Der Grand Old Man der Berge

Bruno Messerli (1931–2019)

«Béatrice und ich sind gestern Abend von einem fünftägigen Ferienaufenthalt aus Graubünden zurückgekehrt: Einfach so haben wir uns auf das Recht der Pensionierten berufen und sind verreist, es war wunderbar und wir haben gedacht: Warum machen wir das nicht viel mehr!» Das schrieb mir Bruno Messerli Anfang Mai 2009 – da war er schon 13 Jahre im AHV-Alter. «Aber jetzt trommelt es wieder, ein Vortrag in Mailand naht, für die Biodiversität der Akademie sollte ich etwas schreiben, eine Geschichte über die Entstehung des Gebirgszentrum in Kathmandu sollte fertig sein usw. Nachdem ich schweren Herzens eine Einladung nach Ladakh abgelehnt habe, versuche ich doch, die zweite Hälfte dieses Jahres etwas gelassener zu organisieren. Ob das gelingt?» Es gelang ihm, notgedrungen, erst am Ende eines unglaublich erfüllten, reichen und wirkungsvollen Lebens. Nur ein paar Stichworte seien genannt: ordentlicher Professor am Geografischen Institut der Uni Bern von 1969 bis 1996; Mitbegründer des hochkarätigen Centre for Development and Environment ebenda; führende Rolle bei der Etablierung des Bergkapitels der Agenda 21 an der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 und bei der Aufnahme des Gebiets Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch ins UNESCO-Weltnaturerbe 2001; Wegbereiter für das internationale Jahr der Berge, das die UNO 2002 ausgerufen hat, und den Tag der Berge, der seither am 11. Dezember gefeiert wird. Dieses unermüdliche Engagement für eine nachhaltige Entwicklung in den Bergen der Welt und für den Schutz ihrer zerbrechlichen Ökosysteme blieb nicht unbemerkt: Messerli erhielt unter anderem den Marcel-Benoist-Preis und die Founder’s Medal der Royal Geographical Society; er war Ehrenmitglied und Ehrendoktor vieler Akademien und Unis. Auf eine Auszeichnung aber war der gross gewachsene Bergsteiger, seit 65 Jahren Mitglied der SAC-Sektion Bern, besonders stolz: 2007 ernannte ihn der Alpine Club zum Ehrenmitglied. Am 4. Februar 2019 ist Bruno Messerli nach längerer Krankheit in seinem 88. Lebensjahr verstorben.

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