Eineinhalb Mal um die Erde

Meine Zugfahrt von Neuenburg nach Bern, die normalerweise ruhig und unspektakulär abläuft, verwandelte sich heute Morgen in eine Schulreise. Was war der Grund? Eine Handvoll Wanderer aus Neuenburg. Auf dem Programm: Wanderanekdoten, Witze und Gelächter. Und genervte Pendler! Während ich drauf und dran war, einige Stunden eingeschlossen in meinem Büro zu verbringen, waren diese glücklichen Wandersleute auf dem Weg, einen Tag an der richtigen Sonne in den richtigen Berner Alpen zu verbringen! Ich war richtig eifersüchtig!

Sobald ich im Büro war, machte ich mich an die Arbeit. Auf der Tagesordnung das Oktoberheft, das Sie in den Händen halten. Und dann passierte es: Auf einmal fand ich mich im Col de Conche auf fast 1800 m wieder, mit einem Bein in Frankreich und dem anderen in der Schweiz. Ich begann, mit der ganzen Kraft meiner Lungen die belebende Luft des Chablais einzuatmen. Dann liess ich mich forttragen von der milden und einzigartigen Wärme, die mit dem herbstlichem Nebel spielt. Farblich leuchteten Ahorn und Vogelbeeren «wie Fackeln», um Patricia Brambilla (S. 23) zu zitieren. Wie sie, begann ich die Landschaft nach Mufflons abzusuchen. Ohne Erfolg. Aber was für eine Ambiance! Die Magie der Zeitschrift wirkte auf mich ein. Auf einmal fühlte ich mich auf der gleichen Wellenlänge mit den Wanderern, die ich zuvor im Zug angetroffen hatte. Ich konnte ihre Begeisterung nachvollziehen.

Das Telefon riss mich brutal in die Realität des Büros zurück. Ich nahm den Hörer ab. Es waren die Schweizer Wanderwege, die bestätigten, dass es tatsächlich in der Schweiz 65 813 km Wanderwege gibt. Eineinhalb Mal um die Erde! Lesen Sie auf S. 66, dass sich der Jurassier Pascal Bourquin in den Kopf gesetzt hat, diese Wege in knapp unter 30 Jahren alle abzulaufen. Auf Seite 48 lässt Annette Marti Sie erleben, wie ein paar dieser Kilometer für die Dauer einer Wanderung den Alltag von ein paar Flüchtlingen leichter machen.

Ich hoffe, Sie lassen sich, wie ich, durch diese Oktoberausgabe, die mehrheitlich dem Wandern gewidmet ist, entführen. Richtig oder in einem Tagtraum, gemütlich im Polsterstuhl sitzend.

Und wenn das noch nicht reicht, denken Sie daran: eineinhalb Mal um die Welt!

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