Abstieg über den Fieschergletscher ins Fieschertal

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Abstieg über den Fieschergletscher ins Fieschertal Herr E. Roth schreibt mir:

Der Unterzeichnete machte mit drei Herren ( J. Scheidegger, P. Lutz und A. Wagner ) eine Tour ins Berner Oberland. Unser Ziel war: „ Ewig-Schneehorn, Scheuchzerhorn, Grunerhorn, Finsteraarhorn, Lötschenlücke nach Goppenstein ". Das Wetter war immer tadellos bis zur Oberaarhütte am Mittwoch abend, den 9. August. Am 10. August blieben wir etwas länger im Stroh, da das Wetter umgeschlagen hatte. Wir änderten unsern Plan und wollten von der Gemslücke dem Finsteraar-Rothorn einen Besuch machen und das Finsteraarhorn fahren lassen. Als wir nun in die Gemslücke kamen, fing es langsam an zu schneien, auch der Nebel wurde immer dichter, so daß es keinen Sinn hatte, einen Gipfel zu stürmen. Wir stiegen hinunter auf den Walliser Fiescherfirn und nahmen Richtung Grünhornlücke. Je höher wir stiegen, um so stärker wurde der Schneefall und dichter der Nebel, so daß wir trotz Kompaß nicht wußten, wo wir waren. Meine Kameraden wollten nicht mehr weiter und beantragten, den " Walliser Fieschergletscher hinunter nach Fiesch abzusteigen. Ich hatte große Bedenken, da in Ihrem Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen Bd. III nichts von einem solchen Abstieg zu finden ist. Wir mußten erfahren, daß es nicht leicht ist, und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob dieser Abstieg in den letzten Jahren gemacht wurde und ob wir besser hätten gehen können. Wir stiegen zuerst rechts ab bis zum Buchstaben h des Wortes Fieschergletscher im Siegfried. Ein prachtvoller Gemsbock zeigte uns den Weg, indem er immer etwa 200 m voraus ging bis zu genannter Stelle, wo er links in den Gletscher stieg. Da wir hier nirgends weiter konnten, mußten wir wieder zurück bis ungefähr zum Buchstaben r, wo wir auf die linke Seite hinüber traversierten. Eine Zeitlang ging 's gut bis wieder zum Buchstaben h. Aber zurück wollten wir nicht mehr und so nahmen wir es eben wie es kam. Es waren oft recht aufregende Momente und wir brauchten unsere ganze Willenskraft. Meistens waren wir in einer Tiefe von 10—15 m und gingen oft größere Strecken unterirdisch. Zum Essen kamen wir gar nicht, dachten überhaupt nicht daran. Als es zu dunkeln anfing, wurde es besser und wir konnten zwischen Buchstaben e und s eine Moräne erreichen, wo wir uns ein Biwak bauten und ordentlich schliefen. Bei Tagesanbruch wurde gekocht, denn der Magen verlangte etwas. Von hier probierten wir zuerst nach rechts, aber es ging nicht. Nun stiegen wir links aus dem Gletscher — eine alte Moräne lehnt sich direkt an Felsen — und gelangten leicht zu P. 2213 und hinunter zur Jennenalp, wahrscheinlich eine Schafweide.Von hier traversierten wir den Gletscher wieder zu P. 1973 und gingen von da leicht nach Fiesch hinunter. Es war stellenweise eine unheimliche und doch interessante Fahrt und es freut mich dieselbe doch.

E. Both ( Sektion Ölten ).

In Vol. XXX des Alpine Journal, pag. 164—8 und 353—6, bespricht Capt. J. P. Farrar, im Anschluß an den Abdruck eines Tagebuchartikels von Alfred T. Parker, aus dem Jahre 1865, worin ein führerloser Abstieg über den Fieschergletscher, nach einer Finsteraarhornbesteigung vom Faulberg aus, erzählt wird, die hauptsächlichsten und in Einzelheiten bekannten Begehungen dieser Route seit 1865, bzw. dem 9. Juli 1862, wo Stephen, Hardy, Liveing und Morgan mit den beiden Michel, Peter Baumann, Chr. Bohren und Inäbnit, vom Fiescherjoch kommend, hier abstiegen. Es war dies damals die reguläre Route für alle, welche vom Oberaarjoch oder dem Rotlochbiwak kamen und nach Fiesch wollten. Sie war schon von Forbes, Agassiz und Desor am 27. August 1841 und von Tyndall mit Bennen 1858 und 1863 benutzt worden. Ja Weilenmann ist am 12. Juli 1863 hier mutterseelenallein durchgekommen. Als Hauptschwierigkeit wird jeweilen, so auch von Parker, eine Stelle angegeben, wo man, nahe dem Ende des Triftgletschers, sich längs einem kleinen Wasserfall von einem oberen Gletscherplateau auf das untere über eine schlimme Felswand am Seil hinunterlassen mußte. Im Jahre 1883 erreichte Mr. Farrar vom Hotel Eggishorn aus den Fieschergletscher bei dem Punkt, der im Siegfr. „ Beim weißen Fläsch " genannt ist und bis zu welchem damals ein Pfad längs dem Westufer des Gletschers führte, überschritt dort den unter dem Rothorn sehr zerschrundeten Gletscher und kehrte am folgenden Tage, nach einer Traversierung des Finsteraarhorns, auf dem gleichen Wege nach Eggishorn zurück. Nach dem „ Tschudi " von 1888 zu urteilen, war damals dieser Pfad auf dem rechten Gletscherufer am Fuß der Wannehörner regelmäßig begangen. Im Jahre 1893 ( E.d.A.. 1912 pp. 186 — 8 ) versuchten M. Alph. Vaucher und Gefährten den Abstieg über den Fieschergletscher. Sie folgten zuerst der Mitte des Gletschers, dann seiner rechten Seite ( nicht auf dem Ufer ) bis gegenüber dem Fuß des Distelgrates, wo weiteres Vorrücken unmöglich erschien. Sie kehrten deshalb um und gewannen Zeit, indem sie sich, statt auf dem Eis, an die Trümmerhänge am Fuß des Wannehorns hielten. Der völlige Abstieg gelang 1907 M. Louis Seylaz mit zwei Freunden ( ibd. p. 121 ss. ). Sie hielten sich im allgemeinen an die linke Gletscherseite, passierten den ersten und zweiten Eissturz ohne große Schwierigkeiten. Da, wo der Gletscher scharf nach Süden wendet, nahe gegenüber „ Beim weißen Fläsch ", sahen sie sich genötigt, den im Siegfr. von der Kote 2213 gekrönten Felsvorsprung am linken ( östlichen ) Ufer zu ersteigen ( 6 Stunden von der Finsteraarhornhütte ), der aber schlecht gangbares Terrain bot. Wieder auf das Eis zurückgekehrt, fanden sie dasselbe immer schlechter. Sie hielten sich deshalb so nahe als möglich an seinen linken Rand, welcher von den glatten Uferfelsen durch einen großen Schrund getrennt war. Einmal erstiegen sie dieses Bord, waren aber bald genötigt, in schwierigem Manöver auf das Eis zurückzukehren ( 2 Std. ). Endlich wurde die senkrechte Einrahmung zugänglicher und sie stiegen über einen Trümmerhang zu einer verlassenen Hütte empor, fanden aber von dort keinen Ausweg über die Klippen hinunter und kehrten auf das Eis zurück, dem sie folgten bis zu dem im Siegfr. Ob. Titer genannten Felsbollwerk, welches die beiden Gletscherzungen trennt. Auf dessen Südseite fällt das Terrain in schönen Weidenterrassen ab, die Partie fand aber keinen Pfad und mußte nach rechts dem endlosen Hang einer alten Moräne folgen ( 10 Stunden von der Finsteraarhornhütte nach Fiesch ). Im Jahre 1913 stiegen Messrs. Farrar und Fynn mit einem Träger ebenfalls die ganze Länge des Fieschergletschers hinunter. Vom Südostgrat des Finsteraarhorns zurückkehrend, querten sie die Südwestflanke des Südostgrates gegen P. 2972 des Finsteraarhorns und folgten dann dem Fieschergletscher bis zu seiner Zunge. Farrar konstatierte vier Eisstürze, deren letzter und größter sie zur Umkehr gezwungen hätte, wenn es nicht Fynn gelungen wäre, auf der rechten Gletscherseite hinabzuhacken und sich zwischen dem Eis und dem nassen Felswall durchzuquetschen. Mit Ausnahme von etwa 10 Minuten, wo sie bei „ In der Trift " auf das felsige rechte Ufer auswichen, hielten sie sich immer an das Eis, dem sie im allgemeinen auf der rechten Seite, d.h. längs dem westlichen Ufer folgten, um es bei der seit 1912 verschwundenen westlichen Gletscherzunge nach rechts zu verlassen. Farrar und Fynn brauchten, ohne zu eilen, 10 Stunden von der Finsteraarhornhütte nach Fiesch.

Bedahlion.

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