Aus der Silvrettagruppe

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A. Rzewuski ( Section Davos ).

Aus der Silvrettagruppe Von Obwohl ich seit vielen Jahren in Davos, also in unmittelbarer Nähe der Silvrettagruppe lebe, so bin ich doch erst die letzten zwei Sommer dazu gekommen, mich in derselben genauer umzusehen. Auf einer Rundtour, die ich in Gesellschaft des Hrn. Dr. Seh. aus Erfurt ( D. u. Oe. A. V. ) unternahm, und die uns von Davos über Flüelapaß nach Lavin und Guarda, über den Fermontpaß nach dem Ochsenthal und dem Madiener Haus, dann nach dem Montavon und über das Schlappiner Joch nach Klosters führte, sah ich, daß die Silvrettagruppe mit andern viel besuchtem Gruppen an Schönheit der Hochgebirgsformen, Lieblichkeit und Anmuth der Thäler rivalisiren könne. Es war am 20. Juli 1886. Dr. Seh. und ich hatten am Morgen bei prächtigem Wetter das Flüela-Schwarzhorn bestiegen und waren dann nach Süs gewandert, wo wir eine längere Mittagsrast hielten. Wir verträumten einige Stunden am Ufer des jungen Inn und erfreuten uns an seinen blauen Wellen und der schönen, malerischen Lage des Ortes, der weniger von seiner Eigenthümlichkeit durch den Fremdenverkehr eingebüßt hat, als viele andere Orte im Engadin.

Am Abend desselben Tages gingen wir noch nach Lavin, vergewisserten uns der Dienste des Führers Wieser für den kommenden Tag und schlenderten gemüthlich nach Guarda. Der Weg dahin bietet eine Reihe der prächtigsten Ausblicke auf den tief unten schäumenden Inn, die waldigen Schluchten des Unter-Engadins und seine eisgekrönten Hochgipfel. Guarda selbst liegt malerisch auf einer Terrasse und hat Alles, wonach ein Touristenherz sich sehnt, das nicht Unbedeutendste ist ein vorzüglicher Gasthof mit einer noch vorzüglicheren Wirthin. Das ist ein Haus, so recht, wie es ein Clubist gern hat: Alles sauber, einfaches, aber gutes Essen, guter Wein, freundliche Zimmer, man fühlt sich ordentlich heimisch in der „ Sonne " bei der Frau Meißer. Wenn am Morgen die allerdings nicht allzu billige Rechnung präsentirt wird, so zahlt man gern, denn man weiß, wofür man zahlt, was leider nicht überall der Fall ist.

Am 21. Juli Morgens 2 Uhr weckte uns Wieser, der mit seinem etwa 15jährigen Sohne schon von Lavin heraufgekommen war. Wir brachen um 3 Uhr auf und erreichten 5 Uhr 30 Minuten den Hintergrund des Val Tuoi. Ich hatte eine Besteigung des Piz Buin geplant, aber mein Gefährte schreckte vor den Beschwerden einer solchen Besteigung zurück und auch der großartige Anblick des Buin, den wir beim Anstieg durch Val Tuoi mit Muße genießen konnten, vermochte ihn nicht zu einem Besuch dieses Gipfels zu bewegen.

Die Höhe des Fermontpasses bietet wenig Aussicht. 7 Uhr 15 Minuten dort angekommen, verließen wir unverzüglich den auch sonst wenig interessanten Punkt und stiegen über den Gletscher hinab. Auf seiner Seitenmoräne angekommen, verabschiedeten wir den braven Wieser mit seinem Sohne und beobachteten dann noch einige Zeit die Beiden auf ihrem mühsamen Anstieg über den mit knietiefem weichen Schnee bedeckten Gletscher. Auf der Earte ist im Ochsenthal ein Weg verzeichnet, aber sobald man nach Oesterreich kommt, verschlechtern sich in demselben Maße die Alpwege, als die Preise niedriger werden. In's Val Tuoi führt ein guter Weg bis zu den letzten Galtviehweiden, auf der österreichischen Seite, im Ochsenthal, sucht man vergeblich nach etwas, was man Weg oder auch nur Pfad nennen könnte. Mit den Worten: „ Geben Sie mir ein paar Kreuzer ", begrüßte uns der erste Hirtenbub, den wir trafen, wofür er natürlich einen strengen Verweis erhielt. Das Ochsenthal gewährt einen guten Einblick in die Silvrettagruppe und bietet schöne Hochgebirgs-bilder, die bläulichen Séracs am Eckhorn, die finsteren Wände des Silvrettahorns, der massige Gipfelbau des Buin beschäftigten uns längere Zeit. 10 Uhr 40 Minuten kamen wir an im Madiener Haus ( D. u. Oe. A. V. ). Das ist aber eigentlich ein kleines Hôtel und keine Clubhütte. Da ist ein Schlafsaal mit Betten und jeglichem Comfort, ein Damen- zimmer, ein Eßzimmer, eine Bibliothek, Wirthschaft nach angeschlagenem Tarif, was will man mehr? Besonders wohlthuend ist die musterhafte Ordnung und Sauberkeit, die überall herrscht und die leider in unseren schweizerischen Clubhütten der Tourist oft missen muß. Allerdings kann der 8. A. C. mit seinen bescheidenen Mitteln nie solche Hôtels in 's Hochgebirge hinstellen, und schließlich schläft ein richtiger Clubist auch auf duftendem Heulager gut und ist mit seiner selbst gekochten Mehlsuppe zufrieden, aber warum soll man solche Hütten wie das Madiener Haus verlachen, wie es von einigen Seiten geschieht? Der D. u. Oe. A. V. hat eben die Mittel und sucht für die Bequemlichkeit der Touristen das Möglichste zu thun.

Nachmittags 1 Uhr 35 Minuten verließen wir das gastliche Dach. Zunächst geht es ein Stück über Sumpfwiesen beinahe ganz eben hin, dann senkt sich der Weg steiler nach rechts in das Fermontthal. Statt direct nach Parthenenabzusteigen, beschlossen wir, mit einem kleinen Umweg den Illfall zu besuchen; wir hatten es nicht zu bereuen. Vom Madiener Haus an ist der Weg gut unterhalten und vom D. u. Oe. A. V. überall mit Farbe markirt, so daß man nicht fehlen kann. Der Fall selbst ist in der ganzen mir bekannten hiesigen näheren und weiteren Umgebung der schönste. Unterwegs trafen wir noch zwei Berner Clubisten, tauschten einige Worte über das Woher und Wohin und setzten dann unseren Weg fort. Parthenen ist Pattenen, Blatt XV, Dufour.

ein Idyll; von hohen bewaldeten Bergen eingeschlossen, gewährt das Dörfchen mit seiner kleinen Kirche einen lieblichen Anblick. Doch das Montavon ist ja im Jahrbuch schon von kundigerer Hand beschrieben worden, ich brauche es deßhalb wohl nicht noch besonders zu empfehlen.

Wenn man über einen der Gletscherpässe hinab-kommt, aus den Eisregionen in die lachenden blumigen Wiesen, in die wogenden Kornfelder, dann wird das Montavon bei jedem seiner Besucher einen bleibenden Eindruck hinterlassen und man scheidet wirklich ungern und mit einem „ Auf Wiedersehen " auf den Lippen von den biederen guten Menschen. Wir durchwanderten eigentlich zu schnell das schöne Thal, denn am Abend waren wir in St. Gallenkirch; überhaupt ist die Tour Guarda-Fermontpaß-Parthenen bis St. Gallenkirch zu lang für einen Tag, wenn man eine mehrtägige Tour macht. Im „ Rößle " übernachteten wir gut und billig und brachen am 22. Juli spät, nämlich erst um 6 Uhr, auf, um über das Schlappiner Joch nach Klosters zu wandern. Gleich hinter dem Dorfe trafen wir mit einem alten Montavoner zusammen, der mit seinem Sohn und einer jungen Bäuerin zunächst dasselbe Ziel hatte wie wir, Gargellen. Wir erreichten letzteres in stark zwei Stunden und machten daselbst Frühstücksrast. Wir kehrten wieder in einem „ Rößle " ein ( diese sind im Montavon was die „ Bären " im Kanton Bern ), tranken mit dem gemüthlichen Zollbeamten verschiedene „ Halbe " Tiroler, und mußten nach einem Aufenthalt von einer Stunde doch auch wieder an den Weitermarsch denken.

Die Sonne that das ihrige, um uns den Gang zu einem nicht gerade angenehmen zu machen, doch erreichten wir in l1/« Stunden die letzte Alp. Hier beschloß ich, zum Weitergehen unfähig, zurückzubleiben, Dr. Seh. dagegen setzte in der Mittagshitze seinen Weg fort und erreichte am Abend Klosters und Davos. Ich kam zwar auch noch nach Hause, aber per Post von Klosters ab. Am Nachmittag hatte ich die 30 Minuten von der Alp bis auf die Paßhöhe zurückgelegt und war dann in der Abendkühle bis Klosters gekommen.

Die schon bei der eben beschriebenen Rundtour von mir geplante Besteigung des Buin gelangte vier Wochen später zur Ausführung. Es war nach einer Unterbrechung von einigen Jahren die erste Tour, die ich wieder in Gesellschaft des Herrn Paulcke, eines talentirten, den Lesern des Jahrbuches wohl auch nicht unbekannten, für die Alpennatur begeisterten Clubgenossen, machte.* ) Beide hatten wir in dieser Zeit liebe Angehörige verloren und heute ruht auch schon mein Gefährte in dem kühlen Erden-schooße. In den ersten Tagen des April 1887 machte ein Schlaganfall seinem Leben in München ein unerwartetes Ende. Er ruhe in Frieden!1 Ein Wagen brachte uns damals nach Klosters und von dort durch das Sardasca-Thal hinauf in die Alp Sardasca. Wir hatten W. Jann als Führer mitgenommen und führten am nächsten Tage mit ihm die Buinbesteigung aus. Auf dem Gipfel traf bald nach uns eine Gesellschaft, vom Madiener Haus kommend, ein und wir suchten uns dann Alle zusammen durch ein fröhliches Mahl zu entschädigen für die Aussicht, die wir dort oben hätten genießen können, wenn uns nämlich nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Piz Buin ist sehr leicht zu besteigen, es bietet sich nicht die geringste Schwierigkeit; das kleine Kamin, das zu durchklettern ist, hat überall gute Griffe, so daß auch minder Geübte mit Führer leicht diese Stelle überwinden werden. Der Abstieg ging sehr schnell; von der Fuorcla del Confin sandten wir unseren neuen Bekannten die letzten Grüße und kamen noch zu guter Zeit nach Sardasca und Klosters.

Obwohl die Silvrettagruppe jedes Jahr von einer ziemlichen Anzahl Touristen besucht wird und Buin und Silvrettahorn öfters bestiegen werden, so finden sich doch im Jahrbuch über die andern Gipfel nur sehr spärliche Notizen. Längere Arbeiten datiren meistens aus den sechsziger Jahren, so die Aufsätze von Hoffmann-Burckhardt, O. W. Stein, Weilenmann, Prof. O. Heer; in neuerer Zeit haben nur die Herren R. Reber, Ingenieur, O. v. Pfister und Prof. Schulz etwas veröffentlicht. Und doch scheint mir mehr als ein Gipfel des Besuches und der Erwähnung würdig zu sein. Einer dieser „ Vergessenen " ist der Groß-Litzner. Seit der ersten Besteigung im Jahre 1866 durch Jacot, der zweiten durch Hoffmann-Burckhardt, über die der erwähnte Aufsatz im Jahrbuch V, 1868, berichtet, wurden nach einer Pause von 14 Jahren nur drei Besteigungen ausgeführt, und zwar im Jahre 1882 eine, durch Herrn C. Mainzer aus Carlsruhe, und im Sommer 1886 zwei, durch Herrn Dr. Tauscher aus Preßburg, welche Besteigung Frau Hermine Tauscher-Geduly in der Zeitschrift des D. u. Oe. A. V. lebhaft geschildert hat, und endlich am 29. August desselben Jahres durch R. Paulcke und Schreiber dieses. Bei allen Besteigungen war Christian Jann erster Führer und derselbe bestreitet, daß irgend eine andere Besteigung von Montavonern oder andern Führern ausgeführt worden sei. Auf dem Gipfel des Buin habe ich aber einen alten Führer gesprochen, der behauptete, auf dem Groß-Litzner gewesen zu sein. Man braucht durchaus nicht eitle Renommisterei als Beweggrund solcher Behauptungen hinzustellen, vielmehr läßt sich die Sache durch eine Verwechslung der Berge erklären. Im Vorarlberg heißt der schweizerische Groß-Litzner Groß-Seehorn und das Groß-Seehorn Groß-Litzner oder Hohe Litznerspitze.1 ) Es steht überhaupt mit der Nomenclatur in den Grenzgebieten der Silvrettagruppe schlecht, so existiren für den Uebergang vom Silvrettagletscher auf den Klostertaler Kees drei Namen: Fermontpaß ( Hoffmann-Burckhardt ), Klosterpaß ( Excursionskarte des S.A.C. 1865/66 ) und Rothe Furka ( Dufourkarte ). Dieser letztere Name wird auf dem neuen Blatt des Siegfried-Atlasses beibehalten werden, wie l ) Vgl. Zeitschrift des D. u. Oe. A. V., Band XVIII, pag. 254 n. ff. Hermine Tauscher-Geduly: Der Groß-Litzner.

11 mir Herr Ingenieur Eeber mitzutheilen die Freundlichkeit hatte. Genanntem Herrn erlaube ich mir hier meinen verbindlichsten Dank auszusprechen für die Bereitwilligkeit, mit welcher er mir die von ihm neu bestimmten Höhenquoten in der Silvrettagruppe, sowie Einiges über die Nomenclatur mittheilte. Der Name Groß-Litzner verbleibt ebenso dem zweithöchsten Gipfel der Seehorngruppe ( Höhe 311 lmz\. Reber ). Im Ferneren wird der dritte Gipfel der Seehorngruppe den Namen Klein-Seehorn erhalten und endlich werden die pittoresken, westlich vom Groß-Litzner und Groß-Seehorn gelegenen Gipfel mit dem Namen „ Seenadeln " bezeichnet werden. Es ist zu hoffen, daß nach dem Erscheinen des betreffenden Blattes des Siegfried-Atlasses die Führer im Montavon anfangen werden, sich der schweizerischen Bergnomenclatur zu bedienen, und daß alsdann Verwechslungen und die oft damit verbundenen recht unangenehmen Discussionen zwischen den Führern wegbleiben werden. Wenn man den Groß-Litzuer von Südwesten ( Davoser-Berge ) oder von NordostenMontavon ) sieht, dann zeigt er sich als ziemlich breite, schroffe Wand mit einem charakteristischen scharfen Einschnitt gegen Südost. In einer anderen, wahrhaft imponirenden Gestalt zeigt er sich von Südost ( Silvrettagletscher ). Hier ist er ein schlanker Felsenthurm, an dem fast kein Schnee zu haften vermag. „ Aus bronzebraunem Fels, wie in einem Guß gebildet ", sagt Frau Dr. Tauscher, und wahrlich, seinesgleichen wird man in den Alpen nicht oft wiederfinden! In dieser gewaltigen, jeden Bergsteiger fesselnden Schönheit sah ich den Berg, als Herr Paulcke und ich bei der Rückkehr vom Piz Buin über den Silvrettagletscher der Hütte zusteuerten. Von da an hatte es mir der Litzner angethan, bereits am 28. August waren wir wieder auf dem Wege zur Silvrettahütte. Außer Herrn Paulcke, Führer Jann und mir hatten sich zur fröhlichen Fahrt gerüstet Frl. v. Paulcke, die Nichte des Herrn Paulcke, und sein Sprößling Willi. Diese letztere jüngere Garde sollte mit Führer Jegen das Silvrettahorn besteigen und uns von dort bei der Litznerbesteigung beobachten. Am Morgen des 29. August, 3 Uhr 15 Minuten, verließen wir, Christian Jann, Herr Paulcke und ich, die Silvrettahütte, stiegen im Eilmarsch den Weg hinab bis zur Quelle in der Nähe der Alp Silvretta und begannen dann langsam die steinigen Weiden anzusteigen. Am Anfang geht es noch ganz gut, aber tiefer im Thal kommt man in ein Chaos von Felsblöcken und schließlich über steile Rasenhänge und Geröll zu einem tiefen Einschnitt im sogenannten Mittelgrat. Hier rasteten wir 20 Minuten, packten dann unsere Habseligkeiten wieder zusammen und schwenkten nach rechts. Jetzt begann eigentlich erst die Arbeit, wenige Minuten über Trümmerhalden, dann ist man zwischen mächtigen Gneiß- und Granitblöcken, es ist eine Kletterei, wo man die Hände tüchtig brauchen muß, anstrengend, aber ohne Gefahr. Einige Abwechslung bieten kleine Eisfelder, dann geht es sk Stunden den Kamm entlang, bis man endlich am Fuß des Vorberges des Groß-Litzners anlangt. Dieser wird in einer halben Stunde erstiegen und man steht, nur durch einige Felsplatten getrennt, dem Groß-Litzner gegenüber. Das ist aber nicht derselbe Berg, den wir noch vom Mittelgrat beobachtet haben, es gibt wohl keinen Menschen, der, bis hieher gedrungen, nicht einen Moment wie festgebannt stehen bleibt vor dem Anblick, der sich ihm hier eröffnet. Als ich am 11. September 1887 mit L. Guler zum zweiten Mal hierher gekommen war und den Berg photographirte, da hatte er allerdings den Reiz für mich verloren, den etwas Unbekanntes stets auf uns ausübt, aber als ich zu Hause die Platte entwickelte und allmälig der alte Bekannte ganz sichtbar wurde, mit allen Falten und Runzeln, die ihm das Alter verliehen, da stand es fest bei mir, das Bild muß in 's Jahrbuch des S.A.C.! Verehrte Clubgenossen, durch das Entgegenkommen der Redaction ist es mir möglich, Ihnen das Bild in Lichtkupferdruck von Obernetter in München vorzuführen ( s. pag. 161 ). Die Abbildung ist zwar bei Weitem nicht im Stande, Ihnen die ganze Großartigkeit der Natur wiederzugeben, aber wenigstens ahnen läßt sie, was man dort oben sehen und empfinden kann. ( Der Kegel mag etwa 200 Fuß hoch sein. ) Schade, daß ich Ihnen nicht den Litzner mit den 16 Gemsen, die daran vorbeipassirten, als ich eben den Apparat zusammengepackt hatte, zeigen kann, das war ein Hochgebirgsbild, wie es schöner kein Maler malen kann, das uns Beiden, die wir es gesehen haben, ewig im Gedächtniß bleiben wird.

Nun aber zurück zu der Besteigung, die an Hand des Bildes leicht zu verfolgen ist. Der Litzner ist durch eine tiefe Schlucht gespalten, weit klafft die Wunde, welche die strenge Mutter Natur ihm geschlagen. Da hinein entdeckte 1866 Jann den Zugang und hatte damit den Schlüssel zur Besteigung des Berges gefunden. Ueber glatte Platten und schmale Gesimse klettert man hinab und dann hinauf bis zu dem Punkte, wo auf dem Bild ( rechts ) die Schlucht sichtbar wird, an dieser Stelle ist das Bergmassiv vollkommen geborsten. Diese Scharte ist einer der merkwürdigsten Orte, die ich gesehen habe, es können nicht drei Personen bequem neben einander stehen, nach Oesterreich zu ein tiefer Abgrund, man schaut in 's Leere, links und rechts unzugängliche Felswände, so etwa kann der Eingang zur Unterwelt aussehen. Jann zeigte uns, wie man von diesem Fleck weg und in die Höhe kommt. Ueber eine ziemlich geneigte Platte ohne jeden Halt, in gebückter Stellung, der überhängenden Wände wegen, begann er zu klettern, während ich das Seil langsam nachlaufen ließ. Bald war er meinen Blicken entschwunden und nur am Seil merkte ich, daß er in Bewegung war. Nach einiger Zeit, es mochten wohl 10 Minuten sein, ertönte Jaun's Ruf, daß einer von uns nachkommen solle. Ich band Herrn Paulcke an 's Seil und in wenigen Momenten war ich allein in der Scharte. Das Seilende, das, von den Beiden oben herabgeschleudert, nach kurzer Zeit zu mir herunterfiel, erschien mir wie ein Zeichen aus der Oberwelt, ich ergriff es, band mich an und verließ über die erwähnte Platte die Scharte. Wo auf dem Bild ein wenig links vom Schartengrund der Schneefleck sich zeigt, ist der Fels etwas zerklüftet und dadurch die Ersteigung der ersten Terrasse ermöglicht, letztere ist kenntlich durch einzelne kleinere Schneeflecke. Hier begrüßten mich Jann und Herr Paulcke, ich hatte jetzt schon einen kleinen Vorgeschmack von dem, was noch kommen sollte, denn Jann sagte, dies sei der leichteste der drei zu überwindenden Absätze. Es folgt ein Stück besseres Terrain, dann die zweite Terrasse, und schließlich die dritte, bei welcher kurz vor dem höchsten Gipfelbau die schwierigste Stelle zu überwinden ist. Diese Stelle ist ein überhängender Fels, auf dem eine glatte Platte aufsetzt, die aber nur durch eine seitliche Drehung erklettert werden kann, denn ein Felsblock versperrt den directen Zugang. Hat man diese Kletterei mit verschiedenen Turnkünsten überwunden, so ist der Litzner gemacht, die nunmehr folgenden niedrigen Felsstufen sind leicht, ebenso der Gipfelgrat. 9 Uhr 5 Minuten standen wir neben dem Steinmann, der sich auf dem hinteren, etwas höheren Gipfel befindet, in ihm steckte eine durch den Blitz in vier Theile gespaltene Stange.Vergeblich suchte ich nach den Karten der früheren Besteiger, ich fand keine. Jann behauptete, die Flaschen würden alle vom Blitz zerbrochen, und allerdings waren Glasscherben oben vorhanden, aber nirgends konnte ich Blitzspuren am Gestein entdecken. Ich habe mich eigentlich bei der Besteigung des Kegels kurz gefaßt, aber wenn man nicht über eine außerordentliche Darstellungsgabe verfügt, so ist eine detaillirte Beschreibung vergeblich. Jemand, der noch nie solche Besteigungen gemacht hat, kann es sich doch nicht recht vorstellen, und die Andern belehrt ein Blick auf das Bild sofort viel besser, als jede Beschreibung, wie es dort aussehen mag. Wir blieben eine Stunde auf dem Gipfel und genossen eine halbe Flasche Champagner. An der Aussicht ist die nächste Umgebung das Interessanteste. Derjenige Theil des Gipfelgrates, der die höchste Erhebung trägt, fällt nach den zwei Seiten in so steilen Wänden ab, daß man das Gefühl hat, man säße auf einem Felseneiland im Luftmeere. Jann duldet nur ungern, wenn man Steine vom Gipfel herabwälzt, der Gipfel schwanke, meint er. Umsonst spähten wir nach den Besteigern des Silvrettahorns und schließlich war mit Plaudern und Betrachten schnell eine Stunde verflogen, es kam zum Abstieg. Bald waren wir wieder am Anfang der letzten Terrasse, wo das Seil lag. Herr Paulcke band sich an dasselbe, Jann schlang es zur Vorsicht um einen Felsen, dann begannen dieselben Turnübungen wie beim Aufstieg, mit dem Unterschiede, daß es der zuerst über eine Terrasse Absteigende am schwersten hatte. War einer erst unten, dann kommandirte er Fuß links oder rechts,-weiter unten ist guter Halt. Jann als Letzter nahm das Seil doppelt, schlang es um einen passenden Felsvorsprung und ließ sich daran zu uns herab. Bei der ersten Terrasse wollte er ohne Seil klettern, aber auf mein Zureden hielt er sich doch daran und fand nun auch, es sei besser. Zum Abstieg bis in die Scharte brauchten wir ebenso viel Zeit, wie zum Aufstieg, 50 Minuten. Aus der Scharte gingen wir wieder ohne Seil auf den Gipfel des Vorberges, stiegen hinab bis an seinen Fuß und wählten zum weiteren Abstieg den Weg, den Hoffmann-Burckhardt bei seiner Besteigung eingeschlagen hatte. Wir erreichten meistens über Schnee und Eis den Klosterthaler Kees, waren 2 Uhr Nachmittags auf der Rothen Furka und traten 40 Minuten später in die Silvretta-Clubhütte. Hier erwarteten uns schon die Silvretta-hornfahrer, sie hatten den ganzen Verlauf der Besteigung des Kegels vom Gipfel ihres Berges beobachtet und konnten ganz genau von den Stellungen erzählen, die unsere Hände und Füße eingenommen hatten; Lust aber, den Litzner auch zu besteigen, hatte Niemand von ihnen bekommen.

Nächst dem Groß-Litzner ist wohl das Verstanklahorn der interessanteste Gipfel des Silvrettagebietes. Auch dieser Berg wird wenig bestiegen, obwohl schon häufiger als der Litzner. Die Besteigung von der Silvrettahütte aus ist der bedeutenden todten Steigung wegen, die überwunden werden muß, sehr lang und mühsam. Im Jahre 1881 wurde eine Partie unter der Führung Chr. Jann's und L. Gnler's auf diesem Wege zurückgeschlagen. Eine Eiswand war abgeschmolzen, die Möglichkeit der Umgehung der dadurch bloßgelegten glatten Felswand sehr zweifelhaft, mindestens äußerst schwierig, und da die beiden Touristen ziemlich erschöpft waren, so entschloß man sich zum Rückzüge. Dies zur Richtigstellung des Sachverhalts. In der neuen Alpenpost, Band XIV, Seite 177, ist nämlich gesagt, daß Jann und Guler den Weg von der Stelle, wo man umkehrte, bis auf den Gipfel in Aus der Silwettagrwppe.16£ einer halben Stunde hätten machen können; dem entgegen muß ich bemerken, daß Jann, der damals eine Stunde lang recognoscirt hatte, erklärte, er könne nicht sagen, ob man überhaupt den Gipfel erreichen könne. Diese verunglückte Tour bewog L. Guler, die Besteigung von Vereina aus zu versuchen. Zu dieser Unternehmung war Herr Dr. Geißler, der damals in Klosters weilte, und den der Berg sehr interessirte, geneigt. Beim ersten Versuche erreichte Guler allein den Gipfel, beim zweiten Mal kam Herr Geißler auch hinauf. Die ganze Besteigung ist an der genannten Stelle in der neuen Alpenpost veröffentlicht. Seit diesen zwei Besteigungen betrat noch Herr G. den Gipfel, außerdem glaube ich nur noch ein Tourist, am 25. Juli 1887 erfolgte dann meine Besteigung. Die feierliche Einweihung der Vereinahütte hatte am 24. Juli stattgefunden und da ich im Anschlüsse daran eine tüchtige Bergtour auszuführen mir vorgenommen hatte, so bot sich die beste Gelegenheit, dem Verstanklahorn einen Besuch zu machen. Am Morgen des 25. Juli, 3 Uhr 10 Minuten, brachen Guler und ich von der neuen Hütte auf. Der Weg durch das Vernela-Thal ist lang und langweilig, wir brauchten 2 Stunden 45 Minuten, bis wir ganz hinten im Thal, „ Hinter den Bürgen ", wie es heißt, ankamen. Wir rasteten 30 Minuten, auch ließ ich meinen photographischen Apparat hier zurück, ich wollte am Nachmittag bei gutem Licht das Verstanklahorn photographiren: Am Nachmittag aber regnete es und vergeblich hatte ich den Apparat bis hierher geschleppt. Am 28. August war ich dann glück- licher, es gelang mir eine Aufnahme und diese zeigt das Titelbild dieses Buches.

Von unserem Rastplatze wandten wir uns nach links, erstiegen eine Moräne, überquerten den Gletscher und standen 7 Uhr 45 Minuten am Fuße des steilen Eisfeldes, das Verstanklahorn und Schwarzkopf trennt. Dieses Eisfeld wird in seiner ganzen Breite von einer Spalte durchzogen, deren Ueberschreitung den vorhergehenden Besteigungen ernstliche Schwierigkeiten geboten hatte. Wir fanden eine gute Brücke, Guler schwang sich mit seinem Pickel auf den oberen Rand und ich folgte nach. Der Schnee war vortrefflich, wir legten, obwohl die Steigung eine beträchtliche ist, kein Seil an, es ging hinauf wie auf einer Treppe. Wo sich unterhalb einer Felswand das erste Schneeband links hinzieht, betraten wir den Fels. Feste gute Griffe sind fast überall vorhanden, aber dennoch ist das Klettern unangenehm, weil eine eigenthümlich bucklige Felsformation vorherrscht. An einer Stelle fanden wir dünne Eisauflagerung, doch mit Steigeisen, die ich bei dieser Tour zum ersten Mal trug, kam ich über Alles glatt und schnell hinweg.Diese Kletterei währte 30 Minuten, dann kamen wir wieder auf das Eisfeld, dasselbe ist hier, in seinem oberen linken Theile, noch steiler, wohl 50-55°. Auf dem Bild kommen an dieser Stelle Felsen zu Tage, wo wir vier Wochen früher über Schnee hinaufstiegen. 9 Uhr 35 Minuten waren wir auf den Felsen oberhalb des Eisfeldes und gönnten uns 20 Minuten Rast. Die Steigeisen wurden abgelegt und dem Proviant und Veltliner wacker zugesprochen. Bis hieher war mir die Besteigung entschieden nicht schwierig vorgekommen, wir hatten auf dem Eis aber auch fast durchgehends guten Schnee angetroffen, nur am Ende mußte Guler einige Stufen in blankes Eis hauen. Von unserem Rastplatz, den wir 9 Uhr 55 Minuten verließen, geht es noch einige Zeit recht gut, dann wird es nothwendig, die Pickel zurückzulassen, die Schwierigkeiten häufen sich. An der Stelle, wo der Grat schon ziemlich hoch oben eine kleine Einbuchtung hat, wird er unbegehbar, er bildet eine durch einen Felsthurm gekrönte Steilstufe. Man muß die Wand von der vorderen Seite erklimmen, hier ist eine Kletterpartie, die bis jetzt Alle, die sie gemacht haben, vollkommen befriedigt hat. Mit dem linken Fuße hat man nothdürftig auf einer Spitze Halt, oberhalb ist eine glatte Platte ohne Griffe, die sich nach links. abrundet, nach dieser Seite muß man hinüber und zu gleicher Zeit auch etwas hinauf, weil dort allein ein weiteres Fortkommen möglich ist. Jeder Muskel und jede Sehne ist dabei gespannt, denn vom Führer mich am Seil hinaufziehen lassen ist nicht mein Geschmack, obgleich ich eingestehen will, daß ich diese Stelle nie überwinden würde, ohne durch das gespannte Seil unterstützt zu sein. Man erreicht den Grat wieder am Fuß des Thurmes, aber er ist so schmal, daß man sich jedes Hochmuths begeben und rittlings passiren muß. Jetzt ist man in der letzten Gratlücke vor dem Gipfel, wieder wird der Grat verlassen, und zwar über eine steile Platte auf fingerbreitem Gesimse, wo Guler, den gefrorenen Schnee mit den Händen wegkratzend, meinte: „ da ist es gar nicht schön !" Jenseits der Platte legten wir das Seil ab, auf diesem noch folgenden kurzen Weg bis zum Gipfel kann man etwas von den Strapazen ausruhen. Die schwierigste Kletterei unterhalb des letzten Felsthurmes, sowie die letzte Platte, ließe sich vermeiden durch das Traversiren eines Eiscouloirs, dasselbe ist aber sehr steil und Guler hat bis jetzt noch nie dort Schnee angetroffen, der einzig den Uebergang praktikabel machen würde. Zu Dreien ließe sich der Uebergang über das Eis doch wohl forciren, man müßte aber zuerst einen guten Stand für die finden, die den Stufenhauenden halten sollen, und das ist dort schwer. 11 Uhr 8 Minuten standen wir auf dem Gipfel, ich suchte mir ein sicheres Plätzchen, die Felsblöcke da oben sind fast alle wackelig und zwischen vielen sieht man hindurch in die Tiefe. Guler legte sich neben den Steinmann und alsbald ertönte ein Schnarchsolo, wie man es in dieser Höhe wohl selten schöner zu hören bekommt. Wie verschieden sind doch die Menschen! Die einen gehen auf die Berge, um oben gewesen zu sein, andere der Aussicht wegen, wieder andere, was ich bis dahin allerdings noch nicht gewußt hatte, um auf dem Gipfel ihr Mittagsschläfchen zu halten — chacun à son goût! Aber unter welche Kategorie soll ich mich denn zählen? Der Aussicht wegen gehe ich nicht auf das Verstanklahorn, ein Mittagsschläfchen wäre zu Hause wohl bequemer zu haben, also warum bin ich heute hier oben? Wahrscheinlich um sentimentalen Gedanken nachzugehen, daß ich Guler, einen Fa- milienvater, in Lebensgefahr bringe; wenigstens hat es den Anschein, denn heute will bei mir keine rechte Freude am Gesehenen und Vollbrachten, nicht jene Ruhe und Zufriedenheit aufkommen, die ich noch stets auf allen, besonders den schwieriger zu erreichenden Gipfeln empfunden habe, um deren willen ich auf die Berge steige. Mag auch in Folge der gestrigen Hüttenweihe und der darauf fast ganz durchwachten Nacht mir ein wenig der Katzenjammer die Augen verdüstern, so viel steht fest, allein, ohne den Mann, der da so ruhig schläft, käme ich nicht mit heiler Haut hinunter. Während ich so meinen Reflexionen nachhänge, schweift mein Blick über das riesige Gipfelmeer: da ist so mancher gute Bekannte, der freundlich herübergrüßt, aber auch noch so manche hehre Zinne, auf der ich noch gern einmal stehen würde.Vom Monte-Rosa und Ortler mit seinen sanft gewölbten, schönen Formen kehre ich zurück zu der nächsten Umgebung. Da unten ist der Silvrettagletscher; durch nichts aufgehalten senkt sich der Blick in die Tiefe, ein Paar Bergraben fliegen krächzend umher, von Montavon jagen Wolken heran, ein Gewitter scheint im Anzüge, wie schön ließe es sich da noch einige Zeit träumen! Doch wir müssen an den Abstieg denken, ich wecke Guler und verwundert schlägt er die Augen auf und glaubt nicht, daß er fast eine Stunde geschlafen hat. Ueber den Abstieg finde ich nichts in meinem Notizbuch, es heißt darin nur: Ab Gipfel 12 Uhr 15 Minuten, in Vereina Mitte 6 Uhr 30 Minuten. Diese Angaben bedürfen eines Kommentars. Die Kletterpartie bis in die Einsattlung zwischen Verstanklahorn und Schwarzkopf führten wir zwar langsam, aber ohne Zwischenfall aus. Guler sagte mir nachher, ich sei ganz gut geklettert. Sobald ich aber auf die Eiswand kam und der dünn aufliegende Schnee, ganz weich, meinen Steigeisen keinen Halt bot, da war es aus mit meiner Bergsteigerei, ich mußte meine ganze Energie zusammennehmen und es bedurfte der Versicherungen Gulers, daß er mich eventuell halten könne — obwohl es kaum möglich wäre — um mich zu bewegen, über das Eis hinabzusteigen. Auf den unteren Felsen ging ich so schlecht, daß ich mich selbst nicht wiedererkannte. Das war Guler doch zu arg und wir setzten uns, um etwas zu essen, schließlich trank ich noch ein Gläschen Cognac und nachher ging es, obwohl noch immer langsam und unsicher, doch viel besser über den letzten Schnee hinab zu der großen Spalte, ein Sprung über dieselbe und wir waren auf sicherem Boden. Es fing an zu regnen, als wir die Moräne abstiegen, stillschweigend und mißmuthig packte ich meinen photographischen Apparat auf den Rücken, Guler nahm die anderen Sachen, und als wir in die Vereinahütte traten, war ich so müde, daß ich Guler allein nach Klosters gehen ließ. In Gesellschaft von drei freundlichen Zürcher Herren verlebte ich beim Glase Glühwein noch einen gemüthlichen Abend.

Soll ich nun noch über die Verstanklatour einige Worte sagen, wie sie mir heute die ruhige üeber-legung eingibt, wo das Erlebte nicht mehr in so grellen Farben vor mir steht, so scheint es mir, als ob das Verstanklahorn selbst für gute Bergsteiger schwierig ist. Ich gehöre leider nicht zu den Glück- lichen, die jedes Jahr andere Gegenden der Alpen aufsuchen können, es ist mir in Folge dessen nicht möglich, das Verstanklahorn mit bekannteren Bergen wie Matterhorn oder Dent-Blanche zu vergleichen, ich kann nur, wie folgt, einen indirecten Schluß ziehen. Frau Dr. Tauscher sagt in dem bereits citirten Aufsatz, daß sie der Litzner gelehrt habe, es gebe Unternehmungen in den Alpen, denen sie nicht gewachsen sei, also ist doch wohl anzunehmen, daß eben der Litzner schwieriger ist, als die Berge, die sie bestiegen hat, und dazu gehören ja die Riesen des Wallis und des Berner Oberlandes. Ich gehe nun entschieden lieber auf den Groß-Litzner als auf das Verstanklahorn!

„ Eines schickt sich nicht für Alle, Jeder sehe, wie er 's treibe, Jeder sehe, wo er Weibe, Und wer steht, daß er nicht falle. "

Das ist meine Meinung über das Verstanklahorn.

Wenn ich den Gipfel mit einem guten Bergsteiger zusammen zu besteigen Gelegenheit bekommen sollte, so werde ich nochmals hinaufgehen, der Berg hat mich nämlich nachträglich noch bezaubert. Ich war gegen Abend nach Vereina gekommen, die Dämmerung hatte bereits angefangen, in den dunkeln Schatten der Bergföhren spielten neckische Kobolde, der Bach schien die feierliche Stille nicht stören zu wollen und plätscherte leiser, Friede lag über der ganzen Landschaft, hinten im Vernelathal strahlte das Verstanklahorn in blendender Gluth, der Dürrberg und das finstere Unghürhorn bildeten den Rahmen zu einem Bild, dessen Schönheit für einige Zeit Alles vergessen macht, das aber nur der ganz verstehen und schätzen kann, der ein offenes Auge hat für die Schönheit der Berge und ein offenes Herz für die Stimme der Natur, die wohl nirgends so deutlich und vernehmlich klingt, wie im Hochgebirge.

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