Alpines Museum der Schweiz vor dem Aus? Es fehlen 770 000 Franken

Mit dem neuen Verteilschlüssel des Bundesamts für Kultur kann das Alpine Museum nicht überleben. Nun setzt die Museumsleitung auf die Politik: Mit einer Rettungsaktion soll die Zukunft des Museums gesichert werden.

Das Alpine Museum der Schweiz kämpft ums Überleben. Eine gross angelegte Unterschriftenaktion unterstützt die Institution. Bis zum Redaktionsschluss am 18. September waren auf der Aktionsseite rettungsaktion.alpinesmuseum.ch. rund 7500 Unterschriften zusammengekommen. Das Ziel: auf dem politischen Weg Geld für das Museum freizumachen. Bundesgeld. Denn an diesem wird es dem Museum ab dem nächsten Jahr mangeln.

Statt wie bisher rund eine Million will der Bund nur noch 250 000 Franken pro Jahr einschiessen. Viel zu wenig, wie Direktor Beat Hächler klarmacht: «Damit können wir den Betrieb nicht aufrechterhalten», sagt er. Die Lage sei dramatisch. Denn hier gehe es nicht einfach um Drittmittel, die etwas tiefer ausfallen. Mit dem Bund, der bisher ein Drittel der Kosten übernommen hatte, falle eine tragende Säule weg.

Doch von vorne. Bis jetzt hatte der Bund als Gründungsmitglied der Trägerstiftung rund ein Drittel der Betriebskosten übernommen. Ein weiteres Drittel tragen Stadt, Kanton und Burgergemeinde Bern. Der Rest wird über die Eigenerträge des Museums sowie Drittmittel von privaten Organisationen und Personen eingespielt.

Wichtigster privater Geldgeber und zugleich Museumsgründer ist der SAC, der jährlich 200 000 Franken für das Museum budgetiert. Gegründet wurde das Museum 1905. 1933 entstand die Stiftung, in der Bund, Stadt und Kanton Bern sowie der SAC Einsitz nahmen. Hinter dem Engagement des Bundes stand der politische Wille, ein landeskundliches nationales Museum zu schaffen und das alpine Erbe der Schweiz zu würdigen.

Mit der vom Parlament verabschiedeten neuen Kulturbotschaft 2016-2020 ist nun alles anders. Das hehre Ziel der neuen Politik: Nicht mehr die historisch gewachsene Betriebsverantwortung verpflichtet, sondern objektive Kriterien sollen über die Geldvergabe entscheiden. Alle Museen sollen gleich behandelt werden.

Die Beiträge des Bundes richten sich nun nach einer von einer Expertengruppe vorgenommenen Beurteilung der Sammlung, den Vermittlungsleistungen sowie der Höhe der nicht bundeseigenen öffentlichen Beiträge an die Museen. Hintergrund ist der Subsidiaritätsgedanke: Der Bund setzt nicht selber Akzente, sondern unterstützt kantonale Institutionen von nationalem Wert.

Auch das Alpine Museum schaffte diese Hürde und wurde als förderungswürdig eingestuft. Sein Problem ist nur, dass der Bund für diesen nationalen Status ab 2019 75% weniger Mittel bereitstellen will. Anstatt zu fragen, wie die unterstützten Institutionen finanziell aufgestellt sind und welchen Bedarf sie effektiv haben, unterstützt der Bund nun nach einem mathema­tischen Verteilschlüssel landesweit 13 Museen, auch solche, die bisher ohne Bundesgeld funktionierende Betriebsfinanzierungen hatten. Beim Alpinen Museum bricht umgekehrt eine bundesgestützte Betriebsfinanzierung ersatzlos weg.

Es bleibt nur der politische Weg

Hächler ist enttäuscht: «Unsere Situation ist dem Bund bekannt», sagt er. Die gesamte Finanzierung sei immer offen auf den Tisch gelegt worden. Dennoch habe man in Bern einen Verteilschlüssel gewählt, der dem Alpinen Museum keine Chance lasse. Für Hächler ist klar: Der Bund steht als Museumsstifter und Betriebsträger nach wie vor in der Verantwortung.

Das Museum setzt nun ganz auf die Politik. Denn die Suche nach anderen Geldgebern ist angesichts der kurzen Übergangszeit und des grossen Finanzierungsbedarfs aussichtslos. Stadt und Kanton Bern sind am Sparen, der SAC gibt bereits jetzt 200 000 von 230 000 Franken seines Kulturbudgets für das Museum aus, private Geldgeber sind selten an wiederkehrenden Betriebskosten interessiert. «Es geht hier nicht darum, eine momentan schwierige Situation zu überbrücken», macht Hächler klar: «Es geht darum, den ganz normalen Betrieb zu sichern.»

Ein nationales Museum?

Eine Möglichkeit wäre, dass der Bund das Museum in den Rang eines Bundesmuseums erheben würde. Allerdings bedeutet das nicht zwingend mehr Geld: Bundesmuseen wie das Musik­automatenmuseum in Seewen müssen mit bescheidenen Beträgen auskommen. Eine andere Variante: Das Alpine Museum würde der Gruppe des Nati­onalmuseums angegliedert, zu denen die Landesmuseen in Zürich und Prangins sowie das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz zählen. Das würde allerdings die Mischfinanzierung des Alpinen Museums infrage stellen und den Bund noch mehr in die Pflicht nehmen. Bleibt die Möglichkeit, an die lieber niemand denkt: Das Alpine Museum erhält nicht mehr Geld und muss schliessen. «Die Option liegt auf dem Tisch», sagt Hächler. Man habe Löhne zu bezahlen und müsse im Fall einer Sammlungsliquidation mit Kosten in unbekannter Höhe rechnen. Einfach auf gut Glück weitermachen liege nicht drin: «Wenn wir sehen, dass es finanziell nicht mehr geht, müssen wir reagieren», sagt er.

Doch noch hofft Beat Hächler auf die Solidarität in der Bevölkerung und auf ein Umdenken im Parlament. «Wir erleben im Moment einen Rückhalt für das Museum wie nie zuvor», sagt er. «Das Thema Berge ist zu wichtig für dieses Land, als dass es mit einem ­Verwaltungsakt weggewischt werden könnte.»

Das Alpine Museum der Schweiz

Das Alpine Museum wurde 1905 gegründet und ist seit 1934 eine nationale Institution, an der sich der Bund beteiligt. Zusammen mit den übrigen Stiftungsträgern Kanton Bern, Stadt Bern und SAC trägt er die Basisfinanzierung. Seit 2012 verfolgt das Alpine Museum eine Neupositionierung als zeitgenössisches Ausstellungshaus und widmet sich Themen der Gegenwart wie Identität, Mobilität, Identität und Wandel. Der Bund trägt bis jetzt 1 020 000 Franken zur Basisfinanzierung bei. Ab 2019 sollen es nach dem Entscheid des Bundesamts für Kultur nur noch 250 000 Franken sein – zu wenig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

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