Ausgeschieden in der Abgeschiedenheit?

Wohin mit unseren Ausscheidungen? Zu Hause ist alles klar: Wir drücken den Spülknopf, und weg sind sie. Kanalisation und Kläranlage übernehmen den Rest. In der Abgeschiedenheit der Bergwelt hingegen ist der Umgang mit unseren Ausscheidungen komplexer. Zwar funktioniert es manchmal (noch) mit einem Plumpsklo, aber mit der Zahl der Leute in den Bergen steigen auch die Anforderungen an die Abwasserreinigung in den Hütten. Einfach die Klärtechnologie aus dem Tal in die Berge zu versetzen, geht nicht: Grosse Temperatur­unter­schiede, wenig Wasser und Strom, enorme Schwankungen des Abwasseranfalls im Tages-, ­Wochen- und Saisonverlauf und ein erschwerter Zugang für Installation und Wartung gehören zu einer typischen Hütte.

Gefragt sind also einfache und robuste, aber dennoch effiziente Systeme. Wie dies aussehen kann, zeigt die Claridenhütte (S. 38). Die Lösungsansätze sind aber so vielseitig wie die Problemstellung. Natürlich gilt es auch, das Augenmass zu wahren, damit der Aufwand fürs stille Örtchen nicht die Berggipfel übersteigt. Dabei übernimmt der SAC eine Schlüsselrolle und bietet mit seiner Abwasserstrategie eine landesweit einheitliche Beurteilung. Keine einfache Aufgabe in Anbetracht der vielfältigen kantonalen Anforderungen und des unübersichtlichen Marktes mit zahlreichen Klärsystemen, die nicht immer das reine Wasser liefern, das sie ver­sprechen. Doch stimuliert die extreme Umgebung einer Hütte auch die Entwicklung neuer Lösungsansätze: Systeme, die heute für die Nische «Hütte» entwickelt werden, finden vielleicht schon morgen auch im besiedelten Gebiet ihre Anwendung. In jeder grösseren Stadt entstehen zurzeit Projekte, in denen alternative Abwassersysteme ausgelotet werden. In den kommenden Jahren ist viel Neues zu erwarten. Der SAC nimmt hier eine Pionierrolle ein.

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