Alpenfolio: Andreas Busslinger Das fliegende Auge

Es gibt Leute, die telefonieren beim Autofahren. Andreas Busslinger fotografiert beim Fliegen. In der einen Hand die Kamera und in der anderen die Steuerung seines Gleitschirms.

Der Zuger lädt uns ein, die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten. Mit 30 Stundenkilometern durch die Luft schwebend, lässt er sein Auge über die Landschaft unter ihm wandern. Immer auf der Suche nach dem perfekten Winkel. Wo das Laienauge am liebsten alles aufnehmen möchte, wählt er wie ein Adler den besten Moment. Wenn sich die Möglichkeit bietet, bittet er andere Gleitschirmflieger, um ihn herumzufliegen. «So kann ich den Menschen in die Landschaft setzen und diese mit ungewöhnlichen Farben ausstatten.» Vom Gleitschirm aus zu fotografieren, ist keine Sache der Improvisation. «Dazu braucht es optimale Wetterbedingungen mit einer Thermik, die einen oben hält, aber ohne zu viel Turbulenzen.» Und wenn Andreas Busslinger andere Flieger ablichtet, überlässt er sehr wenig dem Zufall. «Es braucht Leute, die genau nach Plan um mich herumfliegen können und am Tag X verfügbar sind.» Sogar die Farben der Segel werden vorher bestimmt.
Der weit gereiste Bergsteiger entdeckte das Gleitschirmfliegen vor 30 Jahren. Ein paar Jahre vorher hatte er mit dem Fotografieren begonnen. Nach und nach bereicherten die Luftaufnahmen sein Portfolio von Porträts und Landschaftsaufnahmen rund um die Welt. Obwohl Andreas Busslinger hauptberuflich Naturwissenschaft unterrichtet, ist er heute auf dem Gebiet der Gleitschirmfotografie weithin anerkannt. Was er bedauert? Dass ihm die Zeit fehlt, all seine unzähligen Projektideen umzusetzen.