Edward Whymper: A right royal mountaineer

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Unser Ehrenmitglied Mr. Edward Whymper hat, obschon er in die Jahre gekommen ist, wo das aktive Bergsteigen aufzuhören pflegt, seinen früheren Enthusiasmus für das Hochgebirge keineswegs aufgegeben, und er macht alljährlich seine Reise nach Chamonix und Zermatt, um an Ort und Stelle die nötigen Nachträge für seine „ Führer " zu sammeln, und er freut sich immer wieder zum voraus auf diese Aufenthalte an den Stätten seiner interessantesten Jugenderinnerungen. Das erste der oben erwähnten Werke, die „ Scrambles ", ist seltsamerweise in diesem Jahrbuch nie besprochen worden; es ist aber so weltbekannt, daß ich nicht nötig habe, die Leser darauf aufmerksam zu machen. Ich erwähne es nur deshalb, um auf den fabelhaft billigen Preis, 1 sh. für ein Bändchen von 480 Seiten eines kleinen, aber sehr scharfen und gut lesbaren Drucks, aufmerksam zu machen. Wer also die größere Ausgabe, deren letzte Auflage 1893 erschienen ist, wegen des hohen Preises nicht anzuschaffen in der Lage ist und sich nicht mit einer Übersetzung ( eine deutsche Bearbeitung ist 1892 in zweiter Auflage herausgekommen ) begnügen mag, die gerade bei Whymper vieles notwendigerweise nur unvollkommen wiedergibt, der greife zu diesem Büchlein, um es bei einem Frühjahrs-oder Sommeraufenthalt im Gebirge, vielleicht gerade in Chamonix oder Zermatt, welche die Hauptrolle spielen, so recht gründlich auszukosten. Denn Whympers Stil in seiner Mischung von Humor und kaustischem Witz, von lebhafter farbenreicher Erzählung und von wissenschaftlichem Ernste der Belehrung hat einen eigenen Reiz, und gerade heute, wo die beiden genannten Fremdenzentren dem Touristenschwarm mehr geworden sind als dem Bergsteiger, ist es interessant, sich an Hand dieses Büchleins in die alten Zeiten zu vertiefen. Den reichen Bilderschmuck von der Künstlerhand Whympers selbst muß der Käufer dieser wohlfeilen Ausgabe allerdings missen, aber doch nicht ganz, denn zu den fünf beigegebenen Photographien des Matterhorns, der Chamonixnadeln, des Grépon, der Meije und der Ecrins hat Whymper reizende kleine Umrißzeichnungen beigegeben, welche seinem Buche entnommen sind.

Der Guide to Chamonix and the Bange of Mont Blanc ist im Jahrbuch schon wiederholt besprochen und empfohlen worden. Ich kann mich daher darauf beschränken, zu bemerken, daß die neue ( 13. ) Auflage up to date gebracht ist, indem z.B. die neuen Eisenbahnlinien, soweit sie schon im Betrieb waren, als der Führer gedruckt wurde, notiert sind. Deshalb ist die neue Linie Martigny-Salvan-Châtelard-Chamonix, die auf Oktober 1908 fertig sein sollte, noch nicht erwähnt. Oder hat das Herr Whymper absichtlich übersehen, um uns noch einmal seine reizende Abschiedswanderung von Chamonix nach Vernayaz und an den Genfersee hinaus bringen zu können, in welche er pikante Anspielungen auf Alex. Dumas'„ Souvenirs de voyage " und auf Javelles Légendes " einflicht. So beschreibt er auch den alten Fahrweg von Genf nach Chamonix ausführlich mit all seinen Reizen und die Eisenbahnlinie wird kurz abgetan. Das Korpus des Buches ist übrigens stereotypiert und in den Hauptsachen wird in keiner Neuauflage etwas geändert. So kommt es, daß Whympers Meinung über Dr. Paccard, pag. 27, unverändert geblieben ist, obschon ich weiß, daß ihn die Entdeckungen unsres gemeinsamen Freundes Montagnier in seiner Sicherheit erschüttert haben.

Ahnliches gilt von der 12. Auflage des Gruide to Zerniatt and the Matterhorn. Die nötigen Nachträge seit der grundlegenden Ausgabe von 1900 sind gemacht; im übrigen ist das gute alte Buch unverändert geblieben.

Die neueste hochwillkommene Gabe aus Whympers Feder ist die kleine Broschüre ( die Engländer nennen so etwas ein Pamphlet, ein Ausdruck, der bei uns gründlich mißverstanden würde ) A right royal Mountaineer. Ich weiß nicht, ob der Artikel in einer Zeitschrift, einem Magazin, wie die nämlichen sagen, zuerst erschienen ist. Es ist tatsächlich die Huldigung eines älteren kämpf ergraut en Eroberers außeralpiner Hochgipfel an den jüngeren glänzend aufsteigenden Rivalen, mit welchem gemeinsame Liebe zu den ewigen Bergen und die Zugehörigkeit zum gleichen Club ihn verbindet. Es ist dies ein schöner Beweis „ königlicher " Gesinnung von Seiten des Huldigenden. Und S. K. H. der Herzog der Abruzzen verdient gewiß diese Huldigung durch seine alpinen und außeralpinen Leistungen, die hier die volle Würdigung eines Kenners empfangen. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher auch der Tante des Herzogs, der Königin-Witwe Margherita, der bekannten Alpinistin, die verdiente Anerkennung gezollt wird, werden in raschen Zügen die drei großen Entdeckungsfahrten des Prinzen Luigi Amadeo nach seinen eigenen Büchern oder den Berichten seiner Freunde und Reisebegleiter geschildert, nämlich 1. die erste Ersteigung des Mount St. Elias in Alaska, 2. die Nordpolfahrt des Prinzen, 3. die Eroberung des Mondgebirges oder die erste Ersteigung des Ruwenzori. Überall wird die große Geschicklichkeit des Herzogs, der wenigstens die erste und dritte Expedition tatsächlich leitete und bei der zweiten sich nur für die Führung des Schiffes durch das Eismeer der Hülfe eines norwegischen Kapitäns bediente, im Organisieren und Durchführen solcher ungewöhnlicher Expeditionen in unfruchtbaren oder durch besondere klimatische Verhältnisse schwierigen Gebieten, wo das Kommissariat und die Staffeln ebenso wichtige Aufgaben haben als die in der Front stehenden Truppen, entsprechend hervorgehoben und gewürdigt. Aber auch die Leistungen der Teilnehmer dieser Expeditionen, ihr Opfermut und ihre Ausdauer werden anerkannt. Auch die wissenschaftlichen Ziele und Ergebnisse dieser Expeditionen werden in dieser Skizze gestreift, und durch Auszüge aus den Originalberichten und Vergleich mit Notizen aus den Reisebeschreibungen anderer Forscher über die gleichen Gegenden wird ein wirkungsvolles Bild geschaffen. Nie versäumt es Whymper, humoristische oder sarkastische eigene kleine Striche hineinzubringen, so, wenn er pag. 13 zu der Expedition von Cagni und Genossen die Berechnung anstellt: Angenommen, daß jeder geschlachtete Hund 20 U eßbares Material lieferte ( eine imaginäre Größe ), so kam jedes Pfund Hundefleisch ( bei einem Wert von à, 5, sh. 17 per Hund ) auf ungefähr 6 sh. zu stehen, ein Preis hoch genug, um einen Metzger in Bond Street vor Neid bersten zu machen. Sehr lustig sind auch die aus Wollastons Reisejournal beigebrachten Notizen über die Masaiburschen, „ häßliche kleine Wilde, bekleidet mit wenig mehr als einem langen Speer und einem Rosenkranz von Kugeln oder leeren Patronenhülsen um den Nacken'-, oder von „ dem merkwürdigen Appetit von 15 Ugandaträgern, welche im Verlauf von drei Tagen drei Antilopen und ein Flußpferd, das letztere mit Haut und Haar, bewältigten ". Im Anfang spricht Whymper seine Überzeugung fast in Form einer Wette aus, daß der Herzog auch seine beiden neuesten Projekte, die Brautwerbung in Amerika und die Himalayareise, zum guten Ende führen werde. Am Schluß ist er des ersteren Erfolgs nicht mehr so sicher, tröstet sich aber damit, daß das Tal von Kashmir den Herzog für New York entschädigen werde, und daß auf dem „ Dache der Welt " noch Raum genug sei für Eroberungen, bedeutender als die des Mond-gebirges.Redaktion.

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