Zum Geleit

Mit dieser ersten Seite der « Alpen » beginnt ein neuer Jahrgang unseres alten Jahrbuches; sie leitet zugleich eine neue und - wie wir hoffen - verbesserte Folge ein. Dazu bedarf es einiger Erklärungen.

Das eigentliche « Jahrbuch » erschien in den Jahren 1864 bis 1923 in deutscher Sprache; wenige Male wurde es ins Französische übersetzt.

Daneben bestanden die beiden Zeitschriften « Echo des Alpes » ( 1865-1924 ) und « Alpina » ( 1893-1924 ).

Das « Echo » gab die Sektion Genf heraus; später wurde es das Organ der welschen Sektionen. Die « Alpina » entsprang als « Alpenpost » privater Initiative ( 1870-1882 ), wurde 1883 zur « Schweizer Alpenzeitung » unter der Ägide der Sektion Uto und ab 1893 zur « Alpina », dem offiziellen Organ des SAC, mit dem französischen Untertitel « Bulletin officiel du CAS ».

Grosse Veränderungen brachte das Jahr 1925. Damals traten an die Stelle der drei Publikationen -«Jahrbuch », « Echo des Alpes » und « Alpina » - « Die Alpen » als einheitliches Organ für alle Mitglieder des SAC.

Dank dieser Konzeption wurde auch nach aussen hin die Einheit des Schweizer Alpenclubs hervorgehoben. Der literarische Teil aber sollte als Jahresband die Fortsetzung des Jahrbuches gewährleisten.

Mit dem Jahrgang 1957 beginnt keine so tiefgreifende Änderung wie damals. Im Bestreben, den Mitgliedern - besonders den welschen Kameraden - mehr Text in der Muttersprache zu bieten, haben wir uns zur Übersetzung eines Teiles des Inhaltes entschlossen. Übersetzungen sind freilich keine Originaltexte; sie werden aber dem Leser trotzdem willkommener sein als ein unlesbarer Stoff. Ferner wollten wir « Fortsetzungstexte » vermeiden, weil sie das gebundene Buch stets beeinträchtigen. Diese Erwägungen drängten zu einer vierteljährlichen Ausgabe der Hefte, wie sie nun mit dieser ersten Nummer vorliegt.

Weitere, mehr technische Veränderungen werden Sie selbst feststellen, wie die Vergrösserung der Bildflächen, das Zusammenfassen der Bilder und die Veränderung des Schriftbildes. Wenn immer möglich soll jeder Lieferung ein farbiges Kunstblatt beigegeben werden.

Bei allem Bestreben, « Die Alpen » den Erfordernissen der Neuzeit anzupassen, sind die zwei Grundprinzipien beibehalten worden: Viersprachigkeit und Einheit des Inhaltes. Neben der deutschen und französischen Sprache werden auch die italienische und romanische zu Worte kommen, soweit Arbeiten aus diesen Sprachgebieten erhältlich sind; ferner werden beide Sprachausgaben die gleichen Aufsätze enthalten, ausgenommen etwa kleine Texte zum Ausgleich von Differenzen, die durch die Übersetzung entstehen.

Unsere Redaktoren werden mit Tatkraft dafür sorgen, nur gute literarische Texte, dokumentarische und wissenschaftliche Arbeiten und Berichte alpinen Inhaltes zu vermitteln. Sie werden auch der Bildbeschaffung ihre Aufmerksamkeit widmen und im Rahmen des Möglichen nur gute Aufnahmen veröffentlichen. Der Leser möge bedenken, dass die Bilder meist nicht Selbstzweck sind, sondern zur Illustrierung eines Textes dienen, weshalb oft mit dem vorliegenden Material vorlieb zu nehmen ist.

1 Die Alpen - 1951 - Les Alpes So sehen die Kommission für die Publikationen, das Central-Comité und die Redaktoren guten Mutes einer günstigen Aufnahme der « Alpen » im neuen Gewände entgegen und wünschen unserem Cluborgan glückliche Fahrt auf lange Sicht!

Basel, im März 1957.

DIE REDAKTOREN:DAS CENTRAL-COMITÉ DES SAC:

Max OechslinRobert Wenck Karl Dettwyler Edmond PidouxCentral-Präsident Publikationenchef

Jura, Giboulées de mars

GEMALT VON MAURICE MATHEY, LE LOCLE ( GEB. 1878 ) Maurice Mathey, der heute bereits zu den Veteranen unter den Malern gehört, ist seinem Geburtsort Le Locle zeit seines Lebens treu geblieben und hat ihn, nach Lehr- und Wanderjahren in Genf, Paris, München und Italien, nur für seine Studienreisen verlassen.

Seine künstlerische Entwicklung verlief stetig, soweit sie am Werk abgelesen werden kann, ohne Schock, ohne Abbruch, ohne Sprünge. Als Schüler von Charles Cottet ( 1863-1925 ) in Paris empfing er wegleitende und zugleich nachhaltige Anregung in Stil und Auffassung.

Gegenüber seiner eigenen lapidaren Bildgestaltung der 1920er Jahre in Figur und Landschaft, wobei der Ausschnitt relativ klein, der Gegenstand dagegen gross gegeben wurde, zeigt die in der farbigen Wiedergabe vorliegende Schneelandschaft mit seinem zauberhaft farbigen, launisch wechselnden Märzenhimmel die Weite einer über die Begrenzung durch den Rahmen hinaus-weisenden Juralandschaft, in der die einzelnen realen Aussagen verhältnismässig klein erscheinen. Räumliche Tiefe gewinnt das in Öl auf Leinwand gemalte Bild ( von 91 cm Breite und 73 cm Höhe ) durch eine vordere, nach links geneigte Schneefläche, hinter der eine tiefer gelegene Haus-reihe mit ihren Dächern und Tannen, zum Teil nur mit den Wipfeln, aufragt. Diese behauptet die stärksten Kontraste im Bildganzen. Sie wirkt wie ein Repoussoir für das, was dahinter folgt: den sanften, von der Sonne berührten Hang, an dem vom geschmolzenen Schnee nur noch Flecken stehen, und auf dem sich der Reichtum der Töne von rötlicher Erde zu gelblichem Grün ausbreitet, ein weiteres Schneefeld vor den Waldgrenzen am Rand der Ebene, hinter der sich in ruhigem Gleichmass ein bewaldeter Berg erhebt. Über diesem blauenden Hintergrund, in dem fast nur kalte Töne herrschen, über der Ruhe des Geländes der noch halb erstarrten Natur, vollzieht sich ein kleines, vorfrühlingsmässiges Drama am Himmel: Die in gelbem Licht aufglänzende Sonne verbirgt sich hinter einem dunklen Wolkenband, das sich durch einen Schnee- oder Regenschauer lokal entlädt.

An diesem Naturgeschehen ist der Künstler vor allem farbig interessiert. Das Dynamische, Spannungsmässige dagegen wurde weitgehend zurückgedämmt durch den formalen Ausgleich, den der Maler in den wiederholt die Neigung zur Waagerechten bekundenden Linienzügen sucht und durch sanfte Kurven auflockert, wohlabgewogen durch ihre Lage im Bildbau.

Seinem Temperament gemäss zeichnet er so die Stimmung eines Vorfrühlingstages seiner Heimat, wie ein Lyriker sie empfindet und eine reife, abgeklärte Künstlerschaft sie zum Bild verdichtet.

M. Pfister-Burkhalter

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