Alpinsport und Umwelt

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Alpinsport und Umwelt

Gegeneinander oder miteinander?

Immer mehr Menschen zieht es mit immer raffinierterer Ausrüstung in immer mehr Bereiche der Natur, ganz besonders in den Alpen. Kaum ein Winkel, der bisher ein stilles Leben als Urlandschaft und Refugium für Tiere und Pflanzen führen konnte, bleibt verschont. Mit Seil, Bohrmaschine, Mountainbike, Gleitschirm, Schneeschuh, Ski, Snowboard, Neoprenanzug, Gummiboot, Steileispickel usw. wird der Natur zu Leibe gerückt. Und es sind nicht nur kreative Individualisten, die sich auf neues Terrain vorwagen, sondern zunehmend auch kommerzielle Anbieter, die ganze Gruppen durch empfindliche Naturlandschaften schleusen. Der SAC macht bei diesem Reigen mit: Ein Blick in das CC-Jahresprogramm, in dem eine reiche Palette von Outdoor-Aktivi-täten im Gebirge angeboten wird, genügt.

Der SAC- eine Outdoor-Sportorganisation?

Der SAC ist aber nicht nur ein reiner Outdoor-Sportverein: Zu breit ist die Palette seiner Aktivitäten und Engagements. So ist er von jeher auch für den Natur- und Landschaftsschutz aktiv ( vgl. Ressort-Bericht auf S.46 ). Im Leitbild des SAC und den Richtlinien zum Schutz der Gebirgswelt, die ebenfalls in diesem Heft vorgestellt werden ( S.48 ), fordert er zudem von seinen Mitgliedern eine umweltbewusste Ausübung der bergsteigerischen Aktivitäten. Der SAC muss sich also abheben als eine Organisation, die ihre Outdoor-Aktivitäten umweltschonend und im Einklang mit den Erfordernissen des Natur- und Landschaftsschutzes durchführt.

Natursport ist Naturnutzung Einerseits ist es durchaus zu begrüssen, wenn möglichst viele Menschen ihre Freizeit aktiv in der Natur verbringen. Anderseits gibt es auch dafür Grenzen: Die Natur reagiert gerade im empfindlichen Gebirge stark auf Übernutzungen. Zudem verdirbt sich der Mensch mit einer übermässigen Frequentierung gerade die Ruhe, Stille und Einsamkeit, die er in der Natur sucht. Wir müssen zu den letzten Reserven ungestörter Urlandschaft, die in Mitteleuropa fast nur noch in den Alpen anzutreffen sind, äusserste Sorge tragen ( vgl. Beitrag von C. Geiger in den ALPEN 2/97 ). Aus diesen Gründen müssen wir heute bei unseren Aktivitäten immer eine Interessenabwägung vornehmen. So muss sich die Schneeschuhläuferin sehr selbstkritisch fragen, ob sie ein einsames Waldgrenz-Gebiet durchqueren soll, das Einstands- oder Winterruheort für verschiedene Tiere ist. Dies gilt um so mehr, wenn sie eine kommerzielle Gruppentour leitet. Der aktive Kletterer muss sich gut überlegen, ob er einem empfindlichen Felsstandort mit der Erschliessung und Publikation eines neuen Klettergartens nicht zuviel zumutet. Er muss sich dabei auch über allfällige Naturschutz-Vor-schriften informieren.

Die Verantwortung des SAC Natur- und Landschaftsschutzorga-nisationen, seien sie behördlich oder privat, reagieren zunehmend abwehrend und zornig auf die Entwicklung der Outdoor-Sportarten. Sie sehen sich in ihren Anliegen bedrängt und a a Auch Schneeschuhläufer müssen sich sehr selbstkritisch fragen, ob sie ein bestimmtes Gebiet durchqueren sollen oder nicht.

missachtet - leider allzu oft durchaus zu Recht. Gerade die Kommerzialisierung und die Sucht nach « Fun », « Plaisir » und schnellem Abenteuer bringen es mit sich, dass die einzelnen Menschen sich ihrer Verantwortung kaum bewusst sind oder sie einfach verdrängen. Der SAC muss deshalb nicht nur in seinem Kreis für ökologisches Verhalten einstehen, sondern auch nach aussen für ein ausgeglichenes Miteinander von alpinem Out-door-Sport und Natur wirken. Wir alle haben ein Interesse daran, dass auch noch unsere Kinder und Enkel möglichst frei in den Bergen herumziehen dürfen - und dass anderseits eine reiche und ungestörte Bergwelt erhalten bleibt, deren Besuch sich lohnt. Dies bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Regeln einzuhalten und hie und da auch Beschränkungen zu akzeptieren. Der SAC muss die Auf-klärungs-, Koordinations- und Führungsaufgaben im Bereich Alpinsport-Umwelt übernehmen!

Vorschläge - Konzepte -Lösungen?

Zu diesem Zweck müssen wir zusammen mit den Aktiven und den kommerziellen Anbietern Grundlagen, Konzepte, Leitbilder und Regeln erarbeiten, wie wir uns die Zukunft der verschiedenen Natursportarten Editorial vorstellen. Ein solches Konzept wird zur Zeit zum Klettern im Jura erarbei-£ tet ( vgl. ALPEN 3/97 ). In diesen Pro-~ zess müssen wir von Anfang an die c Natur- und Landschaftsschutzkreise 5 einbeziehen, zu denen wir ja traditio-* nell gute Kontakte haben: Nur ö gemeinsam können wir langfristige ^m und konfliktfreie Lösungen finden. 14 Damit eine Umsetzung gewährlei- stet ist, braucht es tragfähige Strukturen. Die Leitung und Koordination sollte dem Ressort « Schutz der Gebirgswelt » in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Sport-Ressorts und zielverwandten Organisationen obliegen. Für die Umsetzung an der Basis könnten analog zu Österreich für alle Gebiete der Schweizer Alpen ( inkl. Jura ) Sektionsgebiete definiert werden, für die die lokal ansässige Sektion und/oder die Hüttensektion die Verantwortung übernimmt. So wie sich die Sektionen mit ihren Hütten identifizieren und sich dafür engagieren, so sollten die Sektionen sich auch für die Natur und Umwelt « ihrer » Gebiete einsetzen. Dafür könnte eine kleine Gruppe unter der Leitung des Umwelt-Sektionsbeauf-tragten formiert werden. Für die Mitarbeit müssten Sektionsmitglieder gewonnen werden, die in den betroffenen Alpinsportarten aktiv sind. Aber auch Nichtmitglieder - aktive Kletterrouten-ErschMesser, im Naturschutz engagierte Menschen oder lokale Verantwortliche wie z.B. die Wildhüter - müssten miteinbezogen werden.

Jürg Meyer, Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt

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