Der Milchspülersee

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

( Erklärung zum Titelbild. ) Solch stilles Wasser, wie es das Titelbild zu diesem Jahrbuch spiegelt, ruft zur Labung und zur Ruhe, je kleiner fast, gewiß, fast um so mehr. Und jeder, der auf Bergen wandert, hat es schon empfunden, wie solch ein Spieglein, ungeahnt auftauchend, sein Denken von Strapazen mild ablenkt und ihn zu sich zu wohlverdienter Ruhe ladet. Drum, Wanderer, wenn lebendige Erinnerung dich strenge Mühen vergangener Tage kosten läßt, lege deinen Rucksack ab und strecke dich an die Sonne, dort auf die grünen Polster, deren Neigung sich deinem Wohlbefinden freundlich anpaßt. Doch ist vorausgesetzt, daß du den kleinen See erst fandest. Er liegt nicht „ an der Route ". Bis auf fünf Meter kann man ihm nahe sein und ihn nicht sehen. Fast ringsum eingeklemmt von hohen Felsen aus rötlichem, meist aber weiß-lichgrttnem Verrucano liegt er am NW-Fuß des Kärpfstockes in den Glarnerbergen. Dort drüben, an dem flachen Rand, fällt steil der Abhang tief zur Alp hinunter. Von nirgends fast sieht man den kaum 200 m langen See, als wenn man auf den Rand der Felsenkante tritt, die ihn umrahmt, um ihn dann plötzlich zu gewahren. Zwei andere Seelein liegen tiefer unten; das eine mehr ein Sumpf, das andere ein Tümpelchen mit kristallklarem Wasser; blank, durchsichtig. Doch dieser Spiegel hier ist wie mit zartem Hauch, mit einem feinen Schleier überdeckt. Rotviolette Felsen, grüne Rasenpolster, sie spiegeln alle milchig bläulich sich im Wasser. Und kaum je erhielt ein See einen treffenderen Namen als dieser hier, in dem die Sennen die Milcheimer spülten. Das mag nun lange her sein, denn ringsum sind heute nur magere Rasenbänder zu finden, auf denen große. Gemsenrudel weiden.

. ' ) Zum Beispiel aus den regelmäßigen, sorgfältigen Beobachtungen der Observatorien in Potsdam oder München.

Vom linken, nicht sichtbaren Felsen fallen die Wasser kleiner Firnzungen ein und halten kreisend so des Sees Wasser in schwacher Strömung, darin der feine Schlamm der weißen Steine stets schwebend bleibt. Fast niemals ändert sich die Farbe dieses Spiegels. Ich sah ihn im Sonnenschein, in Blitz- und Hagelkrachen stets gleich sich bleibend, als ich vergangenen Sommer mit Schülern fünf Tage in der „ Leglerhütte " der S.A.C. Sektion Tödi zubrachte.

In langer Wanderung, vom Walensee zum Talalp- und Spannecksee, Fronalpstock, Mollis, Heulager suchend, schwere Rucksäcke schleppend, mit Regen reichlich, allzu reichlich nur bedacht, so hatten wir das Glarnerland genossen, auf manche schöne Tour wie Rauti, Wiggis, Klöntal und Daienstock betrübt verzichtend. An einem schönen Tage zwar gelang es uns, ein kühles Bad im Klöntalsee zu nehmen. Darauf zogen wir frisch, weiter hoffend auf gutes Wetter, das Tal entlang, hinauf nach Schwanden, Diesbach. Von hier jedoch lockt es mächtig zur Höhe. Denn schon von Glarus aus sahen wir die Hütte so frei dort oben stehend, wie kaum eine, in 2600 m Höhe, das ganze Linthtal überschauend, weit nach Norden. So kam es, daß wir den kleinen See fanden.

Das Bildchen zeigt im Mittelgrund den Saasberg, den Grat zum Bützistock nach links ansteigend. Im Hintergrund rechts, tief, liegt die Brächalp, Lauchboden drüber und die Erixmatt mit Flätstock und dem spitzen „ Hohen Turm ". Die beiden Ortstockgipfel decken, der eine vor dem andern stehend, sich genau. Der Scheienberg, die steilen Jägerstöcke links, den Urnerboden schützend, schließen ab. Am 1. August brannte ein mächtiges Feuer; die „ Leglerhütte " wurde gut besucht, und auch ihr edler Stifter fand sich ein. Herrlich waren die Nacht und der folgende Morgen. Und Firn- und Kärpfstock waren unsere Ziele. So weckt das Bildchen die Erinnerung. Möge es noch manche stille Freude hervorrufen!

IL Meyer, Lehrer, Steckborn ( Sektion Rorschach ).

Feedback