«Einer der schönsten Urlaube» | Schweizer Alpen-Club SAC

«Einer der schönsten Urlaube» Familienferien in SAC-Hütten

Familienferien einmal anders: in einer SAC-Hütte. Die Grossen erklimmen Gipfel, die Kleinen erkunden die Küche – und alle geniessen die Natur, die gemeinsame Zeit und die Ruhe in den Bergen.

«Oh, kann ich dich in fünf Minuten zurückrufen? Ich muss noch rasch meine Jungs beschäftigen!», sagt Nicole Naue lachend und legt das Telefon auf. Pünktlich meldet sie sich zurück. Die Hüttenwartin der Trifthütte SAC ist das Jonglieren mit Kindern und Anfragen von Gästen gewohnt. In der vergangenen Sommersaison haben elf Familien ihre Sommerferien auf 2520 Metern Höhe in der wilden Bergwelt im Grimselgebiet verbracht. Sie blieben jeweils fünf Tage und vier Nächte. Länger als die meisten anderen Gäste. «Manchmal tummelten sich sechs Kinder mit mir in der Küche», erzählt Nicole Naue. Sie halfen beim Brotbacken im Holzofen mit oder kreierten Desserts. Sie beobachteten mit grossen Augen den Helikopter, der Milch, Pasta und Gemüse zur Hütte flog. Sie suchten mit Hüttenwart Turi Kristalle oder kraxelten mit den Eltern im nahegelegenen Klettergarten. «Es waren intensive, aber sehr bereichernde Tage für alle.»

Glückliche Fügung

Die Trifthütte ist eine von zehn SAC-Hütten, die seit 2018 Familienferien anbieten. «Wir wollten ein Angebot für Familien. Mit dem Ziel, die Hütten unter der Woche besser auszulasten – und natürlich den Kindern die Berge und das Hüttenleben näherzubringen», sagt Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hütten beim SAC. Jede Hütte kann den Preis selbst festlegen. Als Richtpreis gibt der SAC rund 460 Franken für Erwachsene und 320 Franken für Kinder an. Wer nicht SAC-Mitglied ist und keine CSS-Versicherung hat, zahlt etwas mehr. Im Preis enthalten sind die Übernachtungen, die Vollpension und ein Spassprogramm. Das Angebot kommt an: Die Rückmeldungen von den 32 Familien, die ihre Ferien 2020 in den Hütten verbracht haben, sind durchwegs positiv – trotz oder gerade wegen Corona.

Auch Daniel Thull hat das Angebot genutzt. Der Manager aus Zug wollte in den Ferien mit seinen zwei Söhnen Alexander (8) und Christopher (11) eigentlich ans Meer. Wegen des Virus überlegten sie es sich anders. Und stiessen auf die Hüttenfamilienferien. Was als Notlösung gedacht war, entpuppte sich als Volltreffer: «Die Tage in der Trifthütte waren einer der schönsten Urlaube überhaupt», sagt der gebürtige Deutsche. Ähnlich tönt es bei Werner Köhler. Der Vater suchte mit seinem Sohn Silas (10) ebenfalls nach einer Alternative zu Auslandferien. Da erinnerte er sich an den Triftgletscher, den er vor 20 Jahren regelmässig besucht hatte, um den Rückgang der Gletscherzunge zu beobachten. Dieses «Zeitdokument» wollte er gerne seinem Sohn zeigen.

So kam es, dass die zwei Väter zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren. Eine glückliche Fügung. Die Kinder verstanden sich. Die Erwachsenen auch. Das Wetter zeigte sich von der sonnigsten Seite. Gemeinsam wohnten sie im älteren der zwei Hüttengebäude, das unter der Woche für Familien reserviert ist. «So hat man doch etwas Privatsphäre und wird in der Nacht nicht von den ausrückenden Alpinisten geweckt», erzählt Werner Köhler.

Für jede Familie die richtige Hütte

Auch das abwechslungsreiche Programm kann sich sehen lassen. «Nach der Ankunft am Montagnachmittag gibt es erst mal eine Hüttenführung», sagt Nicole Naue. Interessierten Gästen zeigt sie auch schon mal die Wasserversorgung oder die Stromproduktion. «Oft staunen die Gäste nicht schlecht, mit wie wenig Ressourcen wir haushalten müssen.» Am Dienstag folgt das Geologieerlebnis Trift – eine halbtägige Rundwanderung unter der Führung von Turi. Beim Strahlen am Nachmittag finden die Kinder mit etwas Glück auch Kristalle. Dann ist jeweils ein Familientag eingeplant. Manche erkunden den Triftgletscher, andere kraxeln im nahegelegenen Klettergarten. Seile, Steigeisen und Klettergurte können in der Hütte gemietet werden – sodass nicht noch zusätzlicher Ballast mit hochgetragen werden muss.

Jeweils an einem Tag haben die Eltern frei, sie können dann einen Gipfel besteigen oder einfach in Ruhe ein Buch lesen. Nicole Naue und ihr Team kümmern sich um die Kinder. «Je nach Wetter passen wir den Ablauf an. Aber die Mischung kommt bei den Gästen sehr gut an», sagt die Hüttenwartin. Dem stimmt Daniel Thull zu: «Das Gesamtpaket überzeugt!» Besonders in Erinnerung bleibt ihm die gemeinsame Hochtour auf das Diechterhoren mit Werner Köhler.

Müde Beine, stolzes Lachen

Die Jungs wiederum waren vom Hüttenfeeling begeistert. Sie nutzten die Natur direkt vor der Haustür und waren stolz, den Weg zur Hütte bewältigt zu haben. Dieser verlangte einiges ab. Lang ist er, ausgesetzt und steil. Angegebene Wegzeit: viereinhalb Stunden. Mit Kindern und Pausen werden es schon mal sieben oder acht Stunden hochalpines Wandern. «Sagen wir es mal so: Sie kamen mit müden Beinen, aber einem strahlenden Lächeln oben an», sagt Daniel Thull. Nicht alle schafften das: Eine Familie musste wieder umkehren, weil der Weg zu steil war, die Eltern zu unerfahren. «Wir sind keine typische Familienhütte. Der Zustieg ist ein T4-Alpinwanderweg und damit ausgesprochen anspruchsvoll und nur für erfahrene Familien geeignet», sagt Nicole Naue. Deshalb können Familienferien in der Trifthütte nur telefonisch gebucht werden. Die Hüttenwartin weist dann jeweils auf die Wegtücken hin.

Für Nicole Naue ist klar: Sie will das Angebot beibehalten. «Es ist auch für unsere zwei kleinen Buben eine willkommene Abwechslung.» Der SAC ist im Moment daran, das Angebot weiter auszubauen. «Wir rechnen damit, dass in diesem Jahr rund 15 Hütten mitmachen werden», so Bruno Lüthi. Werden auch Werner Köhler und Daniel Thull wieder unter den Gästen sein, die länger als eine Nacht in der Hütte bleiben? Auszuschliessen ist es nicht. Daniel Thull: «Die Notfalllösung hat sich zu einer valablen Alternative gemausert!»

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