Das Nottelefon gekappt Digitale Telefonie bringt SAC-Hütten nicht nur Vorteile

Die Umstellung vom analogen auf das digitale Telefonieren ist in den Bergen eine Herausforderung. Und sie führt dazu, dass in abgelegenen Hütten kein Nottelefon mehr zur Verfügung steht.

In Not geratene Bergsteiger konnten bisher in Hütten auch ausserhalb der bewarteten Zeiten ins Tal anrufen. Dank analoger Telefonie. Doch das ist jetzt Geschichte. Swisscom ist daran, bis Ende 2019 die alte Telefontechnologie schrittweise abzuschalten und die betroffenen Anschlüsse auf digitale Telefonie umzustellen. Auch die Anschlüsse in rund zwei Dritteln der Bergwirtschaften und Hütten – darunter auch SAC-Hütten – wurden während der Sommersaison umgestellt, der Rest folgt im Frühling.

Fürs digitale Telefonieren braucht es einen Router und eine Internetbox. Diese Geräte benötigen Strom, der in unbewarteten Zeiten nicht in allen Hütten verfügbar ist. Gibt es zudem weder Mobil- noch Rega-Notfunkempfang, sind Gäste unbewarteter Hütten von allen Kommunikationsmöglichkeiten abgeschnitten. So etwa in der Läntahütte SAC zuhinterst im Valsertal. «Wir haben kein Nottelefon», sagt Hüttenchef Patrick Maly. Die nächstgelegene Stelle mit Handyempfang liege eineinhalb Stunde entfernt. Deshalb hängt in der Läntahütte jetzt eine Karte, auf der der nächstgelegene Standort mit Rega-Notfunkempfang eingezeichnet ist. «Er liegt eine halbe Stunde von der Hütte entfernt», sagt Patrick Maly. Und Voraussetzung ist, dass jemand ein Notfunkgerät mitführt. Der Hüttenchef schätzt, dass ausserhalb der bewarteten Zeiten rund 80 Berggänger in der Läntahütte übernachten.

Viele Hütten im hochalpinen Bereich betroffen

Beim Zentralverband des SAC ist man sich des Problems bewusst: «Seitens SAC besteht keine Pflicht zur Bereitstellung eines Nottelefons. Bei Hütten mit vielen Übernachtungen in der unbewarteten Zeit ist es aber sinnvoll, Überlegungen zur Notfallkommunikation anzustellen», sagt Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hüttenbetrieb beim SAC. Denn die Läntahütte ist mit dem Problem nicht allein. «In vielen Hütten im hochalpinen Bereich ist die Nottelefonie ein Thema», sagt Lüthi. Als Alternative zu Satellitenpager und Rega-Notfunk empfiehlt Swisscom auch das Satellitentelefon. Doch wegen der hohen Betriebskosten dürfte dies in SAC-Hütten kaum infrage kommen. Patrick Maly erwartet deshalb vom Zentralvorstand eine andere Lösung.

Swisscom zieht positive Bilanz

Die Telefonie ist generell anfälliger, wenn sie statt über das Mobilfunk- über das Satellitennetz läuft. «Wir haben eine Satellitenschüssel auf dem Dach. Weil sie starkem Wind ausgesetzt ist, bewegt sie sich immer wieder und muss repariert werden», sagt Jean Daniel Roulet, Hüttenchef der Cabane de Tracuit CAS. Und auch der Schritt ins digitale Zeitalter hat auf 3256 Metern über Meer seine Tücken: Die monatlich zur Verfügung stehende Datenmenge ist aus ungeklärten Gründen jeweils nach zwei bis drei Tagen bereits aufgebraucht. Vielerorts macht der zusätzlich benötigte Strom für die Geräte Probleme. Für die betroffenen Hütten hat der Zentralverband einen einmaligen Betrag ausgehandelt, den Swisscom zahlt. «Die Sektionen können wählen, ob sie einen Betrag an den Ausbau der bestehenden Stromversorgung zahlen oder eine autonome Insellösung von Swisscom installieren möchten», sagt Bruno Lüthi.

Auch Swisscom bezeichnet die Abklärungen bezüglich Strombedarf an jedem Standort als eine der grossen Herausforderungen. Insgesamt zieht sie aber eine positive Bilanz: «Generell ist die Umschaltung sehr gut und speditiv verlaufen», sagt Esther Hüsler vom Mediendienst Swisscom. Mit kleinen Einschränkungen: «Ungünstig war, dass sich eine Swisscom-Störung mit den Installationen in den SAC-Hütten überschnitten hat», sagt sie.

Holprige Umstellung

Ganz ohne Nebengeräusche ging der Prozess also nicht vonstatten. «Da prallten zwei Welten aufeinander», sagt Ulrich Stalder, Hüttenwart in der Geltenhütte SAC. «Da der lösungsorientierte Hüttenwart und dort der prozessorientierte Swisscom-Mitarbeiter.» Nach der Umstellung waren Telefon und Internet in der Geltenhütte plötzlich tot. Weil Sonntag war, blieb Hüttenwart Ulrich Stalder nichts anderes übrig, als eine 0800er-Nummer zu wählen. Die Geltenhütte ist in der komfortablen Situation, übers Mobilfunknetz telefonieren zu können. Trotzdem gab es Schwierigkeiten, die erst nach einem zweiten Flug in die Hütte zehn Tage später behoben werden konnte. Seither funktioniert es gut, und Ulrich Stalder sieht auch einen Vorteil: «Wir sehen jetzt, wer bei uns anruft.»

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