Begegnung mit Patrick Berhault

Am 21. April dieses Jahres fuhren wir mit den Tourenski vom Col Durand zur Schönbielhütte bei Zermatt, hatten dabei eine 70 m hohe, sehr steile Wand mit Steigeisen und Pickel überwunden und sassen mit stolzer Zufriedenheit in der späten Nachmittagssonne, als zwei Franzosen zur Hütte stiessen. Tiefbraun gebrannt, mit kleinem Rucksack und ohne den üblichen Anseilgurt zogen sie unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wer waren diese gut aussehenden Bergsportler, scheinbar gewohnt, dass sie von anderen

DIE ALPEN 9/2004

beachtet wurden? Als wir eine Woche später vom Unglück am Täschhorn aus der Zeitung vernahmen, erkannten wir auf dem Foto den rätselhaften Hüttenkameraden: Patrick Berhault. Wir hatten am Nachbartisch dieses berühmten Bergsteigers das Nachtessen eingenommen und im selben Raum geschlafen. Dass die beiden nicht angeseilt die höchsten Berge erklommen, deckte sich mit unserer Wahrnehmung von ihrer bescheidenen Ausrüstung. Der Tod dieses Alpinisten beschäftigte mich. War es das Aussergewöhnliche des Unternehmens, die 82 Viertausender der Alpen in 82 Tagen zu besteigen, das bei den beiden spürbar gewesen war? Patrick Berhault soll ein vorsichtiger und freundlicher Mensch gewesen sein. Für dieses Unternehmen hätte er wieder mit einer höchsten Auszeichnung rechnen können. Wegen eines Fehltritts nach ihrem 67. Gipfel endete es für ihn jedoch mit dem Tod. a

Roland Hürlimann, Zürich

Feedback