Arbeiten aus der Ferne ist kein Allheilmittel

Digitale Technologien haben selbst im unwirtlichen, aber wunderschönen Hochgebirge ihre Vorteile. Der Beitrag über die Telemedizin ab Seite 30 zeigt dies. Mehr als anderswo kann hier eine falsche medizinische Entscheidung fatale Folgen haben. Vor allem, wenn sprachliche Missverständnisse die Sache verkomplizieren. In so einem Moment ist es ein grosser Vorteil, aus der Ferne mit einem Arzt kommunizieren zu können, der die gleiche Sprache spricht und aus der eigenen Kultur stammt. Ausserdem ist diese Lösung viel billiger, als die Dienste eines Expeditionsarztes aus Fleisch und Blut in Anspruch zu nehmen.

Diese kostengünstige Methode kommt jedoch auch relativ schnell an ihre Grenzen, etwa wenn es darum geht, eine Schulter wieder einzurenken, einen Bruch zu stabilisieren oder ein psychologisches Problem eines Patienten zu erkennen. Was ist, wenn zum Beispiel ein Höhenbergsteiger die ganze Klarheit verloren hat, ohne dass es am anderen Ende der Leitung jemand merkt? In vielen Fällen kann nichts den realen, menschlichen Kontakt ersetzen. Es geht um das, was in den Augen des Gegenübers, in seiner Haltung und aus dem Kontext gelesen werden kann.

Aber heutzutage wird uns das Arbeiten aus der Ferne zusammen mit der allumfassenden Digitalisierung, die es möglich macht, oft als die einzig mögliche Zukunft präsentiert. Doch viele werden während der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus gemerkt haben: Es ist kein Allheilmittel! Wie die Telemedizin stehen digitale Instrumente im Dienst der Menschheit und müssen es auch bleiben. Es ist ratsam, die Digitalisierung und all die Möglichkeiten, die sie mit sich bringt, mit einer gesunden Dosis kritischen Denkens einzusetzen. Denn sonst laufen wir Gefahr, Sklaven dieser Hilfen zu werden, in den Bergen wie im Tal.

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