D. A. Ludwig: Der Prättigauer Freiheitskampf

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Die lesenswerte Schrift des Schierser Pfarrers erzählt in der Vorgeschichte schlicht und recht: 1. Wie und inwieweit das Prättigau unter Österreich kam; 2. Wie das Prättigauer Volk reformiert wurde; 3. Das Verhältnis zur schweizerischen Eidgenossenschaft und die allgemeine Lage in Graubünden um 1620. Diese Abschnitte wie der Hauptteil, welcher die Kämpfe und Leiden der Jahre 1621 und 1622 darstellt, sind allgemein historisch gehalten und bieten für die alpine Forschung, welcher dieses Jahrbuch zu dienen hat, nur gelegentlich Interessantes. Immerhin wird es die Clubgenossen freuen, aus berufener Feder einen so guten Abriß einer interessanten Episode aus der Heimatgeschichte einer unserer Bergsektionen zu lesen. Meinerseits will ich aus den verschiedenen Abschnitten einiges ausziehen, was von alpiner Art darin vorkommt. In Abschnitt 1 wird aus dem Zeugnis des uns wohlbekannten Campell die Tatsache hervorgehoben, daß um 1550, wro Campell für kurze Zeit Pfarrer in Klosters war, die Prättigauer erst seit hundert Jahren etwa Deutsch sprachen, und zwar Walliser Deutsch, das sie von den Davosern gelernt hatten. In einer Anmerkung betont Herr Ludwig, daß die nahe Verwandtschaft in der Sprache der Innerprättigauer mit den Dialekten der Oberwalliser und Haslitaler noch heute ganz deutlich erkennbar sei. Aus dem Schwabenkriege wird erwähnt, daß kurz vor dem Friedensschluß die Rede davon gewesen sei, von Österreich her an drei Orten zugleich, über Sardaska, Schlappin und in besonders großer Zahl über Seewis, hereinzubrechen, daß aber aus dem Plane nichts geworden sei. Im zweiten Abschnitt begegnen uns die um die Landesgeschichte und Topographie von Bünden verdienten Pfarrer Fabricius und Campell, die vorübergehend im Prättigau amteten. Ergötzlich ist die aus Sererhard genommene Notiz, daß beim Bildersturm in der Reformationszeit ein in ungeheurer Größe in Ölfarbe außen am Kirchturm von Küblis aufgemalter heiliger Christoph geschont und damit eine Ursache geworden sei, daß die Österreicher unter dem Grafen Sulz 1622 diese Kirche nicht zerstört hätten. Ebenfalls sehr lustig ist pag. 37 die Anekdote von dem milch-naschenden Pferde des heiligen Georg an einer Seewiserkirche. Im Hauptteil wird über eine Reihe von Kriegszügen berichtet, welche über die das Prättigau vom Montafun trennenden Bergkämme die Parteien hin und her ausführten. So brachen am 27. Oktober 1621, noch während der Verhandlungen zu Imst bei Innsbruck, die Österreicher über das Schlappinerjoch ins Prättigau ein und konnten erst in Klosters von den Bündnern, unter denen sich vier Sprecher, Georg Jenatsch und Meinrad Buoi auszeichneten, zurückgeschlagen werden. Dies vergalten die Bündner 1622, indem sie nach der Kapitulation Baldirons am 8. Juli in drei Kolonnen, die Schierser über den Furkaberg-Drusentor, die Klosterser über das Schlappinerjoch, der Oberanführer R. v. Salis mit zehn Kompagnien und den Castelsern durch das St. Antöniertal und tiber den Gafiapaß ins Montafun einfielen. Am 12. Juli verließ R. v. Salis das Feindesland, um auf einen andern, bedrohten Punkt zu eilen, und marschierte an diesem Tage von St. Gallenkirch über das Schlappinerjoch und Klosters bis nach Davos, gewiß eine flotte Leistung. Aber die Österreicher kamen wieder ins Land, trotzdem die ehemalige Besatzung von Chur und die Montafuner dies abgeschworen hatten, und im Monat August fanden eine Menge gegenseitiger Raubzüge statt, bei welchen Vieh weggetrieben, die Hirten gefangen fortgeführt oder erschlagen wurden u. s. w. Die Seewiseralpen, die Maienfelderalp Jeß, die Kübliseralp Schlappina, die Schierseralp Drusen waren die Schauplätze dieser Untaten der Österreicher, während die Maienfelder und die Seewiser diese Raubzüge mit ähnlichem vergalten. Am Gafiapaß konnte von den wachsamen St. Antöniern ein Einfall abgewehrt werden, während dem Feind ein solcher über die Sporenfurka ( Drusentor ) gelang. Auch später während des Verzweiflungskampfes bei Saas versuchten die Österreicher mit einigem Erfolg, vom Lünersee aus auf Schiersergebiet und über das St. Antönierjoch nach Gargellen vorzudringen, und noch während des Waffenstillstandes, der auf die Saaser-schlacht folgte, geschahen solche Rachezüge nach St. Antönien und bis nach Schuders und Jenaz hinunter. Ich habe diese Dinge weitläufiger behandelt, weil sie alpin-topographisch interessant sind; in dem Buche von Pfarrer Ludwig spielen sie zum Glück nicht die Hauptrolle. Dasselbe erzählt nicht nur die wiederholte Unterjochung des Prättigaus, sondern auch seine endliche Befreiung und Ablösung von Österreich, so daß der Leser am Schlüsse zu seiner Genugtuung erfährt, daß es dem braven Völklein gelang, durch alle Anfechtungen und Prüfungen hindurch seine Eigenart und seinen Glauben zu retten. Ich empfehle das Buch denen zur Lektüre, die von den besuchten Alpengegenden gern mehr als das Touristische wissen wollen.Redaktion.

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