A. Ludwig : Höhen und Tiefen in den Alpen

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8t. Gallen. Verlag der Fehrschen Buchhandlung. 1908. Preis brosch. Fr. 4. 80, geb. Fr. 5. 70.

Unser Clubgenosse A. Ludwig ist den Lesern dieses Jahrbuches aus mehreren Aufsätzen ( vgl. XXXIII, pag. 3 ff.; XXXIV, pag. 339 ff.; XXXVII, pag. 68 ff.; XLIV, pag. 20 ff. ) vorteilhaft bekannt. Er war auch der langjährige Wandergenosse Dr. Inihofs und hat zu dessen Itinerarien das Seinige beigetragen. Aus diesen und ähnlichen Wanderfahrten ist das vorliegende Buch hervorgegangen und diese persönliche Note gibt ihm einen ganz besonderen Reiz. Dazu kommt, daß Herr Ludwig von Geburt eine Art Bergmann ist. Im Alter von 10 Jahren durfte er von dem Heimatdorfe Schiers ( im Prättigau ) aus seinen Vater, der damals Alpknecht auf der Alp Drusen ( 1808 m ) war, dort besuchen und sich einige Zeit auf der Alp mit einem andern Hirtenbuben herumtummeln. Dabei stiegen sie einmal mit dem Küher auf den Augstenberg, 2246 m, um die schöne Aussicht zu bewundern und die Kenntnis der Berge, die sie schon vom Landquartberge her wußten, zu vermehren. Während seiner Lehrzeit, erst an der Übungsschule, hierauf im Seminar zu Schiers, hatte der junge Ludwig dann Gelegenheit, mit seinen Lehrern, unter denen er namentlich Nater und Imhof mit Dank erwähnt, kleinere und größere Bergreisen in der Umgegend und bis ins Säntisgebiet hinaus zu machen, seinen Horizont in jeder Hinsicht zu erweitern und sich so zu einem tüchtigen Kenner speziell des Alpengebietes der Ost- und Südostschweiz auszubilden. Die Beschreibungen seiner Fahrten in den drei ersten Abschnitten des Buches sind anziehend durch die persönlichen Erlebnisse und die bergsteigerische Entwicklung des Erzählers und belehrend durch die eingestreuten Bemerkungen über floristische, fau-nistische und geologische Vorkommnisse des durchwanderten Gebietes. Der Alpengeologie und verwandten Fragen sind ferner zwei gut geschriebene und auch für Laien faßbare Kapitel gewidmet: „ Entstehung der Alpen " und „ Schneegrenze und Eiszeit in den Alpen ". In dem ersteren ist immer Bezug genommen auf die als Beilage zu Jahrbuch XLII erschienene Monographie von Prof. Schmidt Bild und Bau der Schweizeralpen. Sehr verdienstlich ist es in meinen Augen, daß Herr Ludwig die Originalberichte von Pol und Catani über ihre Sulzfluhbesteigung ( 1782 ) und von Georg Sand-Frank über die erste Ersteigung der Ringelspitze ( 1865 ), ersteren aus dem alten „ Sammler " ( 1784 ), letzteren aus dem „ Tagblatt der Stadt St. Gallen " ( 1806 ) in extenso zum Wiederabdruck gebracht hat. Denn solche Dokumente sind für die Geschichte des Bergsteigens äußerst wertvoll und die Fachzeitschriften haben ob der Fülle des Ak-tuellen manchmal nicht Raum für solche „ Ausgrabungen ". Im gleichen Sinne wertvoll sind die eingestreuten Erinnerungen an Weilenmann, Chr. Jann, Rud. Eimer und andere Pioniere. Herrn Ludwig gebührt auch unser Dank für die überzeugungstreue Art, mit welcher er gegen gewisse Auswüchse im modernen Vereinsbetrieb des Bergsteigens und in der „ Erschließung der Alpen für den allgemeinen Verkehr " Front macht. Und ebenso da, wo er die dem Verderb durch eine banausische Reisewut preisgegebenen Naturschönheiten des Hochgebirgs und namentlich der Hochgipfel in Schutz nimmt. So bemerkt er ( pag. 16-17 ), daß er der kürzlich ausgeführten Weganlage über das Schweizertor mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe, einerseits anerkennend, daß sie für den Weg nach Partnun und St. Antönien eine erhebliche Abkürzung bedeute, anderseits bedauernd, daß das Schweizertor nun einen Hauptreiz — den einer bescheidenen Schwierigkeit — verloren habe. „ Es ist nicht nötig, daß alle Pässe mit Wegen beglückt werden. " Und ( pag. 28 ) führt er bei Anlaß des Baues der Lindauerhütte an der Drusenfluh den Gedanken aus, es sei gar nicht nötig, daß für alle Gipfel einer Gebirgskette Schutzhütten erbaut werden und, wie man für die bedrängten Gemsen Freiberge geschaffen habe, so solle man auch dem Touristen noch etliche Berge ohne Unterkunftshäuser und ohne Wegbauten lassen. Was Herr Ludwig schreibt, denken viele, aber wenn es im Einzelfall zum Debattieren kommt, so geht es, wie Herr Ludwig an dem Schulbeispiel der Sektion Lindau des D. & O. A. V. zeigt: „ Sie hat getan, was hundert andere Sektionen vor ihr taten; sie suchte für ihre verfügbaren Mittel ein Plätzchen und fand eines, das an Schönheit und pittoreskem Reiz viele andere übertrifft. " Man ist im allgemeinen darüber einig, daß man die Hochgebirgsnatur nicht durch unnötige und unschöne Bauten entstellen soll, und im besondern pflanzt man eben, wenn man nicht weiß, wohin sonst mit der Freud', mitten in ein solches Paradies einen Zementwürfel mit Dachpappenbelag; denn das ist die einzig solide Bauart. Und was erst geschieht, wenn geriebene Spekulanten die Interessen der Wissenschaft gegen die Naturschützler ins Treffen zu führen verstehen, darüber lese man die mannhaften Worte ( pag. 30 ) über die Haltung der von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft bestellten „ Kommission zum Schutz wissenschaftlich wichtiger Natur denk-mälert: in Sachen der projektierten Matterhornbahn. Die dem Buche beigegebenen 15 Illustrationen nach Aufnahmen von Chr. Meißer, D. Mischol, Wehrli und anderen sind gut ausgewählt und entsprechend aus-geführt.Redaktion.

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