Auch Plaisirklettern ist vollwertiger und respektvoller Alpinismus

Ich bin unzählige Routen geklettert und habe immer noch grosse Freude daran. Immer mehr schätze ich es, Routen zu klettern, die gut mit Bohrhaken abgesichert sind. Der nächste Bolt in Sicht beruhigt mich, und ich kann mich auf den Klettergenuss konzentrieren. Den guten Stand finde ich auf Anhieb, so bin ich schnell eingerichtet und kann meine Kletterpartnerin bald nachsteigen lassen. Als leidenschaftlicher Kletterer bin ich sehr froh, dass Kletterrouten ( auch Klassiker ) saniert sind und mit Plaisir begangen werden können. Grosse Anerkennung gebührt Jürg von Kennel, der diesbezüglich mehr als Pionierarbeit geleistet hat.

Ich verstehe es nicht, wieso die « keepwild Climbers » ihre Daseinsberechtigung mit der Herabminderung des Plaisirkletterns rechtfertigen müssen. Eine Route selber absichern heisse selber Verantwortung übernehmen. Folglich übernehmen alle anderen keine Eigenverantwortung. Und was ist mit denen, die nicht « am scharfen Ende des Seils » klettern und von oben gesichert « nach-schleichen »? Ich bin ein besonders Schlimmer: Ich bezahle sogar dafür, dass ein anderer die Verantwortung übernimmt. Viele grosse Klettertouren habe ich nämlich mit einem Bergführer gemacht.

Hört doch bitte damit auf, mit solchen Bewertungen die « besseren » Alpinisten ( die männliche Form ist bewusst gewählt ) herausheben zu wollen und die eine Form des Kletterns gegen die andere auszuspielen. Das Gleiche gilt übrigens auch für das sogenannte « Wildwandern ». Das Bergsteigen ist inzwischen eine « Massenbewegung » geworden, und der SAC hat einiges dazu beigetragen. « Es muss Schluss damit sein, dass die Elite der Mehrheit vorschreibt, wie sie zu klettern hat », konnte ich neulich in einer deutschen Bergzeitschrift lesen. Das finde ich auch. Alle, die Freude an den Bergen haben und sie respektieren, sind gute Bergsteigende, egal auf welchem Kletterniveau.a.. Bruno Bollinger, Erstfeld

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