Der Bund hat dem Alpinen Museum der Schweiz die Unterstützung stark gekürzt. Das Parlament soll im Dezember den Entscheid kehren. Dafür hat das Museum die Kategorie gewechselt und ist neu ein Netzwerk.

Im Sommer vor einem Jahr war die Empörung gross, als der Bund ankündigte, seine Beiträge fürs Alpine Museum der Schweiz von bisher gut einer Million Franken auf 250 000 Franken zu kürzen. «Die Existenz des Museumsbetriebs ist infrage gestellt, die Finanzierung für 2019 noch offen», sagt Museumsdirektor Beat Hächler. Die vom Museum lancierte Rettungsaktion im letzten Herbst sorgte ebenfalls für Aufsehen. Rund 15 000 Personen unterschrieben ein Bekenntnis zum Museum. Darunter auch viel Prominenz.

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Das Museum erfüllt eine wichtige Netzwerkfunktion für Alpenforschung, Tourismus, Bergsport, Umweltschutz und alpine Kultur.
Dominique de Buman, Nationalratspräsident

Doch danach wurde es still ums Alpine Museum am Helvetiaplatz in Bern. Die laufenden Verhandlungen mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) sollten nicht gestört werden. Nun wurde im Sommer ein wichtiger Zwischenentscheid gefällt: Das Alpine Museum wird künftig vom Bund nicht mehr in der Kategorie Museum gefördert, sondern in der Kategorie Netzwerk. Netzwerke sind Kompetenzzentren für das kulturelle Erbe, die ihr Wissen in Beratungen und Projekten an Dritte weitergeben. Bereits heute in dieser Kategorie ist etwa die Fotostiftung Schweiz.

Das Alpine Museum hat den Kategorienwechsel bewusst angestrebt und freut sich über den Entscheid: «Es ist die folgerichtige Konsequenz der neuen Strategie von 2011», sagt Hächler. Gleichzeitig betont er: «Das Museum in Bern hat weiterhin Bestand und wird von den anderen Stiftungsträgern und Privaten finanziert.»

Mit dem Kategorienwechsel ist noch keine Erhöhung der Bundesfinanzierung verbunden, aber er eröffnet die Möglichkeit, über den Budgetprozess im Parlament im Dezember mehr Geld zu beantragen. «Das Alpine Museum der Schweiz braucht für das Überleben einen schnellen politischen Erfolg, am besten über das Budget», sagt auch CVP-Ständerat Stefan Engler, der eine Parlamentariergruppe anführt, die sich fürs Museum einsetzt. Konkret strebt das Alpine Museum eine Budgeterhöhung um 530 000 Franken an. Ob die Zukunft des Museums auf dem politischen Weg gesichert werden kann, sei schwierig zu sagen, meint Engler. Aber: «Aus allen Parteien wollen sich viele Kolleginnen und Kollegen dafür engagieren.»

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Für die Schweiz als Alpenland wäre es ein Armutszeugnis, das Museum zu verlieren.
Daniel Marbacher, Geschäftsführer des SAC

Einige Politiker haben sich gleich nach dem Kürzungsentscheid des Bundes geäussert. «Das Bundesamt für Kultur weiss, dass sein Entscheid das Ende dieses Museums bedeutet. Ich werde dafür kämpfen, dass das nicht passiert», sagte etwa der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Auch auf bürgerlicher Seite gibt es Unterstützung. Auf Anfrage betont der Glarner BDP-Nationalrat Martin Landolt die Bedeutung des Alpinen Museums: «Als Kompetenzzentrum bringt es Menschen sowie Informationen zusammen und sensibilisiert so unsere Gesellschaft.» Er will sich im Parlament ebenso für das Alpine Museum einsetzen wie FDP-Ständerat Josef Dittli aus dem Kanton Uri: «Es gibt nur ein Alpines Museum der Schweiz, zu welchem Sorge zu tragen ist.»

In der Romandie ist das Alpine Museum weniger bekannt, trotzdem hat es auch dort Freunde: «Das Museum erfüllt eine wichtige Netzwerkfunktion für Alpenforschung, Tourismus, Bergsport, Umweltschutz und alpine Kultur», sagt Dominique de Buman, Nationalratspräsident. Der Freiburger CVP-Politiker ist auch Präsident vom Schweizer Tourismus-Verband.

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Die "nationale Bedeutung" des Alpinen Museums kann keine Bevorzugung rechtfertigen.
Aus der Stellungnahme des Bundesrates

Nüchterner betrachtet hingegen der Bundesrat die Sache. In seiner Antwort auf eine Interpellation von Ständerat Engler anerkennt er das Alpine Museum zwar als Institution, «welche das für unser Land wichtige Thema Berg- und Alpenwelt darstellt». Eine Sonderstellung will er dem Museum aber nicht einräumen. «Die ‹nationale Bedeutung› des Alpinen Museums kann keine Bevorzugung rechtfertigen.» Selbst die Tatsache, dass der Bund seinerzeit an der Gründung des Museums beteiligt war, spiele keine Rolle. Die Verdoppelung der Bundesgelder sei zudem eine Übergangsmassnahme und «keine systematische Aufstockung» gewesen. Für Museumsdirektor Beat Hächler liegt darin ein grundsätzliches Problem: «Die Förderpolitik des Bundes wurde immer wieder verändert. Der Betrieb eines Museums ist aber ein langfristiges Vorhaben, das auf Konstanz angewiesen ist.»

2012 wurde das Alpine Museum neu eröffnet. Dank der Verdoppelung der Bundesgelder und einer neuen Strategie mauserte sich die über 100-jährige Institution vom Vitrinenmuseum im Dämmerzustand zu einer wichtigen Plattform, wo aktuelle Fragen rund um die Berggebiete verhandelt werden. «Jede Hauptausstellung war für die Entwicklung des Hauses wichtig», sagt Hächler. Die Ausstellung Intensivstationen zu den Kehrseiten des winterlichen Massentourismus in den Alpen zum Beispiel polarisierte. Mit der Filmcollage Pupillen erschloss sich das Museum ein kulturaffines Publikum. Und für Wasser unser, eine Ausstellung über die Zukunft des Wassers, gab es den Prix Expo der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Zusätzliches Publikum lockt das Alpine Museum mit seinen vielfältigen Veranstaltungen ins Haus, vom Geologiezyklus über die Buchvernissage bis hin zur angeregten Diskussion zwischen Züchtern des Schwarznasenschafs und Pro-Natura-Vertretern über den Wolf. «Es geht darum, Menschen auftreten zu lassen, die etwas zu sagen haben», sagt Hächler.

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Das Alpine Museum der Schweiz braucht für das Überleben einen schnellen politischen Erfolg, am besten über das Budget.
Stefan Engler, CVP-Ständerat

Es überrascht deshalb nicht, dass sich auch Personen ausserhalb der Politik für das Museum aussprechen, etwa aus den Bereichen, Tourismus, Kultur oder Wissenschaft. Der renommierte Klimaphysiker Thomas Stocker sagt etwa: «Dem Alpinen Museum gelingt es, Aha-Erlebnisse auszulösen und ein anderes, umfassenderes Verständnis des Themas zu erzeugen.»
Der Bundesbeitrag machte bisher einen Drittel des Budgets aus. Neben Kanton, Stadt und Burgergemeinde Bern steuert auch der SAC mit jährlich 200 000 Franken einen namhaften Betrag bei. Der SAC hatte die Idee für das Museum seinerzeit initiiert. «Das Alpine Museum der Schweiz ist aus dem SAC herausgewachsen. Es ist eine wichtige Institution, weil sie den kulturellen Bezug zu den Alpen herstellt», sagt Daniel Marbacher, Geschäftsführer des SAC,  «für die Schweiz als Alpenland wäre es ein Armutszeugnis, das Museum zu verlieren.»

Besucherzahlen steigen

Seit dem Neustart 2012 konnten die Besucherzahlen deutlich gesteigert werden. Besuchten 2011 noch 17'000 Personen das Alpine Museum der Schweiz in Bern, waren es im vergangenen Jahr 33'000. Seit 2015 geht das Museum auch auf Tournee und realisiert sogenannte Pop-up-Ausstellungen, um national bekannter zu werden. Solche Vernetzungsprojekte fanden unter anderem auf dem Gornergrat, in Genf, auf dem Gotthardpass oder in Chur statt. Zählt man die Besucher dieser Ausstellungen hinzu, waren es 2017 insgesamt 91'000. Gemäss Stichproben des Museums sind rund die Hälfte der Museumsbesucher aus dem Kanton Bern, 30% aus der übrigen Schweiz und der Rest aus dem Ausland.

Rettungsaktion des Museums

Mehr Infos zur Rettungsaktion des Alpinen Museums findest du hier: www.alpinesmuseum.ch/de/rettungsaktion.