Diamox kann Sinn machen!

Zum Artikel «Mit Seil, Pickel und Tablette?», «Die Alpen» 08/2105

Eine Zusammenstellung über Medikamentengebrauch in den Bergen kann sicher Sinn machen und ist lobenswert. Was hingegen die Nennung von Diamox im gleichen Atemzug mit den Amphetaminen soll, ist mir rätselhaft. Der Bergführer, der die Höhe schlechter verträgt als sein extremalpinistisch tätiger Kollege, soll doch sein Diamox nicht verschämt einnehmen müssen (wie es der Artikel suggeriert), vor allem wenn damit die Sicherheit seiner Gäste besser gewährleistet ist. Gefährlich wird euer Artikel dort, wo er im Leben bedrohte Personen ohne rasche Abstiegsmöglichkeit davon abhält, das rettende Diamox einzunehmen, weil ihr ihnen einen falschen Floh ins Ohr gesetzt habt: Diamox = leistungssteigernd = Doping.

Genau dies macht ihr, wenn ihr sowohl im Untertitel wie auch im Text mit den zitierten Studien Diamox und Amphetamin in absolute Nähe zueinandersetzt. Dies nenne ich medizinisch einen Unsinn, ja geradezu fahrlässig. Eure Dopingliste gehört so auf den Misthaufen!

Das Diamox kenne ich seit 1983, mit sehr vielen, sehr positiven Erfahrungen als Arzt und Begleiter in den Bergen. Ich habe es selbst allerdings nur ein einziges Mal ausprobiert, im Sinne eines Selbstversuchs, ohne irgendeinen positiven Effekt. Offensichtlich ertrage ich die Höhe. Selber habe ich Lungen- und Hirnödeme auf allen vier Kontinenten miterlebt, auch bei Bergführern im Berner Oberland. Deshalb macht Diamox bei gefährdeten Personen Sinn!

Stellungnahme von Urs Hefti, Schweizerische Gesellschaft für Gebirgsmedizin

Wir haben keine «Dopingliste» gemacht, sondern Medikamente mit ihrer Wirkung und ihren Vor-­ und Nachteilen in Bezug auf die Einnahme im Bergsport aufgeführt. Doping wird gemäss Definition nur im Leistungssport verwendet und durch die World Anti-Doping Agency kontrolliert. Gemäss Standesordnung der FMH sprechen wir von Medikamentenmissbrauch bei Einnahme von Medikamenten, die quasi off-­label eingenommen werden. Die im Artikel aufgeführten Substanzen sind ein Auszug aus dem Papier, das die medizinische Kommission der UIAA nach fünf Jahren intensiver Diskussion publiziert hat.

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