Am Rhonegletscher

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Karl Stamm.

Aufsteigend aus gedrückten Niederungen erklimmt mein Fuss des Grates schmale Spur. Wie fühlt mein Geist, von ihrer Macht bezwungen, jetzo die tiefe Sehnsucht der Natur, aus ihren starren, ungeformten Hüllen sich aufzuraffen und die ganze Welt mit ungeheurem Leben anzufüllen.

Du Gletscher, zwischen jähe Wände hingestellt, du wiegst in deinem Schoss verborgene Quellen. Wie hallt 's von Stimmen, nur mit Müh gedämpft! Ich fühl' es unterm Eisespanzer schwellen. O wie dein Sinn noch mit sich selber kämpft, aus weissem Tod das Leben aufzurufen!

Hinweg! Schon sind, die aus dem Eis sich schufen, die Wasser, nah am Rand der flachen Schale. Und höher schwillt 's. Und nun mit einem Male laut überstürzend formt es sich zum Flusse und donnert hin, erlöst, in jähem Schusse, hinab ins Tal im Überdrang des Strebens. Wie tönt das Tal vom Lustgesang des Lebens!

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