Es geht bergauf

Seit rund 15 Jahren werde ich in meinem Beruf von einem Wort begleitet: Abbau. Die Zeitung, welche meine ersten Artikel publizierte, gibt es längst nicht mehr. Der Radiosender, bei dem ich weltweit über die Wahl von Bundesrat Samuel Schmid berichten durfte, ist heute ein Internetportal. Die Regionalzeitung, für die ich über die Berner Politik berichtete, wurde nach Zürich verkauft. Und das « Gratisblettli », für welches ich die Haupt-stadtredaktion leitete, ist jüngst pleite gegangen. Ich will hier nicht jammern. Die Zeit im Lokaljournalismus war voll spannen der Begegnungen, voller Geschichten, die teils viel Staub aufgewirbelt haben. Dass ich es so lange in diesem « Ab bau»-Geschäft ausgehalten habe, verdanke ich frühen Erfahrungen in den Bergen. Mein Vater und ich, damals ein Zehnjähriger, wanderten am Fuss des Piz Grialetsch und wurden von einem Gewitter überrascht. Wir retteten uns unter einen Findling. Es war eindrücklich, aber auch heimelig, wie wir den Sturm abwet-terten. Die Front zog von dannen, und wir marschierten weiter. Grad so, wie es die Krisen im Journalismus auch taten. Sie kamen und gingen, ich blieb auf meinem Weg, musste allenfalls einen Umweg einschlagen. Aber das Ziel, als Lokaljournalist gute Arbeit zu machen, blieb. Für mich heisst dies, zwar kritisch zu sein, aber korrekt und fair zu bleiben. Kurz: Ich wollte mit den Betroffenen, auch nach dem Erscheinen eines « bösen » Berichts, ein Bier trinken können. Beim SAC ist im Gegensatz zur Presselandschaft – von Abbau und Krise wenig zu spüren. Der Verein wächst, die Berge locken mehr und mehr Menschen an, was sich in den Mitgliederzahlen niederschlägt. Nach dem langen Abstieg – meine Knie schmerzen allmählich – geht es nun also wieder bergauf. Der Einstieg ist zwar ein bissen « stotzig », mit zunehmender Erfahrung wird sich das aber legen. Und wenn Sie mich nun fragen: « Was ist denn das Ziel der Wanderung ?» Dann antworte ich Ihnen: « Sie sind es. Wenn Sie unsere Zeitschrift gerne lesen, dann ist mein Ziel erreicht. »

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