Die Hörner sind los!

Langsam spricht es sich herum: In Bern ist das Matterhorn los. Es wurde im Bahnhof gesichtet. In einem Fotoautomaten. Später im Migros-Markt bei der Gemüseauslage. Passanten berichteten, das Matterhorn sei mit dem Tram vom Ostring nach Brünnen ins Westside gefahren und wieder zurück. Es erschien auch im Hörsaal des Unihauptgebäudes und im Tierpark beim Streichelzoo. Auf dem Valser Granit des Bundesplatzes wirkte das Matterhorn etwas verloren. Aber in der Eingangshalle der Einwohnerkontrolle machte es sich hervorragend.

Berge versetzen

Ein halbes Jahr ist es her, dass die Bergreliefs im Alpinen Museum (ALPS) von ihren Sockeln gehoben, teilweise in Stücke zersägt und im Depot des archäologischen Dienstes eingelagert wurden. Inzwischen sind die Berge aus ihrem Depotschlaf erwacht. In fünf Wochen kehrt eine noch nie in dieser Zahl gesichtete Menge an Reliefs ins neu hergerichtete Alpine Museum der Schweiz (ALPS) zurück. Nur das Bonsaimatterhorn, das scheint sich selbstständig gemacht zu haben: Berge wandeln in den nächsten Wochen als Botschafter in Museumssache durch die Hauptstadt. Noch bevor in fünf Wochen das ALPS zu seiner Ausstellung «Berge versetzen. Eine Auslegeordnung» einlädt, haben sich die Matterhörner aufgemacht, ihr Publikum zu besuchen. Sie suchen Mitspieler; Bernerinnen und Berner, die bereit sind, Berge zu versetzen. Einen Tag mit dem Berg auf dem Gurten, dem Hausberg, zu verbringen, ihm Bürotüren zu öffnen, Arbeitswelten zu zeigen, den Berg ins Schulzimmer zu lassen oder in die Feierabend-Happy-Hour zu entführen. Vor allem aber sollen diese kollektiven Bergversetzungen mit Fotos und Filmen dokumentiert und auf die Website des ALPS gestellt werden!

Die Holländer übrigens sind begnadete Bergeversetzer. Seit Franz Hohlers Geschichte «Wie die Berge in die Schweiz kamen» wissen wir auch, warum: Die Berge waren einst in Holland und die Tulpen in der Schweiz, heisst es in der Geschichte. Die beiden Nationen wollten das tauschen. Die Tulpen wurden verschickt, aber die Berge? Da erinnerte sich ein kluger Schweizer an das alte Sprichwort «Der Glaube versetzt Berge». «Wir müssen es nur glauben», sagte er, «dann passiert es auch.» Ohne den Glaubensakt stünde das Matterhorn noch heute an der Nordsee, und die Skilifte und Bahnen in der Schweiz würden ebenaus fahren. Peter Schönherr, der holländische Botschafter in der Schweiz, jedenfalls hat seine Unterstützung bereits zugesagt. Er wird im Frühjahr durch die Ausstellung «Berge versetzen» führen.

Auf www.alpinesmuseum.ch erfahren Sie, wie Sie selber zum Bergeversetzer werden können.

> Baustelle Alpines Museum

Das Alpine Museum wird vollständig erneuert. Bis zur Wiedereröffnung am 8. März 2012 berichtet der neue Direktor über den Weg zum Ziel.

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