Die Freiheit der Kletterer hat eine Grenze

Zum Beitrag « Der Gebrauch von Haken und Bohrmaschine beim Klettern » ( ALPEN 11/97, S. 47 ff. ) Eine dem Klettern gewidmete Diskussion brachte im Herbst 1996 in Martigny rund 30 Kletterinnen und Kletterer, Erstbegeher sowie Unterwalliser Bergführer zusammen. Die Debatte, die von der Walliser Gruppe von Mountain Wilderness angeregt worden war, erlaubte einen Meinungsaustausch über die Probleme, die durch die rasante Entwicklung des Kletterns entstehen. Die Gesprächs-teilnehmer einigten sich auf die Ausarbeitung eines Manifests, das darauf hinwirken soll, dass bei der Eröffnung von neuen Kletterrouten auf Umweltfragen eingegangen wird.

In diesem Zusammenhang hat uns der Beitrag von Claude und Yves Remy sehr interessiert, und wir danken den Autoren dafür. Allerdings -in unseren Augen geht die Sache von dem Punkt an schief, wo die Autoren den geschichtlichen Teil verlassen, um uns ihre Sicht der aktuellen Probleme des Kletterns und ihre Lösungsansätze ( die keine sind ) mitzuteilen.

Die Grundfrage lautet: Wird die Kletterei auch noch im Jahr 2000 die « von Freiheit geprägte Sportart schlechthin » sein? Wir denken, dass der heutige Kletterer - wie jeder andere « Naturbenützer » - seinen Spielplatz immer mehr mit anderen Menschen teilen muss; seine Lebensqualität verschlechtert sich. Nach Ansicht der Autoren darf sich nun aber der seiner Natur nach freie Kletterer nicht zu der Vorstellung herablassen, jemand könnte sein Recht zu klettern anfechten oder gar ein Reglement erstellen; durch eine solche Verregle-mentierung würde das Klettern ja zum Tode verurteilt.

Es gibt nun aber tatsächlich Probleme. Die Autoren erkennen einige davon und schlagen uns ihre Lösungen vor: Im Zusammenhang mit der Zunahme der Routenzahl und der Bohrhaken an gewissen Orten sehen sie allerdings alle möglichen Lösungen vor, ausser die bescheidenste und, in unseren Augen, elementarste: Verzicht. Zudem erkennen sie zwar, dass es zu Konflikten zwischen Erstbegehern über die Art der Einrichtung der Routen kommen könn- te, aber sie sehen gleichzeitig nicht, was der Naturschutz damit zu tun hat. Ihre Aussage, die Problematik des Kletterns im Naturschutzbereich sei relativ, da es andere, schlimmere Eingriffe in die Natur gäbe, scheint uns nicht akzeptabel.

Wir kritisieren diese simple Sehweise der Umweltprobleme, die durch die explosionsartige Zunahme der in der Natur ausgeübten Aktivitäten entstehen. Wir möchten daran erinnern, dass diese Aktivitäten die Umwelt wirklich stark beeinflussen. Übrigens hat die SAC-Kommission für den Schutz der Gebirgswelt gerade aus diesem Grund schon Beiträge in den Alpen publiziert, um die Leser auf die möglichen schädlichen Folgen der Kletterei auf das Ökosystem der Felsen zu sensibilisieren. In der gleichen Ausgabe 11/97 spricht sie vom Einfluss des Canyoning auf die Schluchtökosysteme und schlägt die Festlegung von Benutzungskonventionen vor, die die Schäden begrenzen sollen.

Zum Schluss möchten wir an das traurige Schicksal unserer deutschen Freunde erinnern, die heute vielerorts nicht mehr klettern dürfen - weil sie die Probleme nicht früh genug erkannten.

Christophe Michellod, Leytron VS, und drei Gefährten ( ü )

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