Der Luchs als bequemer Vorwand

Zum Artikel «Weniger Gemsen – wer ist schuld?», «Die Alpen» 04/2016

Im Artikel erfährt man, dass die Gems­population in der Schweiz seit zehn Jahren eine abnehmende Tendenz zeigt. Ein Foto und ein Abschnitt werfen die Frage auf, ob vielleicht der Luchs bei dieser Bestandschrumpfung eine Rolle spiele. Man versteht schnell, dass diese These aus gewissen Jägerkreisen kommt, die es nicht ertragen, dass sie einen Teil «ihres» Wilds mit dem Luchs teilen müssen. Einer von ihnen setzt sich gar für einen Abschuss des Luchses ein. Die Forderung ist unerhört, wenn man daran denkt, dass die Art im 19. Jahrhundert ausgestorben und 1971 wieder angesiedelt wurde und heute immer noch stark bedroht ist. Das BAFU erachtet die Luchspopulation übrigens als langfristig nicht überlebensfähig und stellt fest, dass die Art immer noch in vielen Gegenden der Schweiz nicht vorkommt. Man kann deshalb feststellen, dass Luchsrisse die Abnahme der Zahl der Gemsen in der Schweiz nicht erklären können. Obschon der Autor verschiedene Hypothesen für diesen Rückgang behandelt, halte ich den reisserischen und alarmierenden Untertitel «Luchs: mehr Risse?» zusammen mit einem Foto für unzulässig. In dieser sehr emotionsgeladenen Debatte über die grossen Raubtiere müssen die Medien die Fakten so objektiv wie möglich präsentieren. Die übertriebene Beachtung, welche gewisse Jäger mit extremen Ansichten in den Medien finden, ist bedauerlich. Dies umso mehr, als in dieser Debatte die Liebhaber von Freizeitaktivitäten die Ersten sind, die Konzessionen machen müssen. So werden zum Beispiel zahlreiche Ruhezonen festgelegt, während die geltenden Jagdpraktiken kaum infrage gestellt werden.

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