Arabische Namen?

Zwischen Saastal und Simplon gibt es eine Reihe von Namen, die sehr fremd anmuten, wie Allalin, Balfrin und Mischabel. Seit langer Zeit geistert die Vorstellung herum, es könnte sich dabei um das Vermächtnis von Sarazenen handeln. Aber ist es möglich, dass hier einst eine arabische Bevölkerung lebte? Mit Sicherheit nicht: Die Sarazenen drängten im Mittelalter von der Mittelmeerküste aus in den Alpenraum und plünderten die Klöster Saint-Maurice, Disentis und den Bischofssitz in Chur. Da sie aber nur im 10. Jahrhundert auftraten und nicht sesshaft wurden, werden sie kaum Zeit gehabt haben, noch Gipfel zu besteigen oder Alpwirtschaft zu betreiben. So arabisch die Namen Allalin, Balfrin und Mischabel also wirken mögen, sind sie doch weder ala aïn, «über der Quelle», noch bal aïn, «grosse Quelle», oder muschbil, «Löwin mit Jungen». Über ihre Herkunft lässt sich nicht mehr sagen, als dass sie vordeutsch sind. Einzig im Namen ­Mischabel könnte sich ein heute ausgestorbenes Wort finden, das im Walserdialekt von Alagna noch als Mischobla, «dreizinkige Gabel», lebt.

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