Die Traversierung des Mürtschenstockes

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Fast interessanter noch als die Besteigung einer einzelnen Spitze des dreigipfligen Mürlschenslocices ist die Traversierung dieses Berges in seiner Längsrichtung. Namentlich empfehlenswert ist der Übergang von dem mittlern Gipfel — dem « faulen Mürtschen » — auf den nördlichen — den « oösefi » Stock. Er führt über die schönsten Teile des gewaltigen Gebirges, zeigt am deutlichsten die Eigenart desselben und bietet dem Freund einer lustigen und luftigen Kletterei viel Genuß und Vergnügen. Ich habe diese Tour mit Freunden aus den Sektionen Tödi und Winterthur mehrmals unternommen. Unser Ausgangspunkt war jeweilen die prächtig gelegene „ Meerenalp ", 2112 Stunden oberhalb Mühle-horn. So übernachtete dort am 5. Juli des vergangenen Jahres eine Gesellschaft von 16 Mann, die am folgenden Tage alle den „ faulen " Mürtschen erstiegen, auf dem bekannten Wege über die „ Meerenrisi ". Eine kleine Abteilung dieser Partie schloß daran noch die genannte Tra versierung nach dem „ bösen " Mürtschen und die Erklimmung dieses stolz und kühn aufragenden Felsturmes. Der Weg ist vom „ Faulen " aus teilweise sichtbar, macht aber einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Der verbindende Grat ist nicht benutzbar, die Wand beiderseits furchtbar steil abfallend, anscheinend ungangbar und sogar unzugänglich.

Die Travergierung des 3fürtsche>i-itockes.

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Allein, wie es ja oft geht, es sieht alles viel schlimmer aus, als es in Wirklichkeit ist.

Durch einen engen, mit einiger Kletterkunst leicht zu überwindenden Kamin am Nordende des Gipfelplateaus des „ Faulen " gelangt man auf der Westseite in den tiefen Einschnitt hinunter, der dort den mittleren Gipfel vom nördlichen abtrennt und als stark eingefressene Runse sich nach beiden Seiten hin bis in die großen Gerölllager am Fuße fortsetzt. Ein riesiger Wegeweiser steht da, der sogenannte „ Kegelkönig ", eine groteske Felsgestalt. An ihm vorbei führt der Weg, der nun nicht mehr leicht zu verfehlen ist. Er folgt dem obersten kleinen Gerölllager, das den Gipfelgrat begleitet. Ohne allzugroße Schwierigkeit erreicht man auf diesem richtigen Gemspfade die „ böse Nase ", einen am Fuß des „ Stockes " westlich vorspringenden Felsgrat. Der Weg von dort auf den Gipfel ist bekannter. Man gewinnt nach Überwindung eines steilen Kamins und des sogenannten „ bösen Bandes " einen Balkon auf der Nordseite und steigt von hier durch ein langes Couloir zur Spitze; es sei denn, daß man wegen des in der Rinne gewöhnlich sich vorfindenden harten Eises lieber über die „ faule Wand " auf der Ostseite den Aufstieg vollende. Die letztere Variante ist aber nicht anzuraten. Sie stellt hohe Anforderungen an Klettergewandtheit und Schwindelfreiheit und ist zudem wegen des äußerst brüchigen Gesteins immer gefährlich.

Den Abstieg nimmt man am besten durch eine von der „ bösen Nase " sich gerade hinunterziehende Runse und über den weiter unten sichtbar werdenden Wildheuerweg nach der Hochalp „ Obertros ".

Interessant ist auch der Rückweg durch die von der „ bösen Nase " ausgehende „ schwarze Schnur ", ein gallerieartig ausgewittertes Band von schwarzem Schiefer, um den „ Stock " herum auf die Ostseite zur Meeren-risi und hinab nach der Meerenalp.

Diese Fahrt auf den Mürtschenstock darf ich im Einverständnis mit meinen Berggenossen als sehr schön und sehr genußreich bezeichnen. Sie wird jedem einigermaßen geübten Clubisten in guter Erinnerung bleiben. Möge der uns lieb gewordene prächtige Berg viele neue Freunde und Bewunderer finden.

Zeiten ( Aufstieg ): Meerenalp—Faulengipfel 3 Stunden Faulen—Böse Nasel1/ » „ Böse Nase—Stockgipfel 8aAbstieg ): Stock—Obertros3 „ Als Führer kann ich empfehlen: H. Streiff im Klönthal und Hüssy in Mühlehorn.

Dr. E. Nœf ( Sektion Winterthur ).

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