Dr. Hermann Walser: Landeskunde der Schweiz

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16 Abbildungen und einer Karte. Leipzig, G. J. Göschensche Verlagsbuchhandlung, 1908. Preis in Leinwand gebunden 80 Pf.

Der kürzlich zum a. o. Professor der Geographie an der Universität Bern beförderte Gymnasiallehrer Dr. H. Walser hat mit diesem kleinen Bändchen ( Nr. 398 der Sammlung Göschen ) neuerdings, wie schon in seinem Begleitwort zur eidgenössischen Schulwandkarte, die Schweiz betitelt, von welchem 1908 bei A. Francke die dritte Auflage herausgekommen ist ( Preis gebunden 2 Fr. ), den Beweis geleistet, daß „ in der Beschränkung erst sich der Meister zeigt '. Wer, wie Walser, imstande ist, in ein Taschenbüchlein von 146 Seiten Umfang den Inhalt eines kleineren Folianten zu pressen, und bei aller Konzentration durchsichtig und übersichtlich zu bleiben, der ist wirklich ein ..außerordent-licher Professor ", und ich hoffe, daß mein ehemaliger Kollege, nun er der Plackerei des Schuldienstes enthoben ist ( er mag mir diese Bemerkung nicht übel nehmen, wir wissen ja beide, wo uns der Schuh drückte ), uns noch recht viele Beweise seiner völligen Beherrschung des Ungeheuern Stoffs und seiner virtuosen Darstellungskunst bieten. Und gerade in dem Gebiet der Alpen ist Walser ein Meister seltener Art, der nicht nur für das geologische Substrat Verständnis besitzt, sondern auch für die auf diesem wurzelnde Besiedelung durch Menschen, Tiere und Pflanzen und die daraus erwachsende historisch-geographische Entwicklung die richtige Beleuchtung- findet. Immer geht Walser eigene Wege. Sein System in diesem Büchlein ist, unser Land nach seinen natürlichen Abschnitten zu gliedern und für jeden derselben ein möglichst allseitiges geographisches Bild zu zeichnen. Und diese Anordnung geht von Anfang bis zu Ende und vom Größeren ins Kleinere und Kleinste durch das ganze Büchlein und wird in immer sich verjüngenden konzentrischen Kreisen in jedem einzelnen Unterabschnitt wieder neu aufgenommen. So folgt auf eine allgemeine Übersicht erst eine Schilderung des Jura und seiner Landschaften ( mit Basel ), dann das Mittelland, ost-schweizerisches, zentralschweizerisches und westschweizerisches, dann die Alpen, und zwar gesondert die Landschaften der Nordalpen, Wallis, Tessin, Graubünden. Zum Schluß wird die Einzeldarstellung wieder zusammengefaßt in dem Abschnitt: Volk, Staat und Wirtschaft. Überall verteilt sind die anregenden Parallelen zwischen dem Formenreichtum des hochentwickelten Kulturlebens am Rande des Hochgebirges und den Phänomenen im Schöße der noch vielfach ungebändigten Natur des letztern. Ein ausführliches Register erlaubt rasches Nachprüfen und Vergleichung dieser Wechselbeziehungen und die beigegebene Karte die leichte Einordnung der Kantone in die strengere geographische Einteilung. Außerdem sind IG ganzseitige Landschaftsbilder beigegeben. In Summa, ein sehr empfehlenswertes Büchlein.

Ich benutze die Gelegenheit, um zu meiner Besprechung von Karl Baedekers: Die Schweiz, 32. Auflage, Leipzig 1907 ( die 33. Auflage, die heuer herauskommen soll, ist mir noch nicht zugegangen ), in Jahrbuch S.A.C. XLIII, pag. 439, nachzutragen, daß im Baedeker von 1907. wie übrigens schon in dem von 1905, der orientierende Abschnitt XII: Zur Geographie der Schweiz, von Dr. Hermann Walser stammt und auch von ihm signiert ist. Er trägt alle Vorzüge des Walserschen Arbeitens.

Redaktion.

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