Die offizielle alpine Literatur der Kriegführenden in den Jahren 1914—1918

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Dr. Heinrich Dübi ( Sektion Bern und Ehrenmitglied S.A.C. ).

Vorbemerkung. Durch eine Reihe von Verumständungen, über welche ich jeweilen im redaktionellen Teil dieses Jahrbuches, zuletzt in Bd. LII, pag. 266, Auskunft gegeben habe, ist es mir seit 1913 nicht mehr möglich gewesen, in der üblichen Weise der Buchbesprechung über die Publikationen des französischen und des italienischen Alpenclubs, der Gesellschaften der Alpinisten des Trentino und des Dauphiné, des kanadischen und des englischen Alpenclubs, des deutschen und österreichischen Alpenvereins und des österreichischen Alpenclubs, nach Jahrgängen geordnet, zu berichten, wie ich es seit 1892 ununterbrochen in den „ Kleineren Mitteilungen " durchgeführt hatte.

Da diese Lücke im Interesse der Sache nicht unausgefüllt bleiben durfte, habe ich mich im Einverständnis mit dem Zentralkomitee entschlossen, für diesmal eine zusammenfassende Darstellung an Stelle der vereinzelten Buchbesprechungen zu geben und sie den „ Abhandlungen " einzureihen. Es mag auch einer künftigen Generation wertvoll sein, ohne viel eigene Mühe des Zusammensuchens, eine Übersicht durch einen Unparteiischen darüber zu erhalten, wie dieser vierjährige Weltkrieg, zerstörend und befruchtend zugleich, auf die alpine Literatur der kriegführenden Völker von fünf Nationen und vier Sprachen eingewirkt hat, und was etwa an Aussichten für die Zukunft daraus zu entnehmen wäre. Ich beginne mit A. Publikationen in französischer Sprache.

I. Revue Alpine, publiée par la Section Lyonnaise du Club alpin Français, 20e et 21e année.

Die Monatsschrift der Lyoner Sektion des französischen Alp Alpenclubs, welche seit dem Wegzug von M. Maurice Paillot nach Paris unter der Leitung von M. B. Fouillard steht, hatte das Jahr 1914 sehr hoffnungsreich angetreten. Sie hatte im Jahre 1913 zwölf Hefte von zusammen 464 Seiten publiziert, mit einem reichen und gut illustrierten Inhalt, aus welchem wir, nach so langer Zeit, nur die Artikel von E. Fontaine: L' Aiguille du Dru et sa niche, einen nicht unterzeichneten über L' Alpinisme militaire suisse et la Traversée du Col de la Jungfrau und einen von J. Tavernier: Le Lötschenthal et le tour de la Jungfrau, hervorheben wollen. Der Jahrgang 1914, von dem nur acht Hefte erschienen sind, bringt uns recht viele Aufsätze aus den Schweizer Alpen. So beschreibt A. Brofferio zwei Walliser Hochtouren, nämlich den Übergang vom Täschhorn zum Dom, die er mit einem andern Italiener, Aldo Bonacossa, ohne Führer im August 1913 vollbrachte, und eine Besteigung der Dent Blanche über den Südgrat, die ihm mit Adolfo Heß im August 1910 gelang. Beide Besteigungen sind, wenn auch nichts Außerordentliches, doch tüchtige Leistungen von Führerlosen. Freilich stößt unsereinen gelegentlich die hochmütig vorgetragene Antipathie Brofferios gegen die Zermatter Führer und das auf solche angewiesene Touristenpublikum. Und auch mit seinem vorschnellen Urteil über die Vorrechte der eigentlichen „ Alpinisten " gegenüber Führern und Geführten in den vom S.A.C. errichteten Hütten hat der Weltkrieg bedenklich aufgeräumt. Eine Neuordnung ist manchenorts am Platz, aber sie darf die Einheimischen nicht benachteiligen zugunsten Landesfremder. Als interessante „ Zeiten " notiere ich aus Brofferios Aufsatz: Kienhütte-Täschhorn 7 Std., Täschhorn-Dom 5 Std., Dom-Festi-hütte 2 Std., Festihütte Randa 3 Std. Der Artikel von Brofferio ist glänzend illustriert; außer drei ganz- oder halbseitigen Bildern: Täschhorn und Dom, Ostseite; Mischabelgruppe vom Schwai'zhorn; Dent Blanche-Südgrat, hat die Redaktion noch ein Panorama des Monte Rosa-Massivs vom Gornergrat mit eingezeichneten Itinerarien, Wegen und Hütten beigegeben, welches den „ Guides Pol " entnommen ist und auch die Westseite de3 Zermattertals umfaßt. Es ist nicht übel gemacht und „ interpretiert " von M. Ch. Joublot, einem früheren Redaktor der „ Revue Alpine ", nun aber freilich durch den Walliserführer überholt. Mit der Gegend von Zermatt befassen sich noch zwei lehrreiche Aufsätze von Adolfo Heß: Berichte über die Eindrücke eines Aufenthaltes im „ Hotel Cervin " in Zermatt und einer Weißhornbesteigung mit Brofferio, welche beim großen Gendarmen des Ostgrates wegen schlechtem Schnee und auf dringendes Anraten einer Führerpartie abgebrochen werden mußte. Besser gelang den nämlichen im August 1913 eine Traversierung des Zinal Rothorns von der Mountethütte oder Hotel, welchem Sr. Heß unbedingtes Lob spendet, zum Trifthotel und nach Zermatt. Der mit einem Vollbild: Zinal Rothorn vom Besso, und drei Textbildern vom Nordgrat illustrierte Artikel ist sehr hübsch und munter geschrieben und verrät kaum die Spuren der Übersetzung aus dem Italienischen. Auch die eingestreuten Bemerkungen von Heß über „ Gipfelfreuden " und die Wirkung des Erfolgs auf die Psyche des Alpinisten sind lehrreich. Sie sind übrigens in der Schrift: La Psicho-logia dell'Alpinista, S. Lattes & Cia., Turin 1914, niedergelegt. Aber, als Heß am Schluß seines Artikels im Julihefte 1914 der „ Revue Alpine " die Worte abdrucken ließ, daß „ der belebende Einfluß des Bergsteigens auf die italienische Jungmannschaft sich in der Cyrenaica glänzend bewähre ", ahnte er wohl nicht, daß vor Ablauf eines Jahres dieser Geist für Italien auf viel näher liegenden Schlachtfeldern von vitalem Interesse sein würde.

Eine Reihe anderer Aufsätze führt uns ins Dauphiné, so von Emile Morel Couprie: Vers la Meije, notes et souvenirs, vom 17. Februar 1895, vom 21./24. Juli 1895, vom 17. Juli 1896, Bericht über drei vergebliche Anläufe gegen den Grand Pic de la Meije, welche der Verfasser mit Thorant unternahm, und ein Schlußbericht über die Katastrophe, welcher Thorant und Payerne am 19. August 1896 zum Opfer fielen. Die Gründe des Mißerfolgs vom 24. Juli 1895 werden unverschleiert angegeben, und eine Routenskizze mit allen in der Literatur bekannten schwierigen Stellen, Halteplätzen etc. dient zum Verständnis. Sehr schön ist das farbige Titelbild: Soir sur la Meije. Den andern Hauptgipfel des Dauphiné bespricht ein Aufsatz von Dr. ing. Guido Mayer über die erste Besteigung des Dôme de Neige des Ecrins vom Glacier de Bonne-Pierre über die Nordwestflanke, die er am 12. Juli 1913 mit Angelo Dibona ausführte. Der Bericht über die Lösung des „ letzten Problems im Massif des Oisans " ist flott geschrieben und durch ein ganzseitiges Bild der Nordwestflanke mit eingezeichneter Route gut illustriert. Der nämliche österreichische Bergsteiger berichtet im Märzheft von 1914 über eine Besteigung des Mittelgipfels der Ailefroide über die Nordwestwand, welche er am 1. Juli 1913 mit Angelo Di- bona ausführte, und die, von La Bérarde und wieder dahin zurück, 3 Tage und 2 Biwaks in Anspruch nahm. Auch diese Erstbesteigung ist peinlich genau geschildert und durch eine Routenskizze erläutert. Im Aprilheft 1914 beschreibt Dr. Guido Mayer seine Erstbesteigung des von ihm, nach Angaben einheimischer Führer, „ Pain de Sucre " genannten riesigen Monolithen in der Kette der Aiguilles du Soreiller, die er am 27. Juni 1913 mit Angelo Dibona ausführte, und begleitet sie mit einer selbstgezeichneten Skizze. Eine sachlich wohl nicht unberechtigte und in der Form nicht schroffe Kritik, die Dr. Mayer am Dauphineführer, der damals schon in einer französischen, zwei englischen und einer deutschen Ausgabe vorlag, und an der Karte von Duhamel übte in bezug auf die Lage des Glacier de l' Ailefroide und der Benennung „ Pain de Sucre ", die zwischen 1877 und 1913 offenbar ihren Platz gewechselt hat, rief den lebhaften Widerspruch von Rev. W. A. B. Coolidge hervor, der auf seinen früheren Angaben unbedingt beharrte. So schloß diese Diskussion, die sich durch mehrere Hefte der „ Revue Alpine " durchzieht, mit einem faulen Kompromiß, indem die Redaktion der „ Revue Alpine ", welche eher auf die Seite Dr. Mayers zu neigen scheint, von dessen Verzicht auf weitere Erörterung der Frage in ihrem Organ dankend Kenntnis nahm. Wir hätten in ähnlicher Lage das gleiche getan.

Dr. Coolidge hat außer diesen Polemiken der „ Revue Alpine " von 1914 noch zwei uns interessierende Beiträge geliefert: Erstens im Aprilheft eine kleine Skizze über den Steinbock in der Schweiz. In Ergänzung eines Artikels über den „ Steinbock in den Alpen " von M. Lavanden, der in der „ Revue Alpine " von 1913 erschienen war, gibt der gelehrte Alpenhistoriograph eine Fülle von Einzelnotizen, die wohl ziemlich vollständig sein wird. Von dem zeitlich nicht bestimmbaren Steinbockgehörn, das vor wenigen Jahren im Strahl egg-Gebiet gefunden wurde und nun im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern aufbewahrt wird, konnte Dr. Coolidge 1914 noch nichts wissen. Der andere Artikel, im Juniheft, bezieht sich auf die erste Titlisbesteigung 1739 oder ( wahrscheinlicher ) 1744. Zu dem, was darüber im S.A.C.J.. XXXII, XLV und XLVII schon veröffentlicht worden war, ist Dr. Coolidge durch die Freundlichkeit des Engelberger Stiftsarchivars in die Lage versetzt worden, uns über die Persönlichkeiten der vier Erstbesteiger und ihr Dienstverhältnis zum Kloster — sie waren nicht Geistliche, auch nicht Laienbrüder — genaue Anskunft zu geben, was bisher nicht möglich war.

An „ Courses nouvelles " werden erwähnt die Besteigung des Roc du Gerbier über den Nordgrat, 19. April 1914, und der Dent d' Arclusaz über den Südwestgrat, 2. Juni 1912. An beiden war M. Jean Capdepont beteiligt, der auch über sie berichtet und die erläuternden Skizzen geliefert hat. Beide gehören zu dem Kalkgebirge bei St. Pierre d' Albigny, das den Kletterern der Lyoner Sektion des französischen Alpenclubs als Übungsfeld dient.

Von Skifahrten in den Alpen der Maurienne ( Col du Mont Cenis, Col de Chavière ) handelt A. Bréville und gibt zum Schluß den Skifahrern nützliche Winke über andere Übungsgelände in den französischen Alpen.

Mit einem jugendlich anmutenden Feuereifer und Sicherheitsgefühl greift Henri Ferrand die Frage nach Hannibals Alpenübergang auf, die zu entscheiden ich mich vor Jahren vergeblich bemühte. Ausgehend von der Tatsache, daß die zwei Endpunkte der Linie, der Rhoneübergang etwa zwischen Arles und Roquemaure und die Ankunft im Lande der Tauriner, d.h. im Tal der Dora Riparia, gegeben sind, beschränkt Ferrand zunächst die Diskussion auf die Übergänge zwischen dem Grand Queyron im Süden und dem Knoten der Galise im Norden. Er eliminiert dann, aus verständigen Gründen, alle Übergänge, die über 2500 m liegen, und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten in den zwei Gruppen des Mont Genèvre und des Mont Cenis. In bezug auf die südliche Gruppe wird zunächst festgestellt, daß der früher allge- mein ( auch von mir in S.A.C.J.. XIX, p. 396—401 ) angenommene Zugangs- resp. Umweg die Rhone hinauf bis zur Iseremündung, dann durch das Tal des Drac oder der Romanche und über einen der Pässe, welche das Stromgebiet der Isère und der Durance trennen, zum Oberlauf der letzteren aufgegeben werden müsse, weil von einem solchen Übergang über eine hohe Vorkette weder bei Polybius noch bei Livius die Rede sei, welche vielmehr ein ungehindertes Aufsteigen der Armee Hannibals durch ein Flußtal bis an den Fuß der Alpen bezeugen. Demnach,sollte man meinen, würde sich Ferrand für ein neuerdings aufgestelltes Itinerar entscheiden, welches nach Überschreiten der Rhone etwas unterhalb der Duranceniündung, nicht nördlicher als Fourques, diesem Flusse folgt und den Alpenkamm am Mont Genèvre oder Col de Bousson überschreitet. Aber diese Route bliebe um fast 100 km unter der von Polybius vom Rhoneübergang bis Avigliana angegebenen Weglänge von 2600 Stadien = 325 römische Meilen = 481 Kilometern. Ferrand entscheidet sich daher für die nördliche Gruppe und gibt in dieser dem Col du Clapier, früher Col du Petit Mont Cenis geheißen, den Vorzug, weil er folgende Erfordernisse auf sich vereinigt: 1. einen bequemen Zugang durch die Täler der Isère, des Arc, des Pla-nais und der Savine; 2. die Aussicht auf die Po-Ebene vom Hügel zwischen den beiden Einschnitten des Col du Clapier; 3. zwei ausgedehnte, aber im Spätjahr dem Futtermangel ausgesetzte Rastplätze, den ersten auf dem Plateau des Col du Clapier selbst, den zweiten auf dem der Lacs Clapier; 4. die Möglichkeit, die Abbruchstelle des Polybius auf dem vom Plateau der Lacs Clapier nach San Colombano und Exilles hinunterführenden, heute noch Rutschungen im liasischen Gestein ausgesetzten Alpwege und den besonders von Livius betonten Firn der versuchten Umgehung im Gletscher dell'Agnello an den Abhängen des Mont Niblé angemessen zu lokalisieren. Ein leider in der Reproduktion verschwommenes Cliché von Ferrand gibt über diese Verhältnisse gute Auskunft. Ich gestehe gerne, daß mir die Argumente Ferrands großen Eindruck gemacht, wenn auch nicht alle Zweifel beseitigt haben. Er regt zum Schluß Nachgrabungen auf den beiden genannten Plateaus an, und wenn solche, 21 Jahrhunderte nach dem denkwürdigen Ereignis vorgenommen, so gute Ergebnisse geben sollten, wie die von Ferrand im Eingang hervorgehobene, durch Funde neuestens absolut gesicherte Gleichung: Gergovia = Mont Auxerrois und Alise-Ste-Reine, so wäre eine Untersuchung beendigt, die sich ohne das zur Seeschlange auszuwachsen droht.

An der Expedition im Garhwal-Himalaya, vom 26. Mai bis 13. August 1912, bei welcher in drei Anläufen am Kämet eine Höhe von über 7000 m erreicht wurde, waren mit Mr. C. F. Meade, außer Franz Lochmatter und Joh. Perren, die Führer Pierre Blanc und Justin Blanc aus Bonneval beteiligt, was den Abdruck der Tagebuchaufzeichnungen Meades und einiger seiner Aufnahmen in der „ Revue Alpine " wohl rechtfertigt. Eine Publikation der Resultate von 1913, welche der Übersetzer im Aprilheft 1914 ankündigt, ist anscheinend durch den Krieg verhindert worden.

Unter den Sektionsnacliiicliten mag uns auch heute noch ein Bericht von H. Gindre interessieren über einen Sektionsausflug von Aix-les-Bains am 30. November 1913, auf die Dent du Chat ( 1400 m ) bei Bourget, an welchem 10 Mitglieder, darunter eine Dame, teilnahmen. Die Erzählung ist von einer erläuternden Skizze begleitet. Ich will nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß nach einigen Autoren^ der Col du Chat schon 218 v. Chr. von Hannibal überschritten wurde, der sich nach einem Siege über die Allobrogen in Bourget für seinen Alpenübergang verproviantierte. Das stimmt natürlich nicht zu der oben dargelegten Hypothese Ferrands.

Eine etwas melancholische Lektüre ist heute der Bericht von Léon Béthouse über das „ alpine Dorf " an der Lyoner Ausstellung von 1914, erschienen im Maiheft der „ Revue Alpine " von 1914, begleitet von einem Situationsplan. Man weiß in der Tat, daß diese Ausstellung, an der sich auch die Westschweiz und deren Sektionen des S.A.C. lebhaft beteiligten, durch den Kriegsausbruch schwer geschädigt wurde, weil sie nicht, wie die Berner, nach kurzer Pause ihre Tore wieder auftun und bis zum vorgesehenen Termin offen halten konnte.

Mit einem ebenso würdigen als bündigen „ Avis " erklärte am 5. August 1914 die Redaktion, daß die „ Revue Alpine " bis auf weiteres ihr Erscheinen einstelle, da die Mehrzahl ihrer Freunde, die Leser und Mitarbeiter, dem Rufe des Vaterlandes zu den Waffen gefolgt seien; sie holte, wenn die Stunde des Friedens — und zugleich des Sieges — geschlagen haben werde, ihre Tätigkeit mit neuem Eifer wieder aufnehmen zu können. Dann tritt eine lange Pause ein, und erst 1917 erschienen .wieder zwei dünne Hefte, das eine im März, das andere im Dezember. Das erstere beginnt mit einem hinreißend geschriebenen Vorwort, betitelt „ Quand même ", von Alphonse Lavirotte, in welchem der unbezwingliche französische Geist sich ausprägt, und einem ebenfalls die glorreichen Toten feiernden Gedicht: Et exaltavit humiles, von Grand-perret, datiert Thonon, 25. Juni 1915. Dann folgt die lange Liste von 66 Mitgliedern der Sektion Lyon, welche in den 30 verflossenen Kriegsmonaten den Tod für das Vaterland erlitten haben. An der Spitze steht mit einem bemerkenswerten Auszug aus seinem Carnet de Route, der zeigt, wie unter der Asche glühend der Revanchegedanke in den Herzen der französischen Generationen seit 1870 geblieben war, der Name von Louis Frachon, geboren 1. Februar 1892, gefallen im Elsaß 18. August 1914. Unter den oben erwähnten Bergsteigern finde ich wieder als Toten Jean Capdepont, geboren den 29. Juli 1885, von dem in der kurzen Lebensskizze, die jedem Gefallenen gewidmet ist, erwähnt wird, daß er einst an den Ecrins mit einer schweren Verletzung der Katastrophe entrann, bei welcher seine Schwester und M. Gley den Tod fanden. Nicht auf dem Schlachtfeld, aber doch im Dienste seines Vaterlandes als Depotchef der Skiabteilung eines Bataillons Alpenjäger, verschied am 7. Februar 1917, 64 Jahre alt, der weitbekannte Henri Duhamel, nachdem er kurz vorher die dritte Auflage seiner Dauphinékarte herausgegeben hatte. Eine zweite Totenliste im Dezemberheft umfaßt 11 Gefallene, zwei im Felde erworbenen Krankheiten Erlegene und einen Vermißten. Wir übergehen die Liste der „ Ehren-bezeugungen ", welche den im Felde stehenden Mitgliedern der Sektion bis 1917 zugefallen sind, erwähnen aber gerne einen „ Feldbrief " des Präsidenten der Sektion, Capitaine F. Regaud, datiert 27. November 1917, der mit den stolzen Worten schließt: La France veut vivre; la France doit être immortelle. Der touristische Inhalt der beiden Hefte ist naturgemäß spärlich. Aus dem ersten erwähne ich den Bericht eines in Grindelwald nach 22 Monaten Gefangenschaft in Deutschland internierten Lyoners, Maurice Flachat, über eine Tour zur Schwarzegghütte und eine zur Glecksteinhütte, die er mit einem Kameraden, Chr. Vautier, Ende September und im Oktober 1916 ausgeführt hat. Bei der Rückkehr von der Wetterhorntour — die beiden hatten von der Hütte aus einen Spaziergang zum Krinnengletscher gemacht — schwatzte ihnen ein listiger Grindelwalderführer das Hüttenbuch auf, das er hätte zu Tal schaffen sollen, während er vorzog, mit seinem Touristen ledig über den Mettenberg nach Grindelwald zurückzukehren. M. Flachat ist so artig, diese Bürde nur deshalb zu empfinden, weil er die letzte Eintragung von M. Casella mitzuschleppen hatte. Mich hätte dag nicht tentiert. Der Artikel ist mit zwei Photographien: Massiv der Fiescherhörner und Eiger von der Großen Scheidegg, illustriert. Die einzige andere Illustration des Jahrgangs 1917 betrifft das schon Anfang Juli 1914 eingeweihte Chalet-Hôtel du Col de Porte der Société des Touristes du Dauphiné, das auch dem Wintersport dienen soll.

Von 1918 habe ich keine „ Revue Alpine " erhalten, weiß auch nicht, ob weitere Hefte erschienen sind.

II. La Montagne, Revue mensuelle du Club Alpin Français, 10e, 11e, 12e, 13e et 14 " année, 1914—1918.

Auch die Monatsschrift des französischen Alpenclubs trat mit vollen Segeln unter der zielbewußten Leitung von Maurice Paillon ins Jahr 1914 ein. Unter ihren Originalartikeln steht in erster Linie der von Henri Beraldi: Ramond; Sa jeunesse; Le voyage en Suisse. Ich habe meine Leser schon im S.A.C.J.. XLVII, p. 331—332, mit den Arbeiten dieses französischen „ Bibliophilen ", wie er sich selber nennt, über die Vorgeschichte der Erforschung der Pyrenäen, die nach ihm mit Ramond ( 1755 —1827 ) beginnt, vertraut gemacht. Was ich dort hervorhob, muß ich auch heute und für die Fortsetzung seiner „ Pyrénées avant Ramond " konstatieren. In einer sprunghaften Darstellung und einem Durcheinander, das auch einen Kenner wirblig machen könnte, wird dem Leser an den Kopf geworfen, was neben dem jungen Ramond die Bourrit, Deluc, Saussure, Coxe, Zurlauben, Besson u.a. für den Alpinismus — denn der Pyrenäismus ist noch nicht einmal in den Windeln — getan haben. Über Ramond, dessen Einfluß Beraldi auch für die spätere Zeit wohl überschätzt, und seine Beziehungen zur Schweiz erfahren wir, daß der aus dem Languedoc stammende, aber in Straßburg als Sohn eines Finanzbeamten geborene und aufgewachsene junge Mann, nach Erledigung seiner Rechtsstudien mit einem wenig älteren Bekannten, wahrscheinlich dem Dichter Reinhold Lenz, im Mai 1777 eine Schweizerreise antrat, welche die beiden „ mit wenig Geld und viel Behagen " in knapp drei Monaten über 350 Wegstunden, alles zu Fuß, durch die ebene und gebirgige Schweiz führte. Interessante Punkte, die Ramond angibt, sind Scbaff-hausen, der Rheinfall, Zürich, wo Bodmer, Geßner und Lavater besucht wurden, Einsiedeln, über den Hacken nach Schwyz, Luzern, wo man sich bei Oberst Pfyffer und seinem Relief über die weitere Reise erkundigte. Engelberg, Jochpaß ( 11 Marschstunden bis Meiringen ), Große Scheidegg, Grindelwald, Zweilütschinen, Lauterbrunnen, Bern, wo der greise Haller Ramond eine Theorie über konstantesVordringen der Gletscher gab. Von Bern aus wurde die „ große Tour " angetreten. Ramond besuchte Voltaire in Ferney, war wahrscheinlich in Genf, aber schwerlich in Chamonix. Sein weiteres Itinerar: Vevey-Bex-St. Maurice-Pissevache-Sitten spricht dagegen. Weiter Leuk mit Abstecher zu den Bädern, Brig, Lax, Rhonegletscher, Furka, Gotthard ( gegen den 13. Juli ), Andermatt, Teufelsbrücke, Klausenpaß, Glarus, wo Ramond von seinem Gastwirt Aufschluß über den beginnenden „ Industrialismus " im Lande erhält und, am 28. Juli, an der Landsgemeinde teilnimmt, welche über die Erneuerung des Allianzvertrags mit Frankreich zu entscheiden hat. Dann kehrt er über Zürich, Solothurn ( wo er dem französischen Gesandten Bericht erstattet ) und Basel ins Elsaß zurück. Ramond war, trotz Pfyffer, über die Berge schlecht orientiert und hat weniger beobachtet als Coxe, den er später zu berichtigen sich herausgenommen hat. Merkwürdig ist sein ( von Pfyffer übernommenerIrrtum, daß man von der Engstlenalp aus das Schreckhorn und damit den zweithöchsten Gipfel der Alpen, nach dem Mont Blanc, sehe. Wyttenbach in Bern, den Ramond nicht gesprochen hat, wußte das schon damals besser; aber im Jahre 1914 ist es unverzeihlich, wenn in der „ Montagne " eine Wehrlische Ansicht der Wetterhörner von N. als „ Engstlenalp et massif du Schreckhorn " bezeichnet wird. Auch die beiden andern Wehrli-bilder, die den Jochpaß von beiden Seiten mit modernen Zutaten zeigen, wären besser durch ein zeitgenössisches der Publikation von Laborde ersetzt worden, an denen es nicht fehlt. Dagegen Stiftskirche und Kloster von Engelberg und der Titlis, die ebenfalls nach Wehrli wiedergegeben sind, werden 1777 nicht wesentlich anders ausgesehen haben. Beraldi verfolgt die Schicksale Ramonds in Colmar und Paris bis 1780, wo durch die Bekanntschaft mit Coxes Buch die Wendung in seinem Leben eintrat, von der wir später zu reden haben werden.

In den übrigen Heften des Jahrgangs 1914 der „ Montagne " finden wir eine Reihe touristischer Aufsätze aus dem Gebiet von Chamonix: Quelques promenades peu connues ( Chalet de Blaitière, Chemin du Pavillon de Lognan, Plan des Aiguilles Rouges ) par R. Le Chatelier; Au Planet ( Winterferien mit Ausflügen ), par Mme Léo Enthoven-Thomas; Petites Escalades autour de Chamonix ( Clocher du Brévent, Clocher de Planpraz, Petit Clocher de Planpraz, Clochetons de Planpraz, Brévent par la face Est, Aiguillette d' Argentière, Petite Aiguillette d' Argentière, Chemin des Gaillards, alles mit Itinerarien und Routenskizzen, ein eigentlicher Führer ), par Jacques Lépine; Entre Trélechamp et la Flégère, par Henri Val lot; Le Cirque de Fer-à Cheval, historique ( eine ausgezeichnete Vorarbeit für einen dringend zu wünschenden „ Führer " über diese klassische Gegend ), par Robert Perret. In die Schweiz führen uns folgende Artikel: Zigzags: Portiengrat-Tour noir-Grand Combin ( führerlose Besteigungen aus dem Jahre 1913 ), von Victor Puiseux; Traversées des Dents Blanches à la Dent de Barmaz ( ebenfalls aus dem Jahre 1913, Unternehmung, um dem von Tangotänzen und Tennisturnieren verseuchten, international gewordenen Champéry zu entrinnen !), par Gaston Cohen; A la Jungfrau: Ascension d' hiver ( ausgeführt im Dezember 1913 von vier jungen Mitgliedern des „ Club Français de Montagne " der Hochschule in Zürich, wobei die Lötschenlücke zweimal überschritten und der Gipfel der Jungfrau ganz, der der Ebnefluh beinahe erreicht wurde; genächtigt wurde jeweilen in der Concordia- oder der Egon v. Steiger-Hütte ), par R. Delzenne. In die französischen Alpen führen uns folgende Aufsätze: Le Coeur et la Croix de Savoie ( etwas pompöser Buchtitel, es handelt sich in dem Auszug um den Col de la Croix-de-Fer und die Aiguilles de l' Argentière ), par Léandre Vaillat; Autour de Sainte-Foy-Tarentaise, par Hubert Durand; Une nuit au Col de Pelouse, par Charles Durand. Nach Spanien bringt uns der Aufsatz: Au pays des Maurisques: Alpujarra, Sierra Nevada ( Besteigung des Muleyhacen, 3481 m ). Alle diese touristischen Artikel sind gut illustriert, und die Redaktion steuert gelegentlich aus ihrer Mappe Illustrationen bei, die den betreffenden Artikeln nicht zugehören. So finden wir im Aprilheft, ohne entsprechenden Text, eine Abbildung der Fallerhörner im Monte Rosa-Gebiet und eine des Pain de Sucre du Soreiller ( siehe oben ).

Auf technisches und kulturhistorisches Gebiet kommen wir mit den Abhandlungen: L' Architecture montagnarde, texte et croquis par H. Joulie; Le Peintre Communal, par Léandre Vaillat; La Face de la Terre ou la Création des Montagnes ( Buchbesprechung ), par Paul Girardin. Mit Fragen, die auch andere alpine Vereine aufregen, befassen sieh die Skizze: A l' entrainement ( Kletterschule bei Fontainebleau ), par J. Wehrlin, und der instruktive vorläufige Bericht: Un referendum sur l' organisation de l' enseignement de la technique alpine, par G. Héluin. Ins Gebiet der Volkswirtschaft und der in den französischen Alpen noch viel Ausbeute versprechenden Volkskunde suchte der für 1915 und die Maurienne und Tarentaise ausgeschriebene Concours de Monographies de Communes de Montagne einzudringen, der wie der Bericht über das Village alpin der Lyoner Ausstellung von A. Lavirotte ( hier ausführlicher und mit mehr Illustrationen als in der „ Revue Alpine " ) ein Torso geblieben ist. Das Gebiet der Belletristik ist nur durch eine Novellette: Les Chamois du Père Grégoire, par R. Touchon, vertreten, deren Reiz ich nicht durch Andeutung des Inhalts zerstören will. In dem Bericht über den XVII. Salon des Peintres de Montagne, den Pierre Querquin erstattet, konstatieren wir, daß die Schweizer Alpen die französischen Maler immer noch lebhaft anziehen. Was mag aus der Hütte du Grand Ventron ( zirka 1200 m ) im Verlaufe der Kämpfe in den Vogesen geworden sein, welche die Section des Hautes Vosges des C.A.F. bei Gerardmer errichtete und am 21. September 1913 einweihte? Sie sollte vornehmlich dem Wintersport dienen.

Wie der französische Alpenclub den fürchterlichen Anprall der Augusttage 1914 ausgehalten und pariert hat, geht aus dem Sammellieft 8—12 der „ Montagne " hervor. Nach einer kurzen Einleitung: Pour la patrie par la montagne 1874—1914, in welcher die für die Gegenwart tröstliche Tatsache hervorgehoben wird, daß der C.A.F. seit 40 Jahren redlich das seine getan hat, um die französische Jugend durch sportliche Erziehung gegen eine Wiederkehr der Ereignisse von 1870/71 zu wappnen, schildert H. Dunod in einer reizenden Plauderei: En famille, sac au dos, wie er mit seiner Frau und vier jugendlichen Kindern im August 1909 dieses Programm durch eine Fußtour auszuführen trachtete, welche die Karawane von St. Gin-golphe über Novel, Col du Vent, Col de Lovence, Lac Tanay, Col des Cornettes, Col de Vernaz nach Morgins brachte; dann wegen Unwohlsein zweier Kinder Wagen-und Bahnfahrt nach Chamonix, und Mont Blanc-Tour ( Col de Voza, Col du Bonhomme, Nant Borant, Plan des Dames, Croix du Bonhomme, Col des Fours, Col de la Seigne, Courmayeur, Col Ferret, Col de Fenêtre und Großer St. Bernhard, Wagenfahrt nach Orsieres, Abstecher nach Cbampex, über den Col de la Forclaz und de Balme nach Argentière und Chamonix, von wo die Heimfahrt nach Paris ( Ankunft am 14. September ) angetreten wurde. Die lehrreiche Erzählung ist gut illustriert und durch Erinnerungen aus späteren Kampagnen der gleichen Truppe belebt. Aus dem übrigen Inhalt dieses Heftes hebe ich hervor die Illustration: Mauvais Pas de l' Aiguille d' Arves, l' Ancienne manœuvre, mit erklärendem Text von J. Escarra, die Beschreibung des neuerbauien Kefuge du Glandon, die kurzen Lebens-nacluichten über die Führer Blanc-le-Greffier, f 13. Oktober 1914, und Pierre Gaspard Père, 1834 —1915 ( f IG. Januar ), die Ankündigung eines „ goldenen Buches " über die Teilnahme der Mitglieder des C.A.F. am Kriege, Maßregeln der Direktion über die Weiterführung der Geschäfte, Berichte über Besuche der Schlachtfelder an der Marne und Oise im September und Oktober, diese unter der Überschrift: Visites au pays ravagés par les barbares. Unter den Ascensions diverses von 1914 finden wir eine Begehung des Grates vom Unterbächhorn zum Nesthorn; unter den neuen Touren von 1913 die obenerwähnten der Ailefroide über den Nordhang des Dôme de neige des Ecrins über die Nordwestwand, des Pain de Sucre und eine des Nèthou ( 3404 m ) über den Südwestgrat.

Mit dem Jahre 19 15 trat die „ Montagne " in ihr zweites Dezennium. Wir können dessen erste vier Jahre um so leichter zusammenfassend behandeln, als sie alle im Zeichen des Krieges stehen und der Stoff für die „ Montagne " naturgemäß spärlicher wurde, je länger der Krieg dauerte. Weil manche Mitarbeiter mobilisiert waren, mußten Direktion und Redaktion sich für Verwaltung und Schriftstellerei an die „ Alten " und ihre Reserven wenden, um durchhalten zu können. So steuerten bei: David Martin, der bekannte Geologe und Glaziologe, seine „ Une vie de berger " betitelten Jugenderinnerungen aus seinem Heimatdörfchen Lalle im Valgaudemar, die bjLs. it54 reichen, wo eine zufällige Begegnung mit Professor Charles Lory über seine künftige Laufbahn entschied. Der unermüdliche und fruchtbare Henry Ferrand begegnet uns in der Montagne von 1915 zweimal, in der von 1916 und 1917 je einmal mit interessanten Beiträgen aus seinen alpinhistorischen Studien, für die er wohl in Frankreich die größte lebende Autorität ist. Wir nennen also: Le premier Dessin de la Chaîne du Mont Blanc. Als solche betrachtet er einen Kupferstich von Jean de Bram, welcher Sallanches und die Glacières nach dem Theatrum Sabaudiae von 1682 darstellt. Ferner: Le Mont Bego et les inscriptions et sculptures du Val des Merveilles, eine interessante folkloristische Studie über diese seit langem bekannten, aber erst in neuerer Zeit besonders durch C. Bicknell erforschten prä- historischen Skulpturen der Seealpen, über welche das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Endlich: Origine des bains de St. Gervais. Ferrand verfolgt die Entwicklung dieses Badeortes von 1807 an, wo er im Dictionnaire historique etc. von Grillet erstmals erwähnt wird, bis auf die Gegenwart; interessant sind auch die Parallelbilder von 1890 ( vor der Katastrophe des Gletscherausbruchs ) und 1909 ( gegenwärtiger Zustand der Gebäude ). Im Index von 1917 finde ich zu p. 143 verzeichnet — das betreffende Heft ist mir in den Kriegswirren verloren gegangen — H. Ferrand: Les anciennes beautés de la Vallée de Chamonix. Dem gleichen Hefte gehörte nach dem Index auch ein Aufsatz von Hubert Durand über den Buet an, den ich ebenfalls nicht zu Gesicht bekommen habe. Als dritten im Bunde der Be-jahrten nenne ich den Chevalier Victor de Cessole, der im letzten Heft des Jahrgangs 1918 eine Studie über neue Benennungen von Gipfeln in den Seealpen beigesteuert hat. Da dieser Artikel fast gleichzeitig in der „ Rivista mensile " erschien, so wird er dazu beitragen, über die letzten streitigen Punkte ins reine zu kommen.

Aber auch jüngere Kräfte stellten sich zur Mitarbeit. So beschreibt T. Charme: En souvenir de Bessans, einen Winterausflug von Modane dorthin, dem Land und Leute zugleich Reiz und Würze verleihen. J. de Lépiney schildert den Versuch einer Gréponbesteigung, mit einem Freunde unmittelbar vor Kriegsausbruch auf ungewöhnlicher Route unternommen und nicht weit vom Ziele abgebrochen. Die Beschreibung ist einem Feldbrief von der Argonnenfront vom Mai 1915 entnommen. Ebenfalls dem Jahre 1915 gehört der Aufsatz von J. E. an: Jours d' hiver à la Montagne ( la forêt de Prémol, Vers le Lautaret, La Grave etc. ). Ebenfalls ein Feldbrief, dem Anfang und Ende fehlen, ist die Skizze von Charles Durand: Vers la magie rébelle du Mont Blanc. Der Titel erklärt sich aus dem Umstand, daß der Verfasser mit einem Freunde, dem Führer Ducroz und einem Träger, die den Mont Blanc von der Cabane de la The Rousse über den Dôme du Goûter- und die Bosses angingen, ihr Ziel wegen der enormen Kälte und Sturmwind nicht ganz erreichen konnten. Eine eigentliche Monographie ist der Aufsatz von Pierre Garçon: Le cours du Giffre et ses vallées; auch er würde für den oben angedeuteten „ Führer " passen. Einen neuen Zugang zu dem so abenteuerlich aussehenden und doch schon 1492 bestiegenen Mont Aiguille von Norden fand und beschreibt Jean Escarra. Eine Erholungsreise, nach den Strapazen der Front, im August 1915 im Gebiet des Champ-saur bei Gap beschreibt Valentin Gros unter dem Titel: Les lacs de Crupillouse et le Col des Neiges. Noch vor den Krieg, nämlich vom 24. August bis 2. September 1913, fallen die Besteigungen im Oisans ( La Grave-Refuge de l' Alpe du Villar d' Arène-Brèclie Gaspard-Col Emile Pic-Barre des Ecrins-La Bérarde-Sommet des Rouies-Val Gaudemar l' Olan, welche L. Sillan im Jahrgang 1916 schildert. In weniger hoch gelegene Gegenden, aber zu tüchtigen Klettertouren führt der Aufsatz von P. Guiton: Valsenestre et Muselle; auch diese Besteigungen wurden vor dem Kriege ausgeführt, nämlich zu drei verschiedenen Daten des Jahres 1913; eingestreut sind auch Erinnerungen an „ Vater Gaspard ". Von dem nämlichen Autor stammt der Aufsatz: L' Aiguille d' Olan et le fond du Val Jouffrey, Exkursionen, welche ebenfalls vor dem Krieg ausgeführt wurden, aber erst 1917 beschrieben werden; sie enthalten auch nützliche Nachträge zum Dauphineführer. Eine „ Ausgrabung " ist der in der „ Montagne " von 1917 veröffentlichte Bericht von Jacques André über eine im August 1873 erfolgte Besteigung des Mont Gelas in den Seealpen.

Mit dem Jahre 19 17 lenkt die „ Montagne " sichtlich wieder in normale Bahnen ein. Schon im ersten Quartalheft berührt wohltuend die fast idyllische Ruhe, die über den folkloristischen Aufsatz von Mathilde Maige-Lefournier: La vie traditionnelle hivernale à Bonneval-sur-Arc, ausgebreitet ist. Ebenso friedlich, wenn auch mit dem Hintergrund kriegerischer Gedanken des „ Urlaubers ", ist der Bericht von P. Ilenriot:

A skis autour de la Meije et des Ecrins en 1917; der Verfasser und sein Adjutant Felix Bonnabel führten folgendes Itinerar aus: d' Oisans Grave-Lau-taret-refuge de l' Alpe du Clof des Cavales-Col de la Temple-Col de l' Ey du Galibier-Lautaret; zum Schluß praktische Ratschläge für die Weiterentwicklung des Skisports in dieser Gegend. Auf das Kriegstheater und — leider — auch in die Kriegshetze werden wir geführt durch den Aufsatz von Barthélémy Asquaciati: Aux Dolomites: Le Clocher du Val di Roda par la voie Zagonel et la Petite Cime de Lavaredo par le versant nord. Anhand von Besteigungen des Verfassers, eines Italieners, sollen die heroischen Leistungen seiner Landsleute im Gebirgskrieg gegen die Österreicher bemessen werden können. Wenn wir dies nicht aus anderen Quellen, und auch für die Gegenpartei, wüßten, so wären wir übel daran. Es wird einmal auch interessant sein, zu lernen, was dem Alpinismus hier durch Verwüstung von Klubhütten und Unterkunftsgelegenheiten, ja selbst von Dolomit gipfeln für Schaden erwachsen ist, den zu heilen um so schwieriger sein wird, weil der Völkerhaß hier an der Sprachgrenze fortfressen wird, ärger denn zuvor, fürchten wir. Erfreulich dagegen ist die internationale Konkurrenz im Lobe des im Dienste seines Vaterlandes, wenn auch nicht auf dem Schlachtfeld, am 7. Februar 1917 gestorbenen Henry Duhamel durch Gaston Berge, den General Gambiez, Henry Cuënot, W. A. B. Coolidge und Victor de Cessole. Besonders durch Coolidge lernen wir die touristische, literarische und wissenschaftliche Karriere dieses großen Alpinisten ( 1853—1917 ) eingehend kennen und würdigen, und ich verweise auf diese Biographie mit angehängten Nachweisen. Unter diesen wird die von wenigen gekannte Tatsache interessieren, daß Duhamel 1883 bei der Ausschreibung des S.A.C. über die „ Gefahren der Alpen " den zweiten Preis davontrug. Ein schönes Beispiel internationaler Humanität ist der von Charles Rabot übersetzte Bericht, welchen der Norweger Öistein Tidemand-Johannessen über die von ihm geleitete norwegische Skiambulanz an der Vogesenfront im Winter 1915/16 ablegt und worin besonders auch das Urteil über die französischen „ Alpins " unsere Touristen und Militärs interessieren dürfte.

Daß mit der wachsenden Sicherheit eines für Frankreich siegreichen Ausgangs des Krieges die „ Montagne " 1918 wieder, wenn wir von dem durch die Papiernot veranlaßten geringeren Umfang absehen, den vollen Betrieb auf allen Gebieten aufgenommen hat, will ich statt vieler Worte durch eine einfache Aufzählung des Inhalts der größeren Aufsätze in den vier Quartalheften beweisen. 1. Von Januar bis März: Deux escalades dans les Calcaires ( Traversée de la Pointe sud des Dents de Laufon, Pointe Duparc, Ostern 1914, und, in pikantem Gegensatz dazu, Traversée des Sattelspitzen et nouvel itinéraire de descente, Gastlosen, Alpes Fribourgeoises ( August 1917 als Internierter !), par Paul Chevalier; Le refuge de Péclet-Polset ( im Gebiet von Pralognan, 1913 eingeweiht, aber bis Ende 1917 nicht wieder eröffnet ), par M. Richard; Encore du nouveau aux Aiguilles de l' Argentière, massif d' Allevard ( neue Routen oder Varianten, die der Verfasser mit seinem Bruder und zwei Freunden im Juli 1917 ausführen konnte ), par Maurice Repiton-Préneuf; Les Origines de l' Alsace ( durch Stimmungsmacherei etwas getrübte historische Beweisführung; namientlich die Alesaciones als alamannischer Stamm, sind mir ganz unglaublich ), par Anselme Langel; Episodes de guerre alpine: En Macédoine ( muntere Erzählung eines Bergartillerieoffiziers, der an der Front bei Monastir seine alpinen Erinnerungen durch Alleinklettereien, die nicht nur wegen der Nähe des Feindes bedenklich waren, auffrischt, mit hübschen Illustrationen ), par le lieutenant J. M.; Petite campagne et grands sommets ( Brévent, Clocher du Plan-Praz, Aiguille Purtscheller, Col du Tour, Cabane Julien Dupuis, Aiguilles Dorées, Aiguille Javelle Trident, Fenêtre de Saleinaz, Col du Chardonnet, Pouce des Aiguilles Rouges, Petit Dru ), par Mademoiselle Henriette Leroy; une ascension hivernale au Chaillot-Le-Vieux ( 3163 m ) par Albert Gatine; L' Alpinisme en Espagne: Société d' Alpiniste Penalara de Madrid ( Bericht über die einstweilen noch recht bescheidene Betätigung in diesem Sport ), par F. Zabala; Madame Charlet-Straton ( 1838-1918 ), par Mademoiselle Mary Paillon. Die alpine Karriere dieser in hohem Alter gestorbenen Dame begann 1860 mit der Breche de Roland in den Pyrenäen und endete 1876 mit der ersten Winterbesteigung des Mont Blanc, einer Besteigung der Dent du Midi und einer des Balmhorns. Sie umfaßte sieben mittlere, zwanzig große Bergtouren, darunter vier Erstbesteigungen. Die letzten Tage waren getrübt durch den Tod auf dem Schlachtfelde ihres jüngsten Sohnes.

Die zwei letzten Hefte von 1918, Nummern 132 und 133 der ganzen Serie von 14 Jahren, verbinden Anfang und Ende des Weltkrieges, seine Ursachen und seine Ziele in beinahe programmatischer Weise. Zunächst knüpfen Jack de Lépeney und Paul Chevalier an eine mißglückte Gréponbesteigung von Anfang August 1914 an und berichten über die geglückte Wiederaufnahme dieser Besteigung und die zweite Besteigung der Aiguille du Peigne auf neuem Wege im August 1918 durch zwei Urlauber, von denen der eine vier Kriegsjahre an der Front, der andere eine lange Gefangenschaft in Deutschland hinter sich hatte. Albert Gatine schildert: „ Quelques jours en Alsace libérée " ( Gegend von St. Amarin mit dem Ballon d' Alsace ) als Vorgeschmack künftiger Touren in den ganz französischen Vogesen. J. Tour-gous verweist auf Marokko als Zukunftsland des Tourismus und Alpinismus, und der Capitaine Watier ergänzt diese Ausführungen durch Schilderung eines Wintersport-tages im Großen Atlas. Aus den Jahren 1917 und 1918 werden eine Reihe neuer Touren im Mont Blanc-Gebiet, den französischen Alpen und den Pyrenäen erwähnt, und so dürfen wir wohl unsere Besprechung mit einem frohen Ausblick in die Zukunft für die „ Montagne " und den C.A.F. schließen.« Aus dem Heft Nummer 131 zitiere ich, ohne sie werten zu können, weil sie mir nicht zu Gesicht gekommen sind, die Aufsätze von H. Ferrand: A. Chamouni; von Paul Guiton: Partie sud-ouest de la chaîne de Belledonne; von Capitaine de Pouydragin: Les Alpins au Monte Tomba, en Italie, 20 décembre 1917.

Über die Nummern 39 ( 1913 ) und 40 ( 1914/15, herausgekommen 1917 ) des Annuaire de la Société des Touristes du DaupMné habe ich in S.A.C.J.. LI, pag. 281 bis 282, gesprochen. Seitdem ist, meines Wissens, kein weiterer Band erschienen.

B. Publikationen in italienischer Sprache.

I. Bollettino della Società degli Alpinisti Tridentini. Anno XI, nri 1—3, Gennaio-Giugno 1914.

Ich habe schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser italienisch geschriebenen, aber auf österreichischem Reichsgebiet herauskommenden Zeitschrift sich die Irredenta in auffälliger und von Jahr zu Jahr mehr hervortretender Weise widerspiegle und daß die Tridentiner Alpinisten ihre wahren Brüder im italienischen Alpenclub suchen und auch finden. Dies zeigt sich auch in den sechs Heften des Jahrgangs X von 1913, aus denen ich nur weniges unter diesem Gesichtspunkte Wichtiges hervorheben will. An der im August 1913 in Cavareno abgehaltenen XLI. Jahresversammlung der S. A. T. nahmen durch Delegierte, Briefe oder Telegramme außer den Trentinern selbst — von dem Festort scheint Kind und Kegel dabei gewesen zu sein — eine Menge von Sektionen des C.A.I., aus Friaul, dem Care alto etc., die Sektion Genf S.A.C. und einzig die Sektion Braunschweig des D. & Ö.A.V. ( nur brieflich ) teil. In der Präsidialrede ist zweimal von behördlichen Verboten von Hüttenbauten an der Rosetta und der Tosa die Rede, soweit die durch das ominöse SEQUESTRATO angedeutete Zensur den Abdruck gestattete. In der Hauptversammlung wurde die Herausgabe eines Führers durch das Trentino und das obere Etschtal und eines Albums dieser Alpen, beides aus Anlaß und zu Ehren des fünfzigjährigen Jubiläums des italienischen Alpenclubs, beschlossen. An der „ goldenen Hochzeit ", wie dieses Jubiläum sehr poetisch bezeichnet wird, nahm der Vorstand der S. A. T., welche „ seit Jahren durch töchterlich fromme Ergebenheit mit dem C.A.I. verbunden ist ", offiziellen Anteil und wurde besonders gefeiert. Im nämlichen Heft, wo dieser Bericht steht, finden wir einen Aufsatz von Dott. Vittorio Ronchetti über die Besteigung des Nordend von Macugnaga, eine Notiz ( in Übersetzung ) von W. A. B. Coolidge über den 1913 verstorbenen Francis Fox Tuckett, der das Trentino wohl kannte, und eine wertvolle meteorologische Studie über das nämliche von Dott. R. Cobelli.

In so schwüler Stimmung ging das Organ der Tridentiner Alpinisten in das Schicksalsjahr 1914 hinüber. In dem sehr lesenswerten Aufsatz von Vittorio Labbro und Aldo Zippel ( es ist auffallend, wie „ germanisch " manche Namen dieser Wortführer der Italianità des Trentino und der Ladinia klingen, man vergleiche Larcher und Kandelpherger ): Attraverso le Dolomiti ladine, welcher mit einer sehr ausführlichen Bibliographie über die Literatur und Kartographie dieser Frage und einer schematischen Karte der besprochenen Gegend ausgestattet ist, werden die wenigen nach dem XLI. Kongreß darin ausgeführten Besteigungen, wie La Gardena, Le Odle, Gruppo del Puez, l' Alta Badia, i monti tra Marebbe ed Ampezzo, Sass la Porta, zum Ausgangspunkt einer These, die beweisen soll, daß diese ganze Gegend von Waldbruck bis Toblach als italischer Boden und das darin gesprochene Ladin eine durch Zufall der politischen Trennung und daraus resultierende kulturelle Verarmung entstandene Abart oberitalienischer Dialekte sei. Es wäre nicht schwer, das Grund-falsche dieser Hypothese mit historischen und linguistischen Argumenten nachzuweisen und zu zeigen, daß, wenn dieses Volk irgendwem anders als sich selbst gehören soll, es „ Alt Fry Rhätien " am nächsten verwandt ist. Aber heute, wo vielleicht mit Waffengewalt und List zugleich diese Gebiete enteignet werden und damit eine neue Irredenta, diesmal auf der anderen Seite, geschaffen werden soll, möchte ich die warnende Stimme an alle, denen es mit dem „ Selbstbestimmungsrecht der Völker " ernst ist, erheben, sich gegen solche chauvinistische Spekulationen einer mißleiteten Wissenschaft aufzulehnen, die auch den Alpinismus in diesen Gegenden, der sowieso in Trümmern liegt, auf Dezennien hinaus lahmlegen würde. Daß wenigstens die oberste Behörde in Österreich den Tridentinern 1913 nicht feindlich gegenüberstand, beweist der Ausgang eines langen Prozesses, der schließlich das von der Sektion Bremen des D. & Ö.A.V. an der Bocca di Brenta erbaute Unterkunftshaus der S. A. T. zusprach. Die Prozeßakten, die im ersten Heft des Bollettino von 1914 abgedruckt sind, sind im übrigen recht instruktiv. Im nämlichen werden auch noch einige Neu- oder sonst interessante Besteigungen der Mitglieder aus dein Jahre 1913 aufgeführt, wie Care alto auf neuem Wege, die Cima Sette Selle nel Sasso Rotto, Cima d' Asta. Bei den Buchbesprechungen von 1913 darf ich wohl mein Erstaunen darüber ausdrücken, warum „ Die ersten fünfzig Jahre des Schweizer Alpenclub, Bern 1913, " ohne Namen des Autors aufgeführt werden. Das zweite Heft enthält zunächst einen interessanten Aufsatz von Walther Lseng: Ricordi alpini del gruppo di Brenta, mit zahlreichen Illustrationen und Routenskizzen für die Cima di Tosa, sehr dienlich für einen „ Führer ", der nun hoffentlich zustande kommt ( siehe obenferner II fuoco del bivaco von Fausto Terrafranca ( wohl das letzte touristische Biwakfeuer in diesen Bergendann eine Winterbesteigung der Cima Venezia; ähnlich der Bericht über das erste „ Lager " der S. U. S. A.T., d.h.

einer im Jahre 1913 gestifteten Vereinigung der Akademischen Jugend innerhalb der S. A. T., wiederum nach italienischem Muster. Den Zwecken nationaler, d.h. italienischer Propaganda und alpiner Landeskunde zugleich dienen im dritten Hefte die vortrefflichen Aufsätze von Mario Scotoni: Fra i Ladini ( Gardena e Badia ) und von Eugenio Dalla Fior und Vittorio Fabbro: Le Pale di S. Martino ( mit vollständiger Bibliographie über Literatur und Karten der Gruppe, kurz ein eigentlicher „ Führer " und als Beitrag zu einem solchen bezeichnet ). Das Heft schließt Ende Juni 1914 mit der Ankündigung der Herausgabe eines „ Walliserführers " durch den österreichischen Alpenclub. Diesem Projekt, wie ähnlichen der S. A. T., hat der Kriegsausbruch im August 1914 ein jähes Ende bereitet. Die S. A. T. wurde, lange bevor Italien in den Krieg eintrat, behördlich aufgelöst und das Bollettino sistiert. Es ist nichts weiter erschienen. Aber wie der „ Walliserführer " im Schöße des S.A.C. wieder zum Leben erwacht ist, so wird sich innerhalb des C.A.I. für die S. A. T. und ihr Bollettino ein Platz an der Sonne finden, wo sie sich sogar besser entwickeln können als unter dem Schütze der k. und k. Regierung und dem Alpdruck der in ihrem Gebiete Hütten bauenden Sektionen des D.&Ö.A.V.M.ögen sie dies neue Leben dazu anwenden das zerstörte wieder aufzubauen, im Frieden mit ihren neuen Nachbarn, mögen sie nun Ladinisch oder Deutsch sprechen, und im loyalen Mitbewerb mit allen, die für die alpine Sache guten Willens sind.

II. Bollettino del Club alpino Italiano pel 1911-1912, pubblicato per cura del consiglio direttivo, vol. XLI, num. 74. Torino 1913.

Der stattliche Band ( 230 Seiten mit 48 ganz- oder halbseitigen Illustrationen, Kartenskizzen, Plänen etc. ) bewegt sich, wie im Vorgefühl des Krieges, mit einer Ausnahme in den Gebirgen an der Nordostgrenze Italiens, die seit dem Mai 1915 Schauplatz erbitterter, aber eigentlich niemals entschiedener Kämpfe geworden sind. Die eine Ausnahme, um dies vorweg zu nehmen, ist die Darstellung des ungewöhnlich heftigen Ätnaausbruches im September 1911 durch Gaetano Ponte von der Sektion Catania, also einem Anwohner des Vulkans. Den Reigen der großen Abhandlungen des Bollettino eröffnet die Monographie von G. Lampugnani: Tra le palli de Dolomiti ( La Torre Venezia, La Torre Trieste, Il Civetta per la parete NW, La Cima Piccola di Lavaredo ). Angefügt sind lange Anmerkungen, in welchen der ebenso gelehrte als bergsteigerisch tüchtige Verfasser weitere Auskunft gibt über Rechtschreibung des Wortes cammino oder camino, das ihm viel Kopfzerbrechen macht, topographische Einzelheiten mit Beiträgen fremder, namentlich englischer Bergsteiger, endlich eine bis 1910 reichende Bibliographie, die neben den italienischen auffällig viele deutsche Autoren, Bücher und Zeitschriften, darunter Dr. Darmstädter aus S.A.C.J.. XXIII, aufweist. Einen pikanten Beitrag zu dieser Konkurrenz liefert das Vollbild p. 23, auf welchem mit verschiedenen Markierungen die Anstiegsrouten der Engländer, der Deutschen und der Italiener in der Westwand des Monte Civetta auseinandergehalten werden. Die darauf folgende Monographie von G. B. De Gasperi ist wissenschaftlicher Art; sie betrifft die Gletscher und die Gletscherbewegungen in den Tälern von Salarno und Adamé. Es ist ein vorläufiger Bericht seit 1911, und der Verfasser hofft in späteren Jahren mehr und besseres zu leisten. Er beklagt es, daß viele Führer, Alpinisten und Bergleute bei ihren Angaben den Unterschied zwischen Firn und Gletscher zu wenig beachten. Im allgemeinen konstatiert er ein starkes Zurückgehen der Gletscher in diesem Gebiete. Den Gletscher der Brenta und die andern Gletscher der Sieben Gemeinden, d.h. deren eiszeitliche Spuren, bespricht ausführlich C. de Stefani. Interessant sind namentlich seine Ausführungen über den ( zweifelhaften ) eiszeitlichen Zusammenhang der Gletscher der Brenta, des Cismon und des Piave und die durch den Brenta-gletscher bewirkte Auskolkung des Tales. Die angehängte Bibliographie weist außer Penck keine nichtitalienischen Autoren und Arbeiten auf. An frühere Beispiele im Bollettino, aber auch an solche in der Zeitschrift des D. & Ö.A.V., erinnert die verschiedene Zweige, wie Topographie, Ethnographie, Toponomasie, Besteigungsgeschichte, Verkehrsstätten- und Führerwesen usw., umfassende Abhaudlung von Walther Lseng über die Presanellagruppe. Sie zerfällt in einen allgemeinen Teil nach den eben genannten Kategorien, einen nach den einzelnen Tälern und Tal-gruppen geordneten, eine geologisch-botanische Übersicht, endlich eine spezielle Behandlung der Massive der Presanella und des Nambrone. Diese bildet einen eigentlichen „ Führer ", welcher durch die beigegebene Kartenskizze in 1: 50,000 einen besonderen Wert erhält. Wenn man das ganze Bollettino Nr. 74 überblickt, so darf man wohl sagen, daß es sich seinen Vorgängern würdig anreiht und eine große Lücke in denselben ausfüllt. Es ist seitdem in diesen Gebieten viel Blut geflossen; hoffen wir, daß auch der C.A.I. es sich zur Pflicht machen wird, Zerstörtes wieder aufzubauen und nicht nur dem italienischen oder dem verbündeten Alpinismus darin ein Wirkungsfeld zu erhalten.

Im gleichen Jahre 1913 hat der C.A.I. unter dem Titel: L' opera del Club Alpino Italiano nel primo suo cinquantennio 1863—1913 eine umfangreiche und prunkvolle Festschrift herausgegeben. Es ist dies eigentlich eine Fiktion, da höchstens die Sektion Turin auf ein so ehrwürdiges Alter zurückblicken kann und deren literarische Tätigkeit in der Form des „ Bollettino " sogar erst mit 1865 anhebt. Aus diesem Grunde, und weil wir uns mit der Literatur von 1913 nur ausnahmsweise beschäftigen dürfen, beschränken wir uns auf diese Hinweisung und notieren noch, daß die „ Rivista Mensile " von 1913 12 Hefte von zusammen 400 Seiten mit 125 größeren und kleineren Illustrationen umfaßt. Wir gehen nun über zu III. Rivista Mensile del Club Alpino Italiano, voi. XXXIII 1914, XXXIV 1915, XXXV 1916, XXXVII 1918.

Auch der Jahrgang 1914 dieser von Walther Lssng mit dem Beistand so bekannter Alpinisten, wie Bobba, De Amicis, Ferrari, Ferreri und Vigna, einsichtsvoll und energisch geleiteten Zeitschrift weist keinen Rückgang auf ( 392 Seiten und 147 Illustrationen ). Auf den alpin-historischen Artikel von Mr. Coolidge über Arolla, den ich in 8. A. C. J. LI, p. 222, besprochen habe, und auf die Berichte über neue Touren und alpine Unglücksfälle von 1914, die ich ebenda der R.M. entnommen habe, trete ich nicht mehr ein. In den touristischen Aufsätzen sind die Schweizer Alpen und das Mont Blanc-Gebiet reichlich bedacht. Da stoßen wir zuerst auf F. Mauros Besteigungsvariante der Dent d' Hérens über den Südwesthang ( mit vier Illustrationen ), dann auf Dr. A. Cortis Referat über die neue Marco e Rosa-Hütte am Cresta Güzza-Sattel ( mit drei Illustrationen und einem Plan; die 1913 erbaute Hütte hat wiederholt auch Schweizerpartien zum Aufenthalt oder als Zuflucht gedient, selbst während des Krieges, da sie von Pontresina aus rascher zu erreichen ist als von der italienischen Seiteferner die Besteigung des Mont Blanc über den Brouillardgrat durch die Gebrüder Gugliermina. Neue Itinerarien in der Scalino-Painale-Gruppe ( Nord wand des Pizzo Scalino, Ost wand der Punta Vicima, Ostwand und Westgrat der Vetta di Ron, Colle Brutana, Val di Togno-Hang der Corna Buutana ), die in den Jahren 1911 —1913 führerlos ausgeführt wurden, beschreibt R. Rossi; der seitdem verunglückte A. Ballabio beschreibt seinen ersten Übergang vom Monte Palino zum Pizzo Scalino. Unter dem Titel: „ Tendopoli " ai piedi del Monte Bianco, werden das fünfte Zeltlager der S. U. C.A.I. auf dem Plan de l' Hognan ( sie und die von da gemachten Ausflüge, über welche eine Statistik vorliegt, in munterem Tone beschrieben von P. Monelli, die erste Ersteigung des Colle di Savoia ( zwischen der Aiguille de Talèfre und der Aiguille Savoia ), vom italienischen Val Ferret aus, mit einem Führer, im Sommer 1913, durch Dr. Agostino Ferrari.

Neben diesen sind besonders die östlichen Alpen, die dem Königreich Italien oder dessen östlichen Nachbarn zugehören, eifrig begangen worden. Wir nennen die Aufsätze: Erste Besteigung des Sasso Manduino über die Südostflanke und den Nordgrat, am 9.10. Juli 1911, durch R. Calegari; Rekognoszierungen und Besteigungen in den Dolomiten von Agordo durch A. Andreoletti. Der mit einer Menge von Aufnahmen, Itinerarzeichnungen und topographischen Skizzen geschmückte und besonders durch alpin-militärische Exkurse interessante Aufsatz gliedert sich in vier Abschnitte: Cime di S. Sebastiano, I monti del Rifugio d' Ombretta, Nei monti del Rifugio del Mulaz und La Sinistra del canale di Agordo, I monti fra il canale di Agordo e il canale del Mis; sie bilden also zusammen einen auch für kriegerische Zwecke — und vielleicht im Hinblick auf solche — sehr dienlichen Beitrag. örtlich nahe stehen diesen der Aufsatz von L. Tarra aus den Dolomiten von Ampezzo ( Il gruppo della Croda di Lago, le Crode del Pomagnon, il col Rossa, il Gruppo del Monte Popena ); der von Dott. E. Piantanida über die erste italienischeBestei-gung der Dente di Popera ( Popernkofel der Tedeschi Ider von W. Lœng über den Pizzo Badile ( nicht den im Bergell, sondern in einem der Südtäler des Ada-melloendlich der sich als monografia storico-alpinistica gebende Aufsatz von F. Gnesin über die Torrioni Magnaghi in der Grigne-Gruppe. Eine wissenschaftliche Frage der italienischen Ostalpen behandelt die kleine Monographie von Dott. G. B. de Gasperi über die alpinen ( Moränen ?) Seen der conca di Baitone. In die italienischen Westalpen führen uns die Aufsätze von F. Pergameni: Neue Besteigungen in der Gruppe des Gran Paradiso ( Cresta di Money über den ganzen Grat, Monte Nero über den Südgrat, Roccia Viva über die Nord wand ), führerlos ausgeführt 1912 und 1913, von Dott. B. Asquaciati über den ersten Abstieg in der Westwand der Argenterà, von Dr. F. Mader, der sich für einen Nationalpark in der Serra der Argenterà ausspricht, von Prof. A. Roccati über das Bassin der Beonia oder Val-louria in den Seealpen, mit Hinweisen auf die rätselhaften Inschriften und Felszeichnungen im „ Tal der Wunder ", auf welche ich unsere Ethnographen und Prähistoriker besonders aufmerksam mache. Manches, was diesen bekannt ist, scheint freilich Prof. Roccati bei seinen Deutungen übersehen zu haben, sonst würde er nicht die Deutung der massenhaft vorkommenden Hörnerzeichen auf Kühe — als Spielzeug oder Votivbilder — abgelehnt haben, „ weil ihnen der Leib fehlt ". Über kleinere Touren ( Tête de Malacombe, The des Fétoules, Rocher de l' Encoula, Cime de Clot Châtel, Pointe Jeanne, Pic des Etages ), die er im August 1913 mit einem Freunde und dem Führer Turc von einem Zeltlager im Vallon des Etages im Dauphiné ausführte, berichtet F. Federici. In stolzere Höhen führt uns der vorläufige Bericht von M. Piacenza über seine so erfolgreiche Expedition in die westlichen Himalayas ( Kashmir ) im Jahre 1913. Es ist zu hoffen, daß daraus ein Buch entstehen möge, mit noch mehr Einzelheiten, Bildern und Karten, als hier gegeben werden konnten. Seine Besteigung des Ulipata-Tau im zentralen Kaukasus, vom Zejatale aus gemacht im Sommer 1913, erzählt Dott. Vitt. Rouchetti. Ich übergehe die zwischen den Herren P. Kind, M. C. Santi, M. Bello, W. L eng, A. Heß und D. Prina geführte Diskussion über theoretische Fragen, wie Skifahrten und nationale Vereinigung, Akro-batentum im Alpinismus, volkstümlicher Alpinismus, sportliche Literatur, weil diese Dinge, vier Jahre lang durch die Zeitereignisse in den Hintergrund gedrängt, nun veraltet sind, mache aber die Verfasser unserer Graubündner- und Tessinerführer ausdrücklich darauf aufmerksam, daß sie in den Kleineren Mitteilungen der R.M.

von 1914 viel für ihre Zwecke finden werden, wie ich für meine und den Walliserführer gefunden und genutzt habe.

Mit vol. XXXIV beziehungsweise der Juninummer des Jahrgangs 1915 tritt nun auch die „ Rivista Mensile " in das Zeichen des Krieges ein. Es geschieht durch flammende Aufrufe der Zentralleitung und der Sektionen, durch die bis zum Ende des Krieges fortgesetzten Listen über die Beteiligung der Mitglieder, der italienischen Führer und Träger an den heroischen Taten, aber auch an den Leiden und Verlusten dieses Völkerringens, das sich ja an der italienischen Front, vornehmlich im Gebirge, abspielte. Ich habe mich als Neutraler mit diesen Äußerungen nicht zu befassen, möchte aber nicht verfehlen hinzuzufügen, daß die „ Rivista Mensile " sich von der häßlichen Fremden- und namentlich Deutschenhetze der führenden italienischen Zeitungen ritterlich fern gehalten hat und bei allem Patriotismus und Nationalismus verständig geblieben ist. Daß Kollege Lœng seinen Vornamen in „ Gualtiero " umzuwandeln Veranlassung nahm, ist symptomatisch; immerhin übersieht er vielleicht, daß diese Form „ gotischer " ist als die andere. Warm berührt hat uns der Appell der Zentralleitung des C.A.I. für die notleidenden Familien der Bergbewohner, aus denen die berühmten Alpiniregimenter sich rekrutierten. In gleicher Weise wie für 1914 wollen wir nun die Aufsätze usw. von 1915 an uns vorüberziehen lassen. Die historischen Artikel von Mr. Coolidge über die „ Legende " der Crête à Collon und den Col de Seiion in der Geschichte habe ich teils im S.A.C.J.. LI ff., p. 221, besprochen, teils werde ich sie im Walliserführer ausgiebig benutzen. Wiederum nehmen Fahrten in den Schweizer Alpen einen breiten Raum ein. Ich zitiere: Besteigungen in der Blümlisalp-Gruppe ( Blümlisalpstock, Blümlisalphorn, Blümlisalp Rothorn, Wilde Frau ), von Aldo Baj Macario; Neue Besteigungen im Formazzatal ( von der Pa di Balmarossa zu den Corni di Neufelgiu ), von E. Fasana, 15.16. August 1914, ausgeführt; Erster Abstieg und führerlos von der Punta Gnifetti zum Signaljoch, durch G. Carugati und Frau, 9. August 1912; Pizzo Ventina über den Nordgrat, 1914, durch die Herren Bassi, Frassi und Mottai del Moro während eines Zeltlagers der S. U. C.A.I. im Val Malenco ausgeführt; Längs den Ost- und Südwänden des Pizzo Sasso Rosso ( Berninagruppe ), von Piero Robbiati. Im gleichen Hefte, Juni 1915, wird über andere neue Touren im Berninagebiet ( Monte Sissone über die Ost-Nordostwand, Torrione Brasile ) aus den Jahren 1913 und 1914 berichtet, die ich der Aufmerksamkeit der Autoren des „ Graubündnerführers " empfehle. „ In den Bergen von Champex " betitelt sich ein Aufsatz von Lseng, Santi, Negri und Ferrario, in welchem nach einer orientierenden Einleitung des Erstgenannten über Besteigungen des Portalet, der Pointe de Planereuse, der Tête Crettez, der Aiguille Javelle, des Col Copt und der Tête Biselx, der Aiguille de la Varappe und des Grand Clocher de Planereuse, alle 1912 bis 1914 ausgeführt, anmutig geplaudert wird. Von einer ersten Winterbesteigung des Fletschhorns über das von der Alp Hohmatten auf der Simplonseite erreichte Fletschjoch, mit Abstieg auf dem gleichen Wege, ausgeführt im Dezember 1913, spricht Angelo Calegari. Für eine Neuauflage des „ Tessiner Führers " mache ich auf die Neutouren aufmerksam, welche im Januarheft 1915 berichtet werden. Für den „ Graubündnerführer " nutzbar sind die Beobachtungen aus dem Oberteil der Val Porcellizza von Prof. Domenico Sangiorgi. In die italienischen und französischen Westalpen führen uns die Aufsätze von A. Heß: La Rocca Bissort ( in der Valle StrettaDott. F. Grottanelli: L' Ailefroide; Dott. B. Asquaciati: La parete Est del Monte Clapier; A. Heß: II gran Paradiso di Cogne; E. Gallina: Rocca-melone über die Nordostwand; Prof. C. Restelli: Traversierung der Barre des Ecrins; Winterbesteigungen in der Gruppe von Ambin ( P. Ferrand, Mont Niblé über den Nordostgrat ), von Ballestreri, Pergameni und Ranzi; Erste führerlose italienische Traversierung des Meijegrates, im August 1911, durch Dott. F. Grottanelli und Gefährten; Monte Orsiera über die Nordwand, von U. Balestreri. In die italienischen Ostalpen und damit zum Teil auf den Kriegsschauplatz führen uns die Escursioni ed osservazioni nell' Alta Valcamonica e nella Valfurva, von Dott. G. MerciajTendopoli " 1914 in Valtellina ( Pian del Lup, wovon wir schon oben gesprochen haben ), von P. Monelli; Il Pizzo di Cocca, von Aldo Bonacossa; Erste Besteigung der Croda di Ligonto über die Westwand, von E. Celli; Gite mineralogiche in Val Malenco, von A. Bertarini; Die Dolomiten von Val Montina ( Erforschungen und Ersteigungen, mit einer Kartenskizze ), von L. Tarra; Sui margini dell' Alpinismo ( Besteigungen im Gebiet der südlichen Grigna ), von E. Fasana. Zwei Aufsätze führen uns in die Apenninen, nämlich Eichwald: Due itinerari appenninici ( Monte Dente e Monte Argentea ), und B. Figari: Cresta Garnerone ( Alpi Apuane ).

Ein einziger Aufsatz, von F. Mondini, betrifft eine exotische Besteigung, nämlich die des Portezuolo de Rio Blanco in der Cordillera Chiles. P. Monelli und andere berichten über die wintersportliche Tätigkeit der S. A. R. I. und der S. D. C.A.I. Die erstere, nämlich die Studentengruppe der Sektion Turin C.A.I., hielt vom 26. bis 31. Dezember 1914 einen Winterkongreß im Val Tournanche, wobei u.a. der Theodul- paß besucht wurde, und vom 11.17. Februar 1915 einen „ Bergkarneval " in Limone Piemonte; die letzteren, d.h. die Akademiker des C.A.I., deren Sitz übrigens auch Turin ist, betrieben vom 3. 9. Januar 1915 ein Winterlager in Madonna del Acero, 1200 m, als Vorgeschmack der Winterkampagnen, die ihrer im Hochgebirge warteten und denen sie todesmutig entgegengingen. Ich verweise nur kurz auf die ähnliche Stimmung verratenden und machenden Gedichte von Giovanni Bertacchi, welche besonders das latinische Waffenbündnis feiern, und auf die auch auf die Soldaten im Felde gemünzten Ratschläge von Ing. G. Albani gegen Frostschäden im Gebirge, um noch auf zwei Dinge, die mich persönlich interessieren, kurz einzugehen. Das erste ist eine Notiz von Dr. W. A. B. Coolidge über die erste Begehung des Col du Mont Tondu durch F. F. Tuckett mit J. J. Bennen und Peter Perren, B. Juli 1861, aus Tagebuchnotizen Tucketts berichtet. Ferner verdanke ich dem Aufsatz von F. Mader: A proposito dei Saraceni nelle Alpi Marittime, außer einer vollständigeren Kenntnis über die Dauer und Einzelheiten der Sarazenenherrscliaft in Fraxinetum, das wenigstens negativ unanfechtbare Zeugnis, daß die oben mehrmals erwähnten Zeichnungen und Inschriften im „ Tal der Wunder " unmöglich von dieser Räuberbande herrühren können, wenn auch über den ethnologischen Ursprung derselben keine Sicherheit erzielt wird.

Der Jahrgang 19 16 setzt, wenn auch in etwas verringertem Umfang ( 324 gegen 384 Seiten ), die Traditionen von 1915 fort. Wiederum finden wir einen Aufsatz von Dr. Coolidge über den „ Col d' Hérens in der Geschichte ", der mir für den Walliserführer gute Dienste leisten wird. Der sich durch mehrere Nummern hindurchziehende Aufsatz von Dr. C. Täuber über eine Durchquerung der nordalbanischen Alpen im April 1914 ist unsern Lesern aus Jahrbuch L bekannt. Die Schweizer Alpen und das angrenzende Gebiet betreffen folgende Aufsätze: Il colle Francesco e la Punta Francesco ( neue Besteigungen in der Albigna-Disgrazia-Gruppe ), von Ë. Fasana; Neue Besteigungen in der Disgrazia-Gruppe ( Pizzo Ventina, Punta Kennedy, Colle Speranza, Colle Kennedy, alle 1910 ausgeführt ) von f Dott. Romano Ballabio. Mit den französischen Alpen befassen sich ein Aufsatz von A. Heß und M. C. Santi, welche neue Aufstiege zur Torre di Lavina in der Gruppe des Gran Paradiso schildern; einer von Dott. F. Grottanelli über die Aiguilles d' Arves. Besteigungen und Traversierungen in der Gruppe des Mont Servin ( Grajische Alpen ), von E. Ferreri. Neue Itinerarien in den Becchi della Tribolazione schildert F. Pergameni; einen neuen Aufstieg zur Roccamelone über die Nordostwand M. Frizzoni; eine führerlose Traversierung der Barre des Ecrins F. Grottanelli. Dott. B. Asqua- ciati setzt seine Berichte über neue Touren in den Seealpen fort, und Prof. A. Roccati berichtet erschöpfend über das Gletscherphänomen in den Seealpen. Die Apuanischen Alpen sind mit einem Aufsatze von L. A. Garibaldi ausreichend bedacht. Zahlreicher sind die Arbeiten über die italienische Ostfront und das dahinterliegende Gebiet der Bergamaskeralpen. Ich zitiere in der Reihenfolge des Erscheinens: Zwei Erstbesteigungen in der Cresta Segantini ( Grigna meridionale ), von G. Carugati; Eine Traversierung der Cime del Forno ( Ortler-Cevedale-Gruppe ), von A. Ferrari; La Cima Tosa ( Brentagruppe ), von G. Lœng; In den Südtälern des Adamello ( Tagebuchblätter ), von dem nämlichen; La Valle di Genova ( Trentino ), von Selvaggio; La lotta nazionale in Trentino e la Società degli Alpinisti Tridentini ( außerordentlich interessante, heißblütige Darstellung, die alles bestätigt, was wir oben und je über diese Frage gesagt haben, mit sieben Illustrationen von Hütten etc. ), von einem Trentiner; Neuer Zugang über die Westwand zum südlichen Torrione Magnaghi, von A. Vassalli; Fragen der Toponomasie: Über den Namen des Monte Nero und über italienische Namengebung im tridentinischen und julischen Venezien, von G. Lseng. Von der gleichen, historisch durchaus nicht einwandfreien Voraussetzung, daß das Etschtal bis zum Brenner hinauf altitalischer Rechtsboden sei, geht der mit einer Kartenskizze erläuterte Aufsatz von Ettore Tolomei aus, dessen Titel schon die Tendenz verrät: L' Alto Adige, nuovo campo del' alpinismo italiano. Wir fürchten sehr, daß der internationale Alpinismus als Förderer des Friedens- und Versöhnungsgedankens hier verlieren wird, was der italienische Alpinismus, wenn die Grenze durch Vergewaltigung deutschen Volkstums so weit verschoben werden sollte, hier gewinnt. In ein vom Kriege räumlich und zeitlich entlegenes, dafür aber dem wahren Alpinismus höchst interessantes Gebiet führt uns der von A. Ferrari abgestattete kurze Bericht über De Filippis wissenschaftliche Expedition in Indien und in Zentralasien, von der schon oben die Rede war. Über ein bei uns als „ Jugendorganisation " eingeführtes Institut berichtet uns F. Mauro in dem Aufsatz: Le escursioni scolastiche della Sezione di Milano. Sie haben einstweilen noch mehr den Charakter des Ferienheims und der Sonntagsfreischule für Unbemittelte, aber es kann sich etwas Höheres daraus entwickeln. Von unsern Publikationen dieser Art unabhängig, aber sie wirksam ergänzend ist die Abhandlung von A. Heß über die Ursachen und Gefahren der Lawinen und die Mittel zu ihrer Verhütung ( ein Teil der Illustrationen ist schweizerischem Gebiet entnommen und ein Abschnitt des Textes den „ Lawinen im Krieg " gewidmet, die an manchen Punkten des Gebirgskrieges mehr Opfer gefordert haben als der Krieg selbst ). Unsere Militärgeographen und Geodäten werden mit Interesse den Artikel von Prof. L. Brasca über die als „ disegno panoramico militare " bezeichnete photogrammetrische Aufnahmsmethode lesen. Wir glauben aber zu wissen, daß sie hierin dank einem von einem „ Erbfeind " erfundenen Apparat bedeutend weiter fortgeschritten sind- Die Leistungen, die überhaupt der „ Erbfeind " auf kartographischem Gebiet in Dalmatien und den Balkanländern während des Krieges durchgeführt hat und die ihm zu hoher Ehre gereichen, werden auch seinen Überwindern zustatten kommen und sind vielleicht der edelste und innerlich wertvollste Teil der Kriegsbeute, auch ohne deren häßlichen Beigeschmack. Aus der Cronaca alpina, deren Neuigkeiten, soweit sie Schweizergebiet oder alpine Unglücksfälle betreffen, für 1916 ich bereits im Jahrbuch LI besprochen habe, hebe ich hier nur den vorläufigen Bericht über die Erfolge der Bullock-Workmanschen Expedition im Himalaya von 1911/12 hervor. Daß die offiziellen Kundgebungen der Leitung des C.A.I., und seiner Sektionen einen kriegerischen Offensivgeist gegen den „ Erbfeind " zur Schau tragen, ist ohne weiteres verständlich; daß sie gelegentlich ( Rivista Mensile XXXV, p. 7 ) eine kleine Spitze auch gegen „ die klugen Söhne Teils " kehren, wollen wir dem in der Gegend der „ Dreisprachenspitze " fechtenden Alpinileutnant G. Carmenati weiter nicht verübeln.

Die „ Rivista Mensile " von 1917 ist mir aus irgendwelchen militärischen Gründen, die bekanntlich „ höher sind denn alle Vernunft ", nicht zugegangen; somit gehe ich gleich über zur Besprechung von vol. XXXVII, Jahrgang 1918.

Die 1918 unter der Leitung des einzigen Kommissärs Cav. Avv. G. Bobba und der Redaktion von Dott. Gualtiero Lseng herausgekommene „ Rivista Mensile " umfaßt in vier Quartalheften 192 Seiten mit 52 Textillustrationen, darunter 12 Bildnissen. Wir konstatieren, daß die früher festgelegten RichtlinieD auch im letzten Jahre des Krieges festgehalten wurden, großenteils von den nämlichen Autoren. Von W. A. B. Coolidge lesen wir einen in drei Stücken erscheinenden Artikel über dfe Geschichte des Col di Tenda. Ebenfalls mit den Seealpen befassen sich die Aufsätze von C. Bicknell und C. Spitalieri di Cessole über Toponomasie in diesem Gebiete. Nicht weniger als fünf Aufsätze befassen sich mit den Schweizer Alpen und dem Mont Blanc-Gebiet, nämlich R. Calegari: Zweite Besteigung ( erste italienische ) des Monte Disgrazia von der Nordseite; Nunzia Borelli: Ein neuer Anstiegsweg zum Mont Vélan; Alessandra Cusini: Besteigung der Dent du Requin; Dott. A. Corti: Erste Besteigung des Piz Bernina durch das südliche Couloir der Forcola Scerscen-Bernina; M. Bocchioli: Der Lyskamm im Winter. Auch die Abhandlung von L. A. Garibaldi: Alpe eroica, gehört hierher, weil unter diesem Titel mit Anspielung auf Beethovens gleichnamige Symphonie und Bonapartes Alpenübergang die Geschichte des Großen St. Bernhards so geschickt erzählt wird, daß sie auch zu Ausfällen auf die Habsburger und zum Preis der latinischen Einheit dienen muß. Unter dem Titel: Durch die Berge unseres Krieges schildert Dott. A. Ferrari den Monte Cevedale und den Gran Zebrû, die in diesem Kriege soviel heldenhaftes und trauriges gesehen haben. Über das Italiener-tum des noch nicht erlösten Julischen Veneziens und die Ostgrenze doziert D. Prina. Dott. F. Santi spricht über Nationalparke in Italien und befürwortet einen solchen in den Abruzzen. Aus dem offiziellen Teil möchten wir die schwungvolle Rede G. Bobbas zum Beginn des vierten Kriegsjahres hervorheben, in welcher schon die Siegeshoffnung glänzend zutage tritt, und die Sympathiekundgebungen des amerikanischen Alpenclubs vom November 1917, die bald nach deren Abdruck im zweiten Quartalheft von 1918 durch die Ankunft amerikanischer Hülfstruppen in Italien unterstrichen wurde. Das gleiche gilt mutatis mutandis auch vom französischen Alpenclub. Das dritte Quartalheft wird eröffnet durch einen Nachruf an den unerwartet früh verstorbenen verdienten Präsidenten Sen. Prof. L. Camerano. Durch Absturz im Gebirge verlor der C.A.I., im Jahre 1918 drei Mitglieder, Giovanni Fadani und Martino Gamma an der Grivola, Andrea Magnien am Mont Colomb, und neben 58 Opfern des Krieges mehrere hervorragende ältere Alpinisten durch Krankheit, so den oben mehrmals erwähnten Engländer Clarence Bicknell, den Abbé Pantaleone Bovet und Scipione Cainer. Der C.A.I. ist sicherlich, wie seine Verlustlisten beweisen, seit 1915 durch den Krieg hart hergenommen worden, aber er hat, wie das Bobba hervorhebt, den Glauben an sich selbst nie verloren und geht sicherlich mit seinem erweiterten Tätigkeitsfelde, wenn einmal auch in den Bergen der Friede wieder eingekehrt ist, einer glänzenden Zukunft entgegen.

Ohne auf Einzelheiten nach so langer Zeit eintreten zu können, wollen wir zum Schluß noch bezeugen, daß mir von der Rivista Mensile „ Sari " der studentischen Jugendgruppe der Sektion Turin sechs Hefte aus dem Jahre 1914 und zwei von 1915 zugegangen sind. Was mag aus all der blühenden Jugend, die so fröhlich von ihren Sommer- und Winterlagern, vom Karneval im Gebirge und von einer Modebesteigung des „ Großmaulhorns " zu plaudern wußte und deren ein Mann wie Prof. Lampugnani sich anzunehmen nicht verschmähte, in dieser Schlächterei geworden sein? Es soll mich freuen, über ihr Organ einmal wieder berichten zu können.

C. Publikationen in englischer Sprache.

I. The Canadian Alpine Journal, published by the Alpine Club of Canada. Vol. V 1913; VI 1914 und 1915; VII 1916; Vili 1917; IX 1918.

Diese Serie bildet ein interessantes Bild der Kriegseinwirkung auf einen alpinen Verein, dessen gewöhnliche Tätigkeit fern vom Kriegsschauplatz liegt, von dem aber doch zahlreiche Mitglieder im Militärdienst für das britische Eeich standen und auf dessen Organ gewisse Rückschläge sich fühlbar machten, ohne daß es zu einer eigentlichen Stockung kam, dank der energischen Leitung durch Direktor Arthur O. Wheeler.

Auf den Inhalt Von v o 1. V trete ich, da er so weit zurückliegt, nicht ein. Der Doppelband VI ( 273 Seiten ) ist fast ausschließlich den Canadian Rockies gewidmet und bringt uns eine Übersicht der Besteigungen sowohl in der nördlichen als in der südlichen Gruppe aus den Jahren 1911 bis 1914.

Mit diesen befassen sich die Aufsätze von H. F. J. Lambart: The Ascent of Mt. Natazhat in Alasca; W. W. Foster: Mt. Robson ( 1913 ); Conrad Kain ( der bekannte Führer ): The first ascent of Mt. Robson ( 1913 ); B. S. Darling: First attempt on Robson by the West arête ( 1913 ); A. H. Me Carthy and B. S. Darling: An ascent of Mt. Robson from the South ( 1913 ); Conrad Kain: First ascent of Mt. Whitehorn ( 1911 ); Walter Schauffelberger: Whitehorn ( 1913 ); W. E. Stone: A day and night on Whitehorn ( 1913 ); C. H. Mitchell: Mt. Resplendent and the routes of ascent ( 1913 ); Geoffrey E. Howard and A. L. Mumm: The Whirlpool; J. W. A. Hickson: Notes of a trip to the Saskatchewan River and Freshfield Glacier ( 1913 ); E. W. D. Holway: First ascent of Beaver and Duncan ( 1913 ); E. H. Hamden: Exploration in the Southern Selkirks ( 1913 ); A. H. Me Carthy: First ascents of Mt. Farnham and Mt. Farnham Tower ( 1914 ); J. R. Young: The traverse of Mt. Me Bean, Selkirk Range ( 1914 ).

Der oben genannte Walter Schauffelberger ist der am 17. Januar 1915 am Bernina verunglückte Zürcher dieses Namens, welchen seine Abenteuerlust und körperliche Eignung veranlaßt hatten seit 1913 als freiwilliger Führer in Kanada Dienste zu suchen, weil ihm seine Mittel nicht erlaubten solche Expeditionen in entlegenen Berggebieten als Tourist auf eigene Kosten durchzuführen. Ihm ist ein freundlicher Nachruf von Direktor Wheeler gewidmet. In der nämlichen Rubrik finden wir auch Nachrufe auf Dr. Tempest Anderson, den bekannten Vulkanforscher, und Sir William Whyte, den großen Eisenbahnmann, der den Anlaß gab zur Indienststellung schweizerischer Bergführer an gewissen Stationen der C. P. R. In den Abhandlungen des „ Canadian Alpine Journal ", „ Scientific Section " genannt, werden wissenschaftliche Fragen, wie die Bewegungen des Yoho- und Robson-Gletschers 1912—1914, Winterbedingungen nördlich und westlich von Mt. Robson, die Nomenklatur in der Nähe des Yellowhead-Passes, Nationalparke, die Erforschung eines „ neuen Berges " in der Gegend von Mt. Robson, von den Indianer Mt. Kitchi, von Touristen Mt. Alexander ( zu Ehren von Sir Alexander Mackenzie ) genannt, aber bisher noch nicht erstiegen, erörtert; endlich Berichte über die „ Camps " im Jahr 1913 ( Cathedral und Mt. Robson ) und 1914 ( Oberes Yohotal ) erstattet. In amüsanter Weise werden zur Berichterstattung auch „ Freiluftverse " angewendet. Literarisch interessant ist, daß in den „ Freien Fahrten " ( Mountaineering Section ) neben den höher gebildeten Touristen und den Damen auch die Führer Kain, Schauffelberger ( in Übersetzungen ) und Donald Phillips zu Worte kommen. Auch „ kleinere Mitteilungen " über die Rockies und Selkirks enthalten Beachtenswertes, so eine neue Route auf Mt. Huber, und man hat das Gefühl, daß der A. C. C. konsequent arbeite.

In vol. VII ( 1916 ) ist zum erstenmal offiziell vom Kriege die Rede, indem eine Anzahl von Mitgliedern als im aktiven Dienst stehend, davon einige als ver- wundet, gefallen oder gefangen gemeldet werden. Außer diesen Militärs hatte der A.C.C, auch den Hinscheid seines Ehrenpräsidenten, Sir Sandford Fleming ( t 1915, 86 Jahre alt ), und zweier anderer verdienter Mitglieder, Dekan J. J. Robinson und J. B. Mc Learen, zu beklagen. Auch diesmal betreffen sämtliche Rubriken kanadische Gebirge. Es sind in der „ Mountaineering Section " beschrieben: Mt. Tetragona, eine Erstbesteigung in Labrador, von A. P. Coleman; Besteigungen und Forschungen in der Purcellkette im Jahre 1915, von W. E. Stone; Erfahrungen in den Canadian Rockies 1915, von J. W. A. Hickson, mit dem Schweizer Fr. Feuz; Elusive Mt. Moloch ( 5-6 Anläufe auf diesen versteckt liegenden und schwer zugänglichen Berg, dessen höchster Punkt noch nicht erstiegen ist ), von Paul A. W. Wallace; Besteigung des Mt. Black Douglas, von C. A. Richardson; Erste Besteigung von Mt. Edith Cavell und Erforschung der Mt. Longstaff-Gruppe, von E. W. D. Holway. In der „ Scientific Section " finden wir Abhandlungen von A. P. Coleman über den „ Bau der Torngates " und von A. O. Wheeler über meteorologische Erscheinungen in den kanadischen Felsgebirgen. In der „ Miscellaneous Section " berichtet Mary L. Jobe, öfters nach Tagebuchnotizen des Führers Donald Phillips, über die Bewältigung des Mt. Alexander Mackenzie. Der sehr interessante Bericht ist mit einer Karte der durchforschten Gegend geschmückt. Im Nachruf von H. E. Forster auf Harold W. Topham treffen wir auf den Namen unseres Landsmanns Huber, der einst mit dem genannten als Pionier die Selkirks erforschte ( siehe S.A.C.J.. XXVI ). In der „ Official Section " wird der Bericht über das Ptarmigan Lake Camp 1915 abgegeben, an welchem wegen des Krieges nur 103 Personen teilnahmen und das auch vom Wetter nicht begünstigt war.

Noch entschiedener ist der B d. VIII von 1917 dem Kriege zugewendet. Nicht nur, daß eine lange Liste von an der Front stehenden Mitgliedern des A. C. C, ihrer Auszeichnungen und ihrer Verluste und eine Anzahl Porträte von gefallenen Offizieren veröffentlicht werden, auch der Austausch von Begrüßungen mit dem American Alpine Club bei Gelegenheit des Jahreswechsels steht in diesem Zeichen. Daneben finden wir aber doch auch eine Reihe interessanter und gut illustrierter touristischer Artikel, wie The Houser and Bugeboo Spires ( Purcell Range ), von A. H. Mc Carthy; The Cariboo Mountains, von E. W. D. Holway; Two climbs in the Torngates, von A. P. Coleman; Climbs and explorations in the Purcell range in 1916, von W. E. Stone; The third ascent of Pinnacle Mountain, von Louis S. Crosby, mit Rudolph Aemmer und Eduard Feuz jun.; The first ascent of Mount Louis, von A. H. Mc Carthy, mit Konrad Kain ( beides Felsklettereien, die sich mit den schlimmsten in den Aiguilles und den Dolomiten vergleichen lassen ). Über die „ Verteilung der Vegetation im Rocky Mountain Park ", die Fauna Canadas, die Geologie der kanadischen Felsgebirge, die Bewegungen des Yohogletschers 1914-1916 werden wir belehrt durch Abhandlungen von Francis J. Lewis, A. Taverner, John A. Allan und Arthur O. Wheeler. C. Chapmann veröffentlicht eine Monographie über den Gari-baldidistrikt, zu dem Zweck hier eine „ Reservation for walks and climbs " in erreichbarer Nähe von Vancouver zu schaffen. In kleineren Mitteilungen werden wir belehrt über Mt. Moloch, Mt. Longstaff, Mt. Norguay, über offizielle Nomenklatur in Kanada und über das „ Healy Creek Camp " im Jahr 1916, an dem wegen des Kriegs nur 82 Personen teilnahmen.

Alles, was sich auf den Krieg bezieht, ist auch in v ol. IX ( 19 18 ) von besonderem Interesse. Neu sind dabei die „ Briefe von der Front ", mitgeteilt von den beiden Vizepräsidenten. Der eine, W. W. Foster, schreibt aus „ Frankreich, 26. Juli 1918 ", und hofft auf ein Wiedersehen nächstes Jahr; der andere, Oberstleutnant C. H. Mitchell, benutzt den Umstand, daß er „ für alle Zensur, sowohl für Briefe als Zeitungen, der britischen Streitkräfte in Italien verantwortlich ist ", um mit Dr. H. Bubi.

Direktor Wheeler in Briefen, die vom 28. April, 5. Mai, 19. Mai aus dem Hauptquartier in der Gegend von Asiago datiert sind, von seinen Erlebnissen, Eindrücken und Exkursionen ( im Motorwagen und zu Fuß, auch auf der Schwebebahn ) und von den Alpini zu plaudern, für welche er eine hohe Achtung bezeugt. Diejenigen unter uns, die an Clubfesten in Lugano, Bern oder Luzern teilnahmen, werden lächeln, wenn ihnen in einem Bericht des Kanadiers über seinen Besuch bei der Sektion Mailand des C.A.I. der polyglotte Eidgenosse, Cav. Enrico Ghisi, als Prototyp eines italienischen Patrioten vorgeführt wird. Von einem andern alten Bekannten, Val. A. Fynn, freut es mich, nach langer Zeit seinen Aufsätzen: Mount Louis und Climbs in the Neighbourhood of Lake Louise zu entnehmen, daß er sich des Lebens und guter Gesundheit erfreut, und daß es ihm vergönnt war, 1916 und 1917 mit seiner Frau und Freunden, zum Teil auch mit den Führern Edward Feuz und Rudolf Aemmer interessante Klettereien nach seinem Herzen und Neubesteigungen auszuführen. Hoffentlich werden wir ihn auch wieder einmal in der Schweiz sehen. Von dem gewesenen Präsidenten des A. C. C, A. P. Coleman, dessen Bildnis dem Bande vorangestellt ist, lesen wir: Glimpses of the High Andes ( das Resultat einer Reise, welche der Verfasser im August 1917 von Buenos Ayres nach San Jago di Chile machte, mit Aufenthalten an den höchsten Punkten der transandinischen Eisenbahn und kurzen Ausflügen von denselben aus ). Alle andern Aufsätze und Abhandlungen betreffen die nordamerikanischen Gebirge. Es sind, in der Reihenfolge der Publikation, in den drei Kategorien, außer den schon genannten von Mr. Fynn: The ascent of Mt. Moloch, ausgeführt von J. W. A. Hickson mit Edward und Fritz Feuz im August l'.MT: New light an Mts. Brown und Hooker, von E. W. D. Holway und James White, durch welche die verzwickten Fragen über Lage und Höhe dieser Berge der Entscheidung näher gerückt werden. Yasper Park, Alberta, ist der Gegenstand von drei Abhandlungen über dessen Flora, Vogel- und Säugetierwelt, von J. M. Maçons, P. A. Taverner und Rudolph Martin Anderson. Die Bewegungen des Yohogletschers 1916-1917 bespricht Arthur O. Wheeler. Kleinere Mitteilungen sind: Eine Winterreise zu Mt. Sir Alexander und den Wapiti, ausgeführt von der offenbar sehr rührigen Mary L. Jobe mit Donald Phillips. Auch die von hübschen Proben begleiteten „ Erinnerungen eines Künstlers ", von F. M. Bell-Smith, betreffen die Canadian Rockies. J. B. Harking bespricht die Notwendigkeit von Nationalparken für Kanada. Der Rest der „ Miscellaneous Section " und der „ Alpine Club notes " betrifft, in Skizzen, Gedichten und Berichten, die Camps, von denen eines 1917 im Cataract Valley abgehalten wurde. Hier haben wiederum die Damen das „ große Wort ", sei es, daß sie selber berichten oder der Gegenstand von Lobpreisungen des anderen Geschlechtes sind. Der Humor mancher dieser Äußerungen geht freilich Außenstehenden nur schwer ein, aber das Genre als solches ist amüsant. Wertvoller sind die Bibliographie über Druckwerke und Karten, welche die Canadian Rockies betreffen, von 1801 bis 1918 reichend.

Nach den letzten Ausweisen, die ich erhalten habe, zählt der A. C. C. in seinen Sektionen und nach verschiedenen Kategorien ( honorary, associate, active, life, annual und subscribing members ) zirka 600 Mitglieder, darunter viele Damen und eine große Zahl solcher, die auch dem A. C. oder einer der amerikanischen alpinen Korporationen angehören. Auffällig sind auch die vielen Namen schottischen oder irischen KlaDges.

II. The Alpine Journal.

Vol. XXVIII, Nos 203-206, February to November1914.

„ XXIX,207-210,1915.

„ XXX,211—213, „ May and October 1916.

„ XXXI,214—216, „ June and October 1917.

„ XXXII,217—218, „ and September 1918.

Es geht aus dem vorstehenden ohne weiteres hervor, und eine Zusammenstellung der Seitenzahlen würde diesen Eindruck verstärken, daß das „ Alpine Journal " sich in bezug auf Umfang und Zahl der Hefte seit Ausbruch des Krieges in einer absteigenden Kurve bewegt. Aber man würde irre gehen, wenn man daraus den Schluß ziehen wollte, daß auch die Qualität und damit das Interesse, welches wir diesem ältesten alpinen Publikationsorgan entgegenzubringen haben, abgenommen hätte. Der quantitative Rückgang erklärt sich weniger aus Mangel an geeignetem Stoff, obschon begreiflicherweise der Aktionsradius des A. C. sich seit 1914 verkürzt hat, als durch die von Jahr zu Jahr steigende Papiernot und Verteuerung der Herstellungskosten des Journals und — gelegentlich — Rücksichten auf die Zensur. Und von der Konzentrierung auf näherliegende Ziele, deren sich der A. C. seit August 1914 befleißen mußte, hat niemand mehr Nutzen gehabt als die Schweizer Alpen und das Mont Blanc-Gebiet, beziehungsweise die Geschichte ihrer Erforschung. In diesem Sinne will ich nun die fünf angeführten Bände durchsprechen, indem ich uns zeitlich oder räumlich Fernerliegendes nur streife.

In der Abschiedsrede nach Ablauf seiner dreijährigen Amtsdauer, 1911-1913, welche den Anfang von vol. XXVIII bildet, hatte der Präsident Sir Edward Davidson darauf hinzuweisen, daß in dieser Zeit von den drei Gründern des Club, welche 1907 das fünfzigjährige Jubiläum mitgefeiert hatten, zwei, Sir Alfred Wills und Walter, abgeschieden und im ganzen 12 Veteranen, die dem Club fünfzig und mehr Jahre angehört hatten, gestorben waren; darunter so hervorragende Pioniere, wie Tuckett, Whymper, Watson und Heathcote. Auch zwei der Unseren werden unter diesen Veteranen erwähnt, Gösset und v. Hallwyl. Aber sonst hatte der Club eine ruhige und erfolgreiche Periode durchgemacht, und seine Mitgliederzahl war auf 780 gestiegen. Ein großer Teil der touristischen Aufsätze von vol. XXVIII betrifft Errungenschaften aus dieser Zeit. So der von Raymond Bicknell über den Nordwestgrat des Obergabelhorns ( 1913 ) 5 von A. Stuart Jenkins über die erste Besteigung des Nordgipfels von La Sengla vom Col de la Reuse d' Arolla ( 1911 ); von J. H. Clapham über eine Cross country-Tour, welche ihn mit drei Freunden im nassen Sommer 1913 von Modane über die Dent Parrachée, den Col de la Vanoise, die Grande Casse, einen Col im Gebiet der Levanna, die Bocchetta della Losa, den Grand St. Pierre, Mont Emilius, Theodul, Adlerpaß, Rympfischhorn, Monte Moro, Colle delle Loccie, Colle d' Olen, Punta Gnifetti, Zumsteinspitze und Dufourspitze nach Zermatt führte. Die Besteigungen im schweizerischen Teil der Mont Blanc-Gruppe, von J. W. Wyatt mit Freunden oder Führern in verschiedenen Jahren seit 1904, zuletzt 1913, ausgeführt und beschrieben, betreffen die Aiguille d' Argentière, die Aiguilles Dorées, die Pointe d' Orny, den Mont Catogne, die Pointe des Ecandies, den Tour Noir, die Aiguille du Chardonnet, Grande und Petite Fourche, die Aiguille Javelle, Grand und Petit Darreï, die Aiguille du Tour, den Portalet, lebst den vielen dazugehörenden Cols. Es ist interessant, zu lesen, daß die Altersvorliebe von Mr. Wyatt für diese Gruppe die Erfüllung einer Jugendsehnsucht von 1874 ist, wo er in einem Institut in Lausanne den Unterricht von Emile Javelle genoß. An Javelle erinnern auch die künstlerisch sehr hochstehenden Aufnahmen Mr. Wyatts. Ich bemerke hier gleich, daß überhaupt die Illustration von vol. XXVIII von ungewöhnlicher Güte ist und der ausführenden Firma, Swan Electric Engraving Co. Ldt ., alle Ehre macht. Kurz, aber sehr instruktiv handelt E. L. Strutt über seine am 26. Juni 1914 mit Joseph Pollinger von der Allievihütte aus gemachte Erstbesteigung des Piz Qualivo ( Pizzo del Ferro orientale ) über dessen Nordwand. Den Reiz der Neuheit haben auch die Besteigungen, welche Messrs. W. N. Ling H. Racburn, W. G. Johns und J. R. Young 1913 in weniger begangenen Teilen des Kaukasus ausführten und über welche der erstgenannte berichtet, und die der letzt- genannte mit Meisterschaft auf die Platte gebannt hat. Ins Jahr 1913, beziehungsweise 1910 gehören die Erinnerungen des Herausgebers des „ Alpine Journal ", Mr. G. Yeld, an seine Besteigungen der Pointe du Pousset und der Becca Dentavu in seinem alten „ Jagdgebiet ", dem Val de Cogne. „ On the outskirts-Mont Aiguille and beyond " betitelt W. T. Kirkpatrik einen Bericht über den Sreifzug, welcher ihn und R. P. Hope im Sommer 1913 von Grenoble nach La Berarde brachte, auf Umwegen, bei welchen der Mont Aiguille ( bekanntlich 1462 zum ersten Male bestiegen ), der Monte Viso, der Brec de Chambeyron auf neuer Route, der Sirac bestiegen und eine Menge dazwischenliegender Pässe überschritten wurden. Streitige topographische und ähnliche Fragen werden diskutiert in den redaktionellen Artikeln: Mont Blanc by the Brouillard ridge und Le Pain de Sucre ( Aiguilles du Soreiller ), in einer Weise, bei der man sich füglich beruhigen dürfte.Von Bergfahrten in Kanada handeln die Aufsätze von Konrad Kain: The ascent of Mount Robson, von A. L. Mnmm: A trip up the Whirlpool River ( besonders topographisch wertvoll ). Von „ exotischen " Fahrten handeln Aufsätze, in der Reihenfolge der Publikation aufgezählt: Scrambles in Sinai, von Geoffrey E. Howard; The Brahma peaks of the Pir Panjal range, von Dr. Ernest H. Neve; A play ground at the East end: Rambles in Japan, von Douglas W. Freshfield; The volcanoes Bromo and Krakatau, von f Dr. Tempest Anderson; Mountaineering in Dutch New Guinea, von A. F. R. Wollaston ( außerordentlich interessant wegen der ungewöhnlichen Gegend und Umstände dieser wissenschaftlichen Expe-ditionWeek-end scrambles in the Kangra Himalayas, von H. D. Minchinton.

Mit dem Augustheft 1914 setzen dann die „ retrospektiven " Artikel ein, für deren Erscheinen in erster Linie der Co-editor Capt. Farrar verantwortlich scheint und deren er einen großen Teil selbst redigiert hat. Sie betreffen fast ausschließlich die Schweizer Alpen und das Mont Blanc-Gebiet und sind für jeden, der sich mit diesen, lehrend oder lernend, zu beschäftigen hat, „ household words " geworden. Wiederum in der Reihenfolge der Veröffentlichung aufgezählt, sind es: Mountaineering in 1855 ( Besteigung des Mont Blanc vom Col du Géant aus und auf dem gleichen Wege zurück nach Courmayeur ), von Sir James Henry Ramsay of Bamff; The first ascent of the Obergabelhorn, von A. W. Moore; The second ascent of the Matterhorn by the East face, von Julius Marshall Elliott; The first ascent of the Bietschhorn from the Baltschiedertal, und The Brenva face of the Mont Blanc, von J. P. Farrar. In die gleiche Kategorie gehören auch die Nachrufe an die Engadinerführer Peter Jenny ( f 1891 ) und Hans Graß ( f 1902 ), von denen interessante Porträte aus Privatbesitz beigegeben werden; an Franz Pöll ( 1828—1914 ), den durch Weilenmann weltbekannt gewordenen Führer, von J. P. Farrar; an Theophil Boß, den bekannten Hotelier in Grindelwald, von dem nämlichen, dessen warmer Ton auch mir, einem alten Gaste des alten „ Bär ", wohlgetan hat. Unter den andern „ In Memoriam-Artikeln " möchte ich drei hervorheben: den auf Charles Gilbert Heathcote ( 1841 —1913 ), weil sein Name in der älteren Besteigungsgeschichte der Walliseralpen mir öfters begegnet ist, und weil ich am Jubilee dinner des A. C. 1907 seine persönliche Bekanntschaft wie die von Llewelyn .1. Davies gemacht habe. An Frederick Morshead ( 1836—1914 ) kann ich mich bei dieser Gelegenheit nicht erinnern, aber ich kenne seinen Namen und seine Handschrift aus Melchior Andereggs Führerbuch, und von den erstaunlichen Marschleistungen dieses „ griesligen Herrn " hat mir Melchior mit Respekt geredet. Und noch auf etwas anderes bin ich durch A. O. Prickhards sehr eingehenden Nekrolog aufmerksam geworden. Es wird darin gesagt, „ daß Morsheads Mutter eine Trelawny war und in der Seitenlinie von dem störrigen Bischof und Baronet dieses Namens abstammte ". Nun glaube ich den Großvater oder Urgroßvater mütterlicherseits von Morshead in einem jungen Engländer, namens Trelawney zu erblicken, welcher 1791 und 1792 mit seinem Freunde John Gould in Bern weilte und mit Pfarrer Wyttenbach freundschaftlich verkehrte. Sollte der Enthusiasmus für die Alpen in dem Abkömmling dieser Familie nicht aus dieser Quelle stammen? Ich hoffe, später Beweise für diese meine Meinung beibringen zu können, wenn ich von den Besuchen der Engländer in Bern während des napoleonischen Weltkrieges zu sprechen haben werde. Mit dem Nachruf an Major John Beaumont Corry ( 1874-1914 ) beginnt in der Novembernummer von 1914 die leider ziemlich große Liste derjenigen Mitglieder des A. C, welche in diesem Kriege einen rühmlichen Tod für ihr Vaterland gefunden haben.

Mit der wachsenden Zahl der im aktiven Kriegsdienst stehenden Mitglieder — im Novemberheft 1915 ( vol. X X I X ) werden deren 82 ausgewiesen — steigen natürlich auch die Verluste, die auf den gleichen Zeitpunkt 6 betrugen. Außerdem verlor der Club durch friedlichen Todesfall einige seiner älteren Mitglieder, so Joseph H. Fox ( 1832-1915 ), den Begleiter und Schwager von F. F. Tuckett, Harold W. Topham ( 1857-1915 ), dem J. P. Farrar eine wohlverdiente Lobrede hält, mit Nachweis seiner bedeutenden Touren und Erstbesteigungen. Das gleiche tun für die als die frühesten führerlosen Matterhornbesteiger bekannten Albert Harold Cawood ( 1835-1913 ) und Arthur Cust ( 1840 —1911 ) J. B. Colgrove und J. B. Parish. Die Lebensnachrichten über Cawood sind sehr lesenswert, unter anderm auch darum, weil sie über seine Beziehungen zu Gottlieb Studer Aufschluß geben. Auch Cust war mit diesem und Bern in Verbindung und hat als bekannter „ Arollamann " meinem Vorgänger im Amt, Adolf Wäber, gelegentlich Beiträge geliefert oder Winke gegeben. Zahlreich sind auch die Nachrufe an verstorbene Führer, deren Ehrung sich der A. C. von jeher hat angelegen sein lassen. In erster Linie kommt hier Melchior Anderegg ( 1827-1914 ), dem nicht weniger als fünf Artikel gewidmet sind, dann kommen Pierre Gaspard ( 1834-1915 ), der erste Besteiger der Meije, und Joseph Croux ( 1859-1914 ) von Courmayeur, Joseph Lochmatter ( 1871-1915 ) von St. Niklaus, dessen vielversprechende Führerkarriere durch einen Unfall, den er sich im eidgenössischen Militärdienst zuzog, jäh unterbrochen wurde, und dem einer seiner „ Herren ", J. P. Farrar, Worte hoher Anerkennung widmet. Trotz dem Kriege finden wir im vol. XXIX noch eine stattliche Anzahl von touristischen Aufsätzen aus den Alpen, wie aus andern europäischen und außereuropäischen Hochgebirgen. Den ersteren gehören an: Four Days an Monte Rosa, von Herbert V. Reade. Der Titel ist etwas irreführend; denn in Wirklichkeit wird, nach einer allgemeinen Einleitung über Neu- und führerlose Touren und dergleichen, erzählt von Besteigungen des Blümlisalphorns und des Gspaltenhorns, von Überschreitungen der Gamchilücke, des Tschingelpasses, von einer Traversierung des Balmhorns von N. nach S., von einer Cima di JazziBesteigung auf Umwegen und mit Hindernissen, von einem Abstecher auf die Dents de Mordes, von einem Übergang über das Neue Weißtor vom Riffelhaus nach Macugnaga, welche der Berichterstatter mit Farrar, Gask und ( teilweise ) Fynn ausführte. Dann erst beginnt die viertägige Tour, welche die drei erstgenannten vom 27.30. Juli vom Belvedere bei Macugnaga über den Colle delle Loccie zur Sesia-hütte, von dieser über das Sesiajoch und die Parrotspitze zur Gnifettihütte, von dieser über die Punta Giordani, die Vincentpyramide, das Balmenhorn, das Schwarzhorn, die Ludwigshöhe, die Parrotspitze, die Punta Gnifetti, die Zumsteinspitze, den Grenzgipfel, die Ostspitze und die Dufourspitze zur Betempshütte und nach Zermatt brachte. Der diesem lehrreichen Artikel unmittelbar vorhergehende: The first and second passage of the Sesiajoch, aus dem handschriftlichen Tagebuch von W. A. Moore abgedruckt, ist reich illustriert mit Bildnissen von Jakob Anderegg, Christian Almer, II. B. George, H. Walter und A. W. Moore, einer großen Aufnahme der Val Sesia-Seite des Monte Rosa von den Gebrüdern Gugliermina, einer Routenskizze und einer Karte des Gebietes, welche mir für Bd. III des Walliserführers die besten Dienste geleistet hat, ebenso wie die wohl von Farrar stammende Liste der ersten Begehungen dieser Seite. Zwei weitere Aufsätze im Maiheft von 1915 sind dem Mont Blanc-Gebiet und dem Dauphiné gewidmet: Monte Gruetta, von R. Todhunter, und The N. W. Peak of Les Bans and the Grand Casse, von E. G. Wells. Sie betreffen Expeditionen aus den Jahren 1912 und 1913- Im Augustheft 1915 werden wir durch zwei Vexiertitel: Some CommonPlaces, von Nevile S. Done, und Crambe repetita, von A. D. Godley, verblüfft, um erst bei eindringender Lektüre zu merken, daß es sich im ersten Fall um „ Gemeinplätze ", wie Cabane Julien Dupuis, Pavillon de Lognan, Hütte am Jardin d' Argentière, Montanvert, Quintino Sella-Hütte, und so „ gewöhnliche Dinge ", wie die Aiguilles Dorées, den Portalet, Aiguille du Tour, Fenêtre de Saleinaz, Col de ChardoDnet, Tour Noir, Versuche am Col des Cristaux und Col Dolent, Col du Géant, Traversierung des Mont Blanc von Courmayeur nach Chamonix auf der Rocher du Mont Blanc-Route handelt, welche von dem Berichterstatter mit Dr. P. R. Parkinson und einem X genannten Anfänger im August 1909 ausgeführt wurden. Der „ aufgewärmte Kohl " Mr. Godleys betrifft, wenn wir von seinen humoristischen Digressionen zum Theodul, Val Cournera, Stein etc. absehen, „ Schlechtwetterfahrten " über Pässe im Gebiet von Saas, Macugnaga, Alagna, Zermatt, von denen namentlich Allalinpaß, Adlerpaß, Sehwarzenberg-Weißtor und Schwarztor eingehender besprochen werden. Das ganze ist außerordentlich witzig behandelt und voll geistreicher Einfälle. Im Novemberheft 1915 beschreiben J. J. Briggs „ Streifzüge durch die Seealpen " im Juli 1914 und Wm. T. Kirkpatrick unter dem Titel: „ Nights out in the Alps " seine und Mr. Hopes Erfahrungen bei 14 unfreiwilligen Biwaknächten im Verlauf einer 20jährigen führerlosen Kampagne im Alpengebiete; gewiß kein unvernünftiges Verhältnis und lehrreich zu lesen.

Nichtalpine Touren, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, werden geschildert, 1. Aus den britischen Bergen: Beddgelert im September 1914, von G. Yeld; 2. aus Korsika: Corsica in May 1914, von Victor H. Gatty; 3. aus dem hohen Norden: Arctic Norway: Two ascents of Strandaatind; Ascent of Stedtind, von Wm. Cecil Slingsby; 4. aus Südafrika: First ascent of Cathkin Peak, Drakensberg, Natal, von f G. T. Am-phlett ( aus der Vorgeschichte dieser Besteigung ist es für uns interessant zu vernehmen, daß die ersten Versuche vor Jahren von zwei Schweizern, den Gebrüdern Stocker, gemacht wurden ); 5. aus dem Kaukasus: In the Caucasus, 1914, von Harold Rseburn ( Ergänzung zu der oben erwähnten Erzählung von W. Ling, mit zehn Illustrationen und einer KarteThe highest Peak of the Adai Khokh Group, von Harold Rseburn ( definitive Auseinandersetzung mit früheren Angaben von Déchy, Freshfield, Merzbacher u.a.6. aus dem Himalaya: The mountaineering aspect of Himalayan glaciers, von William Hunter Workman; 7. aus Neuseeland: Two seasons on the West Coast of New Zealand; The La Perouse glacier, von H. E. Newton ( mit zehn sehr instruktiven Photographien und einer Karte ), und „ A climber in a far country ", von Malcolm Ross. Wenn wir diesen aus dem engeren ins weitere gehenden Tätigkeitskreis des A. C. aus den letzten Jahren vor dem und dem ersten des Weltkrieges überblicken, so können wir unsere Bewunderung für seine Expansion und Konzentration zugleich nicht verhehlen. Zu der oben berührten Gattung des „ retrospektiven Bergsteigens " gehören die beiden Beiträge von H. F. Montagnier in der Novembernummer von 1915: Wiedergabe des Originalberichtes von Mark Beaufoy über seine Mont Blanc-Besteigung vom 8. August 1787 und zweier Artikel über die erste Jungfraubesteigung der Gebrüder Meyer, aus der Gazette de Lausanne vom 20. August und 4. Oktober 1811.

In vol. XXX, das Jahr 1916 umfassend, halten sich Neues und Altes, Alpines und Exotisches ungefähr die Wage. So können wir es unternehmen, die Artikel zu parallelisieren. Das Neue steht zum Teil sichtlich unter dem Zeichen des Krieges.

So schildert mit bewußter Tendenz, aber auch mit genauer Lokalkenntnis Douglas W. Freshfield „ die südlichen Grenzen ÖsterreichsEdward A. Broome gibt uns einen Bericht von „ Zermatt in Kriegszeiten ", d.h. im Sommer 1915. Die Schilderung ist lehrreich, u.a. deswegen, weil man daraus sieht, wie leichtfertig selbst gebildete Ausländer die Äußerungen sogenannter „ führender " Zeitungen für den Ausdruck pro oder contra Zentralmächte und Entente ganzer Bevölkerungsteile unseres neutralen Landes genommen haben. Die Grenzsperre und Paßschwierigkeiten verboten alle „ ultra-montanen " Pläne, und die kleine Familiengesellschaft Mr. Broomes mußte sich begnügen, mit „ Spaziergängen ", wie Gornergrat-Hohtäligrat-Stockhorn, Riffelalp-Täsch-alp, Gornergletscher-Betempshütte, und Ausflügen, wie Adlerpaß Strahlhorn von der Z'fluhalp, Alphubel via Rothengrat von der Täschalp und Rückkehr über das Alphubeljoch, Dufourspitze vom Grenzgletscher, Castor; alles oder das meiste mit Joseph und Alois Pollinger ausgeführt. Vor den Krieg zurück führen uns die Aufsätze von O. K. Williamson: Traversierung der Pizzi di Palü, Bellavista und Piz Zupô, ausgeführt im Sommer 1913 mit Johann und Domenic Groß, und H. W. Ellis: Some Valais Climbs in 1913 ( Bieshorn, Weißhorn, Biesjoch, Brunnegghorn, Felikjoch-Castor-Sellahütte-Zwillingsjoch-Pollux, Schwarztor ). Ebenso in das Jahr 1913 gehört die Expedition von J. P. Farrar und V. A. Fynn mit Omer Baileys, durch welche die verschiedenen Routen der Nordseite des Grand Combin geklärt werden. Den Bericht von G. Winthrop Young über seine „ neuen Besteigungen in der Gspaltenhorngruppe " ( Bietschhorn-Petersgrat-Gamchilücke-Gspaltenhorn über den Nordgrat-Büttlassen über den Südgrat-Wilde Frau über den Ostgrat-Gspaltenhorn über den Westgrat ), 1914 mit Mr. Herford und den Führern Joseph Knubel und Hans Brantschen ausgeführt, werden nun unsere Leser mit den oben ( p. 60-67 ) abgedruckten, von Gurtner und Bernet, vergleichen können. „ Von Cogne nach Ceresole " betitelt W. N. Ling die Beschreibung einer Bergfahrt, welche ihn Ende Juli 1914 mit Sang, Mc Robert und Brown über den Col Pousset, die Grivola, den Herbetet, Gran Paradiso und Colle di Ciarforon nach Ceresole führte, von wo sie über Turin nach Genua und — zu Schiff — eiligst nach England zurückkehrten. Die „ Hex River Mountains " in der Kapkolonie, d.h. seine Erforschung derselben in den letzten 18 Jahren, beschreibt G. F. Travers Jackson; G. Yeld beendigt seinen Artikel: Beddgelert in September 1914; Rev. Walter Weston berichtet über seine Streifzüge in den nördlichen japanischen Alpen seit 1912; er leitet sie ein mit einer interessanten Geschichte des Bergsteigens in Japan, illustriert sie mit Bildern und einer Karte und schließt sie mit den „ Annalen des Fuji-San " seit dem B. Jahrhundert. Dem Kaukasus sind drei Artikel gewidmet: Praeterita Caucasica, von Douglas W. Freshfield ( Erinnerungen an seine Kampagne dort im Jahr 1868 und spätere, die durch eine Art von autobiographischer Skizze verbunden sind ). Die zweite Expedition nach dem Kaukasus, 1874, wird geschildert von dem leider unlängst verstorbenen Frederick Gardiner, der sie mit A. W. Moore, F. C. Grove und Hör. Walker ausführte. Beide Artikel sind reizvoll illustriert durch alte Bildnisse der Teilnehmer, von denen nur zwei noch am Leben sind. Harold Rseburn vervollständigt die Liste der von 1912 bis 1915 im zentralen Kaukasus erstiegenen Gipfel und gibt Berichtigungen zu früheren Listen und Karten. Außerordentlich reich ist vol. XXX an Artikeln aus der Vergangenheit, d.h. dem goldenen Zeitalter des Bergsteigens und der Pioniere, dank namentlich der unermüdlichen Tätigkeit von Capt. Farrar und Mr. Montagnier im Aufspüren und Herbeischaffen alter Tagebücher, Briefe, ungedruckter Manuskripte, Führerbücher und Bilder. Ich kann diese Fundgrube hier nicht ausschöpfen; es muß genügen, daß ich durch Anführung der Titel dem Leser eine Übersicht verschaffe. Aus Jugendbriefen Edward Stuart und Alfred Traili Parkers an ihre Familien in England erfahren wir von führerlosen Überschreitungen der Strahlegg, des Schwarzenberg-Weißtors, des Col d' Hérens und des Col du Géant, 1860, und von einer gleichen Überschreitung des Triftjochs und einer Besteigung des Finsteraarhorns mit Abstieg über den Fieschergletscher, 1865. Von einem vielleicht nicht ernst gemeinten Matterhorntunnelprojekt weiß eine Zeitungsnotiz von 1859 zu plaudern, welche Mr. Montagnier ausgegraben hat. Der nämliche belehrt uns mit einer Fortsetzung seiner Bibliographie der Mont Blanc-Besteigungen 1786 bis 1853, die viel bisher Unbekanntes enthält. Über frühe Versuche den Géant und Dru zu ersteigen, berichtet E. R. Whitwell. Seine Jugenderinnerungen an führerlose Besteigungen in der Gegend der Beialp und des Eggishorns ( Nesthorn, Aletschhorn, Finsteraarhorn, Jungfrau usw. ), meist mit Mr. Fairbanks in den 60er und 70er Jahren unternommen, berichtet der Veteran John Stogdon '; dies ist zugleich eine alpine Autobiographie, in welcher der Verfasser von seinen Anfängen mit Matthäus Zum Taugwald und Kaspar Blatter und von einer Dent Blanche-Besteigung von der Bricollaseite, 1868, erzählt. Auch vom Führerlosgehen, seinen Vor- und Nachteilen wird recht vernünftig gesprochen. Ebenfalls in die 60er Jahre zurück gehen die Erinnerungen von Rev. T. B. Philpott an sein „ alpines Kompagniegeschäft " mit J. J. Hornby. Auch dieser reich illustrierte Artikel ist zu einer Art Doppel-biographie ausgearbeitet und enthält außer den von 1861 bis 1866 durchgeführten Fahrtbeschreibungen Auskunft über die beteiligten Führer Christian Almer, Christian Lauener, Johann Bischoff, Jakob Anderegg u.a. Zu zweien der geschilderten Touren: Silberhorn und Ebnefluhjoch, gibt Capt. Farrar interessante Ergänzungen. Ein Versuch auf das Matterhorn von der Ostseite und eine Ersteigung desselben von der italienischen Seite im Jahre 1867 wird von Wm. Leighton Jordan erzählt. Ich müßte endlich einen guten Teil der älteren Besteigungsgeschichte der Schweizer Alpen ausschreiben, wenn ich wiedergeben wollte, was wir durch die Publikation der Führerbücher von Ferdinand Imseng ( 1845 — 1881 ) und Ulrich Lauener ( 1821—1900 ), die von aufklärenden Anmerkungen Farrars begleitet sind, oder aus den In Memoriam-Artikeln über George Augustus Passingham ( 1842—1914 ), Thomas Fowell Buxton ( 1837—1916 ), James Eccles ( 1838—1915 ), Catherine Martha Gardner ( 1836—1916 ), J. Llewelyn Davies ( 1826—1916 ), Henry Fanshawe Tozer ( 1829 — 1916 ) und der Führer Jean Maître ( 1849—1915 ) und Jean Joseph Blanc ( 1841 — 1913 ) lernen können. Durch den Krieg verlor der A. C. im Jahre 1916 nicht weniger als 6 Mitglieder, darunter einige ganz hervorragende Bergsteiger. Wenn die Illustration von vol. XXX künstlerisch nicht so hoch steht wie in vol. XXVIII ( siehe oben ), so ist dagegen ihr historischer Wert, namentlich der Porträtgalerie, welche 46 Nummern von Touristen und Führern umfaßt, sehr bedeutend.

Vol. XXXI ( 19 17 ) bewegt sich wesentlich in den gleichen Bahnen wie vol. XXX, nur daß der Krieg jetzt höhere Wellen schlägt. Durch ihn verlor der A. C. 1917 nur, wenige Mitglieder oder Freunde, wie Capt. H. L. Slingsby, den zweiten Sohn von Wm. Slingsby, oder Capt. H. Duhamel; aber er klingt doch als Unterton in allen Artikeln an. So auch in dem Vortrag, mit welchem Lord Justice Pickford nach dreijährigem Amte, im Dezember 1916, von seinem Präsidentenstuhle Abschied nimmt. Er konstatiert, daß die Mitgliederzahl von 722 auf 661 zurückgegangen war und der Umfang des „ Alpine Journal " reduziert werden mußte. Er gibt Aufschluß über die Gründe, warum die Aktiven und Ehrenmitglieder des A. C, welche feindlichen Nationen angehörten oder, wie Sir Sven Hedin, sich feindseliger Handlungen in Wort und Schrift gegen das britische Reich schuldig gemacht hatten, vom Komitee aus den Listen gestrichen wurden. Man begreift diese Gründe, wenn man auch in einigen Fällen bedauern muß, daß es so weit kam. An neuen Besteigungen während seiner Amtsdauer zählt er auf: Mont Blanc du Tacul über den S. E. Grat, Grépon durch das Couloir der Nantillonseite, Südgipfel der Aiguille de Blaitière von der Mer de glace-Seite, neue Routen am Mettenberg, Gwächten, Eiger-Rotstock, Gspaltenhorn, Guglia de Peuteret, Tête de Pierre Grept und Grand Muveran, in der zentralen Engelhörnergruppe, Lauteraarhorn über die Südwestflanke, in den Lepontinischen und Tessineralpen, Pizzo del Ferro orientale über die Nordflanke, Forschungsreisen in den östlichen Karakoram Himalayas, in Bara Bagnai, Lahoul und Zanskar. Die Aufzählung ist eine sorgfältige, und die Ansprüche der Touristen und Führer auf den Ruhm dieser Leistungen werden gerecht erwogen. Bei der Aufzählung der Todesfälle erfüllen die freundlichen Worte, welche dem auf feindlicher Seite gefallenen Sepp Innerkofler gewidmet werden, mit Genugtuung. Direkt mit dem Kriege beschäftigt sich auch der Aufsatz von Edgar Foa: The campaign in the Trentino, welcher diese Kämpfe von Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Italien und Österreich im Mai 1915 bis Ende 1916 schildert, wobei besonders auch auf die Kämpfe im Winter und die Lawinengefahr aufmerksam gemacht wird. Auf nichtalpine Gebiete beziehen sich folgende Aufsätze: Himalayan scrambles in 1914, von Capt. H. D. Minchinton, auf die ich oben schon hingedeutet habe. Ferner: The peaks about Singen ( Norwegen ), von Dr. J. H. Clapham, Erinnerungen an einen kurzen Besuch vor acht Jahren. Ebenfalls auf die Zweizahl beschränkt sind die Abhandlungen: Gait and style, von F. W. Bourdillon und: The exotic granites of the Habkerental, von T. Howse. Den feinschmeckerischen Reiz der ersteren, von dem Wortspiel im Titel bis zu dem in der letzten Zeile des Textes, in deutscher Sprache wiedergeben zu wollen, ist ganz hoffnungslos; es genüge, zu bemerken, daß Bourdillons Kritik des alpinen Stils in eine begeisterte Lobrede auf Ruskin ausklingt, der wir von Herzen beistimmen; ebenso dazu, daß die Verfasser von „ Führern " keinen Anspruch auf „ literarischen " Wert haben und erbärmliche Stilisten sind. Auf leichter verständlichem Gebiet bewegt sich Mr. House, obgleich auch ihm nicht jenes Rätsel zu lösen gelingt, das schon Lyell und Bonney beschäftigte. Den letztgenannten treffen wir an der Spitze der alpinen Aufsätze und zugleich der „ historischen Methode ", für welche, nach der Meinung seines Vorgängers, der jetzige Präsident des A. C, Capt. J. P. Farrar, verantwortlich ist. Unter dem Titel „ Die Alpen von 1856 bis 1865 " gibt uns Prof. Bonney mit seiner eigenen die Jugendgeschichte des englischen Bergreisens, soweit die Alpen vom Monte Viso bis nach Chur davon betroffen werden. Sehr interessant sind die Rückblicke auf die damaligen Verkehrsmittel, Unterkünfte, Verpflegung, Ausstattung, Karten, Werkzeuge, Führer usw. Als seine Begleiter erwähnt Professor Bonney J. Clark, Hawkshaw, F. F. Tuckett, W. Mathews, R. W. Taylor, G. F. Browne, als seine Führer Michel Auguste und Jean-Baptiste Croz, Jean Tairraz, Alexandre Pic, Johann Kronig, J. B. Symond. In seinen Vergleichen zwischen Einst und Jetzt ist Prof. Bonney, wo es not tut, ein Laudator temporis acti, aber immer gerecht. Von seinen zahlreichen Bergtouren in diesen Jahren ( u.a. Breithorn, Kleines Matterhorn, Monte Rosa, Lysjoch, Col Durand, Triftjoch, Neu Weißtor, Col de la Casse Déserte, Buet ) werden ein Versuch auf den Pelvoux 1860 und eine Besteigung der Grivola 1862 ausführlich geschildert. Ebenfalls in alte Zeiten zurück geht der aus dem Fremdenbuch des Hotels Monte Rosa in Zermatt geschöpfte Artikel über frühe Matterhornbesteigungen ( 1865-1868 ), von denen manche nur unvollkommen bekannt sind. Der nämlichen Quelle, lokalen Chroniken und den Führerbüchern der Brüder Matthäus ( 1825-1872 ), Johann ( 1826-1900 ) und Stephan ( 1833-1907 ) Zum Taugwald sind folgende Artikel zu verdanken, welche für die Geschichte des Bergsteigens rund um Zermatt und den „ Walliserführer " gleich nützlich sich erwiesen haben: The records of attempts on, and ascents of, Monte Rosa from the Zermatt side from 1847 to 1860, zusammengestellt von H. F. Montagnier; The early attempts on Monte Rosa from the Zermatt side, erläutert von J. P. Farrar; List of the travellers and guides engaged in the early attempts on, and ascents of, Monte Rosa from the Zermatt side, from 1847 to 1856, und Genealogies of, and connexion between, the Zermatt guide families of Zum Taugwald and Taugwalder, von Dr. Dübi. Ich sollte meinen, daß dadurch und durch einen im vol. XXXII stehenden Aufsatz nun alle Rätsel der Besteigungsgeschichte des Monte Rosa gelöst seien, und wir haben kein Bedenken getragen, den Text von Bd. III des Walliserführers in der französischen Ausgabe entsprechend abzuändern. Die noch zu besprechenden Beiträge zu vol. XXXI wurden von der „ Alten Garde " beigesteuert. Mit einer Ausnahme: „ Die Flucht nach Italien ", von R. L. G. Irving, welcher erzählt, wie er mit zwei ihm anvertrauten jungen Leuten, die er Tom und Dick nennt, in den ersten Augusttagen 1914 zu einem abenteuerlichen Übergang nach Italien über den Col du Géant bei schlechtem Wetter genötigt war, um der Internierung zu entgehen. Das Wagnis gelang, aber Tom und Dick sind seitdem, der eine bei Gallipoli, der andere bei Suez, gefallen, wie Mr. Irving in einem tiefgefühlten Epilog berichtet.

„ Erfolg und Fehlschlag am Mont Blanc " betitelt Wm. Cecil Slingsby die Erzählung von 1. einer Überschreitung dieses Gipfels in einem Tage, von Courmayeur nach Chamonix, am 25. Juli 1879, mit Rev. C. J. Ord und den Führern Franz und Adolf Andermatten, dazu Slingsbys übrige Erfahrungen in den Schweizer Alpen 1878 und 1879 und eine gerechte Würdigung von Franz Andermatten ( 1823 — 1883 ); 2. einer führerlosen Überschreitung des Mont Blanc von Courmayeur nach Chamonix im Juli 1896 mit C. Pilkington, Horace Walker, Ellis Carr und Gerald Fitz Gerald; 3. eines bei der Vallot-Hütte durch Sturm vereitelten Versuches, den Gipfel von Chamonix aus mit fünf andern Yorkshiremen führerlos zu ersteigen. In seinen „ Erinnerungen und Reflexionen " nennt sich Sir Martin Conway einen „ old-stager ", was etwa mit „ altmodisch " wiederzugeben wäre. In Wahrheit sind seine Eindrücke und Lehren aus einem langen und erfolgreichen Bergsteigerleben gezogen, voll erquickender Frische und sehr beherzigenswert. Seine Erzählung beginnt mit seinem ersten Besuch der Alpen im Jahre 1872 mit Stogdon, Pollock und Leaf, und seine erste alpine Tat war eine Besteigung des Breithorns direkt von Zermatt und dahin zurück, nach Passinghams Rezept. Interessant für mich — und wohl auch für einige andere — sind die Tatsachen, die Conway zum Erfinder der Climbers'guides gemacht haben, aber niemand wird sich dem Reize widersetzen können, mit dem die Schlußworte seines Artikels über das Wesen und den Wert der Schönheit der Natur bekleidet sind. Von hohem wissenschaftlichem Wert und literarisch interessant ist die Abhandlung ( mit Abbildungen und einer Kartenskizze ) von Mr. Freshfield über „ die großen Pässe der West- und Zentralalpen ". Die Hannibalfrage, über die der nämliche vor zwei Jahren eine eingehende Studie veröffentlicht hat, wird darin neuerdings besprochen. Mr. Freshfield bleibt bei seinem Entscheid für den Col de l' Argentière; ich neige mehr denn je zu einem nördlicher gelegenen Passe ( siehe oben ), kann aber aus Mangel an Raum auf die Diskussion von Mr. Fresfields Argumenten nicht eintreten. Mr. Yeld, der nunmehr über 22 Jahre lang das „ Alpine Journal " redigiert, gibt Aufschluß über das wenig bekannte Val Scera in der Tarentaise, das er im August 1913 mit seinem Leibführer Benjamin Pession bereiste. Capt. J. P. Farrar, der sich nun auch den Veteranen nähert, beschließt in dem Aufsatz: „ The Rotthal Face of the Jungfrau " die Reihe seiner Studien zur Besteigungsgeschichte dieses Gipfels, dem er, wie dem Finsteraarhorn und Monte Rosa, großes Interesse entgegenbringt. Mit etwas gemischten Gefühlen habe ich hier den ausführlichen Bericht über die Expedition von Herrn Mottet und Gefährten vom 14. August 1910 ( Abstieg von der Jungfrau über das Silberhorn und den Rotebrett-Grat ) gelesen, um den ich seinerzeit für das Jahrbuch umsonst gebettelt habe. Der Pietät und dem historischen Interesse zugleich dienen die ungewöhnlich zahlreichen In Memo- riam-Artikel von vol. XXXI auf Miss Lucy Walker ( 1835-1916 ), mit Bildern und einer Liste ihrer Besteigungen, welche von 1858 ( Theodul und Monte Moro ) bis 1879 ( Basodino ) reicht und 95 gelungene Hochtouren nebst drei Versuchen ( Weißhorn, Zinal Rothorn und Nordend ) umfaßt. Von der Gastfreundschaft der Geschwister Walker in South Lodge, Princes Park, Liverpool und der Herzensgüte dieser Dame kann auch ich aus Erfahrung sprechen.

Fernere solche Artikel betreffen Rev. Arthur Fairbanks ( 1849-1916 ), mit Erinnerungen an Miss Brevoort und einem den Papieren des Verstorbenen entnommenen Bericht über einen lehrreichen Unfall auf dem Unterbächgletscher, 14. August 1883; Richard Lake Harrison; François Dévouassoud ( 1837-1905 ), mit Beiträgen von Freshfield, Allbutt, Carson und Wainewright. Ich glaube nicht, daß je einem Führer, außer etwa Almer und Anderegg, soviel Hochachtung entgegengebracht worden sei, und das gegenüber pag. 206 abgebildete Monument auf dem Kirchhof von Chamonix, mit Widmungen von Freshfield, Tuckett, George und Tucker, sucht seinesgleichen. Die Lektüre dieses Artikels rief mir in Erinnerung, daß ich François Dévouassoud, zum ersten und letzten Male in meinem Leben, im Juli 1866, in Gesellschaft von Freshfield und Tucker bei der Eisarbeit an der Wetterlücke gesehen und als Dolmetscher zwischen ihm und einem Lauterbrunner Träger gedient habe.

Andere Nachrufe sind: Alexander Rivington ( 1837-1917 ); Fred. Wallingford Whitridge; Richard Hill Tiddeman ( 1842-1917 ), welcher mit James Eccles 1871 die erste Besteigung der Aiguille du Plan machte; Emil Cathrein ( 1847-1916 ), der weltbekannte Hotelier von Brig; Franz ( Weißhorn ) Biner ( 1835-1916 ), einer der letzten der alten Zermattergarde; Martin Schocher ( 1849-1916 ), seit Hans Graß'Tod unstreitig der anerkannteste Pontresinerführer; Johann Grill, genannt der Köderbacher ( 1835-1917 ), dem J. P. Farrar einen sympathischen Artikel widmet, der auch Erinnerungen an Peter Dangl, eine andere Tirolergröße, enthält. Thomas Henry Philpott ( 1840-1917 ), von welchem oben schon die Rede gewesen ist; Thomas Henry Carson ( 1844-1917 ), mit einer Liste, die von 1863 ( Torrenthorn ) bis 1883 ( Monte Viso ) reicht; Ulrich Kaufmann ( 1840-1917 ), dessen Ruhm hauptsächlich auf Besteigungen in Neu-Seeland und im Himalaya beruht. Als Monumenta pietatis erwähne ich noch die Nekrologe auf die im Felde gefallenen O. R. Todd, N. S. Done, J. R. Dennistoun, C. A. Werner und L. Slingsby. Die Porträtgalerie des „ Alpine Journal " ist 1917 um 32 Nummern vermehrt worden und der Index um die wertvolle Kategorie der „ Guides mentioned ". Da der Artikel über Emil Cathrein ( so, nicht Kathrein ) von mir stammt, so möchte ich auch die Unterschrift unter dem Porträt auf pag. 251 geändert wissen in Anton ( nicht Franz ) Wellig.

Das nur aus zwei Heften bestehende v ol. XXXII folgt den vorgezeichneten Linien. Das letzte Kriegsjahr, 1918, hat dem A. C. noch manche Wunde geschlagen. Aus den verschiedenen darauf bezüglichen Rubriken entnehme ich, daß bis zum Februar 1919, wo das neue Verzeichnis herausgekommen ist, im ganzen 19 Mitglieder seit dem August 1914 den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld oder wenigstens im aktiven Dienst für ihr Vaterland erlitten haben. Von fünf derselben: Brig.Gen. C. Rawling, Capt. G. D. Ewen, Capt. C. J. Reid, Capt. Ch. J. Clark und Leut. H. O. S. Gibson, werden Nekrologe mit Porträts gegeben. Andere In Memoriam-Artikel, ebenfalls oft mit Bildnissen, lesen wir über Peter Joseph Truffer ( 1844-1917 ), den bekannten St. Xiklauserf Uhrer; David J. Abercromby, dessen Liste von 1863 ( Alphubelpaß ) bis 1899 ( Breithorn ) geht und über 100 „ große " Besteigungen ( über 11,000 ' ) aufweist; Francis Welles Neumarch ( 1853-1918 ), von dem u.a. erzählt wird, daß er einst genau 24 Stunden nach seiner Abreise von London auf der Spitze der Wellenkuppe stand; Herbert Elliott Marsh ( 1851 bis 1918 ), von dessen führerlosen Touren mit Harold Topham er uns selbst in einem 1895 erschienenen Buche erzählt, das mir für den Walliserführer, Bd. II, gute Dienste leistet; Madame Charlet née Straton ( 1838—1918 ), mit einem Eigenbericht über ihre Winterbesteigung des Mont Blanc, 31. Januar 1876, und einer Liste ihrer Bergfahrten von 1861 ( Grand Mulets ) bis 1876 ( Balmhorn ); Matthias Zurbriggen, der weitgereiste, einst der Begleiter Conways im Himalaya. Die übrigen Artikel in vol. XXXII zerfallen in zwei ungefähr gleich große Gruppen; solche, welche von der Firma Yeld-Farrar-Montagnier, und solche, welche von andern beigetragen werden. Wir zählen die letztern zuerst auf. Es sind: Mount Louis, von Val. A. Fynn, Bericht über die zweite Besteigung dieses kühnen Felsgipfels im September 1917 mit Eduard Feuz ( siehe oben ), mit Notizen über andere Besteigungen in den Canadian Rockies; Notizen von Überschreitungen des Weißtorrückens im Juli 1872 und im Jahr 1894 auf der Suche nach dem „ Alten Weißtor ", von Rev. W. C. Compton; Chamouni in 1780 and 1786, nach gleichzeitigen Tagebüchern eines Mr. Brand. Die Auszüge von 1780 handeln vom Montanvert, Blairs Hütte und vom Buet; die von 1786 sind nur zwei oder drei Tage jünger als die erste Mont Blanc-Besteigung und bestätigen alles, was ich 1913 darüber geschrieben habe. Ebenfalls aus Familienpapieren geschöpft ist der Bericht über eine Besteigung des Groß-Löffler im Jahre 1862 durch Dr. William Brinton ( 1823—1867 ). Unter dem Titel: „ Old Memories " beschreibt Prof. Bouney eine Besteigung des Monte Rosa von Zermatt aus am 23. August 1859 in sehr zahlreicher Gesellschaft, einen Fehlschlag am Dom im gleichen Jahr und seine Eindrücke vom Matterhorn in den Jahren 1858 — 1862, das ihm für kaum bezwinglich galt. Eine Besteigung des Mont Blanc vom Col du Géant aus über das Ostbollwerk des Mont Maudit, von ihm mit R. L. G. Irving und H. E. G. Tyndale im August 1911 ausgeführt, erzählt G. L. Mallory. Eine zusammenfassende Darstellung der Berge und Landschaft von Skye gibt J. N. Collie; Besteigungen des Ortler im Juli 1911, die er mit Wicks und Bradby auf verschiedenen Routen zu den verschiedenen Spitzen ausführte, erzählt Claude Wilson, mit interessanten Ausblicken auf seitdem in die Erscheinung Getretenes. „ Quer durch das Land von Champex nach Chamonix im August 1913 " betitelt sich eine „ Rundreise " von B. Lawford, deren Etappen ( Orsieres-Chanrionhütte-Col de Breney-Pigne d' Arolla-Pas de Chèvre-Arolla-Aiguille de la Za-Bertolhütte-Col d' Hérens-Tête Blanche-Randa-Domhütte-Festijoch-Hohberghorn -Riedpaß -Ulrichshom -Windjoch - Mischabelhütte -Saas Fee -Britanniahütte-Adlerpaß-Fluhalp-Rimpfischhorn-Zermatt-Stalden -Saas Fee -Mattmark-Schwarzenberg Weißtor-Neu-Weißtor-Sellahütte-Macugnaga-Belvedere-Colle und Monte delle Loccie-Colle de Bors - Bocchetta delle Pisse-Col d' Olen-Gnifettihütte [50 Personen, Frauen und Kinder, ein italienischer Jäger mit zwei Dachshunden über NachtLysjoch-Zumsteinspitze - Grenzgletscher Riffelhaus - TheodulpaBreuil - Château des Damcs-Rifugio Aosta-Dent d' Herens-Valpelline-AostaCourmayeur-Domhütte-Mont Blanc [das Observatorium im Schnee versunkenChamonix ) den „ queren " Titel und die gebrauchte Zeit ( 26 Tage, während man zur Not über den Col d' Orny, Fenêtre de Saleina und Col de Chardonnet in einem Tage von Champex nach Chamonix gelangt ) vollauf rechtfertigen. In der „ Vorkrieg-Erinnerung " von Charles Candler ist der Haupttitel: „ A blizzard in the Tatra " insofern irreführend, als von mehr als einem Gewittersturm auf dieser Reise im Juni eines ungenannten Jahres die Rede ist. Sehr anregend ist der Aufsatz von H. E. M. Stutfield: „ Mountaineering as a religion ", und ich denke, seine ethischen Forderungen und Wertungen verdienen auch über den Kreis des Alpine Club, dem sie am 4. Juni 1918 vorgetragen wurden, hinaus Beachtung.

Wenn wir nun zu den Beiträgen der redaktionellen Gruppe übergehen, so müssen-wir uns, um nicht übermäßig lang zu werden, auf Titel beschränken. Diese lauten also für Mr. Yeld: Walks in Snowdonia ( Erinnerung an „ rationierte " Ferien im September 1916 ); für Capt, Farrar: Days of long ago; Charles Hudson: The prototype of the mountaineer of today ( in Wahrheit eine Geschichte des englischen Alpinismus von 1855 bis 1865 und im besondern eine eingehende Erörterung der älteren Mont Blanc-Besteigungen und der Matterhornkatastrophe; außer von Hudson ist von einer langen Reihe von Pionieren, Touristen und Führern, deren Porträte gegeben werden, die RedeHistorical documents IV: The Führerbücher of Peter Knubel ( sie beginnen 1863 mit einer Eintragung über Begehung der Cols de Valpelline, Reuse d' Arolla und Fenêtre und endigen 1911 und charakterisieren den vor wenigen Wochen verstorbenen Fuhrerveteran Knubel als den modern specialist guide, wie sich Farrar ausdrückt, der die Auszüge mit durchlaufenden Anmerkungen und Ergänzungen begleitet ). Das nämliche tut er auch für die Beiträge von H. F. Montagnier, einem in Bern lebenden Amerikaner ( Mitglied der Sektionen Genf und Bern ) und auch mein Mitarbeiter in alpin-historischen Fragen. Hier nennen wir: Early records of the Col de St. Theodule, the Weißthor, the Adler and other passes of the Zermatt district; sie sind dem Fremdenbuch des Hotels Monte Rosa in Zermatt entnommen und gehen von 1840 bis 1869 ( Domjoch ); für den Walliserführer und eine dritte Auflage von Studers „ Über Eis und Schnee " eine Quelle ersten Ranges. Die Berner Alpen betreffen die Auszüge aus dem Fremdenbuch des Hotels Eggishorn über „ die erste Überschreitung des Mönchjochs " ( 11. bis 12. August 1858 ) von Eggishorn nach Grindelwald durch Messrs. John Birkbeck, Charles Hudson und George Joad mit Melchior Anderegg, Victor Tairraz, einem englischen Bedienten und einigen Trägern; über ältere Besteigungen des Finsteraarhorns 1857 ( die berühmte Cambridgerbesteigung ), 1859 etc. bis 1864, der Jungfrau ( 1857, Lightfoot und Hort, 1860, die Familie Walker etc., bis 1866, darunter auch Besteigungen von F. Thioly und Jules Jacot ), des Mönch ( 1859, Milman und Wender etc., 1863, Macdonald mit Melchior Anderegg und Christian Almer etc., bis 1866 ), des Aletschhorns ( 1859, F. F. Tuckett mit Tairraz, Bennen und Bohren, siehe S.A.C.J.. LII, etc., bis 1865 ), erste Überschreitung des Lauitors ( 1860 ), des Eigerjochs ( 1859 ), des Jungfraujochs ( 1862 ), eine bisher nicht bekannte des Oberaarjochs, 27. August 1854, von Robert Fowler mit Melchior Anderegg und Arnold Kehrli. Wieder für den Walliserführer wichtig sind die Auszüge des nämlichen aus den Fremdenbüchern des Hotels Monte Rosa und des Riffelhauses über ältere Besteigungen und Begehungen ( zwischen 1842 und 1865 ) des Riffelhorns, der Cima di Jazzi, des Doms, der Dent Blanche, des Lyßkamm, des Pollux, des Felikjochs, des Castor, des Rimpfischhorns, des Allalinhorns von NW, des Weißhorns, der Dent d' Hérens, des Obergabelhorns, der Diablons und des Grand Cornier. Mr. Montagnier hat ferner das „ Alpine Journal " beschenkt mit einem Autograph von „ Jacques Balmat dit Mont Blanc ", vom 17. Januar 1829, welches den alten Aufschneider auch als Querulanten zeigt und nicht geeignet ist, unsere geringe Meinung von seinem Charakter zu verbessern. Von selbständiger Bedeutung und definitiv entscheidend in einer alten Streitfrage ist Montagniers Bericht über seine „ Begehung des Monte Rosa-Gipfelgrates vom Silber satt el ", 3. September 1917, unternommen als Rekognoszierung und erläutert durch Aufnahmen vom Nordend aus und von Einzelpunkten des Gipfelrückens. Wir fügen hinzu, daß Mr. Montagnier auf Wunsch von Capt. Farrar auch über eine von ihm 1903 im Himalaya unternommene Reise in Text und Bildern berichtet, welche ihn bis auf den Baltorogletscher führte und dort wegen Meuterei der Coolies abgebrochen werden mußte. Die Porträtgalerie des „ Alpine Journal " ist 1918 um 49 Nummern vermehrt worden, und auch die ganzseitigen Illustrationen sind wieder zahlreicher, darunter die Reproduktion eines Gemäldes von Peter Breugel, dem älteren, zirka 1567, den Blick das Rhonetal hinaus gegen Villeneuve darstellend. In Summa können wir sagen, daß vol. XXXII, wenn auch quantitativ geringer, qualitativ seinen Vorgängern zum mindesten gleichsteht.

I ). Publikationen in deutscher Sprache.

I. Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Band XLIV, Jahrgang 1913; Band XLV, Jahrgang 1914; Band XLVI, Jahrgang 1915; Band XLVII, Jahrgang 1916.

Betreffend Band XLIV ff. dieser Zeitschrift, die nun seit 1895 unter der Leitung von Heinrich Heß steht und ebensolang durch die Firma F. Bruckmann A. G. in München mustergültig hergestellt wird, muß ich, weil mir wenig Raum mehr zur Verfügung steht, im wesentlichen mich auf die Aufführung der Titel beschränken, denen nur gelegentlich orientierende Bemerkungen beigefügt werden können. Es handeln also in Band XLIV: Otto Ampferer über das geologische Gerüst der Lechtaler Alpen; R. von Klebelsberg über die eiszeitliche Vergletscherung der Alpen, besonders der Ostalpen; Prof. Dr. Willy Hellpack über das alpine Naturgefühl und die geopsychisclie Abhängigkeit; Dr. A. von Guttenberg über Naturschutz und Naturschutzgebiete; Dr. Otto Stolz über Tirols Stellung in der deutschen Geschichte ( gegenwärtig von besonders aktuellem Werte; so das am Schluß zitierte Wort Bismarcks: „ Es ist für Deutschland von höchstem Interesse, Trient und Triest niemals an Italien fallen zu lassenErnst Hamza: Folkloristische Studien aus dem niederösterreichischen Wechselgebiet ( besprochen werden in diesem ersten Teil Dialekt, Lied, Tracht, mit Proben und BildernDr. G. Künne und Richard Pötzsch über Bergfahrten im arktischen Norwegen; Wilhelm Steinitzer über Bergfahrten in den japanischen Alpen: Fritz Kurz über Bergfahrten zwischen Kaiserjoch und FlexenpaIngenieur Paul Zloklikovits über „ Vergessene Lande " ( einheimische Bezeichnung für OststeiermarkHans Tkofizh und Dr. Franz Tiersky über Schneeschuhfahrten in den Hohen Tauern; Karl Sandtner über die Fanes ( Heiligenkreuzkofel-)Gruppe; Dr. Ingenieur Guido Mayer über die touristische Erschließung der Langkofelgruppe seit dem Jahre 1895 ( im Anschluß an die Monographie Oskar Schusters, die bis dorthin reichtHans Barth über die Presanellagruppe. Dem Jahrgang 1913 ist eine Karte der Lechtaler Alpen, Arlberggebiet, im Maßstab von 1: 25,000, aufgenommen vonL. Aegerter, Stich und Druck von G. Freytag und Berndt, beigegeben, welche unserm Landsmann wie der Wiener Firma Ehre macht.

Der Band XLV, Jahrgang 1914, enthält folgende Abhandlungen: J. W. Rickmer Rickmers: Vorläufiger Bericht über die Pamir-Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins 1913; Dr. R. von Klebelsberg: Die Pamir-Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins vom geologischen Standpunkt ( neben diesen beiden nahmen teil Dr. Wilhelm Deimler, Professor Heinrich von Ficker, Dr. Rudolf Kaltenbach und seine Frau, Malerin, der Farbenphotograph Erich Kuhlmann und Frau Rickmers; schon die vorläufigen Resultate sind beachtenswert ). Ferner Wilhelm Hammer: .Der Einfluß der Eiszeit auf die Besiedelung der Alpentäler ( obschon die Beispiele vorwiegend den Ostalpen entnommen sind, werden wir doch den Satz, daß „ die Spuren, welche die Eiszeit im Alpenland hinterlassen hat, richtunggebend geworden für die spätere Besiedelung durch den Menschen ", auch für unsere Alpen gelten lassenProf. Dr. Otto Zwiedineck von Südenhorst: Zur Statistik der Siedlung und der Bevölkerungsbewegung in den Alpenländern ( interessieren wird, daß die statistischen Zahlen über Analphabetismus, Geburtenüberschuß, Fruchtbarkeit usw. für Vorarlberg zu den günstigsten der österreichischen Alpenländer gehören ). Ernst Hamza setzt seine volkskundlichen Studien aus dem niederösterreichischen Wechselgebiete fort und bespricht hier den Tanz, mit einer Menge von Musikbei-spielen und Figurenbildern. Umfangreich und aus einer großen Literatur schöpfend ist der Aufsatz von Dr. A. Dreyer über Alpenreisen und Bergbesteigungen im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Dr. Rudolf Freiherr von Saar beschreibt in Wort und Bild die Riesenhöhlen bei Obertraun im Dachstein. „ Altmodische Fahrten " nennt O. P. Maier die seinen im Karwendel und Wetterstein, die er in alter Zeit, zum Teil mit Purtscheller, ausgeführt hat. Sie sind interessant genug; die Sprache ist etwas altmodisch und manchmal gemütlich österreichisch. Das rechtfertigt aber doch nicht von Wolken als von einer Schar von „ Erynien " zu reden, die „ über die vielzackigen Gipfel und Grate hinwegstürmen ". Das ist in mehr als einem Sinne „ eine törichte Figur ". Dipl.Ingenieur Max Zeller bespricht das Hochkaltergebirge ( westliche und südliche WimbachketteIngenieur Hans Reindl den Gosaukamm, zum Andenken an den 1913 verunglückten Dr. Paul Preuß, der einst hier gewaltige Taten vollbrachte. Die zwei folgenden Aufsätze, der erste von Dipl.Ingenieur Leo Handl und Universitätsprofessor Dr. Hermann Wopfer, der zweite von Dr. Karl Blodig, sind uns naheliegenden Gebirgen, der Samnaun- und der Silvrettagruppe, gewidmet. Es werden darin Touren auf den Bürkelkopf, Skifahrten: Urgtal-Ascher-hütte, Masner joch, Minderstkopf, östliche Fließerscharte, Alp Bella, Grübelekopf, Cuolm d' Alp Bella etc. beschrieben und über Topographie, Geologie, Siedelungsgeschichte des Paznaun und Samnaun Auskunft gegeben, die auch für den Bündnerführer wertvoll ist. Im zweiten Aufsatz werden Besteigungen der Schneeglocke, der Schattenspitze auf zwei Routen, des Silvrettahorns, ebenso der Dreiländerspitze, über die Westflanke, der Gratwanderung zum Piz Jeramias, Besteigungen des Verstanklahorns, des Kleinen, Mittleren und Nördlichen Eckhorns beschrieben, welche 1912 von dem Autor mit Freunden vom Madienerhaus oder der Wiesbadenerhütte aus durchgeführt wurden. Dr. Hans Paul Kiene bespricht die Puezgruppe, die er auf Skitouren besucht hatte, und Karl Plaichinger seine Erlebnisse „ im Herzen der Palagruppe " im Sommer 1913. Als Beilage finden wir eine Routenkarte der Pamirexpedition in 1: 420,000, einen Plan der Mammuthöhle im Dachstein und eine Skitourenkarte der Samnaungruppe. Unter den 22 Vollbildern fallen neben den Mezzotinto- und den kaum minder schönen Autotypiebildern mehrere Chromotypien nach Ölgemälden oder mehrfarbigen Aufnahmen angenehm ins Auge.

Der Band XL V I, Jahrgang 1915, zeigt schon deutlich die Spuren des Krieges, Der Umfang ist auf 256 Seiten zurückgegangen, die Schleife am Schluß ist leer, und an Stelle der Beilage lesen wir die Bemerkung: Die Lieferung der Kartenbeilage ( Dachsteingruppe ), die während des Krieges gesperrt ist, erfolgt sofort nach Freigabe. Ich warte noch darauf. Diesem Thema sind zwei von den acht Artikeln des Bandes gewidmet, nämlich Norbert Krebs: Die Dachsteingruppe und Ingenieur Hans Reinl: Dachsteinfahrten. Begreiflicherweise ist auch der Tätigkeitsbereich des D. & Ö.A.V. auf die Ostalpen beschränkt, welchen folgende Arbeiten gewidmet sind: Otto Ampferer: Über die Entstehung der Hochgebirgsformen in den Ostalpen Professor Dr. Friedrich Vierhapper: Zirbe und Bergkiefer in unsern Alpen; Dipl.Ing. Max Zeller: Westliche und südliche Wimpachkette ( Schluß seiner Arbeit über das HochkaltergebirgeDr. Fritz Benesch: Altes und Neues über den Hochschwab; Frido Kordon: Der Höhenweg vom Ankogel zum Rauriser Sonnblick. Ein einziger Aufsatz betrifft das Ausland, indem Ed. Oehler „ von einer Forschungsreise am Kilimandscharo im Jahre 1912 " berichtet. Sie wurde mit Dr. Fritz Klute und einigen von Dr. Förster in Moschi gestellten schwarzen Trägern unternommen und zeitigte in bergsteigerischer und wissenschaftlicher Hinsicht gute Resultate. Der Schluß des Aufsatzes klingt noch recht zuversichtlich für- die Gewinnung eines neuen Bergsteigergebietes, das zugleich auch den Physiologen und Hygieniker interessieren würde. Daraus wird nun wohl, wenigstens für deutsche Forscher, auf längere Zeit hinaus nichts werden. Unter den 15 Vollbildern heben wir gebührenderweise das Titelbild: Morgendämmerung auf dem Schlattenkees, Blick auf die Glocknergruppe, Vierfarbenautotypie nach Temperabild von Rudolf Reschreiter, hervor.

In Band XL VII, Jahrgang 19 16, der 236 Seiten mit 15 Voll- und 45 Textbildern umfaßt, sind zwei Aufsätze direkt dem Krieg gegen Italien gewidmet. Sie bieten wegen ihres alpinen Charakters besonders Interesse, obschon sie natürlich mit einer gewissen Zurückhaltung geschrieben sind. Von den Leistungen, Leiden und Freuden der österreichischen Gebirgstruppen vom Mai 1915 bis Spätherbst 1916 geben also die Berichte von Leo Handl: Von der Marmolata-Front, und Dr. Gustav Renker: Der Krieg in den Bergen in Wort und Bild, Auskunft. Eine Erinnerung aus noch kriegsfreier Zeit ist der Aufsatz von Dr. phil. Georg Rabinger: Von Teheran über den Demavend, 5670 m, zum kaspischen Meer. Drei Aufsätze betreffen die Tauern, nämlich Dr. Leopold Schleck: Die Niederen Tauern; L. V. Jäckle: Aus den Niederen Tauern, und Grete üitz: Schneeschuhfahrten in den Schladminger Tauern. Über Schneeschnhfahrten in den Oetztaler-Alpen ( Brandenburgerhaus am Kesselwandjoch, Weißseespitze, Hochvernaglwand, Weißkugel, Fluchtkogel, Wildspitze)] die in der Karwoche 1914 ausgeführt wurden, berichtet Dr. Franz Tursky; über Winter-und Frühlingsfahrten beiderseits des Inns Sepp Zangenfeind; über das Gesäuse und seine Berge Dr. Fritz Benesch; über Bergfahrten und Wanderungen im Adamello-Bereich ( AdaxnelloRundgang, mein Werben um den Care alto, Aviotal und Nordwand des Adamello ) Hanns Barth. Das Stubachtal als „ Naturschutzgebiet der Zukunft " bespricht Dr. August Prinzinger, und Prof. Vierhapper bringt seine Studie über „ Zirbe und Bergkiefer in unsern Alpen " zum Abschluß. Neben dem Titelbild: Col di Lana, Vierfarbenautotypie nach Temperagemälde von Karl Ludwig Prinz, begrüßen wir noch zwei mehrfarbige Aufnahmen von Leo Handl: 1. Talschluß von S. Niccolo mit Col Ombert und Punta del Uomo; 2. Marmolata, Cima Ombretta und Sasso Vermale, als gute Spezimina von Kriegsbildern, ohne deshalb die in Mozzotinto oder Autotypie ausgeführten Friedenssujets geringer einschätzen zu wollen.

Bd. XLVIII, Jahrg. 1917, ist mir überhaupt nicht und Bd. IL, Jahrg. 1918, so spät zugegangen, daß ich über beide erst nächstes Jahr werde berichten können II. Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Geleitet von Heinrich Heß. Band XLI, Jahrg. 1915; Band XLII, Jahrg. 1916; Band XLIII, Jahrgang 1917; Band XLIV, Jahrgang 1918.

Ich beginne meine Besprechung dieser Monatsschrift, um Raum zu sparen, erst mit dem Jahre 1915, dem ersten des vollen Krieges auf allen Fronten für den D. & Ö.A.V., obgleich aus dem Jahrgang 1914, beziehungsweise dessen zweiter Hälfte schon manches auf den Weltkrieg Bezügliches anzumerken wäre. Aber erst mit dem „ neuen Feind ", der im Juniheft 1915 angekündigt wird, kommt es den „ Mitteilungen " zum Bewußtsein, daß ihr Haupttätigkeitsfeld nunmehr in den Gebirgen liege, welche die Po-Ebene und die ihr zugewandten Täler im Nordosten und Osten von der Dreisprachenspitze am Stilfserjoch bis zum Adriawinkel abschließen. Es wird im folgenden unsere Hauptaufgabe sein, zu zeigen, einerseits, was längs dieser Grenze von Jahr zu Jahr an Geschehnissen von alpinem Interesse aufgezeichnet vorliegt, anderseits, was an solchen hinter dieser Front oder fern von ihr der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. Zu den ersteren gehören die Aufsätze: Aus Tirols Bergwelt ( Erläuterungen zu den Gutmannschen Kunstphotographien ), von Ferdinand Keyfei; Eine Gipfelrast ( im Spätherbst 1914 auf dem Speikkogel der Koralpe, mit Betrachtungen über einen „ Krieg, der besser unterblieben wäre " ), von Frido Cordon; Letzte Bergfahrt vor dem Krieg ( mit einem Kameraden des Tiroler Landsturm-infanterieregiments Nr. 2 während der Mobilmachung in Imbst auf den Muttekopf ausgeführt ), von Hanns Barth; Eine Neuschaffung des Krieges: die bayerischen Schnee-schuhbataillone, von Dr. Rudolf W. Leuffert; Den Helden des D. & Ö. Alpenvereins, von Ottokar Kernstock; Unserem Verein und seinen Tapferen, von Julius Mayr ( bis Ende Juni 1915 waren schon über 1000 Mitglieder gefallen ); Stimmungsbilder aus ernster Zeit, von Franz Kellner; Beim Schneeschuhbataillon in den Karpathen, nach Briefen seines Sohnes mitgeteilt, von J. Aichinger; Von den deutschen Schneeschuh-truppen, von Karl J. Luther; Aus schicksalsschweren Tagen ( Erinnerungen an Touren in der Wischberggruppe gegen Ende Juli 1914 ), von Dr. Gustav Renker; Die Kriegsereignisse in unsern Alpen, von Heinrich Heß; Sonnenwende 1915 an der Grenze Südtirols, von Prof. Dr. Herrn. Wopfner; Die Verteidigung Tirols, von Anton Edlinger; Eine Kundschaftspatrouille in den Julischen Alpen ( von ernsthaftem Haß gegen den Welschen erfüllt ), von Anton Gitschthaler. Ohne diesen Beigeschmack und vielleicht auch sonst wahrhafter ist der Bericht des „ Kriegsfreiwilligen im bayrischen Schneeschuhbataillon Nr. l ", Erich König, über seine Erlebnisse bei einem nächtlichen Angriff „ auf den Schnepfenriedkopf bei Mezeral " in den Vogesen. Die offizielle und private Tätigkeit des D. & Ö.A.V. in den Ostalpen war, auch hinter der Front, 1915 sehr gehindert, waren doch über 100 Schutzhütten desselben gesperrt oder vom Militär besetzt. Wir lesen daher nur vereinzelte Tourenbeschreibungen, die zum Teil noch von vor dem Kriege stammen. So „ Frühsommer in den Schladminger Tauern " ( im Juni 1914 ), von Frido Cordon; Im Astengebirge ( November 1914 ), von Julius Mayr. Dem in der neutralen Schweiz gelegenen Plessurgebiet widmet einen Aufsatz Dr. M. Merz, aus Anlaß der Eröffnung der Arosabahn. An einen Aufsatz in Band XLVII der Zeitschrift mahnt der kleine Reisebericht von Dr. Babinger über eine „ Bergfahrt im Lande des Löwen und der Sonne ". Von allgemeinem Interesse über den Krieg hinaus sind die Aufsätze: Deutsche und Engländer bei der Eroberung der Alpen, von Wilhelm Lehner; Naturschutz in den Alpenländern, von Prof. Dr. Emanuel Witlaczil; Von Führern und Geführten, von Dr. R. Lerchenthal; Vom rechten Wandern, von Dr. Aug. Ginzberger; Über Sonnen- und Gletscherbrand, Sonnenstich und Hitzschlag, deren Verhütung und Bekämpfung, von Dr. G. Scherber; Blitzschlag im Hochgebirge, von Dr. A. Défaut; Die neuen Alpenpflanzenschutzgesetze für Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Der Leiter der Vereinsbücherei in München gibt uns Lebensskizzen über J. F. Lentner, Franz von Defregger, Julius von Payer und Emanuel Geibel. Unter den Todesfällen bedeutender Alpinisten, die im Band XLI aufgeführt werden, nennen wir einen auch in der Schweiz wohlbekannten Namen, Otto v. Pfister ( 1845-1914 ), der sich um die Zeitschrift des D. & Ö.A.V. große Verdienste erworben und gelegentlich auch unserem Jahrbuch Beiträge geliefert hat. Der Band XLI I, Jahrgang 1916, bewegt sich in den durch den immer weiter um sich greifenden Krieg vorgezeichneten Bahnen. Diesem sind nicht nur die von dem Herausgeber Heinrich Heß verfaßten „ Kriegsereignisse in unsern Alpen " zugewendet, sondern auch direkte Berichte von der Front, wie „ Im Kampf auf Schneeschuhen " ( aus den Vogesen ), von Oberstleutnant Alfred Steinitzer. Franz Kellner setzt seine „ Stimmungsbilder aus ernster Zeit " ( 1915 ) fort, deren „ Orte " freilich aus Andeutungen erraten werden müssen. Streitfragen, auf die ich schon bei den tridentinischen und italienischen Publikationen hingewiesen habe, werden auch von der Gegenseite erörtert in folgenden Aufsätzen: Österreichs Süden, von Joseph Stadi-mann; Deutsche Ortsnamen in Südtirol, von Prof. Dr. M. Mayr; Unsere unerlösten Stammesbrüder an der Südgrenze, von A.J.öhnle; Die Sieben Gemeinden, ein verlorenes deutsches Land ?; Die Ladiner und die Ortsnamenfrage in Tirol, von Karl Felix Wolff. Wenn man von einigen Übertreibungen absieht, die bei dem „ Spieß -umdrehen " fast unvermeidlich sind, wird man zugeben müssen, daß diese Autoren wissenschaftlich auf festeren Füßen stehen als ihre welschen Gegner. Für den schließlichen Entscheid auf der Pariserkonferenz werden leider die politischen und militärischen Gesichtspunkte den Ausschlag geben, welche man ja leicht in „ nationale Aspirationen " umtaufen kann. Dann weiden Aufsätze, wie „ Herbstzauber in Südtirol ", von Alfred Steinitzer, und „ Abseits der Autostraßen in Südtirol ", von A. Freiherr von Wangenheim, auch den wehmütigen Beigeschmack der „ guten alten Zeit " ausströmen. Vom winterlichen Gebirgskrieg um das „ heiige Land Tirol " erzählen die flotten Schilderungen Dr. Gustav Renkers: „ Der Berge Jugendland im Kriege " und „ Das Dorf in den Bergen ", während die Lektüre von: „ Wintertage in Graubünden ", von Viktor J. Baumann, Zwei Winterbilder ( 1. Am Tatzelwurm, 2. Am Königssee ) und Die zwei Ortsberge von Hintertux, von Julius Mayr, uns momentan von dem Druck der Kriegsgreuel erlöst. Seltsam mutet uns nun nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie die Lektüre der chauvinistisch angehauchten Aufsätze von Dr. Otto Mayer, Leo Handl, Dr. A. Dreyer, Dr. Albert Niemann und Dr. Karl Arnold an, in welchen als „ neue Reiseziele ", als „ Aufgaben und Aussichten des D. & Ö.A.V. nach dem Kriege ", als „ Erschließung der Alpen " eine einseitige Orientierung der Tätigkeit auf die deutschen und österreichischen Alpen, die Karpathen und die Balkanländer vorgeschlagen wird, während Italien, Frankreich und — die Westschweiz boykottiert werden sollen. Die Reiseverhältnisse in den deutschen und österreichischen Alpenländern und die Zahl der benutzbaren Alpenvereinshütten war natürlich 1916 noch eingeschränkter als 1915; immerhin gelang es, im Wetterstein den neuen „ Schützensteig " anzulegen und im alpinen Rettungswesen eine neue „ Alpen-vereins-Tragbahre " einzuführen. Den Zusammenhang mit der Vorzeit halten aufrecht Notizen über Konrad Gesner, Julius v. Payer, Theodor Petersen, Richard Schucht und Kaiser Franz Joseph. Über die Entstehung der Dachsteinkalte belehrt uns eingehend Prof. Dr. Ed. Brückner. Der Jahresbericht pro 1916 weist 1993 seit Kriegsbeginn auf dem Felde der Ehre gefallene Mitglieder auf. „ das sind 2 °/o des Mitgliederbestandes vor dem Kriege ", und wahrscheinlich war der Verlust noch größer.

Der Band XLIII, Jahrgang 1917, bringt in dieser Hinsicht, trotz des auf das Spätjahr fallenden großen militärischen Erfolges an der Isonzofront, keine Besserung. Der Mitgliederbestand geht stetig zurück, und die Verheerungen an Alpen-gasthöfen und Vereinshütten mehren sich. Dem fürchterlicher denn je tobenden Gebirgskrieg sind eine Reihe von Aufsätzen gewidmet, die für die Kriegsgeschichte wichtiges Material enthalten. So von Heinrich Heß: Die Kriegsereignisse in unsern Alpen; von Dr. Gustav Renker: Bergsteiger im Kriege; von Ferdinand Keyfei: Sonnwendnacht in den mazedonischen Bergen; von Karl Bünsch: Bergfreunds Heimaturlaub; von Walter Schmidkunz: Sommer an der Eisfront und Vom Krieg im Eis; von Leutnant Norbert Gatti: Das Marmolata-Gipfelbuch, ein Stück Weltkrieg von der Tiroler Hochgebirgsfront; von Karl Müller: Von den Wundern der Südfront. Von den Fragen über neue Reiseziele und die Beziehungen zwischen Krieg, Alpinismus und Alpenverein handeln Adalbert Jöhnle, Oberstleutnant Alfred Steinitzer, Dr. Otto Mayr und Dr. A. Dreyer, alle in München. Erinnerungen an bessere Zeiten und eine trügerische Hoffnung auf ihre Wiederkehr birgt der Aufsatz von Paul Hakenholz: Bergwanderungen in den österreichisch-italienischen Grenzgebieten. Von „ allerlei Bergfahrten in den Chiemgauer Alpen " handelt eine Erzählung aus dem Nachlaß von Adalbert Jöhnle. Trotz wachsender Not können die Mitteilungen sich noch mit dem Alpinen Museum, der Geoplastik, der Jugendbewegung, dem Rettungswesen ( neue Gebirgsbahre, Bergkrankheit ), der Jagd und Touristik, dem Vorrücken der Gletscher in den Ostalpen ( Referat von Prof. Brückner ), den Bauformen der alpinen Schutzhütten und ähnlichen friedlichen Tagesfragen beschäftigen. Außer Jöhnle und dem ebenfalls 1916 verstorbenen Dr. Otto Mayr hatte der D. & Ö.A.V. den Hinscheid von Bergführer Kederbacher sen., Adolf Ritter von Guttenberg, Otto Zsigmondy, Dr. Oskar Schuster ( f in russischer Gefangenschaft ), Karl Radio Radiis, Fritz Panzer ( f in italienischer Gefangenschaft ) zu beklagen.

Im Band X L I V, Jahrgang 19 18, mehren sich schon vor dem Zusammenbruch, welchen der Hauptausschuß des D. & Ö.A.V. in der Schlußnummer zuzugeben genötigt ist, die Anzeichen zunehmender Erschöpfung. Die Berichte über „ die Kriegsereignisse in unsern Alpen " werden spärlich, wortkarg und mutlos. Einen gewissen Ersatz dafür bieten die zahlreichen Aufsätze des „ Kriegsberichterstatters " Walter Schmidkunz: Nachtangriff in den Dolomiten; Feldwache über dem Gletscher; In der alpinen Rüstkammer der Armee; Von den Schutzhütten an und hinter der Alpenfront; Col di Lana; einer von Karl Käser: Kriegsbilder aus den Sieben Gemeinden, und einer von Leo Handl: Le montagne sono libereDie Berge sind frei, das gleißende Glück vom Oktober/November 1917, wie es sich den wackeren Kaiserschützen an der Marmolata durch den eiligen Rückzug der Alpini, unter Sprengung der von ihnen besetzten Serantastellung, malte. Touristische Aufsätze aus dem Inland lesen wir vier, nämlich: Der Heuberg im Inntal, von Julius Mayr Der Klettersteig über die Höllentalspitzen, von Albert Link; Anfelderhorn und Karspitzen, von Dr. Karl Blodig; Einsame Bergfahrt im August 1916 ( Patteriol von der Konstanzerhütte aus ), von J. Spiegier. Ferner zwei aus dem Ausland, nämlich: Mazedonische Bergfahrten, von Ferdinand Keyfei, und Auf der grusinischen Heerstraße, von Dr. Georg Babinger. Zahlreich und wertvoll weit über den Krieg hinaus sind die wissenschaftlichen Aufsätze von Alfred Steinitzer: Alpines Museum und geoplastische Fragen; von Prof. Dr. E. Witlaczil: Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Erdgeschichte, Gesteinslehre und Erdkunde, die für den Alpenfreund bedeutungsvolle populäre naturwissenschaftliche Literatur; von Forstmeister Hans Fuschlberger: Vier Beobachtungen auf einer Schneeschuhfahrt; von Siegfried Hirth: Zweck und Ziel der alpinen Geoplastik; von Prof. J. Schatz: Alpenverein und Mundartenforschung; von Prof. Eugen Oberhummer: Die Alpen zur Römerzeit; von K. Planck: Zur Entwicklung der alpinen Motive; von Hermann Amanshauser: Alpenverein und Jugendbewegung; von Oskar Molitor: Die Gefahren alpiner Überkultur; von Prof. Dr. Gustav v. Zahn in Jena: Eindrücke von einer geographischen Alpenreise im August 1917 ( von Tutzing durch die Kalkalpen auf die Zugspitze, mit 7 Studenten unternommen ). Nekrologe sind gewidmet Dr. Moritz Zeppezauer; August Rothpletz, einem auch in der Schweiz wohlbekannten Geologen; Theodor Norbert Kellerbauer, einst der bekannteste Alleingänger; August Fortner; Anton v. Schumacher; Peter Rosegger, der bekannte Schriftsteller; Hans Rehm, ein tüchtiger Bergsteiger; zuletzt ( als Opfer der Grippe verstorben, nachdem er dem Tod im Felde und in der Gefangenschaft glücklich entronnen war ) Prof. Freiherr Günther von Saar; neben Oskar Schuster wohl der schmerzlichste Verlust, den die alpine Sache in Österreich erlitten hat.

HI. Österreichische Alpenzeitung. Organ des Österreichischen Alpenklubs. Geleitet von Hans W ö dl. Band XXXVI, Jahrgang 1914, Nr. 897 bis 912; Band XXXVII, Jahrgang 1915, Nr. 913-924; Band XXXVIII, Jahrgang 1916, Nr. 925-936; Band XXXIX, Jahrgang 1917, Nr. 937 bis 948; Band XL, Jahrgang 1918, Nr. 949—960.

Wahrscheinlich ist keine alpine Körperschaft der kriegführenden Nationen im Verlauf dieser fünf Jahre so hart mitgenommen worden, wie der Ö. A.K. und sein Organ, die „ Ö.A.Z. ". Als der Krieg ausbrach, hatte dieser etwa 730 Mitglieder zählende Verein in wenigen Jahren zwei Hochgebirgsführer, über das Dauphiné- und das Mont Blanc-Gebiet, herausgegeben und einen dritten, über die Walliseralpen, in Arbeit. Er hatte ein kleines Vereinsvermögen und besaß im Ostalpengebiet drei hochgelegene und gut besuchte Schutzhütten, die Erzherzog Johann-, die Zsigmondy-und die Wienerhütte. Nach den neuesten Ausweisen von 1919 betrug die Mitgliederzahl auf Ende 1918 726, was in Anbetracht der enormen Verluste während des Krieges „ fast an die normale Ziffer heranreicht ". Reservefonds und Aktivsaldo waren zufriedenstellend. Aber die Zsigmondyhütte lag in Trümmern, und ob ihr vorbereiteter Wiederaufbau wegen der italienischen Ansprüche auf das deutsche Sextener-tal möglich sein würde, war bei Abfassung dieser Zeilen, im Juni 1919, eine bange Frage für den Ö. A.K. Desgleichen für die Wienerhütte am Hochfeiler, die im italienischen Besetzungsgebiete lag. Und die Johannhütte auf der Adlersruhe hatte Beschädigungen wegen mangelhafter Aufsicht erlitten, die nur bei geordneten Verhältnissen gehoben werden konnten. Und diese Hütte liegt in Kärnten und an einer bestrittenen Grenze! Was wird ihr die Zukunft bringen?

Der hemmende Einfluß des Krieges auf die „ Ö.A.Z.u zeigte sich 1914 darin, daß der schon fertige Satz für die Augustnummer, welcher 14 mit reichem Inhalt vorangegangen waren, beiseite gelegt, das Erscheinen der Zeitung eingestellt wurde und nur eine Schlußnummer erschien, die auf 15 Seiten folgende Artikel enthielt: An unsere Mitglieder ( Aufruf des Hauptausschusses zur Sammlung aller KräfteDer Alpinismus und der Krieg — dieser eine, wahrhaftige Krieg ( eine würdig und patriotisch, auch zuversichtlich gehaltene Proklamation ), von Dr. Heinrich Pfannl; Rundschreiben über interne Angelegenheiten des Ö. A.K.; Tourenverzeichnis der Mitglieder für das Jahr 1913 ( eine sehr stattliche Liste ).

Mit der vom 5. Januar 1915 datierten ersten Nummer des XXXVII. Jahrgangs setzte dann der „ Kriegsbetrieb " der „ Ö.A.Z. " ein. Wenn dieser trotz aller Hemmungen ( Abwesenheit der besten Mitarbeiter im Felde, verringerter Tätigkeitsumkreis, Zensur, höhere Kosten und Papiernot etc. ) bis heute nicht nur leidlich, sondern mit steigender Güte durchgeführt werden konnte, so gebührt das Hauptverdienst dafür dem Schriftleiter Hans Wödl, der dieses Amtes nunmehr ( 1919 ) seit 25 Jahren waltet, wozu wir ihm von Herzen gratulieren. In einer langen Reihe von Artikeln, die sich bis zum November 1918 hinziehen, wird auf Anordnung des Hauptausschusses berichtet „ von unsern Mitgliedern im Kriegsdienst ". Ich kann auf Einzelheiten nicht eintreten — eine Gesamtliste der Verluste liegt nicht vor —, aber aus dieser Rubrik, den Personalberichten und den Artikeln zum Gedächtnis will ich einige ( nicht alle ) Namen von hervorragenden Alpinisten, Künstlern und Führern ausziehen, welche, mittelbar oder unmittelbar, diesem für Österreich so unheilvollen Kriege zum Opfer gefallen sind. Oskar Rosmann, am 29. August 1914, bei einem Kriegs-flug in Galizien abgestürzt; Richard Weitzenböck, der als Hauptbearbeiter für den Walliserführer auserkoren war, gefallen am 19. Dezember 1914 in den Karpathen; Hans Holzgruber, Vorstandsmitglied seit 1911, gefallen am 28. März 1915 in den Karpathen; Oskar Simony ( 1852—1915 ), der Sohn des bekannten Dachsteinforschers und selbst ein hervorragender Gelehrter; Karl Kirchhof, gefallen in Galizien 1915; Sepp Innerkofler, der bedeutendste Dolomitenführer, gefallen am 4. Juli 1915 am Pattemkofel bei einem überaus kühnen militär-alpinen Unternehmen, das er leitete; Hans Dülfer, gefallen bei Arras am 15. Juni 1915, am Jubiläumstage seiner Erstdurchsteigung der Fleischbank Ostwand; Dr. Jenö Serenyi ( geb. 1889 ), gefallen am 14. Juli 1915 bei Doberdo, der Gründer des akademischen Touristenvereins in Budapest und Leiter seiner Zeitschrift; Otto Barth, langem Siechtum am 9. August 1916 erlegen, ein hervorragender Alpenkünstler; Paul Oberiercher, gestorben am 11. Februar 1915, ein berühmter Reliefkünstler; Karl Planck, durch kühne Besteigungen und weite Wanderungen bekannt, am 26. Mai 1915 bei Thiaumont gefallen; Dr. Otto Zsigmondy und Dr. Oskar Schuster, von denen wir schon oben gesprochen haben; Fri

In mehr oder minder direktem Zusammenhang mit dem Kriege stehen folgende touristische Aufsätze, nach der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung geordnet: Wintertouren in den Ostkarpathen ( 1911 ausgeführt, aber mit Rücksicht auf die jetzigen Kampförtlichkeiten geschildert ), von Dr. Th. von Smoluchowski; Die Ententalspitze in der Hohen Tatra ( 1908 mit A. v. Martin und dem seitdem verstorbenen H. Rumpelt erstiegen ), von Dr. Georg Künne; An der Grenze Italiens ( Bergtouren und Gespräche mit Holzgruber in der Seissera in den verhängnisvollen Junitagen von 1914 ), von Dr. Gustav Renker; Neues aus den Cadorischen Voralpen ( ein Tourenbericht aus dem Jahre 1913 ), von Otto Bleier; Tirol und Galizien ( vergleichende Studie ), von Hanne Franz; Neues aus den Julischen Alpen ( 1914 ), von Dr. Julius Kugy; Aus den Julischen Alpen ( Erinnerungen aus glücklicher Studentenzeit ), von Dr. Gustav Renker, und in herzzerreißendem Gegensatze dazu die Schilderungen des nämlichen aus den gleichen Bergen, aber im Krieg zu Ostern 1916, betitelt: Einsame vom Berge. Ähnliches wäre zu sagen über den ebenfalls sehr anziehend geschriebenen Aufsatz von Julius Hossinger, einem in Klausen am Eisack wohnenden alten Bergsteiger, betitelt: Auf einsamen Wegen ( mit interessanten Notizen über die Brennerstraße von der Römerzeit bis zur Gegenwart mit ihren bangen Rätseln ). Und düstere Schatten werfen die großen Geschehnisse auch auf den „ Ruhetag hinter der Front ", im Felde, am 31. Oktober 1916, von dem uns Oskar Erich Meyer erzählt, sowie auf seine literarisch gut gefeilten Skizzen: „ Bergsehnsucht ", „ Felsen-nebel " ( eine Erinnerung an die Dent Jaune ) und „ Regentag in Zermatt " ( zum Gedächtnis Alexander Burgeners ). Außerordentlich instruktiv sind die Ausführungen von Oberleutnant Hanns Barth über „ K. u. K. Wintertouristik ", d.h. über von ihm geleitete militärische Bergführerkurse in der Geislergruppe im Januar und Februar 1917. Eine leider trügerische Hoffnung durchweht Hans Biendls am 5. Dezember 1917 veröffentlichten Artikel: Des Sextenertales Wiedergeburt, und stille Resignation den von Richard Heiß: Bergherbst ( im Karwendel ). Der ernste, fast düstere Unterton steigert sich in den touristischen Artikeln des 40. Jahrgangs, soweit sie dem Kriegsschauplatz entnommen sind oder sich ihm nähern. Dies gilt am wenigsten von der „ Winterbesteigung des Innerkoflerturms ", von Hermann Amanshauser, oder den Schneeschuhfahrten im Taurach- und Zäuchtale ", von Dr. Egon Hofmann. Schon mehr, wenn auch durch Humor gemildert, in den „ Kriegsbergfahrten " und in dem „ Kapitel vom Bergfrühling ", von Dr. Gustav Renker, auf dessen neuen Roman wir dadurch gespannt werden. Am stimmungsvollsten sind die Skizzen von Oskar Erich Meyer: Das tote Dorf und „ Bekenntnisse eines Bergsteigers ". Von Jahr zu Jahr steigert sich dieses Unbehagen in Margarete Großes „ Vier Kriegssommerferien in den Bergen ", und nicht ohne tiefe Bewegung wird man die Absage lesen, welche Hermann Amanshauser an die ihm „ fremden " Berge der Kriegsfront richtet, nachdem er in einem Urlaub die Schönheit der „ Heimatberge " von Salzburg gekostet hat. Man müßte an der Zukunft des Alpinismus in Österreich verzweifeln, wenn man nicht durch diese vier Jahrgänge der „ Ö.A.Z. " hindurch soviel tüchtiges und erfolgreiches Bergsteigerwirken im In- und Ausland zu lesen bekäme, das trotz dem Krieg gedieh oder mitten im Krieg zur Veröffentlichung gelangte. Wir müssen uns hier auf die größeren Aufsätze beschränken und können nur skizzieren. Psychologisch interessant ist „ Eine wertvolle Bergfahrt " ( Eindrücke bei Steinschlaggefahr ), von Franz Nieberl. Über Arktische Berge ( Spitzbergen 1913 ) berichtet O. P. Maier; „ Von unsern Ballonfahrten " Margarete Große; über „ Schweizer Herbsttage " ( Erinnerungen eines „ durch die Abstammung in die Schweiz verschlagenen Kärntners ", der schweizerischen Militärdienst durchmacht und vor seiner Heimreise im Urlaub den Wiggis und andere Berge des Glarnerlandes besucht und geistig mit der Schweiz und ihrem Bergvolk verwächst ) Dr. Gustav Renker. Gewisse Anspielungen in diesem uns höchst sympathischen Artikel lassen uns des nämlichen Autors „ Bergsteiger-gedanken zur Alpensinfonie " von Richard Strauß besser verstehen und als vollkommen richtig würdigen. Das nämliche gilt mutatis mutandis von dem, was Dr. Egon Hofmann über „ Probleme alpiner Malerei " schreibt. Mit dem Aufsatz von Rosa Zöhnle: Quer durch die Steiner Alpen, kehren wir zu der Touristik und der Zeit vor dem Kriege zurück, denen ein Großteil der Artikel des 39. Jahrgangs gewidmet ist, wie folgende Liste beweist: Eine Besteigung der drei Fiescherhörner im Berner Oberland, von Eduard Mayer; Dent Blanche über den Viereselgrat, von Dr. Heinrich Pf anni; Eine Überschreitung der Kleinen und Großen Aiguille du Dru ( zum Andenken an Dr. R. Weitzenböck ), von Dr. Günther Freiherr v. Saar; Ernstes und Heiteres aus der Leutasch, von Albert FindeiSkifahrten im Moostal bei St. Anton am Arlberg, von Hermann Amaushauser; Hochtouren in der Berninagruppe, von Gustav Euringer. Noch reicher ist die Ernte und weiter der Kreis in Jahrgang 1918. Wir lesen hier ( aus dem Nachlaß des Verfassers ): Altes und Neues von den Tofanen, von f Oskar Schuster; Reise- und Tourenbericht aus Korsika, von Dr. Otto Bleier; Vom Tof enkirchl und: Ein Tag in den Loferer Steinbergen, von Franz Nieberl; Von der Lamsenhütte aufs Hochglück, von Ferdinand Keyfei; Die Nordwestwand der Kleinen Halt, von H. Kreuzer; Osterfahrt in den Blaubergen, von Richard Heiß; im Albanergebirge, von Julius Hoßinger; aus dem Schnalsertal auf den Similaun, von Eduard Lucerna; Cerro Tacora ( aus seinem Buche: Wege und Weggenossen ), von Henry Hoek; im Reiche des Bösensteins, von Ingenieur Eduard Mayer. Wenn wir-dann noch konstatieren, daß uns die „ Ö.A.Z. " von 1916 eine gute Zusammenstellung der „ neuen Touren in den Ostalpen im Jahre 1914 " bringt, von der auch das Jahrbuch S.A.C. und der Graubündnerführer profitieren, und daß auf Anregung von Fritz Hinterberger „ die neuen Touren im Kriegsdienst " ( 1917 wurden deren eine ganze Reihe gemacht und publiziert ) aufgezeichnet wurden, daß endlich die Buchbesprechungen zahlreich und ausführlich, manchmal schroff und reichlich subjektiv, aber immer interessant sind, so darf man wohl zugeben, daß aie „ Ö.A.Z. " ihrem Anspruch, „ die bestgeleitete alpine Zeitschrift auf dem Kontinente zu sein ", auch während des Krieges nach Kräften treu geblieben ist. Und noch eins soll nicht vergessen werden: So feurig ist das Temperament der deutschen und österreichischen Führerlosen, die im „ Ö. A.K.". vereinigt sind, daß sich ihre besten Köpfe, trotz aller Not der Zeit, über so theoretische, man möchte sagen akademische Fragen, wie Krieg und Alpinismus, Alpinismus und Ästhetik, Absperrung der Berge, Alpinismus und Politik, Alpinismus nach dem Kriege, Naturschutz und Wegerecht, Jagd und Touristik, Mittelschule und Alpinismus, so eifrig stritten wie vorher im tiefsten Frieden. Die Glocknerfrage und das Verhältnis zwischen Jägern und Touristen sind seitdem in Minne ausgeglichen worden; die andern Fragen harren, wie der Ausgleich der „ Kriegsschäden der alpinen Vereine ", unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen als zuvor, ihrer Erledigung in naher Zukunft, die sich gerade für den D. & Ö.A.V. und den Ö. A.K. so folgenschwer ankündigt, daß wir ihr mit der Besorgnis entgegenblicken, welche uns unsere Sympathie für diese Bruder-vereine und die Überzeugung eingibt, daß auch in den Bergen für einen „ Gewalt-frieden " kein Raum und keine Hoffnung auf Dauer ist.

III.

Kleinere Mitteilungen.

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