Zum Schutze des Rheinfalls

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

( Anhang zum Jahresbericht. )

Der Schweizer Alpenclub

an die hohen Regierungen der eidgenössischen Stände Schaffhausen und Zürich.

Hochgeachtete Herren Regierungsrathes Der Schweizer Alpenclub hat Kunde erhalten von den weitgehenden Projecten, welche einen Theil des Rheinfalles in industrielle Wasserkräfte umwandeln und große Fabrikanlagen an Stelle der bisherigen Eisenwerke setzen wollen. Ein hiefür compétentes Mitglied unseres Centralcomite hat sodann die Frage untersucht, ob die Ertheilung der verlangten Concessionen dem Rheinfall als Naturschönheit wesentlichen Eintrag thun würde. Dasselbe ist mit vollster Bestimmtheit zu dem Resultate gelangt, daß jede Erweiterung der bisher bestehenden Wasserrechte unwiederbringlich den Rheinfall in seiner bisherigen Schönheit zerstören würde, und zwar theils durch Wasserentzug, theils durch die baulichen Anlagen. Der jetzt bestehende hölzerne Fangdamm erreicht sein Ende unmittelbar vor der tiefsten Rinne des obern Rheinbettes. Jede Verlängerung der Wuhrbauten müßte diese Rinne abdämmen und dadurch die ganze Vertheilung des Wasserlaufes in ungünstigster Weise verändern. Alle versuchten Modificationen in dem Projecte vermögen hieran nichts zu ändern und einer sehr wesentlichen Schädigung durchaus nicht aus dem Wege zu gehen.

Der Schweizer Alpenclub ist ein Verein, den die Liebe zur Natur geschaffen hat. Er zählt eine große Anzahl Industrieller, Techniker, Kaufleute, Gelehrter und Vertreter zahlreicher anderer Berufsarten in seiner Mitte, welche alle eine Hebung der schweizerischen Industrie gerne unterstützen. Aber sie haben auch einen offenen wannen Sinn für die Natur bewahrt, so daß sie vor dem materiellen Schlagworte ^Hebung der Industrie " nicht unter allen Umständen kritiklos in den Staub fallen, sondern auch andere Seiten des menschlichen Daseins, und besonders auch die Natur in ihrem Werthe für des Menschen Geist und Herz würdigen wollen. Er fand es deshalb schon oft in seiner Aufgabe, einzustehen für die Schönheiten der Natur, da wo denselben Zerstörung drohte; er hält es auch gegenwärtig für seine Pflicht, seine Stimme als diejenige eines großen schweizerischen Vereines geltend zu machen für die Erhaltung des gewaltigsten und herrlichsten Wasserfalles von Europa.

Die Resultate der oben erwähnten Untersuchungen unseres Collegen wurden zuerst in einem Vortrage der Section Uto ( Zürich ) des Alpenclub mitgetheilt. Die Section Uto stund einstimmig und begeistert für den Gedanken ein, daß eine Naturschönheit vom Range des Rheinfalles ein Gemeingut der Menschheit sei, das nicht zu Gunsten Einzelner geschädigt werden dürfe, und faßte entsprechende Resolutionen. Sie bat zugleich das Centralcomite, zu prüfen, ob nicht eine ähnliche Kundgebung des ganzen Schweizer Alpenclub angestrebt werden sollte. Dies wurde vom Centralcomite durch Circular den sämmtlichen übrigen Sectionen mitgetheilt unter Beigabe der nothwendigsten Erläuterungen und Aufforderung, sich darüber zu erklären.

Wir beehren uns nun, Ihnen Abschriften der sämmtlichen an uns eingegangenen bezüglichen Antworten mitzutheilen. Sie wollen daraus entnehmen, daß die Section Banden ( Schaffhausen ) des Alpenclub aus sehr begreiflichen Gründen sich neutral verhalten will, daß weiter die Vertreter der Section Burgdorf im Princip beistimmen, indem auch sie den Kheinfall in seiner jetzigen Schönheit erhalten wünschen; sie schließen sich indessen den Kesolutionen der Section Uto nicht unbedingt an, weil sie glauben, die Ausführung der bezüglichen Projecte schädige den Kheinfall vielleicht nicht. Im Uebrigen ist die Kundgebung des Schweizer Alpenclub eine einstimmige. Es haben sich schriftlich ausdrücklich den Resolutionen der Section Uto angeschlossen die Sectionen:

Wildhorn, Sentis, Basel, Rhätia, Pilatus, Zofingen, Jaman, Genf, Oberaargau, Roßberg, Oberland ( Bern ), Diablerets, Bern, Winterthur, Davos,, Neuchâtel, St. Gallen, Monte Rosa, Tödi, Weißenstein, Blümlisalp, Biel, Mythen, Toggenburg, Bachtel, Aarau, Titlis, Gotthard.

Ferner hat stillschweigend im Sinne vom Schlußsatz unseres Circulares an die Sectionen zugestimmt die Section Moléson.

Weiter haben außerhalb des Alpenclub uns Zustimmungen zu- unserem Vorgehen gemeldet:

Der Verein der Naturfreunde in Glarus; Die aargauische naturforschende Gesellschaft; Die St. Gallische naturwissenchaftliche Gesellschaft; Die graublindnische naturforschende Gesellschaft; Die schweizerische geologische Gesellschaft ' ).

Sodann hat das Centralcomite der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft seinerseits die Kundgebung des Alpenclub aufgenommen und weitere Zustimmungen naturwissenschaftlicher Gesellschaften werden dorthin nach Bern abgegangen sein und, unabhängig von uns, Ihnen von dorther zugestellt werden.

Die Resolutionen, welche wir Ihnen nunmehr als eine Kundgebung des gesummten schweizerischen Alpenclub vorlegen und Ihrer Berücksichtigung empfehlen, lauten also:

1 ) Der Schweizer Alpenclub hält den Rheinfall für ein unveräußerliches Gemeingut der Schweizer und der Menschheit überhaupt, das nicht zu Gunsten Einzelner geschädigt werden darf.

2 ) Er hegt in die hohen Regierungen der Kantone Schaffhausen und Zürich das Vertrauen, daß sie dies Heiligthum anzuerkennen und zu schützen gewillt seien.

Hochgeachtete Herren Regierungsräthe! Wir haben die Ueberzeugung, daß in diesen WorAnmerkung. Von anderer Seite vernehmen wir, daß ferner den Resolutionen der Section Uto in vollem Umfange beigetreten seien:

Thnrgauische naturforschende Gesellschaft; Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen; Naturforschende Gesellschaft Basel; Naturforschende Gesellschaft Zürich; Naturforschende Gesellschaft Bern; Naturforschende Gesellschaft Solothurn; Naturforschende Gesellschaft Freiburg.

ten zugleich die Ansieht der großen Mehrheit des Schweizervolkes ausgesprochen liegt, das unbeeinflußt von directen Interessen der einen oder anderen Richtung der Frage gegenübersteht. Weitere Kreise haben wir bei unserer Kundgebung nicht betheiligt, weil wir bei demjenigen Vereine und höchstens seinen nächsten Verwandten bleiben wollten, welche den Sinn für Naturschönheiten in erster Linie pflegen. Mögen Sie die reine Absicht, welche unseren Beschlüssen und unserem Vorgehen zu Grunde liegt, anerkennen und zugleich unsere Resolutionen als einen Beweis unseres vollen Vertrauens entgegennehmen. Möge über unserm Vaterlande ein hoher freier Sinn walten, der es davor behüte, in die Sklaverei einseitiger und unsicherer Interessen zu gerathen, und der ihm seine Naturheiligthttmer, das Schönste, was es neben seiner republikanischen Freiheit besitzt, bewahre zur Erbauung und zur Ehre der lebenden und zur Freude der künftigen Geschlechter!

Mit diesen Worten empfehlen wir Ihnen die Kundgebung des Schweizer Alpenclub.

Empfangen Sie zugleich die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung und Ergebenheit.

Zürich, den 25. Mai 1887.

Namens des Schweizer Alpenclub, Das Centralcomite:

Albert Heim.Hermann Lavater.

John Syz.G. Meyer von Knonau.

Albert Nägeli.Franz Schweizer.

( Der Präsident J. E. Grob als Mitglied der Regierung « ines der betheiligten Kantone im Ausstande. ) Beilagen dazu:

la. Vortrag von Prof. Heim, gehalten in der Section Uto; Ib. Plan dazu; le. Photographie des Rheinfalls; 2.Circular des Centralcomite des Alpenclub an die Sec- tionen; 3.Abschrift der eingegangenen Antworten der Sectionen.

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