Bergfahrt

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Max Oechslin.

Nun liegt das Land in warmer Sonnenglut,

Die Täler eingetaucht im Dunst des Tages,

Und über ihnen klar und gross der Berg.

Ich steige langsam meinen Weg hinauf

Durch Wald und Wiesen und durch Weid' und Alp

Und durchs Geröll zuletzt und durch den Fels,

Bis dass ich stehe auf der hohen Warte,

Wo schon der Firn in sanfter Mulde ruht,

Aus der ein Eisstrom kriecht ins weite Tal.

Was ist es nur, das mich gefangen hält In dieser stillen, menschenleeren Welt? Und immer wieder fordert, dass aus tiefem Tal Ich Aufstieg halte zu dem Felsenmal?

Ich lausche schweigend diesem einen Raunen, Das von den Wasserfällen und den Bächen kommt Und dieses sonderbare Lied erzählt, Das schon durch Ewigkeiten rastlos sang Und davon spricht, wie Tal um Tal Ward ausgeschliffen aus dem Fels'und Land Und mit dem Tieferwerden jeden Laufs Daneben wuchs des Berges Grosse.

Ich lausche still hinaus und seh'die Weite, Die sich ausdehnet in der lichten Runde Bis dorthin, wo der Saum der Erde Im Horizont den blauen Himmel fasst, Bis dorthin, wo der Himmel niedersteigt, Um mit der Erde zu vereinen sich.

Der Berg ist gross. Das Tal ist unter mir. Ich fühle meinen Gott mir nähertreten. Und alle Stille wird zur Predigt mir. Und ich verspüre, wie dem Berg entströmt Die eine Kraft hinein in alle meine Adern.

Und steig'ich wieder nieder von den Zinnen, Dann trag'ich mit ein Leuchten dieser Welt Hinab ins Tal zu frohem Tagbeginnen!

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