Berglieder: Der Berg, Alpquell, Gipfellust

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

VON FELIX MOESCHLIN

Der Berg

Du stehst und stösst dein Haupt durch Wolken, die ihre Arme um dich legen wie Liebende.

Du schweigst, du Mächtiger, wo doch die kleinste Mücke summt und auch der Halm noch wispert.

Doch zeugt der Stein, der fällt und von der Ebene gefangen wird, von deinem Leiden.

Und zeugt der Quell, der aus dir schnellt, von deinem Sammeln, das nimmermüde wird, für uns, du Heiliger!

Alpquell

Rings recken finster Felsen Zackenzähne, doch freundlich plätscherst du, geliebteste Fontäne.

Von einem grossen Stein bedrückt, beklemmt, hast du dich mutig doch ans Licht gestemmt und springst in frohem Bogenüberschwall aus dunklem Schoss ins helle AU.

Andächtig knie ich auf den heiigen Grund und beug das Haupt und neig den Mund und denke zaudernd noch im durst'gen Schlürfen:

Ob meine Lippen dich berühren dürfen?

11 Die Alpen - 1962 - Les Alpes

Gipfellust

Alle Wälder, alle Seen, müssen mir zu Füssen stehen, alle Bäche, alle Quellen, unter mir zur Tiefe schnellen.

Über euch, ihr Silhouetten stolzer Berge, Bergesketten. Wolken, die im Himmel schweifen, kann ich mit den Händen greifen.

Jauchzen muss ich, weil ich lebe, und mir ist, ich fliege, schwebe, selber wie ein Wölkchen weiter, sommerwarm und sonnenheiter.

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