Ein unbegründeter Zwist?

Die Augustausgabe der ALPEN räumt dem « Clean Climbing » viel Platz ein. Dieser englische Ausdruck ist sehr praktisch, denn seine Übersetzung – « sauberes Klettern » – suggeriert, dass jede andere Form des Kletterns « schmutzig » sei! Man sollte aber eher von « Klettern ohne fest angebrachte Sicherungen » oder von « wieder entfernbaren Sicherungen » sprechen und zudem den Begriff « Selbstabsichern » weiterhin ausschliesslich für die Manöver verwenden, bei denen der Kletterer sich selbst am Stand sichert. Seit den Anfängen des Bergsteigens wurden zahlreiche Passagen mit Tritten und Stiften aus Metall und später mit Haken abgesichert. Das Absichern allein mit Schlingen und Keilen ist eine Praxis, die sich erst später – meist ausserhalb des Alpenraums – entwickelt hat. Das Klettern ist grossteils dank der Arbeit der Routeneinrichter sicher und beliebt geworden, und die Zunahme der Ausüben-den um ein Vielfaches war so von einer deutlichen Abnahme der Unfälle begleitet. Der Miroir de l' Argentine ist ein gutes Beispiel: Dieses Klettergebiet war vor 1985 Schauplatz zahlreicher tödlicher Unfälle; dann wurde es mit zwei Bohrhaken an jedem Stand und einem bis drei Bohrhaken in jeder Seillänge ausgerüstet. Heute hat es manchmal an einem Tag 150 Kletterer am Miroir, das heisst viel mehr als früher in einer ganzen Saison – und es gibt fast keine Unfälle mehr!

Dennoch wäre es falsch, die zwei Ab-sicherungsarten gegeneinander auszuspielen, denn sie ergänzen sich: Jeder Kletterer muss oft die spärlichen fest angebrachten Haken mit Klemmgeräten und Schlingen ergänzen, die er selber legt. Wieder entfernbare oder feste Absicherung? Vielmehr das eine und das andere als das eine oder das andere! a Philippe de Vargas, Lausanne ( ü )

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