Der Webersche Stockschirm „Protektor

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In Band XXVI des Jahrbuches findet sich aus der Feder eines unserer tüchtigsten Gletscherreisenden eine Besprechung und Empfehlung der Wannerschen Steigeisen, welche Erfindung wohl das Herz manches Gletschermannes hat höher schlagen lassen, während die biedern Thalsohlenclubisten, die doch in unserm S.A.C. mindestens so zahlreich wie jene vertreten sind, beim Lesen der Vorzüge jenes Instrumentes ohne Zweifel kühl bis ans Herz geblieben sind. Da nun in unserm Verein alle Mitglieder gleiche Rechte haben, so werden es mir jene Gletschermänner wohl nicht verargen, wenn ich mich im folgenden ausschließlich an die pars inferior des S.A.C. wende und diesen eine Erfindung vorführe, der sie ungleich mehr Interesse entgegenbringen, als den praktischesten Steigeisen.

Männiglich weiß, daß das stärkere Geschlecht im allgemeinen finden Regenschirm unendlich wenig Sympathie hat und ihn lediglich als notwendiges Übel betrachtet. Im Notfall bedient man sich natürlich seiner, aber daß ein Clubist auf einer Exkursion einen Regenschirm mitschleppe, nein, das wäre undenkbar! Und doch möchte er so wenig als andere Menschenkinder sich den Launen des Jupiter pluvius schutzlos preisgeben. Man behilft sich daher mit imprägnierten Wetter-, Kautschuk- und wasserdichten Lodenmänteln. Wer solche schon benutzt hat, kennt auch ihre Schattenseiten. Diesen Nöten hat nun der „ Protektor " gründlich abgeholfen, der letztes Jahr von E. Weber in Riehen bei Basel erfunden wurde und wohl in allen größern Stock- und Schirmhandlungen zu haben ist. Dieser „ Protektor " präsentiert sich als ein solider, durchaus normal dicker und schwerer Stock mit je nach Preis silbernem, neusilbernem oder ver-nickeltem Knopf. Letzterer kann vermittelst eines Gewindes geöffnet werden, und nun ziehen wir aus dem hohlen Innern des Stockes ein elegantes und zugleich solides, aus dem feinsten Stahl gearbeitetes Schirm-gesteil, das so auf den Stock geschoben wird, daß die im kleinern Ring desselben befindlichen Zapfen in zwei Vertiefungen des Stockes eingreifen und so das Gestell absolut sicher befestigen. Alsdann drückt man auf den etwas hervorstehenden mittleren Teil des am Stocke befindlichen Schlößchens, worauf zwei kleine Trapeze herausspringen, die das Feststellen des zum Gebrauch geöffneten Schirmes bezwecken. Sodann wird das Tuch, das man bequem in einer Rocktasche bei sich trägt, so übergelegt, daß die Nähte schön auf die Stangen zu liegen kommen, und hierauf durch Aufstecken der an den Ecken befindlichen Hülsen an das Gestell befestigt. Die ganze Prozedur ist das Werk weniger Sekunden, und auch das Demontieren des Schirmes, nachdem das Tuch wieder trocken geworden, ist Momentsache. Man drückt nach Entfernung des Tuches die beiden Trapeze wieder hinein und schiebt den großem Ring des Gestells vollständig in die Höhe, wodurch das Gestell nach oben klappt und sich selbstthätig vom Stocke löst. Speciell für Touristen werden auch Stöcke mit Bergspitzen angefertigt. Eine Schwäche der Erfindung liegt vielleicht im Gewinde, das durch vielen Gebrauch sich allmählich abnutzen möchte. Indessen habe ich bei meinem Exemplar trotz sehr häufigem Gebrauch noch nicht die geringste Veränderung wahrgenommen.

Als ich in einer Sitzung unserer Sektion die Erfindung vorwies, da erklärte ein geehrtes geistliches Mitglied, das sei der richtige „ Synodal-schirm ' ', d.h. das Instrument, das am besten geeignet sei, die rätischen Pfarrherren auf ihrer alljährlichen Wanderung über Gebirgspässe und Gletscher an den jeweiligen Synodalort zu begleiten, ihnen Stecken und Stab zu sein und sie sowohl gegen die Hitze des Mittags wie auch gegen Wind und Regen zu beschirmen und zu beschützen. Möge dieses Urteil recht viele veranlassen, den Weberschen Stockschirm „ Protektor " sich einmal anzusehen und ihn zu prüfen; ich bin überzeugt, daß sie ihn bald als wirklichen Protektor, d.h. Beschützer, schätzen werden.

Werner Zwicky ( Sektion Scesaplana ).

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