo.

Nun packten wir den etwa 250 m hohen Felsgrat an. Die Art der Kletterei ist eine eigenartige, indem es fortwährend gilt, etwa einen Meter hohe, aber abwärts geneigte Felsenstufen von nicht gerade bester Art zu überwinden. Auch bekommt man während der Kletterei das Gefühl, eher auf der Rippe einer Flanke als auf einem Grate zu sein, was darauf zurückzuführen ist, dass bei der ziemlichen Steilheit des Grates die Rippen der Südflanke sehr nahe erscheinen. Auch folgt man eigentlich nirgends streng dem Grate, man klettert meistens rechts in der Flanke oder im Couloir, das den Grat von der ersten Rippe der Flanke trennt.

Es war gegen 1045 Uhr, als wir den sturmumbrausten Gipfel betraten. Es wurde mit einem Male eisig kalt, und die Nebel flogen. Um ja den höchsten Punkt dieses weitläufigen Gipfels betreten zu haben, rannten wir im Schneegestöber um das längliche Gipfelplateau herum und liessen uns als wahre Schneemänner auf der geschützten Ostseite in einem Schneeloch, das wir schnell zurechtmachten, gemütlich nieder. Der Wind konnte den Schnee herumfegen wie er wollte, uns berührte dies nicht mehr. Das Wetter hatte sich verschlechtert, und von Aussicht war nicht mehr viel zu sehen, aber das prächtige Morgenrot hatte uns für alles das reichlich entschädigt.

Nach einem raschen Abstieg durch die ungeheuren Schneemassen der Ostseite und einem mühseligen Quergang zum Alphubeljoch, wobei wir öfters bis zum Bauch im Schnee einsanken, taten wir einen höchst angenehmen Gang vom Joch zur Moräne. Auf dieser Seite war der Schnee steinhart und der Wandgletscher ohne jegliche Spalte, so dass wir eine halbe Stunde nach Verlassen des Jochs auf den warmen Felsen der Moräne lagen und mit dem Fernrohr dem Treiben einiger Gemsen in der Südflanke des unteren Röthen-grates zuschauten. Schon auf dem Gletscher hatten wir Spuren eines Rudels dieser gewandten Tiere bemerkt. Dass eine lange Moräne auch im Abstieg einen zur Verzweiflung bringen kann, weiss man. Seiltänzern ähnlich balancierten wir über die losen Steine hinunter. Endlich fand Felix einen kleinen Pfad, der uns mitten durch die herrlichste Flora auf dem langen Grashang über der Täschalp führte. In einigen Minuten rannten wir zu den Hütten hinab.

Um eine schöne Erinnerung reicher, eilten wir nach kurzer Rast Zermatt zu, unterwegs das Matterhorn vor Augen — diese Linien, die sich ungehindert in die Lüfte schwingen: Sinnbild der stolzesten Freiheit.

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