F. Nussbaum: Die eiszeitliche Vergletscherung des Saanegebietes

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Nachdem in dem groß angelegten Werke von Penk und Brückner „ Die Alpen im Eiszeitalter " die Grundlinien der mehrmaligen Vereisung des Alpengebietes festgelegt worden sind, gilt es nun, an Hand von Spezialüntersuchungen, jene allgemeinen und mehr die großen eiszeitlichen Gletscher betreffenden Erkenntnisse zu festigen, eventuell zu modifizieren. Eine derartige, überaus fleißige Detailstudie ist das vorliegende Werk. Der alte Saanegletscher war schon von Gilliéron seinerzeit erkannt worden, aber wie es damals den aufnehmenden Geologen ging, der stratigraphische und tektonische Teil ihrer Aufgabe nahm so sehr die Zeit und begreiflicherweise auch das Hauptinteresse in Anspruch, daß die Besprechung der quartären Ablagerungen jeweilen kurz abgetan werden mußte. Und nur für wenige Gebiete, wie für den Aàrgletscher durch Baltzer, ist dies seither einigermaßen zusammenhängend und monographisch getan worden. Wohl basieren die Darstellungen Penks und Brückners auf einem Ungeheuern Material teils der Literatur ent-nommener, ebensosehr aber durch eigene Begehungen erworbener Beobachtungen, aber wie immer, wenn eine Erscheinung in großen Zügen erkannt ist, setzt in der Folge erst die Detailuntersuchung ein. Nußbaums Abhandlung ist unseres Wissens die erste das Gebiet der Schweizer Alpen selbst betreffende und doch einen einheitlichen Gletscherkomplex im Detail verfolgende Untersuchung unter Anwendung der neuern Ansichten und Methoden bezüglich Gletscherwirkung. Es muß anerkannt werden, daß der Verfasser nicht mehr will, als die Tatsachen geben und diesen keinerlei Zwang antut. Es wäre zu wünschen, daß auch andere, und nicht nur Nebengletscher, mit ähnlicher Sorgfalt im Gebiet der Alpen selbst aufgenommen würden; vielleicht entschließt sich der Verfasser, im Anschluß an Baltzers diluvialen Aargletscher, diesem letztern auch in die alpinen Seitentäler nachzugehen und die Zusammenhänge mit dem Hauptstrom festzustellen. Ist so Nußbaums Arbeit, rein wissenschaftlich betrachtet, ein beachtenswerter Beitrag zur Kenntnis der diluvialen Gletscherablagerungen und der Gestaltung des heutigen Reliefs, so sei sie anderseits auch jenen empfohlen, welche, das Pays d' Enhaut als Sommerfrische benutzend, gerne mit den sog. „ offenen Augen " die Landschaft genießen; sie werden an Hand der Karte und des Textes in mancher „ Zufälligkeit " des Bodenreliefs die Wirkung der eiszeitlichen Gletscher zu erkennen vermögen.B. Zeller.

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