Emil R. Blanchet (1877-1943)

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Emil R. Blanchet ( 1877-1943 ) Emile R. Blanchet war ein ebenso kühner und leidenschaftlicher Kletterer wie hervorragender Musiker. Es ist schwer zu sagen, welche der beiden Passionen den ersten Platz in seinem Leben einnahmen.

In Lausanne in einer Musikerfamilie geboren, war er Bürger von Belmont und Lutry. Sein Vater, Organist an der Kirche St-Francois, war mit Adolphe Koëlla, dem Gründer des Konservatoriums in Lausanne ( 1861 ), eng verbunden und Gründungsmitglied der Section des Diablerets. Dank seinen Beziehungen wurde Blanchet früh ins Bergsteigen eingeführt. Obschon damals « die Eroberung der Gipfel » als abgeschlossen galt - die Aera der grossen Nordwanddurchstiege hatte noch nicht begonnen -, fand er, dass noch nicht alles entdeckt war und die Alpen noch grosse Schätze bargen. Die zahlreichen Berichte, die er in alpinen Zeitschriften der Schweiz, Frankreichs und Englands veröffentlichte, beschreiben immer wieder neue Routen. Blanchet hat sie später in den beiden Bänden gesammelt: « Hors des chemins battus » und « Au bout d' un fil » ( beide Bücher erschienen in deutscher Übertragung: « Jenseits begangener Pfade » und « Als letzter am Seil » ). Der erste Band wurde von der Französischen Akademie preisgekrönt.

Im Anfang waren sein Feld der Betätigung die Waadtländer Alpen, wie für die meisten Bergsteiger am Genfersee, sowie das Massiv der Dents du Midi bis hinüber zu den Perrons. Blanchets Name erschien 1908 zum erstenmal im « Echo des Alpes » mit dem Bericht über eine Besteigung der Forteresse über die Südflanke. Ab und zu ging er allein, selten mit einem Kameraden, meistens mit einem guten Führer. Dann weitete er sein Tätigkeitsgebiet aus: auf das Massiv des Mont Blanc, die Penninischen Alpen und die Berner Alpen. In seinem Verzeichnis figurieren unter vielen andern Besteigungen: erster vollständiger Abstieg über den Furggengrat, Versuch des Durchstieges der Matterhorn-Nordwand, der infolge Vereisung der Wand scheiterte, Ostwand des Zinalrothorns, Westwand des Täschhorns. Aber zum Kleinod zählen seine Fahrten in den Aiguilles du Diable, deren, wenn auch nicht erster, so doch Haupterschliesser er war, zusammen mit seinem Freund J. Chaubert.

E. R. Blanchet war Mitglied der Section des Diablerets, machte auch in der Groupe de Haute Montagne de France mit und war Ehrenmitglied des Alpine Club.

Das Konservatorium in Lausanne, das er 1905-1908 leitete, hat sein Andenken geehrt, indem es einen besonderen Raum nach ihm benannte; an der Wand hängt sein letzter Pickel.

Louis Seylaz

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