Ein Bergführer spricht

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Von Ernst Jenny.

Bin nur ein schlichter Alpenführer, man sagt, ich tat 's um gutes Geld und hätte keinen innern Spürer für Grosses in der Höhenwelt.

Gewiss, mir fehlt die glatte Zeile, die stolz vom kühnen Siege spricht. Ich hackte Stufen, zog am Seile, und hart war oft mein Angesicht.

Doch wenn mein Herr begann zu zagen, hab ich ihm tröstlich zugelacht, auch seine leichte Last getragen und auf den Gipfel uns gebracht.

Da sprang wohl aus dem rauhen Munde ein Juchzer mir, ein muntrer Scherz, und segnend drang die hohe Stunde auch mir ins kleine Führerherz.

Den Arm nur könnt'ich niemals recken vor Glück zum blauen Himmelszelt, er blieb mir in der Schulter stecken — sah zu oft die andre Welt:

Wo Stürme allen Glanz verschlingen und bös und finster wird der Berg, die weisse Sense hörst du klingen,.. im Abgrund grinst ein grauer Zwerg...

Am Kirchlein ruhen Kameraden, die Erde niemals bessre trug. Wolle Gott sich ihrer gnaden, die Laue jählings sie erschlug.

Bin bald ein müder, alter Führer und seh nicht viel vom guten Geld. Doch hab ich einen innern Spürer: Wie reich ist meine Höhenwelt!

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