Armes Mustang!

Ich teile die Analyse von Manuel Bauer in seinem Artikel über Mustang in «Die Alpen» 2/2012. Er befürchtet zu Recht, dass die neue Strasse der traditionellen tibetanischen Kultur einen schweren Schlag versetzen wird. Dem mittellosen Volk wird überstürzt geholfen, indem man eine neue komsumfreudige Kundschaft auf ihr Land loslässt, welche die Reichtümer dieser Gegend nicht zu schätzen weiss.

Als ich Mustang vor langer Zeit durchquert habe, gab es eine Zugangsbeschränkung. Und ich habe mir naiv vorgestellt, das würde reichen, um die Lobas, die Einwohner des Landes von Lo, vor den «Errungenschaften der Zivilisation» zu schützen. Aber ich ahnte schon damals, dass die Gebühren für die Permits nicht den Einheimischen, sondern der nepalesischen Regierung zugute kommen würden. Die Veranstalter, welche Mustangaufenthalte organisieren, stellen meist nepalesische Equipen an, die mit einer intolerablen Überheblichkeit auf die «Bothias», die Tibeter, und ihre Kultur herabschauen. Es ist damals sogar vorgekommen, dass die ursprünglich geplante Route abgeändert wurde, bloss um des Profits willen. Wenn ich die Entwicklung im benachbarten Tibet betrachte, wenn ich mir vorstelle, dass Alpinisten in den Hängen von Dhakmar Hütten aufstellen oder den heiligen Kailash in 2 Stunden 51 Minuten und 28 Sekunden erklimmen, wähne ich mich in einem schlimmen Albtraum.

Darum rate ich allen, die in dieses verlorene Paradies reisen wollen: Verzichten sie auf Veranstalter, die nicht auf Lobas als Führer setzen! Verlassen Sie die ausgetrampelten Wege, und bleiben Sie mindestens zehn Tage dort! Sie werden staunend zurückkehren. Und lesen Sie unbedingt das Buch Das verboteneKönigreichimHimalajades Ethnologen Michel Peissel.

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