Das Medelser Gebirg

( Excursionsgebiet Medel- Grallinari© )

und die darin im Sommer 1865 ausgeführten

Excursionen.

Von Prof. G. Theobald.

W er auf der Reise durch das Bündner Oberland irgend einen freien Aussichtspunkt in der Umgebung des altehrwürdigen Disentis betritt, dem werden auf der rechten Seite des Vorderrheins, gerade in dem Winkel, wo sich der Mittelrhein mit ihm vereinigt, mächtige Gletscher auffallen, welche die Nordseite eines massigen Gebirgsstockes bis zu den hohen Gräten bedecken und sich weit herab in die Thaleinschnitte senken, wo sie theils als steile Eiswände auf Felsstufen abbrechen, theils sich lang und zungenförmig hinab- ziehen. Es ist dies das Medelser Gebirg, ein bisher in seinem Innern wenig bekanntes Alpengebiet, zu dessen Kenntnis » die Thätigkeit des Alpenclubs im letzten Sommer sehr werthvolle Beiträge geliefert hat.

Wollen wir diese Gebirgsmasse in orographischer und geologischer Beziehung richtig kennen und ihren Felsbati Theobald.

verstehen lernen, so müssen wir über die Grenzen des hohen Centralstockes hinausgehen, und so begreifen wir unter dem Namen Medelser Gebirg alles, was zwischen Vorderrhein, Mittelrhein, Lukmanierpass, Breno, Val Camadra, Greina und Val Sumvix liegt; man könnte sogar noch die zwischen Greina, Val Luzzone und Vrin hinstreichenden Berge dazu ziehen, welche ein Mittelglied zwischen unserem Gebirg und der Adulamasse bilden und beide verbinden. Trotz seiner grossartigen Verhältnisse ist aber das Medelser Gebirg doch nur Theil einer grösseren Centralmasse, nämlich der des St Gotthard.

Um Wiederholungen zu vermeiden, fassen wir die orographischen und geologischen Verhältnisse zusammen.

Das Medelser Gebirg besteht aus einer Anzahl in der Richtung von West-Ost und Südwest-Nordost streichender Bergreihen, womit auch im Allgemeinen das Streichen der Schichten übereinstimmt, während das Fallen auf der Nordseite südlich, in der Mitte senkrecht, auf der Südseite nördlich ist, wobei sich aber eine Anzahl Zwischenbiegungen entwickeln, welche dadurch entstehen, dass neuere Formationen in die älteren muldenförmig eingelagert sind.

1. Die nördliche Vorkette erhebt sich aus dem Rheinthal von Disentis in Form einer bewaldeten, von Felswänden unterbrochenen Halde, welche ihren höchsten Punkt in dem Garverafelsen erreicht, 2371 M. Sie senkt sich westlich zum Eingang des Medelser,Thales, wo der Mittelrhein über eine steile Thalstufe fällt. Diese Abhänge bestehen zu un- terst aus Talkschiefer, auf welchem gelbe Rauhwacken und Kalk liegen, welche die Triasbildungen repräsentiren, dann folgt schwarzer Schiefer, welcher zum Lias zu ziehen ist, hierauf ist an einigen Stellen noch einmal Kalk angedeutet, dann folgt wieder Talk und Glimmerschiefer, Glimmergneiss und sonst gewöhnlicher Gneiss.

Aus solchem Glimmer* schiefer und Glimmergneiss ist auch der Piz Muraun ( 2899 M. ) gebildet, welcher zu dem Querjoch gehört, das die Vorketten mit dem Hauptgebirge verbindet und die Wasserscheide zwischen dem Sumvixer und Medelser Thale ist. Das Alpenthal Soliva, so wie ein entsprechendes vom Tenniger Bad westlich laufendes Thälchen, trennt diese Vorkette von den inneren höheren Gebirgen.

2. Die Lavazkette. Sie wird durch die Thäler Lavaz und Plattas von der Hauptkette getrennt und besteht ziemlich durchweg aus Gneiss mit steilem südlichem Fallen. Als Vorberg gehört dazu schon der Piz Muraun, der durch seine leichte Zugänglichkeit und schöne Aussicht schon lange bekannt ist. Die hauptsächlichsten Höhenpunkte sind Piz Catschleglia ( Lavaz ) 2937 M., Cazirauns ( Valesa ) 2929 und Sentori 2952. Diese Kette trägt schon einige Gletscher; in steilen Abhängen fällt sie gegen Val Plattas, wo in einem grünen Thalkessel die als Clubhütte benutzte Alphütte Sura oder Plattas steht, langsamer senkt sie sich dem Sumvixer Thale zu. Das Querjoch Furka Lavaz, 2509 M., verbindet sie mit der Hauptkette.

3. Die Hauptkette. Diese ist das eigentliche Excursionsgebiet und dehnt sich zwischen den letztgenannten Thälern, Medels, Cristallina, Ufiern, Greina und Sumvix aus; einige stark vorgeschobene Vorberge, wie z.B. der Rücken Crap Stagias, schieben sich gegen Medels vor. Das Ganze ist eigentlich weniger eine Kette, als ein gewaltiger, massiger Gebirgsstock, in welchen nur kurze Thaleinschnitte eingreifen und der nach allen Seiten steile Abhänge hat. Auf der Höhe lässt sich ein SW — NO. in allerlei Zickzackbiegungen streichender Hauptgrat verfolgen, über dem die höchsten Kuppen, welche fast alle 3000 M. übersteigen, nur wenig hervorragen und dessen Einsenklingen daher auch nicht gerade tief sind.

Nach Norden entwickelt sich ein nach eben dieser Himmelsgegend geneigtes Gletscher- und Firnplateau auf dem Medelser Gletscher, welches durch eigenthümliche lange Felsrippen in kleinere Gletscher getheilt ist, die sich abwärts steiler senken. Zerrissener und schroffer fällt der Gletscherpanzer des Gebirges gegen Val Lavaz ab, ebenfalls durch die dieser Gruppe charakteristischen Felsgräte in der Richtung von S — N. durchzogen. Kürzer und gleichfalls sehr steil ist der Abfall vom Grate aus gegen Ufiern und Greina, obgleich weniger hoch wegen der grossen relativen Höhe dieser Thäler. Auch die Gletscher-strecken Ufiern und Gaglianera sind von weit geringerer Breite, als die nördlich vom Grate gelegenen.

Auf diesem Grate liegen die höchsten Punkte und sind nicht, wie man wohl anderweit, z.B. in der Silvretta, findet, seitlich gerückt. Nur da, wo der Quergrat, der vom Piz Muraun zur Garina streichend den Hauptgrat schneidet, behauptet sich der Fillong auf 3082 M., und das ist gewiss nicht zufällig, denn in dieser Kreuzung liegt auch die höchste Erhebung des Hauptgrates selbst, Piz Medel oder Cima Camadra, 3203 M., so wie die noch unbenannten Spitzen 3136, 3175. Nordwestlich vom Piz Medel liegt mitten in dem Eismeere der einsame Felsen Rifugi Camotsch und der scharfkantige Grat Mièz Glitsche, der den Plattasgletscher von dem Gletscherarm Davos Buora scheidet. Dieser letztere ist wichtig, weil man auf seiner Nordseite durch den Pass Fuorcla Buora, 2235 M., am leichtesten auf den Gletseher und überhaupt in 's Innere des Gebirges gelangt. Westlich liegt, durch eine ähnliche Felsenrippe, die vom Piz Oistallina, 3128 M. ( Puzzeta ), ausläuft, von Buora getrennt, der Gletscher las Crunnas.

Medelser Gebirg.

Oestlich vom Piz Cristallina liegt die Einsenkung Furea sitra und jenseits derselben die Spitze 3153 M. An diesen Stellen ist der Ufierngletscher gangbar und der Grat kann hier erstiegen werden.

Länger dehnt sich dieser östlich vom Piz Medel und hier liegen die Spitzen 3015, 3099, Gaglianera 3122, 3166, 2989. Diese Gegend ist, so viel bekannt, im letzten Sommer nicht besucht worden. In steilen Felsköpfen bricht endlich das Gebirg gegen das Sumvixer Thal und den Greinapass ab.

Der geologische Bau der Gruppe ist höchst einfach. Sie besteht aus Granitgneiss mit grossen Feldspathkrystallen, der in dicken massigen Bänken senkrecht steht oder schwach M; oder S. geneigt ist. An vielen Stellen wird diese Felsart so massig, dass man sie füglich als Granit betrachten kann. Hie und da liegt gewöhnlicher Gneiss dazwischen. Das Streichen bleibt SW — NO.; auf der vermuthliehen Kreuzungsstelle scheinen am Piz Medel einige Störungen eingetreten zu sein. Felsart, Streichen und Fallen setzt sich westlich über das Medelser Thal nach dem St. Gotthard fort, dessen Fächerstellung auch unserem Gebirge eigen ist, östlich überspringen sie Val Sumvix und keilen sich hinter dem Piz Miezdi aus, wo der schon aus Schiefer bestehende Piz Mundaun das letzte Ende des vom St. Gotthard abhängigen Gebirges ist.

4. Die Scopikette.Von Perdatsch aus dringt in südöstlicher Richtung die lange Val Cristallina mit ihrer Fortsetzung Ufiern tief in die Gebirgsmassen und trennt davon die Scopikette, welche gleichwohl durch das Joch Passo d' Ufiern damit zusammenhängt. Die Kette, welche ansehnliche Gletscher besitzt, fängt bei Perdatsch an und erhebt sich staffelartig in südlicher Richtung zu der schönen Pyramide des Scopi, 3200 M., die in so kühnen Verhältnissen über St. Maria und den Lukmanier aufsteigt.

Auf der Seite von Cristallina bestehen die Felsen noch aus den Gesteinen der Hauptkette, Granit undGranitgneiss, dann folgt gewöhnlicher flaseriger Glimmergneiss, Talkschiefer, ein schmaler Kalkstreif, der sich an mehreren Stellen auskeilt, endlich besteht der Gipfel desScopi aus demselben schwarzen Schiefer, den wir bei Curaglia und Garvera fanden. Zwar ist er theilweise in Glimmerschiefer umgewandelt und enthältGrana-ten, zugleich aber finden sich in ihm Belemniten, die ihn als Lias kennzeichnen — ein höchst merkwürdiges Beispiel von Metamorphismus. Dieser Schiefer ist auf die merkwürdigste Weise verbogen und verkrümmt; er bildet eine mächtige Mulde im Gneiss u. s. w. Unter ihm liegt auf dem Lukmanierpass Kalk, Rauhwacke und Gyps, welche am südlichen Fuss der Kette ostwärts streichen, und durch Val Camadra unterbrochen, sich auf dem Greinapass fortsetzen, dann folgt wieder im Brenothal abwärts ein Gneissrücken, welcher östlich und westlich ausstreicht, hierauf noch einmal Kalk und Rauhwacke ( Trias ), endlich Thonschiefer und Glimmerschiefer, welche fortsetzen bis nach Olivone. Das Fallen ist in der ganzen Kette N. Von der Scopispitze aus wendet sich die Kette östlich und läuft viel niedriger über Bianca, 2894 M., Piz Casaccia, 2660 M., den Pass Retico, wo der einsame Reticosee, 2390 M., liegt, Piz Berneggio, 2783, und Garina, 2826 M. Hier wird sie durch das tief eingerissene Camadrathal unterbrochen, setzt sich aber jenseits in den Marumo und Coroi fort und schliesst mit der schlanken Pyramide des Terri, 3151 M.

Die geologischen Verhältnisse bleiben vom Scopi bis zur Garina nahezu dieselben und wiederholen sich in der Kette Coroi und Terri, welche aus Scopischiefer besteht. Dieser Schiefer setzt dann noch Lugnez fort und bildet die sedimen- täre Zwischenmulde zwischen dem Medelser und Adtila-gebirge.

In dem Hochthal Greina aber setzt sich der Triaskalk fort, den wir am Südfusse des Scopi fanden, besonders ist die Rauhwacke stark entwickelt. Nördlich davon erhebt sich in steilen Felswänden der Gneiss und Granit des Gaglianera, doch nicht ohne Zwischenlage von gewöhnlichem Gneiss und Talkschiefer. Das Streichen ist fortwährend W—0. ( SW. NO. ), das Fallen N. Westlich setzen die Kalke und Schiefer des Scopi nach Airolo und Nufenen fort und scheiden die Gotthardmasse von dem Tessiner Gneissgebirge.

5. Die südliche Vorkette. Sie ist kurz, wenig hoch und besteht nur aus dem Bergrücken la Costa, 2510, 2101 M.r der zwischen Val di Campo und Olivone liegt. Diese Berge bestehen aus grauem Schiefer und Glimmerschiefer, die noch nicht genügend untersucht sind, jedoch denen des Scopi sehr gleichen.. Abwärts gehen sie in Glimmerschiefer über. Sie streichen WO. und fallen IST.

Aus Vorstehendem ergiebt sich, dass unser Gebirge ausgezeichnet symmetrisch gebaut ist und dass es eine eben so ausgezeichnete Fächerstructur besitzt wie der St. Gotthard, dessen östliche Fortsetzung es ist. Es ergiebt sich aber auch, dasg eben diese Symmetrie in anscheinend so ungefügigen Massen nur durch Einsicht in die geologischen Verhältnisse, in deren Detail hier leider nicht eingegangen werden konnte, zur klaren Anschauung gelangen mag.

Wenn der Raum es erlaubte, würde hier ein Verzeich* niss der in unserem Gebiete vorkommenden seltneren Mineralien am Platze sein. Wir müssen uns darauf beschränken zu sagen, dass Medels und Val Oistallina von lange her als Fundorte ausgezeichneter Bergkrystalle, so wie verschiedener anderer mineralogischer Seltenheiten berühmt sind, dass.

aber bei genauerer Untersuchung des Centralstockes sich wahrscheinlich noch viele neue Fundorte herausstellen werden.

Die Flora ist noch nicht genügend beobachtet, indem sich deren Untersuchung meist nur auf Medels, Lukmanier und Val Cristallina beschränkt. Aus diesen Gegenden hat man einige ältere Angaben; genauer scheint Hr.Dr. Brügger die Gegend untersucht zu haben. Was meine eigenen Beobachtungen betrifft, so beschränken sie sich auf die Zeit, welche mir bei den geologischen Untersuchungen übrig blieb, und das war eben nicht viel. Man findet im Allgemeinen viel schöne Alpenpflanzen und es ist schon der Mühe werth, dass ein Botaniker sich speciell mit dieser Gegend beschäftige. Diese Sachen gehören meist der Kieselflora an, welche man auf Granit und Gneiss zu finden gewohnt ist, auf dem Kalk am Lukmanier und der Greina hat man das andere Extrem, nämlich eine sehr charakteristische Kalkflora und gemischte Vegetationsverhältnisse auf dem Scopischiefer. Der Wald geht in Medels bis Val Cristallina und weiter hinauf, in deren Eingang noch schöne Tannen stehen, in Sumvix ungefähr eben so hoch, höher auf der Südseite. Die Legföhre findet man fast bis zur Passhöhe, die Arve auf der Südseite bis 1949, auf der Nordseite etwa 1900 M., die Lärche N. 1884, S. 2014 M., die Rothtanne N. 1850 M., Ahorn blos am Eingang des Thales, die Birke bis weit hinauf. Kirschbäume bis 1331 M. Gerste, Roggen, Kartoffeln auf der Nordseite bis 1624 M., auf der Südseite natürlich höher. Diese günstigen Vegetationsverhältnisse haben, wie bei den meisten Bündner Pässen, ihren Grund in günstiger Exposition u. s. w., die man seit einiger Zeit von manchen Seiten aus verschiedenen Gründen leugnet, aber nicht aus dem Reiche der Wirklichkeit beseitigen wird. Die Alpenweiden sind gut, aber nicht so sorgfältig behandelt,, als sie sein sollten.

Zu einem Pflanzenverzeichniss fehlt uns der Raum. Für die, welche gern ein Andenken mitnehmen, bemerken wir: Alnus Brembana, eine kleinblättrige Varietät von A. viridis bei Mompé Medels; Gentiana purpurea, nebst fast allen anderen Arten dieser schönen Pflanzengattung in Medels; Linnaea borealis im Wald am Eingang von Cristallina; Ramm culus glacialis, Aretia glacialis, Geum reptans und andere Gletscherpflanzen überall auf den Moränen und sonst in der Umgebung der Gletscher.

Noch viel dürftiger sind die zoologischen Verhältnisse bekannt. Dass es noch Murmelthiere und Gemsen giebt, letztere sogar noch zahlreich sind, lässt sich aus der Natur des Terrains schliessen. Bären kommen zuweilen noch vor, dagegen scheint der. früher häufige Luchs jetzt ausgerottet zu sein; Alpenhasen sind nicht selten; oft sieht man Spuren von Schneemäusen, ( Hypudaeus nivalis ). Von Vögeln sind bemerkenswerth: Adler ( A. fulva ), Lämmergeier ( Gypaetos barbatus, jetzt immer seltener ), die verschiedenen Arten von Waldhühnern, die man in den Alpen findet, Mauerläufer ( Tichodroma phoenicoptera ), der Flühvogel, welcher mit seinem schönen Gesang die Bergwüsten hie und da belebt etc. Die Bäche enthalten Forellen und Groppen. Von Amphibien ist nichts Specielles bekannt. Ganz ununtersücht ist die kleine Thierwelt der Insecten u. s. w., obgleich dieselbe bei der sehr verschiedenen Bodenlage und den Vege-tationsverhältnissen jedenfalls reiche Ausbeute geben müsste.

Aeltere Excursionen und Untersuchungen.

Einzelne Theile unserer Gebirgsgruppe sind gut untersucht, während andere ganz vernachlässigt sind und noch Theobald.

andere einer Revision bedürfen. Namentlich ist der eigentliche Centralstock erst in neuester Zeit besucht worden, was sich bei den geologischen Untersuchungen daraus erklärt, dass sein Bau sehr einfach und auch ohne Ersteigung von den Grenzen aus leicht zu bestimmen ist, auch das Medelser und Sumvixer Thal gute Durchschnitte liefern.

Die ältesten Nachrichten von Erforschungsreisen haben wir von Pater Placidus a Spescha, der schon als junger Mann eine seiner ersten Excursionen nach dem Piz Puzzeta unternahm. Es ist dies das westliche Horn des Piz Cristallina, das auf den Karten mit letzterem Namen bezeichnet ist. Spescha scheint nachher nicht wieder dorthin gekommen zu sein ( S. Theobald, Bündner Oberland ) und es ist auch keine spätere Ersteigung irgend eines Gipfels der Centralgruppe aus älteren Zeiten bekannt.

Der Scopi wurde auch von Spescha zum erstenmale er- stiegen. Die Beschreibung findet sich in seinen Manuscripten. Seitdem wurde dieser prachtvolle Aussichtspunkt oft besucht, namentlich ist er durch die Herren B. Studer und Escher als wichtiger geologischer Ausgangspunkt bekannt geworden. Von beiden Letztgenannten, welche das Gebiet bereist haben, hat man gute geologische Angaben und von Herrn Escher eine Beschreibung des Lukmanierpasses. Dieser letztere so wie Val Cristallina,Val Camadra, Greina, und Sumvix wurde zum Zweck der Eisenbahnprojecte vielfach von Ingenieuren begangen.

Ich selbst habe diese Gegenden einigemal, jedoch immer nur auf kurze Zeit besucht, den Scopi, Piz Muraun u. s. w. erstiegen, aber keinen der Centralgipfel. Dasselbe that G. v. Rath 1862 und man hat von demselben einen sehr schätzenswerthen Aufsatz über das Bündner Oberland in der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft.

Medelser Gebirg.

Excursionen im Sommer 1865.

Auf der Generalversammlung des Alpenclubs zu Basel wurde neben dem Silvrettagebiet auch das Medelser Gebirg officiell zum Excursionsgebiet bestimmt; doch hat sich ihm die Mehrzahl unserer Clubgenossen nicht zugewandt, da die Silvretta mehr anzog und auch wohl weil das Wetter im Allgemeinen nicht günstig war. Als Vorbereitung wurde zunächst durch den Herrn Präsidenten, Forstinsp. Coaz, mit den Mitgliedern zu Disentis Rücksprache genommen, welche sich sehr thätig erwiesen und namentlich für geeignete zuverlässige Führer sorgten. Mit diesen wurden die Taxen geregelt und sonst alles Nöthige angeordnet, was zur Erleichterung der Excursionen dienen konnte. Da die Kosten einer eigenen Clubhütte wegen des schwierigen Transports von Baumaterialien u. s. w. zu hoch angelaufen sein würden, so wurde die Hütte von Alp Sura ( Plattas ) im Hintergrunde des Val Plattas dicht vor dem Medelser Gletscher zu einer solchen hergerichtet, welche sich auch als zweckmässig bewährt hat. Anfangs Juni begab sich Herr Forstinsp. Coaz nach Disentis, um mit Herrn Prof. Condrau und anderen Mitgliedern unserer Gesellschaft die getroffenen Anstalten zu prüfen und eine Excursion zur Recognoscirung vorzunehmen.

Am 9. Juni begaben sich die beiden Genannten in Begleitung des Herrn Kreisförsters Seeli von Trons nach Piatta im Medelser Thal, wo sie bei Herrn Pfarrer Huonder übernachteten, welcher durch seine meteorologischen Beobachtungen sich seit längerer Zeit um die Erforschung jener Gegend namhafte Verdienste erworben hat. Morgens früh am 10. brachen sie nach Alp Sura auf; als Führer begleiteten sie Fr. Störi und Bapt. Mon aus Disentis, Fr. Deplazi und Y. Biarth aus Sumvix, Ludw. Soliva, Wirth zu Hospiz St. Gall, und Vig. Pali aus Medels.

In der Hütte von Sura wurden die Einrichtungen in derselben besprochen, welche kurz darauf ausgeführt wurden und nur einen Kostenaufwand von 115 Fr. verursachten.

Die Reisenden wandten sich nach der Furka Lavaz und zum Fusse des Fillong und fingen unterweges ein Murmelthier in einem Fluchtloch. Als sie an den Fuss des Fillong kamen, war Herr Coaz der Ansicht, denselben über die steilen Felswände hin zu umgehen und von der Südseite zu ersteigen, dann auf dem Grate nach dem Piz Medel vorzudringen und über die Gletscher auf der Nordseite des Piz Medel dessen Spitze zu erklettern. Die Führer aber waren der Ansicht, dass dies nicht möglich und der Fillong nur auf der Nordwestseite zu ersteigen sei. Man ging nun bis zur Furka, 2509, und berathschlagte dort weiter. Mon, Störi und Deplazis machten den Versuch, von hier aus auf den Fillong zu kommen, was anfangs nicht thunlich zu sein schien. Aber dieLeute erkletterten mit grösser Kühnheit und Gewandtheit einen Felsen nach dem andern, kreuzten verschiedene Gletscherpartien, verschwanden zeitweise und erschienen dann wieder, immer höher hinaufkommend, so dass sie endlich alle Drei klein wie Pygmäen auf dem obersten Grate gesehen wurden und denselben gegen die höchste Spitze des Fillong verfolgten.

Die Zurückgebliebenen waren nun der Ansicht, die drei Führer würden den verhältnissmässig leichten Weg nach der Spitze des Piz Medel einhalten und diesen ersteigen, sie selbst aber würden wohlthun, nachdem die Ersteigb'arkeit des Fillong von der Nordseite solchergestalt constatirt sei, noch einen anderen Durchgang zu versuchen, um auf den Piz Medel zu kommen, da der Zweck der Tour eigentlich nur Recognoscirung war.

Sie gingen rückwärts westlich unter dem Plattagletscher ( dem mittleren Ende des Medelser Gletschers ) durch, erstiegen die Fuorcla da Buora, 2235, unter dem Piz la Buora und den Felsengrat zwischen dem Platta-und Buoragletscher, den sie Mièz Glitsche ( Mitten im Gletscher ) nannten. Sie hatten von da eine ausgezeichnete Uebersicht des Medelser Gletschers und benannten mehrere bisher namenlose Theile des Gebirgs, z.B. den Fillong und den mitten aus dem Gletschermeere auftauchenden Felsen östlich: Rifi%i Camotsch ( Gemszuflucht ). Es war 2 Uhr, als sie auf Mièz Glitsche ankamen. Die drei vorausgekletterten Führer hatten unterdessen ihre Erwartung arg getäuscht, denn sie waren nicht gegen den Piz Medel vorgegangen, sondern vom Fillong nach Alp Plattas zurückgekehrt. Hr. Coaz machte den Vorschlag, sogleich vorwärts zu dringen, zwischen Rifugi Camotsch und Piz Medel durchzusteuern und dann den letzteren von NNO. her zu ersteigen. Die Uebrigen fanden aber hierzu die Zeit zu weit vorgerückt und es blieb nichts übrig, als sich ihrem Willen zu fügen und von dem schönen Projecte der ersten Ersteigung des Berges abzustehen. Die Aussicht war immerhin sehr lohnend, namentlich die auf die Tödikette, die Gebirge zwischen Tessin undTavetsch, über dieselben hinaus nach den Berner und Walliser Alpen, besonders dem Monte-Rosa. Vor dem Abzug wurde auf Mièz Glitsche ein Signal errichtet und eine Fahne aufgepflanzt.

Um nicht denselben Weg zurückzugehen, wandten sich unsere Gletscherfahrer südlich und gingen über das fast ebene Gletscherplateau nach einer Lücke zwischen 3153 und 3175, welche sie Fuorcla sura nannten, gegenüber dem Pass Ufiern, der aus dem Ufiernthal nach Val Camadra führt. Sie hatten hier eine neue Aussicht auf denScopi, den prachtvollen Gebirgsstock Piz Valrhin und die Gebirge von Misox

Schweizer Alpen-Club.7

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und Calanca. Von Fuorcla sura stiegen sie über den Ufierngletscher in die Val Ufiern und westwärts in die Val Cristallina hinab, gelangten durch diese nach Perdatsch und zwischen 7 und 8 Uhr nach Piatta. Hr. Coaz fügt dieser Beschreibung, die ich ziemlich wörtlich aus seinen Mittheilungen entnommen habe, noch folgende Angabe von Entfernungen bei, welche für Besuchende gewiss von praktischem Nutzen sind: Disentis bis Piatta 3 Stunden — Piatta nach Alp sura ( Alp Plattas, nicht zu verwechseln mit Dorf Piatta ) 2l/2 St. Alp sura bis Fuorcla Lavaz 1 St. von Alp sura bis Mièz Glitsche 3 St. Mièz Glitsche bis Pass Ufiern 3 St. Fuorcla Lavaz über Fillong nach Piz Medel 5 St.

Ehe die Mitglieder des Alpenclubs an weitere Arbeiten in unserem Gebiete gingen, werden zwei Excursionen von Engländern namhaft gemacht. Die erste wurde von den Herren Thompson, Mansell und Sowerby am 21. Juli unter- nommen. Sie stiegen von der Alp Sura über Fuorcla Buora und den Buoragletscher auf das Medelser Gletscherplateau, gingen östlich zwischen 3153 und 3175 ( Fuorcla sura ) durch, dann über den Hintergrund von Val Ufiern nach dem Ufiern-pass, von diesem hinab nach Val Camadra und nach Olivone, wo sie nach einem Marsche von 9 Stunden anlangten. Die andere machten am 20. Juni die Herren Moore und Walker mit dem Führer Jac. Anderegg. Sie begingen einen Pass zwischen Medels und Olivone, welchen sie als Cama-drapase bezeichnen und unter welchem wahrscheinlich die Einsattelung zwischen Piz Medel und Fillong zu verstehen sein wird ( Bemerkung von G. Studer ).

Am 13. August versuchten die Herren A. Neuburger und E. Imhof von der Aarauer Sektion mit den Führern Franz Zurfluh aus Amsteg und Bapt. Mon von Disentis die Ersteigung des Piz Medel. Sie waren von Luzern aus durch Uri, dasMaderaner Thal und den Brunnipass nach Disentis gekommen und hatten von da aus der Orientirung wegen den Piz Muraun erstiegen.

Ihr Nachtquartier hatten sie in einer Sennhütte am westlichen Fuss des Piz Cazirauns ( Valesa ) genommen und gingen von da über 1796 in ValPlattas nach der Fuorcla Buora über den östlichen Theil des Gletschers Davos Buora nach dem Felsstock Mièz Glitsche, auf dem sie die Fahne des Hrn. Forstinspector Coaz stehen sahen. Sie liessen diesen Felsstock rechts, erreichten dann das Joch, das nach Ufiern hinabführt ( Furkazwischen Piz Cristallina und 3153 ) und nahmen einen Grat gegen Osten in Angriff, über welchen sie theils auf beschwerlichen Felspartien, theils auf den obersten Hängen des Firns die aus feinkörnigem Glimmergneiss bestehende Spitze 3153 erreichten, welche sie, da sie wegen des Nebels den eigentlichen Piz Medel nicht sehen konnten, für diesen hielten. Dort errichteten sie einen 8 F. hohen Steinmann und Messen eine Flasche mit Wahrzeichen zurück. Beides fand später Hr. G. Studer, während auf dem Piz Medel selbst nichts gefunden wurde, was frühere Ersteiger beurkundet hätte. Es war unsern rüstigen Bergsteigern begegnet, was schon manchen Anderen vorgekommen ist: die Ungunst des Wetters hatte sie getäuscht, sie waren in der Nähe des ersehnten Punktes gewesen, den sie sicher erreicht hätten, und hatten sich dann im Nebel zu weit rechts gehalten. Undurchdring-.licher Nebel verwehrte alle Aussicht und in dem guten Glauben, den Piz Medel besiegt zu haben, stiegen sie über den nämlichen Grat zurück auf den Ufierngletscher, über diesen steil hinab, dann westlich immer abwärts unter dem Piz Cristallina durch nach Val Cristallina und Perdatsch. Eintretender Regen verhinderte die Einsicht des Irrtimms und weitere Expeditionen. Jedenfalls hatten sie

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die Ersten eine bisher unerstiegene Spitze erreicht. Die Beschreibung des Hrn. Neuburger giebt über diese Expedition sehr interessante Einzelheiten, welche leider des Raumes wegen, der unserem Berichte zugemessen ist, nicht alle aufgenommen werden konnten.

Es bleibt nun noch übrig, die Excursion der Herren Regierungsstatthalter G. Studer und Jules Jacot zu beschreiben, welche die Einzigen sind, die den Piz Medel wirklich erstiegen haben.

Hr. Studer kam Mitte August bei ungünstigem Wetter nach Disentis, wo er mit Hrn. Jacot zusammentraf. Beide beschlossen, das Medelser Gebiet zu bereisen, was sie am 15. Aug., wo gutes Wetter eintrat, in Begleitung der Führer Peter Sulzer aus Guttanen und des Gemsjägers Virgil Pali aus Medels ausführten.

Sie gingen, da der Pfad durch die Schlucht des Mittelrheins nicht mehr gangbar ist, den gewöhnlichen Weg über Mompé Medels, dann am Mont Vegziera herab in das Hauptthal des Mittelrheins und dann nach dem auf freundlichen Terrassen gelegenen Curaglia, 1332 M.; ihr Zielpunkt war für heute die Alphütte Sura. Statt durch den Eingang von Val Plattas zu gehen, vermieden sie diesen Umweg, indem sie, durch Tannenwald aufwärts gehend, den Bergrücken Crap Stagias überstiegen und dann, des Schattens wegen auf der linken Seite des Thales fortschreitend, während der eigentliche Weg auf der rechten verläuft, die Alp Sura er- reichten ( 1989 M. ). Sie hatten bis dahin von Disentis aus 4 Stunden gebraucht. Die Alp liegt in einem flachen, gut bewachsenen Thalgrund; dicht dahinter aber erhebt sich der untere Theil des Medelser Gletschers, Gl. Plattas, in steilen, zerrissenen Eismassen, welche auf Felswänden abbrechen.

Die Alphütte fanden sie zum Gebrauche der Clubgenossen gut eingerichtet, mit einer Pritsche und reichlichem trockenem Stroh ) so wie mit genügendem Holzvorrath versehen; um Platz zu machen, hatten die Hirten sie verlassen. Sie machten einen Gang, um die Gegend zu recognosciren, und kehrten von dem Resultat befriedigt in die Hütte zurück, wo sie die Abendmahlzeit einnahmen, für welche Hr. Jacot in ausgezeichneter Weise gesorgt hatte, und schliefen dann gut auf dem wohleingerichteten Lager.

Morgens um 2 Uhr brachen die Reisenden nach der Furka Lavaz auf, wohin ein guter Alpweg führt. Ehe sie jedoch dieselbe erreichten, schwenkten sie rechts gegen den westlichen Fuss des Fillong ab und umgingen diesen, indem sie die ersten Felsenstufen erstiegen und so über Felsenge-simsen hinkletternd auf den Gletscher gelangten. Als sie diesen Punkt erreicht hatten,, ging die Sonne auf, aber sie färbte die Bergspitzen mit jenem rothen, grellfarbigen Lichte, das ungünstiges Wetter zu verkündigen pflegt. Der Abhang des Gletschers erhob sich sehr steil über den noch schrofferen Felsabstürzen, auf denen er ruht. Sie benutzten zum Aufsteigen eingefrorene Felsblöcke und hieben Stufen in das Eis, wo diese fehlten; es mussten deren über 100 gemacht werden. Sie kletterten indessen muthig weiter, die Felswände des Fillong immer zur Linken, und gelangten nachgerade auf weniger steile Gletschergehänge, welche aber dafür stark zerklüftet waren. Nachdem auch dieses Hinderniss glücklich überwunden war, kamen sie auf ein schwach geneigtes Firnplateau, welches der Höhe des Fillong etwa gleich war und über den sich der höchste Grat langsam ansteigend von Firn bedeckt erhob; sie befanden sich in geringer Entfernung davon, und der Piz Medel, der es beherrscht, stieg vor ihnen noch etwa 800'auf; sie Tkeobald.

schritten über das Firnfeld diesem zu und fanden auf dem »Schnee eine todte Schwalbe.

Jetzt, in fast unmittelbarer Nähe ihres Reisezieles wurden sie von Nebel überrascht, der von Südost her über den Gipfel des Piz Medel heranzog. Glücklicherweise zerstreute sich derselbe bald, sie überschritten die durch die stärkere Erhebung verursachten Sparten, stiegen den mit Firn bedeckten Abhang hinauf und erstiegen dann leicht den niedrigen Felskamm, welcher die höchste Spitze des Piz Medel bildet. Von Norden her, wo unsere Reisenden ihn erstiegen, erscheint dieser Gipfel als ein flacher, langsam ansteigender Kegel, von Firnmasse bedeckt, der von einer steilen Felswand gekrönt ist, westlich und südlich reicht der Firn bis zu diesem Felsgrat hinauf, der sich etwa 100 Schritte lang SW—NO streichend hinzieht und auf dem Kamm fast eben ist. Er besteht, wie die ganze Kernmasse, aus einem porphyrartigen Granitgneiss mit grobem Korn und grossen Feldspathkrystallen.

Es war 8 Va Uhr, als die Reisenden den Gipfel erreichten. Sie hatten etwa 5 Stunden von der Alphütte an gebraucht, um die Ersteigung auszuführen.

Der Aufenthalt daselbst, der bei gutem Wetter entzückend sein muss, war unbehaglich. Es wehte ein scharfer Föhn und trieb ihnen zeitweilig Nebelmassen zu, so dass die Umgebungen bald auftauchten, bald verschwanden. Sie erkannten das Plattathal, Acleta bei Disentis, die Tödikette, den Scopi, die Berge des Blagno- und Livierthales, Ghirone, Aquila, das Adulagebirg, den Bernina, die Silvretta und Piz Linard, den Rhäticon u. s. w., so wie die Höhen der nächsten Umgebung. Weite Fernsicht verwehrte die trübe Atmosphäre.

Von früheren Besuchen fand sich keinerlei Spur.

Es wurde nun ein Steinmann errichtet, eine Flasche mit Wahrzeddel u. s. w. hineingelegt, Notizen und, so gut es bei dem Winde und Nebel gehen wollte, Zeichnungen gemacht und dann des drohenden Wetters wegen um 11 Uhr aufgebrochen.

In Nebel und Schneegestöber verfolgte man den Grat in südwestlicher Richtung gegen den Piz Cristallina hin, bald über Felskämme und Spitzen, die sich hoben und senkten, bald über Firnstrecken, die in den Einsattelungen lagerten einzelne Stellen erforderten Vorsicht und schwindelfreien Blick. Das Klettern wollte kein Ende nehmen, und da man keine Richtung übersehen konnte, fing die Sache an bedenklich zu werden. Endlich nach einer tieferen, mit Firn gefüllten Einsattelung, erschien eine Felsenspitze mit einem Signal. Es war der Punkt 3153, das Signal war der von den Herren Neuburger und Imhof errichtete Steinmann. Die Flasche mit dem Wahrzeddel wurde eingesehen und unsere Reisenden fügten den ihrigen hinzu.

Ohne in die Furka Cristallina hinabzusteigen, kletterten sie an dem Südfuss des Berges über Felstrümmer und kleines Geröll hinab, dann über Schneefelder, welche zum Ufierngletscher gehören, und erreichten so die schneefreien Thalwände von Ufiern. Das Schneegestöber verwandelte sich in den tieferen Regionen in Regen. Dann hellte sich das Wetter auf und liess die nächste Umgebung erkennen. Schief abwärts über Grasbänke, Geröll und Felsenabsätze schritten sie nach dem Ende der Val Ufiern, an dem schönen Wasserfall vorüber, welcher aus dieser in die Val Cristallina stürzt, folgten diesem Thal hinab nach Perdatsch und kamen um S1/^ Uhr nach Piatta, wo sie der späten Zeit ungeachtet bei Hrn. Pfarrer Huonder noch freundliche Aufnahme fanden. Da es am andern Morgen noch fortwährend regnete, so gaben sie die beabsichtigten ferneren Touren auf und kehrten nach Disentis zurück.

Sie hatten die wichtigste Aufgabe der diesjährigen Excursionen in diesem Gebiete glücklich gelöst.

Gegen Ende August untersuchte eine italienische geologische Commission, bestehend aus den Herren Sismonda, Stoppani und Giordani, in Begleitung der Herren Escher v. d. Linth und v. Fritsch den Luknianierpass, Val Cristallina, Greina und Sumvix in Angelegenheiten der Eisenbahn » Höhere Bergersteigungen kamen dabei nicht vor.

Andere Excursionen in diese Gegenden sind uns nicht bekannt geworden.Es geht aber aus vorhandenen Berichten hervor, dass der westliche Theil des Gebietes mit Ausnahme des Piz Cristallina ( Puzzeta ) gut erforscht ist, hingegen dessen Ostseite nach dem Piz Gaglianera ( 3122 M. ) u. s. w. von Niemandem besucht wurde und auf Untersuchung wartet; jedenfalls aber ist so viel gewonnen, dass ein bisher ganz unbekanntes Gebirgsrevier für künftige Forscher aufgeschlossen und gangbar befunden worden ist.

Weitere Einzelheiten über die Expeditionen in dieses Gebiet können in den beiden Aufsätzen der Herren Neuburger und Studer eingesehen werden.

Ergänzungen im Trift-Gebiet

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