Zur Abbildung der Bodenformen in unsern neuen Landeskarten

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Jakob Bolliger.

Seit einigen Jahren zeigen Fachzeitschriften und Tagespresse Abhandlungen und Besprechungen, die eine neue schweizerische Landeskarte ankünden. Die zäh geführte Diskussion über die Masstabfrage ist in der Öffentlichkeit verstummt, und es scheint, dass das nächste Kartenbedürfnis für das Militär durch eine neue Karte über die ganze Schweiz im Masstab 1: 50,000 gedeckt werden wird.

Die Erstellung dieser Karte wird der Erneuerung der Karten anderer Masstäbe rufen. Die Bedürfnisse von Militär, Wissenschaft und Technik, sowie anderer Gebiete stellen erhöhte Anforderungen an alle Kartenwerke; es ist deshalb anzunehmen, dass von den bisherigen Masstäben keiner wird entbehrt werden können und, um den höhern Ansprüchen gerecht zu werden, Mass-stabvergrösserungen für die Karten 1: 25,000 und 1: 250,000 auf 1: 20,000 und 1: 200,000 ernstlich erwogen werden müssen.

Für den Berggänger wird heute die Inhaltsgestaltung einer neuen Karte 1: 50,000 von grösstem Interesse sein. Er ist von der Siegfriedkarte her mit diesem Masstab vertraut, er hat bei seinen Bergfahrten deren Inhalt kritisch betrachten und schätzen gelernt. Wenn wir neuere Kartenblätter, etwa von Held, Becker oder Imfeid, betrachten, drängt sich die Frage auf, ob da noch Besseres geleistet werden kann. Die Darstellung von Bodenformen und Bodenart bietet auf ihnen eine Vollkommenheit, die kaum zu übertreffen sein dürfte. Andere Blätter allerdings sind in Genauigkeitsansprüchen und Zuverlässigkeit, aber auch in der Darstellung veraltet; ihr Inhalt muss mehr schematisch gewertet werden.

Trotzdem die vorstehend erwähnten Meisterleistungen in der Siegfriedkarte in der Darstellungsart kaum überboten werden können, tauchen da und dort Anregungen zur Verbesserung der Inhaltsgestaltung neuer Karten auf, die mich zu den nachfolgenden Ausführungen veranlassen. Dabei will ich mich auf die dem Bergsteiger am nächsten liegende Abbildung von Bodenformen und Bodenart beschränken. Die Bodenformen werden in der Siegfriedkarte durch Höhenkurven, Schraffen und Felszeichnung dargestellt. Die Farben Braun und Schwarz entscheiden über erdige oder steinige Bodenoberfläche, während Gletscher und Firn in Blau gezeichnet sind.

Die Höhenkurvendarstellung.

Es ist ausser Zweifel, dass auch für die neue Karte 1: 50,000 für die allgemeine Darstellung der Bodenformen die Höhenkurven gewählt werden. Der Vertikalabstand der Kurven, die Äquidistanz zu 30 m in der Siegfriedkarte, wird nicht übernommen werden können, obschon sie für die Gebirgsblätter geeignet ist.

Will man eine einheitliche Äquidistanz über das ganze Land wählen, was ausser Frage zu stehen scheint, und soll diese zur Einführung von Hilfskurven bequem teilbar sein, so stehen dem bisherigen Vertikalabstand der Höhenkurven die Stufen 20 m und 40 m am nächsten. Für das Mittelland hat sich in der Siegfriedkarte 1: 25,000 die Äquidistanz 10 m, was in 1: 50,000 20 m entspricht, gut bewährt. Bei den höhern Anforderungen an die Genauigkeit der neuen Karten wird auf keinen Fall eine grössere Äquidistanz angängig sein, sofern der Grundsatz erhalten bleiben soll, dass die Unterteilung in Hilfskurven nicht zu weit gehen und ihre Anwendung nicht zu reichlich sein darf.

Die nächst niedrigere dekadische Äquidistanz zu 10 m liesse sich in vielen Gebieten unserer Hochebene und zum Teil auch im Jura im Masstab 1: 50,000 durchführen. Dadurch würden diese Landschaften mit den nicht unwichtigen sanftem Bergformen ausserordentlich prägnant in der Terraindarstellung erscheinen. Allein im Voralpen- und Alpenland ist sie nicht mehr durchführbar, weil die Kurven zu nahe zusammen zu liegen kämen. Es bleibt somit als untere Grenze für das ganze Land die Äquidistanz 20 m bestehen, eine Notwendigkeit für das Mittelland und, wie wir später sehen werden, auch eine annehmbare Lösung für das Gebirge.

Als Beispiel aus dem Hügelland ist in Fig. 1 ein Terrainbild mit 20 m Äquidistanz für die ganz ausgezogenen Höhenkurven gezeichnet. Jede fünfte dieser Kurven ist als Zählkurve durch kräftigere und gestrichelte Zeichnung hervorgehoben. Das Bild zeigt ferner, wie wünschenswert die Einführung einer Hilfskurve mit 10 m Höhenunterschied ist, die in der Figur fein und lang gestrichelt gezeichnet wurde.

Fig. 1. Terrainbild aus dem Mittelland.

Fig. 2. Terrainbild aus dem Gebirge. a ) 20 m Äquidistanzb ) 30 m Äquidistanzc ) 40 m Äquidistanz Man denke sich dieses Bild ohne die Hilfskurven und versuche den nicht übertriebenen Detailreichtum einer 20 m-Kurve mit den beiden Nachbarkurven in Zusammenhang zu bringen. Noch schwieriger wird die Formerfassung sein, wenn die fertige Karte mit Situations- und Schriftzeichnung vorliegt.

Eine Kurvenunterteilung mit 5 m, 2,5 und 1)25 m Höhenunterschied, wie sie in deutschen Karten 1: 25,000 vorkommt, mag für eine Detailkarte im Gebiet des Kulturbodens angehen. Da der Masstab 1: 50,000 nicht als grösster Kartenmasstab unseres Mittellandes anzusprechen ist, erscheint mir für ihn die 10 m-Hilfskurve zur Darstellung neuer Formen und zur Verbindung von Detailformen da, wo der grosse Kurvenabstand zu falschen Schlüssen führen könnte, notwendig und genügend zu sein. Die in Fig. 1 an drei Stellen fein punktiert eingezeichnete 5 m-Hilfskurve gibt wohl Formen, die aus dem übrigen Kurvenbild nicht abgeleitet werden können, die jedoch in diesem Masstab nicht notwendig zur Darstellung zu kommen brauchen.

Für das Gebirge standen Äquidistanzen von 20, 30 und 40 m zur Diskussion. Weil 30 m sich bisher gut bewährt hatte, wurde vor der zu engen Kurvenlage bei 20 m-Höhenstufen gewarnt und sogar für eine Masstabver-grösserung damit argumentiert.

Zuzugeben ist, dass am Steilhang die 20 m-Kurve oft nichts Neues bietet gegenüber 30- und 40 m-Kurven. Das Gebirge besteht aber nicht nur aus Steilhängen, so dass auch hier eine Formbereicherung und Genauigkeits-vermehrung durch die kleinere Äquidistanz ihre Berechtigung hat. Mit Hilfskurven könnte dasselbe erreicht werden, was bei 40 m Äquidistanz weitgehend geschehen müsste. Je mehr Hilfskurven verwendet werden, desto schwerer lesbar wird die Karte und um so unruhiger das Kartenbild, was im Mittelland zu unbekömmlichen Kurvenbildern führen müsste bei beispielsweise 40 m Äquidistanz.

Das Beispiel mit 20 m-Höhenkurven in Fig. 2 a zeigt einen neuen Vorteil, der durch die enge Kurvenlage bedingt ist, das Relief tritt gegenüber Fig. 2 b und c viel plastischer hervor. Gefällsbrüche, und besonders die Terrassierung sind hier so markant, dass man die engere Kurvenscharung in den steilsten Fig. 3. Kurvenbilder von Steilgelände. 1: 50,000.

a ) Mit 20 m Äquidistanz nach photogrammetrischen Aufnahmen u. Grundbuchübersichtsplänen gezeichnet.

b ) 30 m Äquidistanz. Darstellung der Siegfriedkarte nach der Aufnahme J. Müller, 1847, und Revision X. Imfeid, 1884.

Partien in Kauf nehmen kann. Für die technische Verwendung unserer neuen Karten ist die Überlegenheit durch die genauere Erfassung der Bodenformen mit 20 m Äquidistanz nicht ausser acht zu lassen.

Wie gestaltet sich nun die Höhenablesung mit den Einzelkurven bei 20 m Äquidistanz? Vor allem ist zu sagen, dass nicht ein Prozent der Kartenfläche des Alpenlandes derart enge Kurvenlagen erhalten wird, dass das Abzählen der Höhenlinien Mühe bereiten könnte ( Felsgebiet ausgenommen ). Diese Stellen werden zudem nicht schlechter lesbar sein, als viele andere Darstellungen in unserer Dufourkarte.Vor allem kommt für den Bergsteiger eine Höhen-orientierung im Steilhang selten vor, bei der ein Abzählfehler von 20 m nicht in Kauf genommen werden könnte.Viel wichtiger ist für ihn die Formwiedergabe, die hier unabhängig von den in Frage stehenden Äquidistanzen ist. Bedenken wir noch, dass die Höhenablesung durch die Hervorhebung der 100 m-Intervalle mit Zählkurven bedeutend erleichtert wird.

Auch dem Techniker und Militär wird das Kurvenbild im Steilhang im Masstab 1: 50,000 bei 20 m Äquidistanz eine genügende Lesbarkeit bieten. Ist die Neigung des Steilhanges gleichmässig, so genügt für die Profilierung das Abgreifen der Zählkurven; treten Unregelmässigkeiten auf, so wird, selbst wenn es sich um Kleinformen handelt, das Kurvenbild lockerer und die Einzelkurve leicht verwendbar. Die kleine Äquidistanz bietet in diesem Fall neben dem Vorteil der genauem Formerfassung keine Nachteile. Der Fall von Wegbauten an derartigen Hängen wird ausserordentlich selten eintreten, Kostenpunkt für Bau und Unterhalt zwingen zur bessern Geländeauswahl. Ausserdem wird der Inhalt der Karte 1: 50,000 doch nur für ganz generelle Projekte ausreichen, für die der Techniker meist Vergrösserungen erstellen wird für seine Eintragungen.

In Fig. 3 ist ein Beispiel einer neuen Kartenaufnahme mit 20 m Äquidistanz aus einem besonders steilen Gebiet, wie es in dieser Ausdehnung verhältnismässig selten in unsern Alpen vorkommt, ausgewählt. Daneben ist zum Vergleich dasselbe Gebiet mit 30 m Äquidistanz der Siegfriedkarte entnommen. Gewiss ist das Verfolgen der Einzelkurve in Bild b leichter als in a und, da es sich um Steilgebiet handelt, auch das Relief gut markiert. Doch für das gute Auge ( schlechte Augen sind für das Kartenlesen wie für andere Arbeiten mit Gläsern zu bewaffnen ) bietet auch Bild a für das Abzählen der Höhenkurven keine Schwierigkeiten, dank der als 100 m-Stufe eingeführten Zählkurve.

Man wird den Einwand erheben, dass die Lesbarkeit in der Karte durch die Darstellung in brauner Farbe und die übrigen Karteneindrucke erschwert werden wird. Wenn die braune Farbe richtig gewählt wird, leidet die Lesbarkeit praktisch nicht. Und Situation wird ein derartiger Hang äusserst selten tragen. Vielleicht noch Waldsignatur, doch kann diese derart leicht gewählt werden, dass die braunen Kurven dadurch nicht gestört werden. Ausserdem bleiben die Leitkurven immer so gut lesbar, dass auch bei schlechter Beleuchtung ein Feldgebrauch der Karte, wie er diesem Gelände angepasst eintreten kann, gewährleistet wird.

Eine Untersuchung auf Blatt Adelboden, das ich als Durchschnittstyp für die im Alpenland vorkommenden Steilheiten ansehe, zeigt bei 20 m Äquidistanz eine viel schönere Reliefwirkung als bei 30 m und ergibt, dass die 20 m-Höhenkurven überall abzählbar sind. An 21 kleinen Stellen, die 0,5 % der Kartenfläche ausmachen, ist für das Abzählen der Kurven bei 0,35 mm oberer Kurvendistanz und x/4 mm Lichtraum besondere Sorgfalt zu verwenden. Für die Beurteilung der Äquidistanz ist dies belanglos, wenn berücksichtigt wird, dass diese Stellen derart klein sind und so im Gelände liegen, dass sich auf ihnen weder technisch noch militärisch Aktionen von Bedeutung werden abspielen können.

Zusammengefasst kann zur Äquidistanz der neuen Karte gesagt werden, dass für ihre Wahl neben der topographischen Verschiedenheit von Mittelland, Jura und Alpen auch die wirtschaftliche, technische und militärische Bedeutung der gesamten Gebiete wie ihrer einzelnen Teile zu berücksichtigen sind. Da für mehr als 99 % der Fläche der Schweiz die Äquidistanz von 20 m geeignet ist und für das Mittelland zudem als Minimalforderung gelten kann, ferner in dem verbleibenden Rest weder technische noch militärische oder wirtschaftliche Interessen eine Änderung dieser Äquidistanz rechtfertigen können, darf heute die Einführung derselben für den Masstab 1: 50,000 als sicher gelten.

Bei der Wahl des Kurvensystems ist neben der Äquidistanz dessen graphische Ausführung von Wichtigkeit. Neben den Höhenkoten der Karte dienen die Zählkurven zur raschen Höhenermittlung, weshalb ihre Intervalle und Höhen über Meer so zu wählen sind, dass die erstem leicht zusammengezählt werden und die letztern als bequeme Ausgangshöhen für beliebige Höhenbestimmungen dienen können. Diese Forderungen sind erfüllt, wenn zentesimale Höhenstufen gewählt werden.

Eine weitere Forderung an die Zählkurven besteht darin, dass ihr Intervall nur so viele, aber auch nicht weniger Zwischenkurven enthalten soll, als für ein rasches und sicheres Abzählen derselben nötig ist. Die Erfahrungen mit der Siegfriedkarte haben gewiss manchem Bergsteiger gezeigt, dass sogar bei 30 m Äquidistanz das Zählen von 9 Zwischenkurven nicht mehr mühelos ist, wenn es sich um steileres Gelände handelt. Übrigens trägt die Teilung jedes in Millimeter geteilten Masstabes der Erfahrung Rechnung, dass 9 Zwischen-striche ohne besondere Markierung des 5. Teilstriches mühsam abzuzählen sind. Da die 20 m-Kurven das bisher gewohnte Kurvenbild verdichten, erlangt diese in der Siegfriedkarte unerfüllte Forderung erhöhte Bedeutung. Ich vertrete darum hier die Auffassung, dass bei der Äquidistanz von 20 m die Ausbildung jeder lOten Höhenlinie zur Leitkurve ungenügend, das Intervall von 200 m somit für sie zu gross ist und durch das 100 m-Intervall ersetzt werden soll. Fig. 2 und 3 können vielleicht auch den Leser hiervon überzeugen.

Ist im Gebirge die Markierung der lOten Kurve als Zählkurve bei enger Kurvenlage ungenügend, so zeigt im Mittelland das seltene Vorkommen von Höhenstufen über 200 m die geringe Zweckmässigkeit der 200 m-Zählkurven. Sollen die Zählkurven hier ihren Zweck erfüllen, so müssen sie in einem Kartenblatt doch in einer minimalen Anzahl und Länge vorkommen. Wenn es im Hügelland Siegfriedblätter 1: 25,000 gibt, auf denen eine einzige 200 m-Kurve mit einer Länge von ca. 20 cm zu finden ist, und sogar Blätter ohne 200 m-Kurven vorkommen, so glaube ich, dass auch im Mittelland die 200 m-Zählkurven ihrem Zweck nicht genügen können und durch 100 m-Zählkurven zu ersetzen sind.

Die Forderung von 100 m-Zählkurven kann nur erfüllt werden, wenn ihre zeichnerische Darstellung keine störende Mehrbelastung der Karte bedeutet. Ihre Ausführung als kräftige Linie, welche, um immer eindeutig erkannt werden zu können, die zwei- bis dreifache Strichdicke der gewöhnlichen Höhenkurve haben muss ( Fig. 2 c ), wirkt schon bei 200 m-Stufen oft unschön und störend. Die Begründung ihrer auffälligen, das Gelände zerschneidenden Wirkung, dass sie eine rasche und leicht mögliche Orientierung über die grossen Formen gestatte, gilt nur für die Kurvenplatte für sich und ist nicht mehr ausreichende Rechtfertigung gegenüber ihren Unzulänglichkeiten im fertigen Kartenbild. Die bisherige, aber kräftiger gestrichelte Ausführung der Zählkurve in der Siegfriedkarte ( Fig. 1, 2 a, b und 3 ) ist immer noch vorteilhafter als das neue Importprodukt und vollends eine Bedingung für 100 m-Zählkurven. Sie schmiegt sich unauffällig ins Kurvenbild ein und ist trotzdem zum Abzählen rasch und sicher erkennbar.

Ein Vergleich der Formen zwischen der neuen und bisherigen Karte in Fig. 3 a und b zeigt manche Veränderungen, trotzdem die alte Karte von dem ausgezeichneten Topographen Imfeid weitgehend revidiert wurde. Man spürt bei der Siegfriedkarte immer wieder heraus, dass sie einst als Grundlage für den Masstab 1:100,000 gedacht war und gemäss den zur Verfügung stehenden Mitteln für die Publikation im Originalmasstab zugestutzt wurde.

Auffällig ist in Fig. 3 a der Fortfall der meisten Böschungsschraffen in den Bachtobeln. Ob die Neuaufnahme oder Imfeids Revision hier dem Naturbild besser gerecht werden, sei dahingestellt. Auf alle Fälle ist bei der photogrammetrischen Neuaufnahme der Abbildung von Böschungen und Erdschlipfen besondere Beachtung zu schenken, da diese nicht immer im Kurven- Fig. 4.

a ) Photogrammetrische Aufnahme, in 40 m-Kurven ausgewertet und vom Topographen auf 20 m Äquidistanz ergänzt. Vereinzelte kleine Stellen, die im Büro interpoliert wurden, sind für den Vergleich belanglos. Man beachte auch die Felskurven in 40 m Äquidistanz.

b ) Die in Fig. a grösstenteils nicht sichtbaren Moränenböschungen sind als charakteristisches Merkmal des Geländes vom Topographen in Schraffendarstellung eingezeichnet worden. Ein Vergleich der prägnanten Felszeichnung mit der Kurvendarstellung in a lohnt ebenfalls die Mühe.

bild enthalten sind. Die sorgfältige Feldüberarbeitung kann solche Mängel mechanischer Büroauswertung oder Unzulänglichkeit der reinen Höhen-kurvenabbildung entdecken und beheben, wie dies in Fig. 4 gezeigt ist.

Trotz 20 m Äquidistanz, Photogrammetrie, Übersichtsplan und dem Ruf nach einer geometrischen Karte von gewisser Seite besteht die Darstellung in Schraffen nach wie vor zu Recht für Böschungen, die vom Kurvenbild ungenügend oder überhaupt nicht erfasst werden und die wichtig genug sind, um zum Kartenbild zu gehören.

Die Abbildung von Erdschlipfen durch braune Böschungsschraffen, mit schwarz gezeichneter Stein- oder Felsdurchsetzung, wie sie in der Siegfriedkarte vorkommen, wird kaum verbessert werden können. Für Moränen finden wir in dem topographischen Atlas drei Darstellungen, die leider nicht nach einheitlichen Richtlinien durchgeführt sind. Die neue Karte dürfte hier eine Regelung bringen, wie z.B. für abgelagerte Moränen Schraffendarstellung in Schwarz, wenn sie steinig, und in Braun, wenn sie bewachsen sind; für fliessende Moränen ( auf dem Gletscher liegend ) schwarze Punkte, in Böschungsschattierung angeordnet.

Die Felszeichnung.

In den neuern Blättern der Siegfriedkarte finden wir eine Felszeichnung, die durch ihre Anschaulichkeit und charakteristische Wiedergabe selbst geologischer Details eine Reife erlangt hat, die auch in den neuen Karten an- gestrebt werden sollte. In letzter Zeit wird die Felszeichnung in verschiedenen Publikationen derart besprochen, dass hier einige kritische Bemerkungen darüber angebracht sind.

Wir können im Masstab 1: 50,000 keine grundrisstreue Abbildung z.B. des Verkehrsnetzes oder der Siedelungen geben, weil die Objekte vergrössert, je nach Wichtigkeit hervorgehoben oder gar durch konventionelle Zeichen dargestellt werden müssen. Der Platzmangel und die Kleinheit der Objekte zwingen zu geometrischen Ungenauigkeiten, die zugunsten der Lesbarkeit der Karte erfolgen und in das Kapitel vom Generalisieren gehören. Dies gilt für alle Teile der Karte, also auch für die Felszeichnung.

Die grundrisstreue Abbildung der Felsumrisse darf nicht auf Kosten der Anschaulichkeit erfolgen, d.h. eine senkrechte oder sehr steile Felswand ist um so viel verbreitert zu zeichnen, als es nötig ist, um sie in ihrer Charakteristik und relativen Bedeutung aus der Karte erkennen zu können. Wenn nun Ingenieur Willi Kraiszl in seiner Schrift über topographisches Felszeichnen die Auffassung vertritt, dass die moderne Gebirgskartographie sich an die strengen Gesetze der Vertikalprojektion zu halten habe, so hat er sich im Masstab 1: 50,000 geirrt, oder er verkennt den Zweck dieser Karte offensichtlich. Da schon das Unterland von der Grundrisstreue abweichen muss, was hätte es für einen Sinn, im Felsgebiet geometrischer sein zu wollen auf Kosten der Anschaulichkeit und Lesbarkeit?

Die Umrisse und Konturen der Felsen können als Felsgerippelinien bezeichnet werden. Sie geben innerhalb der Generalisierungsgenauigkeit den geometrischen Grundriss der Felsgebiete, der in der Siegfriedkarte durch Strichmanier kunstvoll zu einer plastisch wirkenden Felszeichnung ausgearbeitet ist. Durch die Wahl geeigneter Striche und Strichlagen gelingt es, trotz der Kartenverjüngung und geringen Zeichenfläche, eine Ansichtszeichnung der Felsen zu erstellen, welche die wesentlichen Merkmale der Natur wiedergibt.

Wenn bei geschichteten Felsen die Schichtlagen als Oberflächenformen deutlich und für den Masstab 1: 50,000 gross genug hervortreten, so ist es möglich, in der Strichmanier sie in ihrer Gliederung, ihrem Streichen und Fallen, in der Karte abzubilden. Steht genügend Zeichnungsfläche zur Verfügung, so gelingt es sogar, tektonische Merkmale, wie Faltenwürfe und anderes, anzudeuten. Mehr an Geologie zu geben, als auch vom Nichtgeologen bei guter Beobachtung erkannt werden kann, überschreitet die Aufgabe einer Karte für allgemeine Verwendungszwecke. Der geologisch Geschulte kann aus einer guten Formdarstellung der Karte sehr viel über den Charakter und die Entstehung einer Landschaft erkennen, wobei er nicht nur das Felsbild allein, sondern auch das Kurvenbild, die Bodenart und -bedeckung sowie das Gewässernetz zu Hilfe ziehen wird. Es wäre jedoch Zeitverschwendung und gefährlich, den Felszeichner für seine Darstellung mit einem stratigraphischen Muster-menu oder einer tektonischen Karte belasten zu wollen, denn was er braucht, sind allgemeine geologische Kenntnisse, eine gute Beobachtung, zeichnerisches Talent und ein feines und kritisches Empfinden für kartographische Notwendigkeiten und Möglichkeiten.

Was Imfeid und Becker, namentlich aber Held an geologischem Detail in der Felszeichnung ausdrückten, wird auch für die neue Karte 1: 50,000 als Richtlinie dienen können, während Jacot sich an der obern Grenze des Notwendigen und Nützlichen befindet. Das geologische Moment wird in den Publikationen eines Autors so sehr betont, als wäre es nicht schon von unsern Meistern der Felszeichnung richtig erfasst und gewürdigt worden. Zur Übertreibung der Bedeutung der Geologie in der Felszeichnung hat soeben der ehemalige Cheftopograph der Landestopographie treffend geschrieben: « Man hüte sich, in der Felszeichnung unserer besten Topographen mehr zu suchen, als sie selber zur Darstellung bringen wollten, „ die Formen ". Wenn in diesen Felszeichnungen meistens ohne weiteres Urgebirge vom Kalkgebirge unterschieden werden kann, so liegt das nur an der Form, die durch die Entstehung bedingt ist, und nicht umgekehrt. Ebenso bei einzelnen Faltungen. Dies als Wink für den Anfänger im Felszeichnen. Wenn er dann genügend Formen gesehen und gezeichnet hat, kommt ihm ganz von selbst der Drang, nach der Genesis zu suchen, dann hütet er sich auch, die Entstehungsgeschichte in seine Felszeichnung hineinbringen zu wollen1 ). » Im Widerspruch zu Kraiszls weitgehender Betonung des geologischen Moments in der Felszeichnung steht seine Forderung nach Auflockerung der Strichzeichnung. Je weiter die Strichlagen sind, um so weniger Detail und um so weniger markant kann gezeichnet werden. Nicht wegen der zu engen Felszeichnung und der damit begründeten ungenügenden Einzeichnungsmöglichkeit vergrössert der Geologe die Karte 1: 50,000, sondern weil er für seine Bearbeitung im Kartenbild allgemein zu wenig Platz hat. Der Geologe dürfte kaum mit einer lockeren und dafür detailärmern und charakterlosem Felszeichnung in der neuen Karte einverstanden sein. Wie widersinnig ist es übrigens, lockerer zeichnen zu wollen, um dann vorzuschlagen, dass durch eine Schummerung die Felszeichnung wieder verbessert werden solle. Dadurch könnte wohl die verlorene Plastik, nicht aber das Detail zurückgewonnen, geschweige denn die Einzeichnungsmöglichkeit, die in der bisherigen Strichmanier praktisch befriedigend war, verbessert werden. Am ausdruckfähigsten und dem Kartenzweck am besten angepasst ist immer noch die bisherige meisterhafte Felszeichnung, von der in der neuen Karte nicht abgewichen werden soll.

Dass im Zeitalter der Normalisierung und Typisierung diese Schlagwörter auch auf die Felszeichnung angewendet werden, verwundert nicht. Es wäre ja so herrlich einfach, die Natur zu katalogisieren und nach der vorliegenden Nummer den Kartentyp zu wählen! Glücklicherweise scheitern diese Bestrebungen an der Pflicht des Kartenbearbeiters, ein naturähnliches Bild zu zeichnen, und wo sind zwei Landschaften dieselben? Typische Felsformen sind schon bisher charakteristisch gezeichnet worden, mehr braucht die neue Karte nicht. Ob im Felsbild horizontale oder vertikale Strichlagen vorherrschen, hängt von der zeichnerischen Fertigkeit und nur zum geringsten Teil vom Objekt ab. Jede Strichlage ist gut, wenn sie das Wesentliche des Felsen wiedergibt und Vom Verfasser gesperrt.

Fig. 5.

a ) Photogrammetrische Felskurven dienen als Unterlage für die Felszeichnung.

b ) Der Topograph zeichnet nach seiner Felderhebung das charakteristische, naturähnliche Felsbild.

c ) Charakterlose Felszeichnung. Die Steilstufen und Terrassen sind verschwunden; ein Beispiel, wie die Felszeichnung nicht ausgeführt werden darf.

reproduktionstechnisch verwendbar ist. Falsch ist es, wenn nach Fig. 5 eine vom Topographen auf Grund der Felskurven im Feld erhobene Felspartie der zeichnerischen oder gar geologischen Einheitlichkeit wegen so umgezeichnet wird, dass die steilern und kompakten Felsbänke verschwinden.

Wenn Kraiszl ferner für die kommende Felszeichnung der neuen Karte den Satz aufstellt: « Die Luftperspektive verlangt, dass die Kontraste nach unten abnehmen, und alles in ein mittleres Grau sinkt », so überträgt er die Reliefmalerei in unzulässiger Weise auf die Strichzeichnung. Will er nicht in konsequenter Weise auch verlangen, dass jedes Kartenzeichen, z.B. die Höhenkurven in der Tiefe feiner, entfernter wirkend, gezeichnet werden als auf den Höhen? Eine klare und markante Felsabbildung ist in der Tiefe ebenso wichtig, wie auf den Höhen, ja für Verkehr und Militär oft noch wichtiger; sie darf daher niemals gedämpft erscheinen oder gar « in Grau versinken », sondern hat mindestens so kontrastreich zu wirken wie auf den Höhen. Zur Hebung der Plastik und Prägnanz muss bei Gräten und Rippen, gleichgültig ob auf den Höhen oder in den Tiefen liegend, eine kräftige Kontrastwirkung durch Aufhellung, bzw. Verdunkelung der Strichzeichnung gegen die Kanten hin gesucht werden, oft ist auch eine stärkere Betonung der obern Kante in Anlehnung an die Böschungszeichnung nötig. Derartige Kunstkniffe haben aber nichts mit Luftperspektive zu tun, und gefährlich wäre es, eine solche in obigem Sinne für die Karte befürworten zu wollen.

In der neuen Karte wird die Felsdarstellung auf Grund der photogrammetrischen Felskurven erfolgen, wodurch eine genauere Abbildung erzielbar sein wird als in den meisten Fällen der Siegfriedkarte. In Fig. 4 und 5 sind die Felskurven der Strichzeichnung gegenübergestellt, um zu zeigen, wie sehr das Rohprodukt « Felskurve » einer kartographischen Ausarbeitung bedarf. Es besteht bei einzelnen, der neuen Karte nahestehenden Personen die Auffassung, dass die Felskurve allein, oder ihre Kombination mit andern Mitteln die bisherige Felszeichnung zu ersetzen habe, um die Karte geometrischer, homogener und von Relikten befreit zu gestalten und damit dem Techniker und Artilleristen zu dienen. Dem Bergsteiger und allgemeinen Militär dürfte die bisherige Felszeichnung viel mehr bieten als eine Felskurvendarstellung, wie auch die Technik im Masstab 1: 50,000 kaum Felskurven benötigen wird und der Artillerist nichts mit denselben wird anfangen können, weil sie zu unleserlich und zu wenig charakteristisch sind.

Ich anerkenne die Berechtigung von Felskurven für den Plan, der vorerst geometrisch sein muss und auf Anschaulichkeit und charakteristische Wiedergabe der Felsen weitgehend verzichten kann. Im Plan kann die Äquidistanz der Felskurven einmal gegenüber den übrigen Kurven, dann auch den wechselnden Böschungsverhältnissen im Fels selbst fortwährend angepasst, beliebig verändert werden. Diese Variierungsmöglichkeit der Äquidistanz in den Felskurven ist eine notwendige Voraussetzung, wenn sie nicht zusammenfallen und abzählbar bleiben sollen, was für die geometrische Erfassung eines beliebigen Punktes Bedingung ist. Wird nun für die Karte aus berechtigten Gründen eine Variierung der Äquidistanz allgemein abgelehnt, so wird sie aus denselben Gründen auch bei den Felskurven verworfen werden müssen. Das bedeutet bei Aufrechterhaltung der Felskurvendarstellung für die Karte einen weitgehenden Verzicht auf die Abzählbarkeit ihrer Kurven und damit auf die Höhenbestimmung manches Felspunktes.

Vergrössert man die einheitliche Äquidistanz der Karte 1: 50,000 z.B. von 20 m auf 40 m, so wird die Felskurve etwas besser, indessen nicht allgemein leserlich. Die kleine Verbesserung steht im Gegensatz zu der schlechtem Formerfassung, was im bewachsenen Boden, besonders aber im Mittelland weder wirtschaftlich noch technisch je wird verantwortet werden können.

Die Felskurve kann auch geometrisch nicht alles erfassen, was in der bisherigen Felszeichnung ausdrückbar war. Es gibt viele markante Felskanten, die schief oder parallel zu den Höhenkurven laufen und im Kurvenbild nicht oder ungenügend erkennbar sind. Das Beispiel von Fig. 4 mit der Böschungsdarstellung zeigt dies schon im relativ flachen Schutthang; viel häufiger wird dies im steilem Felsgebiet mit seinen vielen Böschungswechseln und den daraus resultierenden Kanten der Fall sein. Vergleiche hierzu Fig. 5 und 6.

Will man auf viele auffällige, kartographisch und geometrisch wichtige Felskonturen in der Kurvenabbildung nicht verzichten, so ist man gezwungen Gerippelinien einzuführen. Diesen Weg der Kombination von Felskurven mit Gerippelinien schlägt Kraiszl vor in seinen Schriften, ohne dass es ihm seit 1929 gelungen ist, trotz allen zur Verfügung gestellten Mitteln, für die Vorteile seiner Kombination überzeugende Beispiele zu bringen. Das hindert ihn nicht, 1931 zu publizieren, dass es ein leichtes sei, in das photogrammetrische Kurvenbild das Netz der genetischen Linien ( Gerippelinieneinzuzeichnen. Es kommt Fig. 6.

a ) Felsdarstellung in photogrammetrisch aufgenommenen Höhenkurven. Um die Kurven abzählbar zu gestalten, muss die Äquidistanz auf 40 m verdoppelt werden. Das Bild entbehrt vieler Details und fast jeder Charakteristik für ein Felsgebiet. Der Vergleich mit dem untern Bild von X. Imfeid rechtfertigt die Bezeichnung « Rohprodukt » für die Felskurven.

b ) Strichzeichnung der Felsen in der Siegfriedkarte. Obschon verschiedene Aufnahmemethoden vorliegen, gestattet ein Vergleich mit dem obern Bild die Leistungsfähigkeit der beiden verschiedenen Abbildungsmethoden zu prüfen. Das Urteil ihrer Zweckmässigkeit für eine Karte 1: 50,000 kann ich dem Leser überlassen.

a ) Felsgerippelinien.

Fig. 7.

b ) Ihre Kombination mit Felskurven von 40 m Äquidistanz.

nur darauf an, was man vom Endprodukt erwartet, ein Vexierbild oder eine naturähnliche, charakteristische Darstellung.

Eine Felszeichnung, wie sie in Fig. 7 b nach Kraiszls Rezept vorliegt, wird nie die bisherige Felszeichnung ersetzen können. Es müsste nun noch die 20 m-Kurve hineingezeichnet werden, um die einheitliche Äquidistanz der Karte 1: 50,000 zu erhalten. Ich habe dies nicht besorgen wollen, weil man sich das dadurch entstehende Liniengewirr schon so genügend vorstellen und die Verwerflichkeit dieser Methode in geometrischer und kartographischer Hinsicht einsehen kann. Dabei handelt es sich hier um ein Beispiel, das für die Felskurvendarstellung ausserordentlich günstig ist infolge vieler flacher Felspartien; wieviel schlechter müsste sich diese Methode in ungünstigerem Gebiet auswirken?

Man wird einwenden, die Felskurven könnten in brauner Farbe gezeichnet werden. Gewiss würde dadurch eine Klärung erzielt, aber keine genügende Verbesserung der Lesbarkeit eintreten. Gegen die Farbtrennung sprechen ferner reproduktionstechnische Gründe, und zudem müsste auf die bisherige klare Ausscheidung zwischen steinigem und erdigem Boden verzichtet werden. Eine andere Farbe für die Felskurven oder z.B. ein Farbton zur Ausscheidung des steinigen Bodens erachte ich aus hier nicht anzuführenden Gründen nicht für angängig.

Sehen wir noch einmal Fig. 6 an, so bemerken wir, dass die Felsfläche ausser Konturen und Felskurven noch ein charakteristisches Bild besitzen kann, wie es in der Strichzeichnung von Imfeid klar zutage tritt. Weder Felskurven noch Gerippelinien sind in der Lage, die geologische Charakteristik der Fläche so zu geben, wie es nur die Strichzeichnung vermag. Sie stehen zu der letztern Darstellung etwa in demselben Verhältnis, wie das menschliche Skelett zum vollständigen Körper. Vollends unbegreiflich erscheint es, die bisherige Felszeichnung mit der Begründung eines Relikts aus der Karte ausscheiden zu wollen, ohne dafür mindestens etwas Gleichwertiges bieten zu können. Zudem ist die Höhenkurvendarstellung viel älter als die als Relikt bezeichnete Felszeichnung unserer Meister in der Strichmanier.

Zusammengefasst mag über die Felsdarstellung für die neue Karte folgendes gelten:

a ) Die Felskurvendarstellung hat ihre Berechtigung für den Plan. Sie versagt in der Karte nicht nur infolge ihrer ungenügenden Anschaulichkeit, Charakteristik, Plastik und Detailwiedergabe, sondern auch aus geometrischen Gründen.

b ) Die bisherige Felszeichnung in Strichmanier bietet eine überlegene Anschaulichkeit, Plastik und Charakteristik sowie eine reichliche Detailwiedergabe mit zum Teil geologischem Charakter. Sie ist geometrisch grundrisstreu und bietet mit Hilfe der anschliessenden Höhenkurven und den Koten für allgemeine Kartenzwecke genügende Höhenangaben.

c ) Für besondere Bedürfnisse, die im Vergleich zum allgemeinen Karten-gebrauch sehr selten auftreten werden, dürfte die Landestopographie das Felskurvenbild zur Verfügung stellen. Es könnte indessen nicht verantwortet werden, dieser seltenen Fälle wegen eine unanschauliche, ungenügend lesbare Felskurvenkarte allgemein oder in Sonderausgabe erstellen zu wollen. Man unterscheide zwischen dem Zweck des Planes und der Karte und wähle die dafür tauglichen Darstellungsmittel. Nicht Neuerungssucht, sondern nur qualitative Überlegenheit neuer Methoden darf für ihre Einführung den Ausschlag geben. Weder Photogrammetrie noch Ansprüche von Technik oder Militär rechtfertigen heute und auch in Zukunft das Verlassen der bisherigen meisterhaften Felszeichnung unserer Karten, solange nicht vollwertiger Ersatz dafür geschaffen werden kann.

Die Schummerung.

Die Terraindarstellung in Höhenkurven hat besonders zur Zeit ihrer Einführung und der Verdrängung der Schraffenmethode den Vorwurf ungenügender Lesbarkeit erhalten. Es ist nicht zu verkennen, dass in der Siegfriedkarte die Reliefwirkung durch eine Schummerung unmittelbarer und anschaulicher wird. Es muss aber demgegenüber festgehalten werden, dass durch eine Reliefbearbeitung die allgemeine Verwendung der Karte kaum gehoben und in mancher Hinsicht sogar vermindert wird, dass ferner die Schummerung eine Übertreibung der Plastik gegenüber der geometrischen Grundrissabbildung der Karte bedeutet und ausserdem für denjenigen, der das Kartenlesen erlernt hat, nichts Neues bringen kann, dafür die Lesbarkeit manches Details und die Einzeichnungsmöglichkeit herabsetzt.

Man versucht heute, eine leichte, einfarbige Schummerung für die neue Karte 1: 50,000 zu befürworten, um sie anschaulicher und populärer zu machen, und glaubt, mit der Periode der Reliefkartenversuche von S.A.C. und Landestopographie vor ca. 1900 ihre Notwendigkeit belegen zu müssen. Die Entwicklung der Kartenausgaben von S.A.C. und Landestopographie zeigt jedoch eher das Gegenteil, indem schon lange auf geschummerte Karten zugunsten der reinen Kurvenkarte im Masstab 1: 50,000 verzichtet wird. Man hat also einsehen gelernt, dass die reine Kurvenkarte keine unmöglichen Anforderungen an den Leser stellt und hat auf die plastisch gestaltende Schummerung, weil unnötig oder den Kostenaufwand nicht rechtfertigend, verzichtet. Soll die Landestopographie nun dieser Erkenntnis entgegen handeln und der Popularität der Karte wegen Gelder ausgeben, die nicht für Notwendigkeiten dienen?

Die Schummerung hat infolge ihrer instruktiven Reliefdarstellung eine gewisse Bedeutung für Schul-, Wandkarten und Instruktionszwecke im Kartenlesen. Ferner für denjenigen, der nicht Kartenlesen gelernt hat, gelegentlich aber als Feriengast eine Karte verwenden will. Für die Hauptkarten-abnehmer des Masstabs 1: 50,000, Militär und S.A.C., bedeutet eine Schummerung keine Notwendigkeit. Diese Leute können die Karte lesen oder sollen es lernen. Denn wer dies nicht gelernt hat, gehört auch mit einer geschummerten Karte nicht ins Hochgebirge ohne Führer, ist an die gebahnten Wege gebunden und vermag das Kurvendetail abseits des Weges trotz Schummerung nicht richtig zu beurteilen.

Auch die Wissenschaft und Technik kann die Schummerung entbehren, schreibt doch Prof. Heim in den Alpen darüber: « Sogar Weglassen der Schattierung würde gutgeheissen. » Es bleibt somit noch der Ruf nach Schummerung für Lehrzwecke und Nichtkartenieser, das Volk. Für die erstem braucht es einige von Hand geschummerte Kartenbeispiele oder auch in anderer Hinsicht besonders zu bearbeitende Schuh und Wandkarten. Die Herstellung derartiger Spezialkarten überlasse man der Privatindustrie; der Aufgabenkreis der Landestopographie ist gross genug, wenn sie ihren Pflichten der Aufnahme, Nachführung und Ausgabe auch der neuesten Nachträge für die allgemeinen Kartenzwecke nachkommen will. Die Nichtkartenieser brauchen keine Karten oder begnügen sich mit billigen Reliefbearbeitungen von Verkehrsvereinen. Der Popularität der neuen Karte ist nicht durch eine Schummerung Rechnung zu tragen, denn der verschwindend kleine Teil vom Volk, der Karten benützt, wird und kann die Kurvenkarte ohne solche lesen lernen und verachtet dann die nicht grundrisstreuen Vogelschaukarten, die am ehesten noch als populär angesprochen werden könnten.

Abbildungen und Abhandlungen über geschummerte Karten nach Nr. 11, 1930 der Alpen sind geeignet, über das Wesen der Schummerung zu täuschen. Es muss hier betont werden, dass eine einheitliche Schummerung der Karte 1: 50,000 über die ganze Schweiz technisch nicht einwandfrei gelöst werden kann. Ferner ist ein Ausschnitt aus einer Wandkarte, wie vom Autor jener Abhandlung richtig bemerkt, kein geeignetes Vergleichsmaterial zur Abwägung der Möglichkeiten einer leichten Schummerung. Ganz verfehlt ist es, Leuzingers Kärtchen vom Rigi, das eine auf Plakatwirkung berechnete Schummerung trägt, als Muster eintöniger Reliefkarten für unsre neuen Karten 1: 50,000 hinstellen zu wollen. Der Autor hat nebenbei noch übersehen, dass sein an-gepriesenes Musterbeispiel drei verschiedenfarbige Relieftöne enthält. Der von ihm gemachte Vergleich mit der Dufourkarte und seine unsachgemässe Herabwürdigung der Schraffendarstellung benötigen nach obigen Aussagen an dieser Stelle keiner Berichtigung.

Es mögen diese knapp gefassten Darstellungen dem Alpinisten die wichtigsten Bestrebungen in der Erneuerung der Karten 1: 50,000 zeigen und zu eigenem Urteil anregen. Eine neue Landeskarte bedeutet ein Dokument unserer Zeit, an dem der S.A.C. grösstes Interesse hat. Rationalisieren, ein Gebot unserer Zeit, bedeutet geeignete Auswahl der Arbeitskräfte und die Verwendung nach ihren Fähigkeiten; Normalisieren und Typisieren haben ihre Grenzen, die erkannt werden müssen, wenn Zweckmässiges nicht durch Unzweckmässiges ersetzt werden soll. Neue Aufnahmemethoden bedingen an sich noch keine neuen Abbildungsmethoden, solange diese nicht leistungsfähiger und den Bedürfnissen der Karte besser angepasst sind als die bisherigen.

Nicht jeder Spezialwunsch kann in der neuen Karte erfüllt werden; auch wenn er von sogenannten Fachleuten stammt oder gar reklameartig in verschiedenen Zeitschriften erscheint, so enthebt dies nicht der Pflicht einer kritischen Prüfung. Die Forderungen von Militär, Alpinismus, Wissenschaft und Technik können nicht in einem Masstab erfüllt werden, doch wird mit der Deckung des dringendsten Bedürfnisses vom Militär, einer Karte 1: 50,000 über die ganze Schweiz, gewiss auch allen andern Gebieten und besonders dem Alpinismus gedient sein.

Für alle Figuren wurde das amtliche Aufnahme- oder Kartenmaterial zugrunde gelegt, wofür die Abteilung für Landestopographie ihre Bewilligung erteilt hat und für deren Entgegenkommen ich an dieser Stelle meinen Dank ausspreche.

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