Eine Selbstbesichtigung

Der SAC-Jubiläumsslogan: Mehr als Bergsport! Ja, das darf getrost behauptet werden. Die Tour beginnt ja bekanntlich zu Hause. Banale Feststellung, nur befindet sich dieses Zuhause immer weiter weg vom Ziel. Überdies brechen immer mehr Leute in die Berge auf, und zwar mit dem Privatauto. Dann: In guten Jahren übernachten 350 000 Individualisten in SAC-Hütten. Dazu kommen wohl fast noch einmal so viele als Tagesausflügler. Mindestens bis 1500 Meter sind die meisten Alp- und Bergwege autotauglich ausgebaut worden; sie werden benützt, sogar wenn es kostet. Das nennen wir Massenalpinismus in Zeiten der Mobilität. Ich mache auch mit, gehe auf Bergtouren und fahre, soweit ich kann und darf. Auch ich schätze den Komfort in den «Hütten».

Nach der Nacht im SAC-Hüttenpalast beginnt das eigentliche Bergsporterlebnis erst: naturverträglich und vor allem gesund. Der Biomüesliriegel geht in den Bauch. Dann beginnt das bergsteigerische Materialpuff, kennen wir alle. Neu ist – auch Abenteuer müssen absolut sicher sein – Elektronik. Höhenmeter kalibrieren, Herzfrequenzmesser einstellen, Wetterstation konsultieren, GPS anschalten und so fort. Nun kann der nachhaltige Naturgenuss beginnen.

Wildnis, Natur, Schönheit, Entschleunigung, Entspannung, Einsamkeit. Alpen-träume?

Bitte nicht auf den Boten schiessen, er kann für die Fakten fast nichts. Zugegeben, in diesem Fall habe ich die Fakten sortiert, weil mir die Widersprüche zwischen der schönen Verpackung und ihrem Inhalt schon lange unbehaglich auf der eigenen Naturaffinität lagen. Dabei ist aus der Besichtigung des Jubilars SAC eine Selbstbesichtigung als SAC-Mitglied geworden. Wer will, kann das auch umgekehrt lesen. Der SAC ist seit 1863 ein Kind seiner Zeit. 2013 darf er dies vor lauter Jubelfreude nicht vergessen.

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