Air Zermatt zur Entwicklung der «Long-Line»-Rettungstechnik

Zu « 100 Jahre SAC-Sektion Oberhasli » ALPEN 4/2004, S. 56 ff Im Jahre 1972, zwei Jahre nachdem der Air Zermatt anlässlich des ersten internationalen Helikoptersymposiums erstmals das Absetzen von Bergführern mit der Rettungswinde des Helikopters an fünf Stellen in der Eiger-Nordwand gelang, hat die Air Zermatt beim zweiten internationalen Helikoptersymposium auf der Kleinen Scheidegg, das ebenfalls von Fritz Bühler organisiert worden war, zum ersten Mal in der Geschichte der alpinen Helikopterrettung das Absetzen von Berner Oberländer Bergführern mit auf 65 m verlängertem Seil in der Westflanke des Eigers demonstriert. Das war die erste « Long-Line»-Rettung überhaupt, die auch fotografisch festgehalten wurde. Solche Seilverlängerungen wurden in den folgenden Jahren von der Air Zermatt wie auch von deren damaligen Tochtergesellschaft, der Berner Oberländer Helikopter AG ( BOHAG ), bei verschiedenen sehr heiklen Helikopterret-tungsaktionen angewendet. Ein Beispiel dafür ist die Rettung von zwei Walliser Bergführeraspiranten aus der verschneiten Badile-Nordostwand Anfang der Siebzigerjahre bei besonders schwierigen Wetterverhältnissen. Pilot und Flughelfer wurden für diese Rettung in Denver in den Vereinigten Staaten von Amerika mit einem « Heroism-Award » ausgezeichnet.

In der Folge wurde die Long-Line-Technik von der Air Zermatt weiter verbessert. Die Air Zermatt entwickelte zur Sicherung der « Long-Line»-Seile am Lastenhaken den Doppelhaken, womit die primitive Seilsicherung über dem Kabinenboden entfiel. Die anfänglich verwendeten elastischen Bergseile wurden in Zusammenarbeit mit dem Zermatter Rettungschef Bruno Jelk, dem grosse Verdienste in der Geschichte der alpinen Rettung zukommen, erstmals durch so genannte statische Seile ersetzt, und es wurden Seilverlängerungen bis 220 m erprobt.

Als bisher letzte Entwicklung der « Long-Line»-Technik hat Bruno Jelk seine Idee, nämlich das Abseilen des Retters am « Long-Line », in praktischen Versuchen mit der Air Zermatt getestet und eingeführt, was ein senkrechtes Absinken des Helikopters bei Rettungen, beispielsweise in engen Schluchten, unnötig macht und damit die gefährliche Vortex-bildung bei stationärem Sinkflug des Helikopters verhindert.

Air Zermatt hat nicht nur die « Long-Line»-Rettungstechnik entwickelt, sondern insgesamt in der alpinen Luftrettung viel Entwicklungsarbeit geleistet, so auch mit der « Jelk-Stange », dank der auch unter einem Überhang Helikopterrettungen möglich wurden. a

Air Zermatt AG, Zermatt Beat H. Perren, VR-Präsident DIE ALPEN 9/2004

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