Es hat 30-mal wärmer als der Mensch  Das Alpenschneehuhn

Hast du dich auch schon gefragt, warum das Alpenschneehuhn seine Flügel so sparsam einsetzt? Während es im hohen Norden Hunderte von Kilometern weit fliegt, scheint es hierzulande gar nicht flugfähig zu sein. Wird es gestört, rennt es zunächst davon. Wenn die Störung anhält oder sich intensiviert, hebt es mit heftig flatternden Flügeln ein paar Meter ab, segelt bergabwärts und steigt zu Fuss wieder auf. Weshalb?

Weil es zu warm bekommt, auch mitten im Winter. Wie die anderen Vögel und die Säugetiere hält das Alpenschneehuhn seine Körpertemperatur auf konstantem Niveau, egal, welche Umgebungstemperatur herrscht. Unterkühlung oder Überhitzung sind tödlich für das Tier. Es ist den arktischen Schneehühnern nahe verwandt und ist wie diese mit allem ausgestattet, was es braucht, um dem Polarklima zu trotzen: Federn in Hülle und Fülle, überall, wo sie sich halten können, selbst an den Füssen und rund um die Nasenlöcher. Somit hat es ein sehr leistungsfähiges Daunenkleid mit doppelten Innenfedern. Hingegen fehlen ihm Optionen für ein wärmeres Klima, wie die langen nackten Füsse anderer Vögel, die ihnen die Wärmeabfuhr ermöglichen.

Seit rund 20 000 Jahren wird es wärmer auf der Erde. Während die Temperaturen in der Arktis für unsere Alpenschneehühner erträglich sind (mittlere Jahrestemperatur von –12 °C und Durchschnittstemperatur des kältesten Monats von –30 °C), ist dies in den Alpen immer weniger der Fall, vor allem im Winter (Jahresmittel von –0,5 °C und kältester Monat durchschnittlich –6,5 °C auf 2500 m in den letzten 30 Jahren). Es bleibt ihnen deshalb nichts anderes übrig, als sich in die schattigen Hänge zu verziehen und sich möglichst wenig zu bewegen … Und insbesondere wenn immer möglich zu gehen, statt zu fliegen. Die Federn an den Füssen dienen ebenfalls dem Gehen, nicht dem Fliegen: Sie erhöhen die Tragfähigkeit auf Schnee.

Sobald es sein weisses Winterkleid trägt, braucht das Alpenschneehuhn den Schnee, damit es nicht vom Adler, seinem bedeutendsten Fressfeind, entdeckt wird. Deshalb stellen die schneearmen Winter, neben der erhöhten Temperatur, ein echtes Problem dar, umso mehr, als die Wahrscheinlichkeit, Schneesportlern zu begegnen, auch ständig steigt.

Die Superkräfte unserer Natur

Warum nicht unsere Leistungen mit der Natur vergleichen, die uns umgibt? Der Biologe Bertrand Gentizon macht den Versuch und rückt die Verhältnisse in zwölf Folgen zurecht.

Alpenschneehuhn

0,035 Watt/Meter-Kelvin

(Wärmeleitfähigkeit des Federkleids)

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